„Völkischer Beobachter“ – Mit hoher Auflage und niedriger Qualität das tägliche „Kampfblatt der nationalsozialistischen Bewegung“ erschienen

vÖLKISCHER bEOBACHTER;  nach Übernahme NSDAP

„Völkischer Beobachter“ nach Übernahme durch die NSDAP, Ausgabe vom 25. Dezember 1920

In seiner Forschungstätigkeit für sein bemerkenswertes Dissertationsprojekt „Die nationalsozialistische Herrschaft in Stadt und Bezirk Rothenburg ob der Tauber“ hat Daniel Bauer nachgewiesen, dass die NSDAP-Zeitung „Völkischer Beobachter“ in Rothenburg allgemein und auch als Schullektüre eine große Leserschaft hatte. Im Unterricht des Gymnasiums las man gemeinsam die Artikel im „Völkischen Beobachter“ und sprach darüber. Somit wurden die Schülerinnen und Schüler von ihren Lehrern im nationalsozialistischen Sinne indoktriniert. Weiterlesen

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Die jahrelang im NS-Reich verwendete gotische Fraktur-Schrift war plötzlich „jüdisch“. Sie wurde 1941 durch die lateinisierte Antiqua ersetzt

Von Wolf Stegemann

Dies ist die Darstellung der eigentlich kurios anmutenden Geschichte, unter welchen Umständen die Schrift-Umstellung von Fraktur auf Antiqua erfolgte. Die Nationalsozialisten propagierten die Fraktur als die urdeutscheste aller Schriften, die auch als „Gotik“ bezeichnet wurde, und verboten den jüdischen Verlagen diese Schrift zu verwenden. Als nach Jahren in Parteikreisen bekannt wurde, dass die verwendete „urdeutsche“ Fraktur von einem Juden entworfen worden war, durften die deutschen Verlage 1941 die bis dahin verwendete Fraktur-Schrift als „jüdische Lettern“ nicht mehr verwenden. Mit Führer-Erlass wurde die Antiqua als „deutsche Normalschrift“ in der Öffentlichkeit und in Schulen eingeführt. Hier die Geschichte: Weiterlesen

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A. Hitlers „Mein Kampf“ – Wegen des menschenverachtenden Inhalts bleibt der angemessene Umgang mit dieser Schrift für den liberalen Rechtsstaat eine Herausforderung

Innentitel des Buches, zwei Bände in einem Band

Innentitel des Buches, zwei Bände in einem Band

Von Dr. phil. Roland Aegerter, Zürich

Hitlers Werk „Mein Kampf“, das in nationalsozialistischer Zeit millionenfach aufgelegt wurde, hat heute eine Bedeutung als historische Quelle. Wegen des menschenverachtenden Inhalts bleibt der angemessene Umgang mit dieser Schrift für den liberalen Rechtsstaat eine Herausforderung.

Am 8. November 1923 inszenierte Hitler zusammen mit dem Weltkriegsgeneral Ludendorff in Bayern einen Putsch, um anschließend – in Analogie zu Mussolinis Marsch auf Rom – nach Berlin vorzudringen und die Regierung Stresemann zu stürzen. Doch bereits am darauf folgenden Tag endete der Aufstand bei der Feldherrnhalle im Kugelhagel der Polizeikräfte. Hitler konnte zunächst fliehen, wurde aber bald gefasst und musste sich anfangs des Jahres 1924 vor dem Volksgericht in München verantworten. Er trat dort mit großer Dreistigkeit auf und nutzte den Prozess, um das politische System anzuklagen und seine politischen Überzeugungen zu verbreiten. Dabei konnte er von einer kaum zu überbietenden Voreingenommenheit des zuständigen Richters profitieren. Obwohl beim Putschversuch auch Ordnungskräfte ums Leben gekommen waren, wurde der einstige Gefreite lediglich zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, wobei ihm noch im Gerichtssaal eine frühzeitige Entlassung in Aussicht gestellt wurde. Die Weimarer Justiz ließ gegenüber radikalen Kräften des rechten Parteienspektrums fast immer viel Nachsicht walten. Weiterlesen

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Hitlers „Mein Kampf“ erstmals neu aufgelegt. Nach 70 Jahren eine kritische Edition zur historisch-politischen Aufklärung und Auseinandersetzung

Erste freie Auflage nach Aufhebung des Urheberrechts nach 70 Jahren (2015)

Erste freie Auflage nach Aufhebung des Urheberrechts nach 70 Jahren (2015)

