Georg Lindner – Als Kommunist 1933 in Schutzhaft und von 1938 bis 1945 im KZ Dachau. Erster Vorsitzender und Stadtrat der Rothenburger Nachkriegs-KPD

Von Wolf Stegemann

Der Rothenburger Georg Leonhard Wilhelm Lindner war Kommunist und ist als solcher nach der Machtergreifung verhaftet und als „Schutzhäftling“ eingesperrt worden. Daraus ist er wieder entlassen worden. Wann das war, ist bislang nicht bekannt. Neue Recherchen im Nürnberger Staatsarchiv haben allerdings einige bislang unbekannte Details ergeben. Hier wird nun lediglich das amtlich Nachweisbare dargestellt und in Zusammenarbeit mit Dieter Balb vom „Fränkischen Anzeiger“ versucht, weitere Quellen zu finden, um das Schicksal des Georg Lindner in nationalsozialistischer Zeit noch schärfer sichtbar zu machen. Wie sein Enkel Hans Lindner Dieter Balb mitteilte, hat die Familie Lindner über die Aufenthaltsorte und das Schicksal Georg Lindners während der NS-Zeit keine Unterlagen. Weiterlesen

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Für drei Drehtage kam 1950 der Krieg nach Rothenburg zurück – Romanze der Tänzerin Hildegard Knef in Anatole Litvaks „Entscheidung vor Morgengrauen“

In Rothenburg gedrehte Szene mit Hildegard Knef und Oskar Werner

In Rothenburg gedrehte Szene mit Hildegard Knef und Oskar Werner

Von Wolf Stegemann

Der Krieg war bereits seit fünf Jahren beendet, da rollten Wehrmachtsautos, riesige mit Wehrmachtssoldaten besetzte Lastwagen, durch die Gassen der Stadt. Daneben liefen abgekämpfte Soldaten mit geschulterten Karabinern. Andere Wagen waren mit technischen Geräten beladen. Diese Szene fand an einem unwirtlichen Novembertag statt, als an jenem Sonntag, den 26. November 1950 der Aufnahmestab der amerikanischen Filmgesellschaft „Twentieth Century Fox“ mit 30 Wagen in die Stadt kam. Schaulustige Rothenburger, es war ein Wahlsonntag, säumten die Straßen. Das Team blieb drei Tage in der Stadt, um eine Liebesszene für den Hollywood-Film „Entscheidung im Morgengrauen“ mit Hildegard Knef und Oskar Werner zu drehen. Regie hatte Anatole Litvak. Weiterlesen

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Dass man den jüdischen Bürgern ihre Heimat genommen hat, wurde an den „Rothenburger Heimattagen 1950“ nicht erwähnt. – Noch lange wurde am althergebrachten Begriff festgehalten

Tanz der Siebenbürger

Tanz der Siebenbürger

W. St. – Heimat ist übrigens ein Wort, das es fast nur im Deutschen gibt. Der Begriff gilt als unübersetzbar, denn das englische Home meint auch Haus, das türkische Vatan auch Vaterland. „Heimat“ ist vom germanischen „Heim“ abgeleitet, das auch Haus oder Wohnort meinte. Heimat kann auch eine Erinnerung sein oder ein geliebtes Objekt. Heimat enthält aber auch Kehrbilder wie die Heimatlosigkeit, die Heimatflucht oder den Heimatwechsel. Heimat kann auch eine Kategorie sein, um andere auszuschließen. Beispielsweise im Nationalsozialismus die jüdischen Bürger. Bei den „Rothenburger Heimattagen 1950“ wurden viele Reden gehalten: von Regierungsvertretern, Vertriebenenfunktionären und von Rothenburger Kommunalpolitikern. Dies alles fand Niederschlag in der Lokalzeitung. Während der Wert der Heimat und das Recht darauf, das man den Schlesiern, Pommern und Ostpreußen genommnen hatte, und dieses Recht als unverzichtbar erklärt wurde, hat man nicht an die gedacht, denen man ihr Recht auf Heimat (und in der Folge auch ihr Recht auf Leben) weggenommen hatte, den Rothenburger Juden. Die, welche in Auschwitz oder anderen Lagern nicht ermordet wurden, mussten eine neue Heimat finden – in Großbritannien, Schweden, Palästina, den USA, der Schweiz und anderswo. Die gewaltsame Vertreibung der Rothenburger jüdischen Glaubens, deren Besitz aufgeteilt wurde, war erst sieben Jahre her. Warum gedachte man ihrer an den „Rothenburger Heimattagen 1950“ nicht? Weil sich sonst die Täter zur Vertreibung hätten bekennen müssen. Denn sie blieben nicht nur in ihrer Heimat Rothenburg, sie saßen auch wieder in Amt und Würden, in Amtsstuben, ab 1952 sogar wieder im Stadtrat. Warum sich also mit dem Schicksal derer belasten, die nicht mehr da sind? Schließlich hatte man ja genug Ärger mit der Rückgabe der ihnen abgenommenen Häuser an die einst Vertriebenen oder deren Erben. Weiterlesen

