Entnazifizierung (17): Ernst Unbehauen, Lehrer, beurteilte seine antisemitischen Taten als belanglos – vom antisemitischen „Belasteten“ zum harmlosen „Mitläufer“

Von Wolf Stegemann

Der Rothenburger Gewerbeoberlehrer und Künstler Ernst Unbehauen musste sich am 28. März 1947 der Spruchkammer Rothenburg stellen und wurde als „belastet“ in die Gruppe II eingestuft. Denn Ernst Unbehauen hatte sich den Nationalsozialisten mit seiner antisemitischen Kunst nicht nur angedient, er war eine von ihnen. Allerdings war Unbehauen mit der Einstufung als „Belasteter“ nicht einverstanden und legte Berufung ein. Dieser wurde stattgegeben und am 18. November 1947 verhandelte die Berufungskammer Ansbach (Ber.Reg.Nr. 1132 B 47/Gb) über Unbehauen. Sie meinte, das Ernst Unbehauen zu recht als „belastet“ sei, stufte ihn aber niedriger ein, weil Unbehauen als Künstler keine Erfahrung in politischen Dingen gehabt hatte. Somit kam er als „Minderbelasteter“ aus dem Berufungsverfahren glimpflich davon. Bei Abschluss der Entnazifizierungen in des Westzonen in einem Nachverfahren sogar als harmloser „Mitläufer“. Weiterlesen

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Entnazifizierung (18): Dem Bildhauer und „Alten Kämpfer“der NSDAP Johannes Oertel konnte ein Werwolf-Einsatz mit dem Kreisleiter nicht nachgewiesen werden

Johannes Oertel 1935; Foto: Reichsstadtmuseum Rothenburg

Johannes Oertel 1935; Foto: Reichsstadtmuseum Rothenburg

Von Wolf Stegemann

Gemäß des Artikel 12 des Gesetzes Nr. 104 zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus vom 5. März 1946 wurde der stadtbekannte und von dem NS-Ministerpräsidenten Ludwig Siebert geförderte Rothenburger Bildhauer Johannes Oertel als „Mitläufer“ in die Entnazifizierungskategorie V eingestuft, obwohl er wegen seines frühen Eintritts in die NSDAP (1931) als „Alter Kämpfer“ galt, zudem als Blockleiter ein Parteiamt ausübte und Obertruppführer in der SA war. Weiterlesen

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Entnazifizierung (19): Als Kreisfunkstellenleiter will der „Alte Kämpfer“ der NSDAP, Peter Frank, nur Schallplatten verkauft haben – die Spruchkammer glaubte ihm

Von Wolf Stegemann

Was er nun wirklich war, kann man nur spekulieren, denn einmal steht in seinen Entnazifizierungsunterlagen Rundfunkreporter und Musiker, an anderer Stelle Rundfunkhändler. Vermutliche beides. Der 1902 in Mainz geborene und in der Rothenburger Schmiedgasse 19 wohnende Peter Frank wurde am 31. Januar 1947 in einer mündlichen Verhandlung entnazifiziert und wegen seiner nationalsozialistischen Überzeugung, der er durch Aktivitäten in der Partei öffentlich zum Ausdruck brachte, als „Belastet“ in die Gruppe III mit den üblichen Auflagen eingestuft. Darunter das Verbot, nicht mehr als Journalist oder Rundfunkkommentator zu arbeiten. Weiterlesen

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Entnazifizierung (20): Willi Junker, Chefredakteur, NS-Ideologe und Kreispropagandawalter wurde 1948 als unpolitisch zum Mitläufer reingewaschen

Von Wolf Stegemann

Er gehörte zu denen, die mit Zustimmung seines Chefs den „Fränkischen Anzeiger“ weiter auf Parteilinie hielt, obgleich die Zeitung nicht zur Parteipresse gehörte. Sein Chef war Hans Schneider und die Rede ist von Wilhelm Johann (Willi) Junker, der ab 1936 verantwortlicher Redakteur der genannten Rothenburger Tageszeitung war und daneben von 1936 bis 1945 noch das Amt des NSDAP-Kreisamtsleiter für Presse im politischen Dienstrang eines Abschnittsleiters ausübte. Ein nationalsozialistischer Ideologe also, wie sein Chef auch. Das bescheinigte ihm am 21. Mai 1948 die Spruchkammer des Kreises Rothenburg unter Az. 1936/Ro/J, seinem Chef schon am 14. September 1946 unter 273/Ro/Sch. Weiterlesen

