Kriegsende (IV): „Unser Kreisleiter will keine Gefangenen!“ – Dieser forderte 1945 gefangene US-Piloten an, doch die Wehrmacht lieferte sie nicht aus

Standortoffizier Dr. Seeger

Standortoffizier Dr. Seeger

Von Wolf Stegemann

Am 10. Januar 1945 wurden Oberstleutnant Rosenau zum Standortältesten und der Major Dr. von Seeger zum Standortoffizier von Rothenburg ob der Tauber ernannt. Als solcher hatte er einen guten Einblick in die dortigen Verhältnisse, auch wenn er bei weitem nicht in alle Vorgänge eingeweiht wurde und er im Chaos der letzten Tage vor Kriegsende in Rothenburg so manche Details nicht überblicken konnte. Er schildert nur, „diejenigen Vorfälle“, an denen er persönlich beteiligt war, wie beispielsweise zeitnah den Umgang mit abgestürzten und gefangengenommenen US-Piloten, von denen viele von Partei- wie auch von städtischen und staatlichen Behörden anderswo offiziell gelyncht wurden. Dies wurde vom Reichsleiter Martin Bormann empfohlen und von den Behörden gedeckt. Der Rothenburger Johann Georg Sturm erschlug bei Wassertrüdingen auf Anweisung des dortigen Kreisleiters einen Piloten, worauf ihm die Amerikaner nach dem Krieg den Prozess machten und ihn in Landsberg hinrichteten (siehe „Mordkomplott: Alliierter Flieger mit dem Spaten erschlagen…Death by hanging“). – Hier die Schilderung des Rothenburger Standortoffiziers Major a. D. Dr. Karl von Seeger (Stuttgart) vom 14. Juni 1946 zum Thema: Weiterlesen

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Friedrich Wilhelm Ritter von Kraußer: In Rothenburg zur Schule gegangen und 1934 in Berlin als SA-Obergruppenführer von der SS erschossen

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SA-Obergruppenführer Friedrich Wilhelm Ritter von Kraußer

W. St. – Seine Pennälerzeit verbrachte er in Rothenburg, als er um die Jahrhundertwende 1900 das Rothenburger Progymnasium besuchte. Der spätere politische Standort des Adeligen versprach eine große Karriere im nationalsozialistischen Reich, wenn die SS den Obergruppenführer der SA, Friedrich Wilhelm Ritter von Kraußer, im Zuge der Röhm-Liquidierung am 30. Juni 1934 in Berlin nicht erschossen hätte. Bis dahin gehörte der 1888 in Nürnberg geborene Kraußer als NSDAP-Abgeordneter auch dem Reichstag an.

Nach seiner Schulzeit in Rothenburg trat Kraußer 1908 als Fähnrich in das  4. Bayerische Infanterie-Regiment in Metz ein und nahm am Ersten Weltkrieg zuerst als Infanterist dann als Feldflieger teil, wurde Führer der Bayerischen Fliegerabteilung 45 und mit dem Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens ausgezeichnet und somit in den persönlichen Adelsstand erhoben. Weiterlesen

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Hanns Günther von Obernitz – Der SA-Gruppenführer lobte die Rothenburger SA als Kämpfer für die Idee des Führers

Hanns Günther von Obernitz

Hanns Günther von Obernitz

W. St. – Wenn die SA in Rothenburg ihre großen Auftritte hatte, zeigten sich gerne Gauleiter Julius Streicher und hohe SA-Führer, um in mittelalterlichen Kulissen zu den Männern in braunen Uniformen zu sprechen, wenn Fackeln den Platz vor dem Rathaus beleuchteten. Zu ihnen gehörte auch der „Führer“ der SA Franken, Gruppenführer Hanns Günther von Obernitz, der beispielsweise bei den Schulungstagen der SA Franken am 22. und 23. April 1937 in Rothenburg sprach. In seiner Eröffnungsansprache stellte er die Wichtigkeit der Rothenburger SA heraus, die beim Aufstieg des Nationalsozialismus in der „Kampfzeit […] einen harten, aber erfolgreichen Kampf geführt“ […] hatte, wie der „Fränkische Anzeiger“ am 23. April 1937 schrieb. Weiterhin lobte von Obernitz „das ausgezeichnete Verhältnis zwischen SA und politischen Leitern im Kreis […], für welches es nur eins gebe: den gemeinsamen Kampf für die Idee des Führers“. Weiterlesen

