Die Wehrpflicht: Für die geheime Mobilmachungsvorbereitung wurden 1937 in Rothenburg 44 Beamte und Angestellte der Stadt im Kriegsfall für „unabkömmlich“ gestellt

Rollenspiel: Musterung zur Wehrmacht, Umzugswagen 1935 in Rothenburg

Rollenspiel: Musterung zur Wehrmacht, Umzugswagen 1935 in Rothenburg

Von Wolf Stegemann

Unter Verletzung der Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrags wurde die allgemeine Wehrpflicht im Deutschen Reich mit dem „Gesetz über den Aufbau der Wehrmacht“ am 16. März 1935 eingeführt und mit dem Reichsverteidigungsgesetz vom 21. Mai 1935 ausgestattet. Es sah eine vorläufige Friedensstärke von 36 Divisionen mit 550.000 Mann vor. In einer „Friedensrede“ bot Hitler Nichtangriffspakte an. Zwar protestierten die Westmächte und Italien gegen Hitlers Vorgehen, doch folgten keine Aktionen gegen Deutschland. Großbritannien unterlief die gemeinsamen Bemühungen sogar durch das Arrangement mit Hitler im „Deutsch-Britischen Flottenabkommen“ vom 16. Juni 1935. Weiterlesen

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Mit Trommeln und Fanfaren, mit wehenden Fahnen und schwülstigen Reden, mit kernigem Siegheil wurde 1936 das NSDAP-Kreishaus in der Herrngasse eröffnet

NSDAP-Krerisdhaus 1936, Zeichnung von Ernst Unbehauen

NSDAP-Kreishaus in der Herrngasse 1936, Zeichnung von Ernst Unbehauen

Von Wolf Stegemann

Das Haus steht in der Herrngasse, ist an die Franziskanerkirche angebaut, auf der anderen Seite hat man einen schönen Blick ins Taubertal mit Doppelbrücke und Herrnmühle, in den 1920er-Jahren war dort u. a. das Lyzeum untergebracht und nach 1945 die Stadtverwaltung, dann die Haushaltungsschule, das Goethe-Institut und heute die private Montessori-Schule Wie unterschiedlich das dort Untergebrachte auch immer gewesen war, eins ist immer gleich geblieben: die Hausnummer 17. Auch in nationalsozialistischer Zeit, als in dem dann mit Hakenkreuzen geschmückten städtischen Haus Rothenburgs mächtigste Institution, die NSDAP-Kreisleitung, ihren Sitz hatte. 1936 ließ Kreisleiter Karl Steinacker das Haus innen umbauen, renovieren und mit gemalter Nazi-Kunst versehen, die der Rothenburger Künstler Ernst Unbehauen fertigte. Zum Umbau des Kreishauses ließ Karl Steinacker am 21. August 1936 durch den „Fränkischen Anzeiger“ verlautbaren:

„Durch die Schaffung dieses Kreishauses soll eine die Würde und Größe, aber auch die Entwicklung der Partei entsprechende schlichte, würdige Stätte der nationalsozialistischen Bewegung im Kreise Rothenburg geschaffen werden.“ Weiterlesen

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Ortsgruppenleiter und Lehrer Fritz Götz ohrfeigte auf offener Straße die Haushaltshilfe der jüdischen Familie Wimpfheimer und beschimpfte sie als „Judenmatz“

Ortsgruppenleiter Goetz verteilt das Mutterkreuz an kinderreiche Rothenburgerinnen; FA vom 23. Mai 1939

NSDAP-Ortsgruppenleiter Fritz Goetz verteilt das Mutterkreuz an kinderreiche Rothenburgerinnen; FA vom 23. Mai 1939

Von Wolf Stegemann

Vorbemerkung: Der folgend beschriebene Vorfall war Gegenstand von  Nachkriegsermittlungen gegen den früheren Ortsgruppenleiter und Rothenburger Hauptlehrer Fritz Götz. Ihm wurde eine „besonders starke Juden- und Kirchenfeindlichkeit“ nachgesagt. Auch war er bekannt dafür, dass er Rothenburger bei Polizei und Behörden denunzierte. Gegen ihn ermittelten nach dem Krieg das Staatsministerium für Unterricht und Kultus in München, die Spruchkammer Rothenburg ob der Tauber und die Lagerspruchkammer des Internierungslagers Garmisch, wo Götz inhaftiert war . – Vermutlich ist die in der Zeugenaussage angegebene Jahreszahl 1938 falsch. Entweder irrte sich die Zeugin oder die falsche Zahl ist ein damals unbemerkt gebliebener und stets weitergeschriebener Tippfehler im Protokoll. Der Vorfall dürfte sich nicht 1938, sondern zu einem Zeitpunkt in den Jahren 1935 bis 1937 ereignet haben, denn Karl Steinacker, von dem die Rede sein wird, wurde erst 1935 Kreisleiter. Im Oktober 1938 hatte er die letzten hier wohnenden Juden aus Rothenburg vertrieben, darunter die Familie Wimpfheimer aus der Unteren Schmiedgasse 5. Der Text der Protokolle wurde wörtlich belassen, lediglich der Schreibrechtsreform angepasst, die Interpunktion leicht verändert und die Zwischenzeilen wegen besserer Lesbarkeit von der Redaktion eingefügt. Weiterlesen

