Die Bombardierung der Stadt am Karsamstag 1945 forderte 39 Tote. Wie die Feuerwehr die Brandherde bekämpfte und das Rathaus zu retten versuchte

Der Autor schrieb diese Schilderung vor 1950, zu einer Zeit also, als er an den Ereignisse noch nah dran war. Daher wirkt sein Bericht, in der Sprache jener Zeit geschrieben, auch sehr emotional. Der Authentizität wegen haben wir das so gelassen, unwesentlich gekürzt und einige Wörter der neuen Rechtschreibung angepasst. Hans Wirsching (geb. 1877) war Stadtamtmann in Rothenburg, der  in den vorhergegangenen Jahren die nationalsozialistischen Gesetze und Verordnungen durchsetzte und zuletzt die Stadtverwaltung leitete. Er starb 1955 nachdem ihn die Amerikaner seines Nachkriegsamtes als Bürgermeister und dann als Landrat wegen falscher Angaben in seinem Fragebogen wieder seines Amtes enthoben hatten. Diese Schilderung ist mit freundlicher Genehmigung dem Buch „Rothenburg ob der Tauber – Schicksal einer deutschen Landschaft“ entnommen, das 1950 im Gebr. Holstein Verlag erschienen ist. Weiterlesen

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Die Bombardierung von Rothenburg aus dem Erleben eines 15-Jährigen: „Es wurde dunkel wie bei einer Sonnenfinsternis“

Bombardierung-Feuer-Farbe_KasselVon Rudolf Markert

Am Vortage, also am Karfreitag, ging man, dem alten Brauch entsprechend, schwarz oder dunkel gekleidet zur Andacht in die Kirche. Die Sonne kam hervor und erhellte für kurze Zeit die finsteren, verzweifelten Gesichter der in die Kirche strömenden Menschen. Viele hatten wieder beten gelernt und suchten verzweifelt einen Halt! Manche von ihnen hatten so etwas wie einen sechsten Sinn. Der laue Frühlingswind und die schleichende Vorahnung von Leid, Tod und Verderben. Weiterlesen

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„Meine Mutter nahm meine Schwester und mich je an eine Hand … wir rannten“ – Der nicht ganz fünf Jahre alte Klaus Kerndter erlebte die Bombardierung

Die zerstörte Galgengasse nach dem Brand am 31. März 1945

Die zerstörte Galgengasse nach dem Brand am 31. März 1945

„Wie oft es schon Fliegeralarm gegeben hatte, weiß ich nicht mehr. Aber am 31. März 1945 mussten wir wieder in den Keller. Wir, meine Mutter, meine kleine Schwester und ich wohnten in der Galgengasse 22 im Hinterhaus. Vater war an der Ostfront. Offensichtlich war mir die Warterei im Keller zu langweilig und ich rannte nach oben. Hoch droben am Himmel sah ich viele, viele kleine schwarze Punkte, die rasch größer wurden. Dann zischte es auch schon im Wasserbehälter an der Dachrinne. Eine der Brandbomben war eingeschlagen. Da war meine Mutter da, packte mich und zog mich in den Keller.
Die Keller waren mit denen der Nachbarhäuser durch Türen verbunden und der Luftschutzwart versuchte, die Frauen und Kinder zu beruhigen. Wie lange es bis zur Entwarnung dauerte, weiß ich nicht. Doch als wir nach oben kamen, brannte die ganze Galgengasse, beißender Rauch versperrte einem fast die Sicht. Nichts wie weg. Meine Mutter nahm meine Schwester und mich je an eine Hand, wir überquerten die Galgengasse und rannten durch eine Häuserlücke zur Hirtengasse und weiter Richtung Stadtmauer. Hier waren Sicht und Luft etwas besser. Durch das kleine Türchen verließen wir die Altstadt und eilten außen an der Stadtmauer entlang Richtung Klingentor. Vor dem Klingentor war eine Niederlassung der Hürnerbräu und die Keller waren als Luftschutzräume bestimmt. Es waren nicht die Keller des Brauhauses.
Wie lange wir hier ausharrten? Ich weiß es nicht mehr. Aber wo sollten wir jetzt hin? Wir hatten nur noch das, was wir anhatten. In der Hammerschmiede im Schandtaubertal hatten wir Verwandte, dort kamen wir unter. Hier erlebte ich auch den Panzervorstoß der Amerikaner, die die schmale  Steige von Herrnwinden her ins Schandtaubertal herunterfuhren, Wir hatten uns in einem alten, kleinen Steinbruch versteckt.
Nach Kriegsende konnten wir bei den Eltern meiner Mutter mehr recht als schlecht in der Hofbronnengasse wohnen. Mein Vater hatte es von der Ostfront nach Flensburg geschafft und geriet dort in englische Kriegsgefangenschaft. Mitte/Ende Juni glückte ihm die Heimkehr, bis dahin wusste er nicht, ob wir drei noch lebten“

