Die „Befreiung“ 1945: Erstmals sahen wir farbige US-Soldaten und kauten chewing gum

Geschichte / Deutschland / 20. Jh. / Nachkriegszeit: Westzonen / Alliierte Mächte / Truppen / USA / mit DeutschenVon Rudolf Markert, damals 15 Jahre alt

Wenige Wochen nach der Bombardierung kamen unsere Erlö­ser. Wir dankten Gott, dass wir das alles überleben durften. Wie sich bald danach herausstellen sollte, befreiten uns diese nicht nur von einem unheimlichen Joch, sondern sie halfen uns auch weiter. Allerdings nötigten sie uns später auch ihre teilweise ganz und gar anders geartete Kultur auf. Weiterlesen

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Im Ansbacher Brettheim-Prozess gegen den SS-General Max Simon behauptete dieser 1955 dreist, dass er der wahre „Retter Rothenburgs“ sei

Max Simon (l.) mit F. Gottschalk und E. Otto auf der Anklagebank

Max Simon (l.) mit F. Gottschalk und E. Otto auf der Anklagebank

Von Wolf Stegemann

Dem Ersten Generalstabsoffizier der 79. Volksgrenadierdivision Major Fritz Thönnes erteilte der Kommandeur des XIII. SS-Panzerkorps den ausdrücklichen Befehl, Rothenburg um jeden Preis zu verteidigen. Diesen hintertrieben Friedrich Thönnes und der Rothenburger Standortoffizier Major d. R. Dr. Karl von Seeger und verhandelten mit US-Parlamentären über die kampflose Übergabe der Stadt. „Um das Gewissen meines Divisionskommandeurs Oberst Reinherr [nicht in Rothenburg anwesend] gegenüber dem  Kommandierenden General nicht zu belasten“, führte Thönnes die Gespräche mit den US-Parlamentariern ohne Wissen des Kommandierenden Generals Reinherr. Dabei mochte nicht die Erhaltung der mittelalterlichen und bereits teilweise durch Bombardierung zerstörten Stadtmauern von Rothenburg als erstes Motiv im Fokus der Wehrmachtsoffiziere gestanden haben, sondern der Wille, in diesem verlorenen Krieg Menschenleben zu retten. In der Stadt lagen 400 nicht transportfähige Verwundete. Die 79. Grenadierdivision verfügte lediglich über 400 Mann sowie zwei Geschütze, jeweils mit 8 bis 10 Schuss Munition.   Weiterlesen

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Hans Wirsching – ein pflichtversessener Stadtamtmann und Diener der nationalsozialistischen Gewalt, ein Kümmerer und Arisierer zugleich, ein Ehrenbürger aber kein „Retter der Stadt“

Von Wolf Stegemann

Der  frühere Stadtamtmann Hans Wirsching, der das Amt als Verwaltungsleiter im Rothenburger Rathaus versah, war von 1900 bis 1945 in Rothenburg tätig. 2013 hielt Karl Thürauf im Verein Alt-Rothenburg einen von Kennern stark kritisierten Vortrag über diesen Mann, der seitdem als „Retter der Stadt“ öffentlich apostrophiert wird. Doch war er das? War er es, der Mitte April 1945 dafür gesorgt hatte, dass die Amerikaner Rothenburg kampflos besetzen konnten? Auf einer Seite der Homepage des Vereins Alt-Rothenburg sind bis heute (Stand 18. Oktober 2014) Szenenfotos des Vortragsabends mit großen Lettern „Retter der Stadt Rothenburg“ wie eine Werbung umrahmt. „Retter der Stadt“ – ein hoher Ehrentitel. Weiterlesen

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Blick nach Burgbernheim I: Das Kriegsende 1945 – Führerbilder wurden verbrannt und Hakenkreuzfahnen versteckt, als die Amis anrückten

  • Dieser Bericht über die Ereignisse in und um Burgbernheim im April 1945 veröffentlichte die „Windsheimer Zeitung“ am 28./29. Mai 1992. Er beruht auf Berichten, die der damalige Verwaltungsbeamte Oberinspektor Karl Sigg und der damalige Bürgermeister Hans Lehnbeuter 1951 niedergeschrieben haben (Stadtarchiv Burgbernheim A 596).