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Rothenburgs SA-Sturmbann III/19 stets „einsatzbereit für die Sache des Führers“. Gewalttätigkeiten an der Tagesordnung – doch: „Der Herrgott hat das Werk des Führers gesegnet!“

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Weihe der SA-Sturmfahne durch den evangelischen Pfarrer und NSDAP-Pg. Max Sauerteig aus Ansbach auf dem Rothenburger Kapellenplatz 1933

Von Wolf Stegemann

Mit der „Sturmabteilung der NSDAP“ (SA) verbinden sich Namen wie Horst Wessel, Ernst Röhm und Viktor Lutze, in Rothenburg mit Wilhelm Stegmann, Georg Arlt und Sturmbannführer Müller sowie vielen anderen Namen. Die 1921 als politische Kampftruppe der Partei gegrün­dete SA und die 1925 als Leibwache Adolf Hitlers (ursprüngliche Aufgabe) gebildete „Schutzstaffel der NSDAP“ (SS) hatten be­reits Ende 1930 über 100.000 Mitglieder. Da­mit war Hitlers Partei-Armee stärker als die Reichswehr. Das führte unweigerlich zu Konflikten mit der Reichsregierung, die Hit­lers „Partei-Infanteristen“ polizeilich über­wachen und zeitweise verbieten ließ. Ende Juni 1934 entmachtete Hitler seine immer stärker wer­denden SA-Führer, indem er in einer Mord­aktion den SA-Chef Ernst Röhm und 150 weitere SA-Führer kaltblütig umbringen ließ; bei dieser Gelegenheit entledigte sich Hitler auch anderer Personen, die ihm politisch unliebsam waren. Weiterlesen

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„Dankopfer der Nation“ – Führer-Schulungstagung der SA-Gruppe Franken in Rothenburg ob der Tauber

W. St. – In Rothenburg fand am 22. und 23. April 1937 eine Führer-Schulungstagung der SA-Gruppe Franken statt. Führer dieser Gruppe war SA-Gruppenführer Hans Günter von Obernitz (1899-1944; siehe auch „Hans Günter von Obernitz – Der SA-Führer lobte die Rothenburger SA…“ in dieser Dokumentation). Verbunden waren die Führer-Schulungen seit 1937 stets mit einer Aktion, die von der SA selbst und der Partei propagandistisch verwertet wurden. 1937 war es das Zeichnen von Spenden, was „Dankopfer der Nation“ genannt wurde. Die SA, „Kampftruppe des Führers“, sorgte als Trägerin für die Organisation und die entsprechende Propaganda.  Weiterlesen

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Das Deutsche Rote Kreuz während des Nationalsozialismus – willfährig dem Regime gedient, das Internationale Rote Kreuz getäuscht und der SS Millionenkredite gegeben

DRK-Schwestern und -helferinnen auf Hitler udn den Krieg eingeschworen; Foto: Bundesarchiv

DRK-Schwestern und -helferinnen auf Hitler vereidigt und den Krieg eingeschworen; Foto: Bundesarchiv

Von Wolf Stegemann

Kurz nach der Machtergreifung 1933 begann die so genannte Gleichschaltung der 1869 gegründeten nationalen Sektion des Internationalen Roten Kreuzes. Zu Beginn des Krieges wurde das Deutsche Rote Kreuz durch Reichgesetz vom 9. Dezember 1939 zu einer einheitlichen Reichskörperschaft unter der Schirmherrschaft von Adolf Hitler zusammengefasst. Da hatte das DRK rund 2,5 Millionen Mitglieder. Weiterlesen

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Rothenburger NS-Kreisfrauenschaft: Ideologische Schulung durch Verklärung und Mythologisierung des Muttertums

NS-Frauenschaft beim Fahnenappell (nicht Rothenburg)

NS-Frauenschaft beim Fahnenappell (nicht Rothenburg)

Die Nationalsozialistische Frauenschaft (NSF) und das Deutsche Frauenwerk wa­ren nach Verbot und Auflösung einer Vielzahl von Gruppierungen die einzig offiziell erlaubten Frauenorganisationen. Ab 1933 wuchs die NSF in Rothenburg erheblich an und verfügte über eine differenzierte Organisation. Als Trägerin der „Mütterschu­lungskurse“ organisierte die NSF im Bezirk regelmäßig Lehrgänge über Säuglings- ­und Kleinkinderpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Erziehungsfragen und Hauswirtschaft. Dabei ergingen Aufrufe an die Frauen, die Arbeit des Winterhilfswerks (WHW) zu unterstützen, für das Deutsche Rote Kreuz zu sammeln oder freiwilligen Erntedienst zu leisten. Die Organisation übernahm die Kreisamtsleitung der NSF-Rothenburg unter Leitung der Kreisfrauenschaftsleiterin Marga Schübel. Weiterlesen

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