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31. März 1945: Eine Staffel von 16 amerikanischen Flugzeugen musste Ro­thenburg als Ausweichziel angreifen – Bomber-Pilot später: „Ich kannte die Stadt nicht“

Von Dieter Balb

„Crews report good results!” Ein schlichter Satz, der auf Deutsch besagt: Die Besatzungen mel­den guten Erfolg. Mit dem „Erfolg“ ist die Zerstörung eines Teils von Ro­thenburg durch Bomben gemeint. Ein wahnsinniges Unter­nehmen, militärisch völlig sinnlos in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945. Durch die Mithilfe eines Lesers unserer Zei­tung ist es jetzt gelungen, endlich Licht in das Dunkel der Fra­ge zu bringen, wer den Bombenangriff am 31. März geflogen hat. Es war die US-Luftwaffe. Einige der damals noch jungen Besatzungsmitglieder leben noch und erinnern sich an den Flug nach Rothenburg, der für viele Menschen todbringend war. Mancher unter Ihnen mochte daran nicht mehr denken. Weiterlesen

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Beschuss stoppte 1945 die Flucht vor den Amerikanern. Die Hitler-Büste flog aus dem Fenster

Nacherzählt von Wolf Stegemann

NSDAP-Kreisleiter Höllfritsch gab in den Tagen vor dem Einmarsch der Amerikaner den Befehl heraus, dass die Stadt bis zum letzten Mann verteidigt werden müsse. Um dies möglich zu machen, sollten Frauen und Kinder die Stadt nach Eichstätt und in die umliegenden Orte verlassen. Für die Familien organisierte Höllfritsch Busse und Lastkraftwagen, um die Familien außer Orts zu bringen. In diesem Konvoi befanden sich auch die NSDAP-Ortsgruppenleiter Haas und Wobst, der NSV-Kreisamtsleiter Beyerl und andere Funktionäre. NSDAP-Kreisleiter Höllfritsch blieb noch, flüchtete dann aber, als die Amerikaner in die Stadt einrückten. Die Wehrmacht hatte sich schon zurückgezogen, als auch die SS als letzte Einheit die Stadt verließ, bevor die Amerikaner einrückten. Den Militär- und SS-Konvois schlossen sich etliche Rothenburger Zivilisten an, vor allem nationalsozialistische Familien, die der Gräuelpropaganda der Nazis erlegen waren, was alles an schlimmen Dingen passieren würde, wenn die Amerikaner die Stadt besetzten. Weiterlesen

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US-Präsidentenberater John Jay McCloy rettete Rothenburg vor der totalen Zerstörung und wurde deshalb Ehrenbürger

Joy

John Jay McCloy

Von Wolf Stegemann

Er war vieles: US-Amerikaner, Jurist, Banker, Lobbyist, Verwaltungsfachmann, Politiker und Präsidentenberater. Für Rothenburg war er noch mehr: Retter aus der Not der alliierten Bombardierung und Beschießung der Stadt und somit aus ihrer totalen Vernichtung. Denn es stellte sich Jahre später heraus, dass er es war, der Rothenburg weitere Zerstörung ersparte. Die Rede ist von John Jay McCloy (1895-1989), damals stellvertretender Staatssekretär im US-Kriegsministerium und Liebhaber der Stadt Rothenburg. Er sagte selbst: „Im Bewusstsein der Schönheit und der geschichtlichen Bedeutung … bat ich den kommandierenden General, ob es nicht möglich sei, die Beschießung der Stadt zu vermeiden…“ Es war möglich. Dafür machte ihn der Rothenburger Stadtrat im Jahre 1948 zum Ehrenbürger der Stadt. Weiterlesen