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Hans Schemm: Lehrer, Gauleiter von Oberfranken, Gründer des NS-Lehrerbundes, bayerischer Kultusminister

W. St. Zwischen dem bayerischen Kultusminister Hans Heinrich Georg Schemm und der Rothenburger Stadt- bzw. Schulverwaltung ging es zeitweise im Briefverkehr hoch her, als das Schulsystem hin zu einer Gemeinschaftshauptschule verändern wurde oder als der Staat Eingriffe in den Religionsunterricht durch Pfarrer vornahm. Der Schriftverkehr zwischen ihm und Bürgermeister Dr. Liebermann füllt eine ganze Akte. Schemm war – wie sein Chef Ministerpräsident Ludwig Siebert – mehrmals in Rothenburg, auch schon als „alter Kämpfer“ der NS-Bewegung vor 1933. Im Jahr 1931 sprach er im Rothenburger Wahlkampf für die NSDAP. Hans Schemm war Gauleiter der Bayerischen Ostmark sowie Gründer und Reichswalter des Nationalsozialistischen Lehrerbundes (NSLB). 1933 wurde er Kultusminister in Bayern. Er blieb es nur  zwei Jahre. Denn er starb bereits 1935. Weiterlesen

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Ludwig Siebert – Nationalsozialist und Menschenverächter: Noch immer ist nach dem bayerischen Ministerpräsidenten in Rothenburg eine Straße benannt

Ludwig Siebert zu Besuch in Rothenburg. Die SA ist im Burggarten zum Appell angetreten

Ludwig Siebert zu Besuch in Rothenburg. Die SA ist im Burggarten zum Appell angetreten

Von Wolf Stegemann

Nach ihm, dem Nationalsozialisten, Antisemiten und Ehrenbürger wurde 1934 eine Straße benannt. Das ist nicht ungewöhnlich. Doch 1945 mussten Straßen und Plätze, die nach Nationalsozialisten benannt waren, auf Befehl der alliierten Militärregierungen wieder umbenannt werden. So auch die Ludwig-Siebert-Straße, die nach 1945 Obere Bahnhofstraße hieß. Aber nur so lange, bis in nichtöffentlicher Sitzung vom 29. Juli 1955 die „Freie Wählervereinigung“ (FWV)  den Antrag stellte, man möge sie wieder nach dem (Nationalsozialisten) Siebert  nennen. Stadtrat Franz Weber von der FWV-Fraktion hob die Verdienste Sieberts hervor: das Ludwig Siebert-Hilfswerk (Hilfswerk Alt-Rothenburg) und dass Rothenburg einen ständigen Posten im Haushaltsplan des Landes Bayern hätte. Er meinte auch, dass Sieberts späterer Werdegang als hoher NS-Funktionär nicht ausschlaggebend sei. Bedenken hatte allein Stadtrat Michl Emmerling (SPD). Die Stadtratsfraktion der SPD zog sich zur Beratung zurück, anschließend erklärte sich auch Emmerlings Fraktion „einstimmig mit der Umbenennung dieser Straße in Anerkennung der Verdienste Ludwig Sieberts einverstanden“.  Der „Fränkische Anzeiger“ schrieb am 30. Juli 1955:

„Mit der Wiederbenennung der Oberen Bahnhofstraße mit dem Namen Ludwig Siebert erfüllt die Stadt Rothenburg eine selbstverständliche Ehrenpflicht, denn der Name Ludwig Siebert wird, über alle politischen Entscheidungen hinweg, in Rothenburg unvergessen bleiben.“ Weiterlesen

