„Dankopfer der Nation“ – Führer-Schulungstagung der SA-Gruppe Franken in Rothenburg ob der Tauber

W. St. – In Rothenburg fand am 22. und 23. April 1937 eine Führer-Schulungstagung der SA-Gruppe Franken statt. Führer dieser Gruppe war SA-Gruppenführer Hans Günter von Obernitz (1899-1944; siehe auch „Hans Günter von Obernitz – Der SA-Führer lobte die Rothenburger SA…“ in dieser Dokumentation). Verbunden waren die Führer-Schulungen seit 1937 stets mit einer Aktion, die von der SA selbst und der Partei propagandistisch verwertet wurden. 1937 war es das Zeichnen von Spenden, was „Dankopfer der Nation“ genannt wurde. Die SA, „Kampftruppe des Führers“, sorgte als Trägerin für die Organisation und die entsprechende Propaganda. 

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Oben: Einzeichnungsstelle des SA-Reitersturms 4/78; darunter: Gruppenführer von Obernitz (sitzend), dahinter Gruppenreiterführer Betzel, Sturmführer Stöhr, Obersturmführer Menhorn (v. l.)

Nachdem Hans Günter von Obernitz am Donnerstag angereist war, besichtigte er mit den ihm untergebenen Brigade- und Standartenführen der SA sowie den übrigen Tagungsteilnehmern  die Einzeichnungsstellen der Rothenburger SA-Einheiten für das „Dankopfer der Nation“. Für den SA-Sturmbann III/19 war dies im Fleischhaus am Herterichsbrunnen. Der SA-Reitersturm 4/78 hatte ebenfalls eine eigene Einzeichnungsstelle wie der Marine-SA-Trupp 4/110 auch.

Geldspenden der SA-Aktion „Dankopfer der Nation“ 

Das „Dankopfer der Nation“ war eine Initiative der SA. Stabschef Viktor Lutze rief diese Spendenaktion am 20. April 1936, dem Geburtstag Hitlers, ins Leben. Jedes Jahr zwischen Mitte April und Mitte Mai lagen reichsweit in den SA-Sturmheimen Listen aus, in die man Geldspenden eintragen konnte. Wer dies nicht tat und öffentlich auffiel, konnte mit Repressalien rechnen. Die eingesammelten Geldspenden wurden jährlich Hitler an dessen Geburtstag „zur Schaffung neuer großer Kulturwerte“ zur Verfügung gestellt. Daraus finanziert wurde auch der Kleinsiedlungsbau für bedürftige Partei- und Volksgenossen. Jede dieser Familien sollte mindestens über 60 Quadratmeter Wohnfläche verfügen. Mit Beginn des Krieges und Verknappung der Baustoffe wurde das Objekt „Kleinsiedlungsbau“ eingestellt.

Propagandistischer Dank der SA an die Spender

Propagandistischer Dank der SA an die Spender

Kellermeister kredenzte den Gästen Wein

Mittags begann dann im Sitzungssaal des Kreishauses der Empfang des Gruppenführers Hans Günter von Obernitz und seiner Mitarbeiter durch die Rothenburger NSDAP-Kreisleitung und die NSDAP-Ortsgruppenleiter von Stadt und Kreis. Da Rothenburgs Kreisleiter Karl Steinacker gerade auf der Ordensburg Vogelsang weilte, begrüßte Ortsgruppenleiter Götz die illustren SA-Führer der Gruppe Franken und verwies dabei auf das gute Verhältnis zwischen SA und Politischen Leitern im Kreis Rothenburg, für welche es nur eins gebe: „Den gemeinsamen Kampf für die Idee des Führers.“

Sodann begrüßte Bürgermeister Dr. Schmidt die Gäste und meinte, dass man in Rothenburg aus jedem alten Stein für die Gegenwart lernen könne. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die SA-Führer aus Rothenburg auch etwas „von der Kraft des Wollens, des Kämpfens und des Sieges mitnehmen“ möchten.

Tagungsleiter von Obernitz wies in seiner Dankesrede darauf hin, dass er und seine Mitarbeiter das Bedürfnis haben, dort ihre Tagungen durchzuführen, wo man wisse, das aus der Kampfzeit alte Parteigenossen und Kämpfer vorhanden seien. „Denn Kraft holen kann sich ein alter Nationalsozialist nur da, wo wirklicher Nationalsozialismus herrscht und Rothenburg hat ja schon in der Kampfzeit einen harten, aber erfolgreichen Kampf geführt.“ Zu der Zusammenarbeit zwischen SA und Politischen Leitern, die Ortsgruppenleiter Götz angesprochen hatte, sagte von Obernitz: „Für jeden ehrlichen Nationalsozialisten gibt es nur eins, nämlich auf dem Platz, auf den ihn das Vertrauen des Führers und des Gauleiters gestellt hat, seine Pflicht zu tun.“ An Rothenburgs Bürgermeister gewandt, gab Hans Günter von Obernitz seiner Freude Ausdruck, in Rothenburgs Bürgermeister einen alten Gefährten aus der Kampfzeit wiederzufinden. Nach der Eintragung ins Ehrenbuch des Kreishauses begaben sich die SA-Führer in den Kaisersaal des Rathauses, wo ihnen der Kellermeister H. Gruber den Willkommenstrunk der Stadt kredenzte, des Kellermeisters Töchterlein vom Gruppenführer einen  Blumenstrauß erhielt und dieser das Buch von Uhde-Bernays „Rothenburg“.

Obernitz vereidigte Rothenburger SA-Männer

Am Abend begrüßte der Hans Günter von Obernitz Rothenburgs SA-Einheiten, die in der Sporthalle des Arbeitsdienstes an der Topplerschule angetreten waren, wobei Obernitz einige Rothenburger vereidigte, die in die SA eingetreten waren. Der Spielmannszug der Rothenburger SA begleitete sodann die Gäste zum Marktplatz. Die Schulung der SA-Führer Franken begann im Kreishaus und endete am Abend des nächsten Tages. Darüber gibt es keine Informationen.

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