70 Jahre nach Hitlers Todesjahr, am 31. Dezember 2015, sind die Urheberrechte an dessen Buch „Mein Kampf“ erloschen. Das Institut für Zeitgeschichte hat es sich zum Ziel gesetzt, unmittelbar nach Ablauf dieser Frist eine wissenschaftlich kommentierte Gesamtausgabe vorzulegen. Unter der Leitung von Dr. Christian Hartmann hat ein Historikerteam „Mein Kampf“ in mehrjähriger Arbeit umfassend aufbereitet: Im Zentrum der kritischen Kommentierung stehen die Dekonstruktion und die Kontextualisierung von Hitlers Schrift: Wie entstanden seine Thesen? Welche Absichten verfolgte er damit? Welchen gesellschaftlichen Rückhalt besaßen Hitlers Behauptungen unter seinen Zeitgenossen? Welche Folgen hatten seine Ankündigungen nach 1933? Und vor allem: Was lässt sich mit dem Stand unseres heutigen Wissens Hitlers unzähligen Behauptungen, Lügen und Absichtserklärungen entgegensetzen?
Dies ist nicht nur eine historiografische Aufgabe. Angesichts des hohen Symbolwerts, den Hitlers Buch noch immer hat, ist die Entmystifizierung von „Mein Kampf“ auch ein Beitrag zur historisch-politischen Aufklärung. Weiterlesen

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Nationalsozialistisches Propaganda-Deutsch: abgemeiert und entartet, verjudet und versippt, vergast und verreichlicht

„Wir jedoch sollen es wissen: dass die Sprache das Wahrnehmlichste dieses Unvergleichlichen ist, das wir deutsche Seele nennen und das kein anderes Volk mit uns teilt. Wir sollen es wissen, dass sie die Künderin des Schicksals ist.“ So steht es in dem „Deutschen Lesebuch für höhere Schulen“, 8. Aufl., Düsseldorf. Der Text stammt von Rudolf G. Binding, Schriftsteller und Nationalsozialist. Wie in vielen Lebensbereichen, so veränderten die Nazis auch die Sprache, führten vor allem in den Bereichen ihrer Verfolgung, Beraubung, Bestrafung und Ermordung ihre erklärten Feinde neue Sprachregelungen ein. Um mit diesen neuen Wortbedeutungen klarzukommen, gab das US-Kriegsministerium im Juli 1944 ein Glossar heraus, das mit folgenden nüchternen Worten beginnt: „Unter der Naziherrschaft entstehen neue verwaltungstechnische Begriffe und die Bedeutung der eingeführten verändert sich. Wir geben daher ein Deutsch-Englisches Wörterbuch deutscher Verwaltungsausdrücke heraus.“ Weiterlesen

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Wegen der antisemitischen Vergangenheit des Rothenburger Heimatforschers Martin Schütz wurde die nach ihm benannte Straße in Schnaittach 2010 umbenannt

Von Wolf Stegemann

Die Marktgemeinde Schnaittach in Mittelfranken brauchte viele Jahre, um endlich die Konsequenz zu ziehen, die Straße „Martin-Schütz-Ring“ umzubenennen. Das war im Jahr 2010. Denn erst aufgrund von Recherchen zur Eintausendjahrfeier der Gemeinde mussten Bürgermeister und Gemeinderäte einsehen, dass der 1967 mit der Straßenbenennung geehrte Lehrer und Heimatforscher Martin Schütz, der sich um die Aufarbeitung der Schnaittacher Geschichte verdient gemacht hatte, im Dritten Reich ein unappetitlicher Antisemit und Judenhetzer gewesen war. Weiterlesen

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Fritz Fink – Nürnberger Stadtschulrat stand Julius Streicher sehr nahe und kooperierte mit Rothenburgs Antisemiten

Von Wolf Stegemann

„Die Judenemanzipation öffnete den Fremdrassigen nicht nur in Rothenburg ob der Tauber und in Franken, sondern im ganzen weiten Reich die Tore. Man empfand den Juden nicht mehr wie ehedem als Artfremden, als Schänder deutscher Ehre und deutschen Blutes; das Gewissen des Blutes und der Rasse war eingeschlafen. Es musste ein Großer kommen, der dieses Gewissen wieder wachrüttelte. Dieser Große erstand unserem Volke in Adolf Hitler. Es ist kein Zufall, dass sein Kampfruf gerade im Frankenland das erste nachhaltige Echo fand, der alte fränkische Trotz und Hass gegen den blutsfremden Ausbeuter war im einfachen Volke nie erloschen. Er harrte nur des Sturmes, der die glimmende Glut zur lodernden Flamme entfachte. Und wie so oft ging dieser Sturm gegen das Jüdische Verbrechertum auch diesmal wieder von Franken aus…“ Weiterlesen

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