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Entnazifizierung (21): Hans Schneider hat sich zur Ideologie des Nationalsozialismus bekannt und dessen Machtentfaltung unterstützt – 1966 für die Bürgermedaille nominiert

Von Wolf Stegemann

Er war für die Verleihung der Bürgermedaille der Stadt Rothenburg vorgesehen, erhielt sie aber nicht, weil er vorher – am 15. April 1966 – mit 87 Jahren gestorben ist. Die Begründung Bürgermeister Dr. Erich Lauterbachs: „Große Verdienste um die heimische und deutsche Sängersache, Förderer zahlreicher Rothenburger Vereine und Organisationen, stets im Dienste seiner Vaterstadt, für deren Ruf und Ruhm er sorgte, nicht nur durch publizistische Arbeit…“ Diese Erklärung für die vorgesehene Verleihung der Bürgermedaille an einen 87-Jährigen kann nur so verstanden werden, dass sein Lebenswerk als Ganzes und seine Zeit, in der er altersgemäß noch aktiv für „Ruf und Ruhm“ der Stadt tätig sein konnte, ehren wollte. Blättert man zurück im Leben des Hans Schneider, Druckereibesitzer, Zeitungsherausgeber und verantwortlicher Redakteur des „Fränkischen Anzeigers“, findet man in der Tat die publizistischen Arbeiten und Veröffentlichungen, die für den Ruhm der Vaterstadt sorgten. Allerdings „Ruhm“ im Sinne der Nationalsozialisten, der eigentlich 1966 nicht mehr mit einer Bürgermedaille Anerkennung finden sollte. Weiterlesen

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Entnazifizierung (22): Ferdinand Lieret – der Polizeichef stand dem NS-Regime kritisch gegenüber. Seine Polizei verweigerte die Beteiligung am Judenpogrom

Von Wolf Stegemann

Als 1937 der  Ordnungspolizeioffizier der Kreisregierung anordnete, dass der Leiter der Rothenburger „Schutzmannschaft“, Polizeikommissär Greiner, ersetzt werden müsse, da er dafür als „nicht mehr geeignet“ galt, suchte die Rothenburger Stadtverwaltung einen neuen Polizeichef. Den fand sie in der Person des Polizeihauptwachmeisters Ferdinand Lieret in Ansbach. Dieser erschien den Rothenburgern als geeignet, denn im Ratsprotokoll steht: „Die Erkundigungen, die über Lieret eingezogen worden sind, sind denkbar günstig.“ Nachdem die NSDAP-Kreisleitung ihre Genehmigung erteilt hatte, wurde Ferdinand Lieret 1937 Chef der Rothenburger Schutz- bzw. Ordnungspolizei, was er bis 1940 blieb. Danach war er wegen Differenzen mit der NSDAP-Kreisleitung als Polizeimeister aus dem Polizeidienst ausgeschieden und als Reg.-Obersekretär in die allgemeine Verwaltung des Landratsamts übergewechselt. Die Kreisleitung hatte ihm vorgeworfen, dass die Polizei (im Sinne des Nationalsozialismus) politisch nicht zuverlässig sei. Das stimmte und hatte auch seine Gründe, die in der Rechtsauffassung des Polizeichefs zu finden sind, die auch mit seinem Handeln übereinstimmte. Weiterlesen

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Entnazifizierung (23): Polizei-Kommissar Alfons Wörthmann musste sich gegen den Vorwurf wehren, die jüdische Familie Mann schickaniert zu haben – Eid stand gegen Eid

Von Wolf Stegemann

Er war als „Belasteter“ in die Gruppe IV eingestuft worden, zu dem die Voraussetzungen gegeben waren, vor allem eine Belastung durch den früheren jüdischen Einwohner Justin Mann, der 1937 von Rothenburg in die USA emigrieren musste und 1943 die US-Bürgerschaft verliehen bekam. Er sagte vor einem Richter in Vineland, New Jersey, aus, dass der Landpolizei-Kommissar Alfons Wörthmann aktiv dabei war, als die Geschäftsbücher der Gebr. Mann beschlagnahmt und auf die Rothenburger Gendarmerie-Station gebracht wurde, um dort nach Übervorteilungen der Kunden, Bauern, durchgesehen zu werden. Die Spruchkammer stellte dann fest, „dass die gegen den Betroffenen ausgesprochenen Belastungen nicht zutreffen“. Das Verfahren wurde aufgrund der Weihnachtsamnestie eingestellt und der Gendarmerie-Kommissar somit in den Staus „des vom Gesetz nicht betroffenen“ versetzt. Weiterlesen

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