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Rothenburgs Trauer um den Ehrenbürger Ludwig Siebert, den „vorbildlichen Nationalsozialisten der Tat“ und „altbewährten Kämpfer Adolf Hitlers“

Ministerpräsident Ludwig Siebert mit goldenem Parteiabzeichen, Gemälde

Ministerpräsident Ludwig Siebert mit goldenem Parteiabzeichen, Gemälde

Von Wolf Stegemann

Mit dem folgenschweren Satz „Der Name Ludwig Siebert wird in Rothenburg unvergessen bleiben!“ beendete der „Fränkische Anzeiger“ am 2. November 1942 seinen Nachruf auf den bayerischen Ministerpräsidenten und Rothenburger Ehrenbürger. Folgenschwer deshalb, weil dem „altbewährten Kämpfer Adolf Hitlers“ Ludwig Siebert, wie in seinem Nachruf steht, bis heute eine Straße in Rothenburg ob der Tauber benannt ist. Der mit 68 Jahren verstorbene NSDAP-Politiker war von 1908 bis 1919 nicht nur Rechtskundiger Bürgermeister in Rothenburg, sondern auch NS-Ministerpräsident und SA-Obergruppenführer, ein Nationalsozialist also, der mitgeholfen hatte, die Demokratie zu Grabe zu tragen und die menschenverachtende Diktatur Hitlers zu installieren und aufrecht zu erhalten, obwohl diese Diktatur Deutschland mit millionenfachen Verbrechen und Europa mit Krieg überzogen hatte. Den eingangs zitierten Satz der Zeitung aus nationalsozialistischer Zeit machte sich dieselbe Zeitung am 30. Juli 1955 noch einmal fast wörtlich zu Eigen, als der Stadtrat die Wiederbenennung der Straße beschloss, indem sie schrieb: Weiterlesen

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Erinnerungen des Sohnes an den Vater Ludwig Siebert, bayerischer NS-Ministerpräsident und immer noch der Namensgeber einer Straße in Rothenburg, wo er einst Bürgermeister war

NS-Ministerpräsident Ludwig Siebert in Rothenburg ob der Tauber

NS-Ministerpräsident Ludwig Siebert in Rothenburg ob der Tauber

W. St. – Eine Vorbemerkung zu den 1958 geschriebenen und hier wörtlich in Auszügen wiedergegebenen Erinnerungen des Rothenburger Abiturienten, späteren Juristen und Verwaltungsbeamten Dr. Friedrich Siebert (1903-1966) an seinen 1942 verstorbenen Vater ist deshalb notwendig, weil beide, Vater und Sohn, nationalsozialistisch waren. Seine Erinnerungen sollen seinen Vater entlasten und suggerieren, dass wohl alle anderen höheren Amtsträger Nationalsozialisten, Karrieristen und Dilettanten waren, sein Vater aber nicht. Er beurteilt dies nicht nur aus der Warte des Sohnes, dem man einiges Verständnis entgegenbringen könnte, sondern auch aus der eines ehemaligen SS-Oberführers, der im Krieg in der deutschen Verwaltung in Krakau (Polen) tätig war (Spezialabteilung Innere Verwaltung), nach dem Krieg an Polen ausgeliefert und 1948 zu dort zu einer zwölfjährigen Haft verurteilt worden war. 1956 wurde er begnadigt und entlassen. Ein Ermittlungsverfahren in der Bundesrepublik gegen ihn wurde in den 1960er-Jahren eingestellt. Nach seiner Haftentlassung lebte er bis zu seinem Tod 1966 in Prien am Chiemsee, wo er ab 1960 zweiter ehrenamtlicher Bürgermeister war. Erster Bürgermeister war Adolf von Bomhard, früherer SS-Gruppenführer und General der Polizei in der Ukraine, der auch Ehrenbürger von Prien war. Er starb 1976. Erst 2013 distanzierte sich der Gemeinderat von dieser Ehrenbürgerschaft. Weiterlesen

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