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1950 galt die Topplerschule als die „Versuchsschule für demokratische Erziehung“ – doch das neue Wandgemälde von Ernst Unbehauen im Stil nationalsozialistischer Kunst führte zum Eklat. Es wurde entfernt

Ernst Unbehauens Fresko (r.) und die nationalsozialistische Vorbild­illustration aus den „Deutschen Heldensagen“ von Arthur Kampf 1938; Foto NZ (12. März 1959; Familienarchiv Feiler)

Ernst Unbehauens Fresko (r.) und die nationalsozialistische Vorbild­illustration aus den „Deutschen Heldensagen“ von Arthur Kampf 1938; Foto NZ (12. März 1959; Familienarchiv Feiler)

Von Ulrich Herz

Nach Abschluss seiner Entnazifizierung konnte der Gewerbelehrer und NS-Künstler Ernst Unbehauen langsam wieder an ein geordnetes, alltägliches Leben denken. Seine Bemühungen konzentrierten sich des­halb Anfang der 1950er-Jahre darauf, nach Rothenburg zurückzukehren und seine Beamtenposition wiederzuerlangen. […] Offiziell war die Stadt Rothenburg nach Kriegsende natürlich auf Distanz zu ihrem vormals so geschätzten Maler gegangen, die sie fast bis Mitte der 1950er- Jahre beibehielt. Als der Stadtrat 1953 erstmals einen ansehnlichen Betrag in den Haushalt einstellte, der zum Ankauf von Bildern Rothenburger Künstler verwendet werden sollte, waren unter den erwor­benen Kunstwerken keine von Ernst Unbehauen, ebenso wenig wie im folgenden Jahr. Weiterlesen

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Ausstellung zum Wiederaufbau der Stadt – Bestandsaufnahme nach fünf Jahren im Rahmen der „Rothenburger Heimattage 1950“ – Ein Rundgang im Rathaus und auf der Stadtmauer

Wiederaufbau der Mauer an der Röderschütt 1952

Wiederaufbau der Mauer an der Röderschütt 1952

W. St. – Die Vorbereitungen dazu dauerten viele Wochen. Dann war das Modell der Stadt fertig, das im Größenverhältnis 1:500 topografisch genau einen Überblick über die innere und äußere Stadt gab. Das Stukko-Modell bot einen Blick auf die Stadt, wie sie aus einer Höhe von rund 1300 Metern zu sehen wäre. Verantwortlich für den Bau des Modells war das städtische Bauamt unter Leitung des Stadtbaumeisters Rahn, das von dem Bildhauer Oertel künstlerisch beraten wurde. Das Projekt kostete, sozusagen in Eigenarbeit, 10.000 DM. Damals keine kleine Summe. Weiterlesen

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Rothenburger Heimattage 1950: Ein Bierkrüge und Tanzbeine schwingendes aber auch nostalgisch-ernstes Ereignis. „Heimat ist Glück“ – Momentaufnahme zu einem strapazierten Begriff

"Fränkischer Anzeiger" vom xxxxxxxxxx

„Fränkischer Anzeiger“ vom 11. September 1950

Von Wolf Stegemann

Nach dem Krieg lebten verstreut in ganz Deutschland ehemalige Rothenburger. Um sie wieder an ihre Heimatstadt zu binden und um auch den Flüchtlingen aus den Ostgebieten, die in Rothenburg durch Zuweisung nach 1945 untergekommen waren, Rothenburg näher zu bringen, veranstaltete die Stadt im September 1950 ein gemeinsames Fest und nannte es „Rothenburger Heimattage“. Mit diesen beiden Tagen sollte die „herzliche Verbundenheit“ mit den eigenen und fremden Heimatvertriebenen gezeigt werden. Weiterlesen

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Rechtsruck in den 1950er-Jahren I: Die Opfer Deutschlands wurden verdrängt. Die Deutschen machten sich ja selbst zum Opfer – auch in Rothenburg

Von Wolf Stegemann

In den 1950er-Jahren ging ein politischer und gesellschaftlicher Rechtsruck durch Rothenburg – aber nicht nur dort. Eine „Schlussstrich“-Mentalität machte sich bereit, mit der  beispielsweise die FDP in den Wahlkampf zog. Das lässt sich an den Ergebnissen der Bundestagswahl von 1950 und der wichtigen Stadtratswahl von 1952 deutlich erkennen, so dass der „Fränkische Anzeiger“ am 2. April 1952 titelte: „Das Fazit des 30. März 1952 in Rothenburg ob der Tauber – Ruck nach rechts“. Der Boden für diesen sichtbaren Rechtsruck wurde bereit seit Ende 1945 beackert. Das geht aus den Ratsprotokollen und Reden hervor, die in Rothenburg gehalten wurden.  Weiterlesen

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