Im Frühjahr 1945 neigte sich der Zweite Weltkrieg seinem Ende entgegen. Die alliierten Streitkräfte, die den Rhein überquert hatten, drangen unaufhaltsam immer tiefer in das Herz Deutschlands vor. Die zur Verteidigung angetretenen deutschen Truppen, hoffnungslos unterlegen, kämpften mit dem Rücken zur Wand. In der ersten Hälfte des letzten Kriegsjahres rückte die Front auch immer näher an den Marktflecken Burgbernheim heran. Weiterlesen

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Blick nach Burgbernheim II: Besatzungstruppen, Bildung der Hilfspolizei, Verhaftung des NSDAP-Bürgermeisters, befreite Zwangsarbeiter, Entnazifizierung und Internierung

  • Bericht des Oberinspektors Sigg 1951 im Stadtarchiv Burgbernheim Nr. A 596; der Text wurde im Original beibehalten, um die Authentizität zu bewahren. Wegen besserer Verständlichmachung wurde er da oder dort durch Wortumstellungen leicht geändert. Die heute als diskriminierend empfundene Bezeichnung „Neger“ und die bewertende Darstellung der Fremdarbeiter und Kriegsgefangenen wurden wegen der Authentizität unkommentiert übernommen. Die Bewertungen decken sich nicht mit der Meinung der Herausgeber.

Nachdem die Kampf- und Frontwelle Burgbernheim überrollt hatte, etablierten sich die Amerikaner als Besatzer. Zunächst wurde am 17. April vom Ortskommandanten der Bürgermeister gerufen. Bürgermeister Hans Lehnbeuter war aber noch in Gewahrsam der Amerikaner. Dann wurde der 2. Bürgermeister Düll verlangt. Dieser erklärte, er fühle sich nicht mehr als 2. Bürgermeister, nachdem das nationalsozialistische Regierungssystem in Burgbernheim aufgehört habe. Man habe ihn früher nicht viel gebraucht, daher lehne er auch erst recht seine Mitwirkung ab, jetzt, wo es brenzlig sei. Weiterlesen

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Blick nach Ansbach: Der Student Robert Limpert wurde vor Einmarsch der Amerikaner gehängt. Ein Lehrer eignete sich dessen Widerstandstaten an und machte Karriere

Prof. Dr. Karl Bosl

Er hat sich mit fremden Federn geschmück: Prof. Dr. Karl Bosl

Von Wolf Stegemann

Der 1908 in Cham (Oberpfalz) geborene Karl Bosl behauptete bis zu seinem Tod im Jahre 1993 in zahlreichen Interviews, dass er ein aktiver Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime gewesen sei. Das war nicht nur gelogen, sondern der Gymnasiallehrer in Ansbach und spätere angesehene Professor verheimlichte auch seine frühe Mitgliedschaft in der NSDAP ab 1933 und in der SA. In einem von Karl N. Renner geführten Interview des Projekts „Zeitzeugen zur bayerischen Geschichte“ vom 11. Juli 1990 bleibt Bosls NS-Engagement unerwähnt. Bosl behauptete darin, dass er aus „politischen Gründen“ 1944 keine Ernennung zum Privatdozenten bekommen hätte und er, Bosl, mit Hilfe selbstverfasster Flugblätter aktiv Propaganda gegen das Dritte Reich betrieben habe. Beides war falsch. Weiterlesen

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Hitlers politisches Testament: Rechtfertigungsversuch eines Verbrechers und Lügners, dem die meisten Deutschen zwölf Jahre lang wie einem Heiligen nachgelaufen sind

Der Diktator kurz vor dem Suizid

Der Diktator kurz vor dem Suizid

W. St. – In der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945 diktierte Hitler im Führerbunker unter der Reichskanzlei in Berlin seiner Sekretärin Traudl Junge sein politisches und sein privates Testament. Es sind Dokumente der Verblendung und des Fanatismus, denn der Diktator machte die Juden verantwortlicht für die Katastrophe. Die Deutschen seien zu schwach gewesen für seinen großen Plan zur Veränderung der Welt. Seinen geplanten Suizid verstand Hitler als Selbstopfer, denn er forderte ja von den Wehrmachtssoldaten Kampf bis zum Tod. Von der von ihm ernannten Nachfolgeregierung verlangte er, den Krieg fortzusetzen und die Ziele des Nationalsozialismus langfristig zu verwirklichen, die Nürnberger Rassengesetze einzuhalten und den Juden als „Weltvergifter aller Völker“ weiterhin „unbarmherzigen Widerstand“ zu leisten. Bei einer Lagebesprechung am 22. April 1945 im Führerbunker erklärte Hitler, dass er sich erschießen werde, sollte Berlin nicht freigekämpft werden. Reichspropagandaminister Dr. Joseph Goebbels notierte daraufhin in sein Tagebuch: Weiterlesen

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