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Kriegsfackel über den Dörfern I: US-Truppen nahmen Dorf für Dorf ein. Bei Widerstand wurden Gebäude und ganze Höfe in Brand geschossen

Vorbemerkung: Die folgende Darstellung stützt sich auf die Berichte, die zahlreiche Lehrer und Pfarrer des Land­kreises und der benachbarten württembergischen Gemeinden dem Verfasser Wilhelm Dannheimer (1900-1975), Pfarrer in Schweinsdorf, für das von G. Harro Schaeff-Scheefen im Holstein-Verlag 1950 erschienene Buch „Rothenburg ob der Tauber. Schicksal einer deutschen Landschaft“ zur Verfügung gestellt hatten. Mit leichten sprachlichen Anpassungen wurde dieser Artikel diesem Buch entnommen. Diese Darstellung, so schreibt Schaeff-Scheefen in einer Vorbemerkung, soll einen Gesamtüberblick geben über die Verhältnisse und Ereignisse in der Um­gegend von Rothenburg kurz vor, während und nach den Kampfhandlungen 1945. Die Einzelberichte stellte Schaeff-Scheefen damals dem Stadtarchiv Rothenburg zur Verfügung. Über die militärischen Verhältnisse gab Gottfried Pfeiffer aus Schweinsdorf Auskunft, der an den Kämpfen als 1. Ordonanzoffizier in einem Divisionsstab teilgenommen hatte.

Von Wilhelm Dannheimer

Schon lange bevor das fränkische Land zum Kriegsgebiet wurde, war der Bauer nicht weniger kriegsmüde als der Städter. Er hatte den unseligen Krieg nicht gewollt, viele Dörfer hatten bereits weit größere Blutopfer als im ersten Weltkrieg, die Zahl der Vermissten stieg von Monat zu Monat, und nur ganz Vereinzelte glaubten noch an die so oft angekündigten Wunderwaffen, die eine Wendung der Dinge herbeiführen sollten. Ohne jegliche Lust taten die Männer an den Sonntagen Dienst in den Volkssturmeinheiten. In den poli­tischen Versammlungen herrschte bedrücktes Schweigen. Heimlich hörte man die Berichte der Auslandsender und auch die Erzählungen der Ur­lauber und die Briefe von den Fronten trugen keineswegs zur Hebung der allgemeinen Stim­mung bei. Man wusste auf dem Lande zwar nichts von den Fliegeralarmen, die das Leben in den Städten bei Tag und Nacht zur Qual machten, aber es zogen doch in ungezählten Nächten die Massen der Bombenflieger über die Gegend da­hin, die Nürnberg, Schweinfurt und andere Indu­striestädte anflogen, ja auch untertags konnte man mehr und mehr feindliche Geschwader in großer Höhe beobachten, und nur ganz selten zeigten sich deutsche Jäger im Angriff gegen die feindlichen Verbände. Die Überlegenheit unserer Gegner musste auch dem einfachsten Mann auf dem Land zum Bewusstsein kommen. Auch die oft in großen Mengen abgeworfenen Flugblätter, die man am Morgen auf den Feldern auflesen konnte, verstärkten die bedrückte Stimmung des Land­volkes; die ebenfalls abgeworfenen Lebensmittel­karten wurden weniger beachtet. – Es war nicht nur der Wunsch der sorgenden Eltern und der mit Arbeit überlasteten Kriegerfrauen, es war das allgemeine Sehnen in jedem Dorf, in jedem Weiler, auf dem entlegensten Einzelhof: Wenn es doch endlich Friede werden möchte! Einen guten Kriegsausgang werden wir ja doch keines­falls mehr erzielen. Weiterlesen

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