Fritz Fink – Nürnberger Stadtschulrat stand Julius Streicher sehr nahe und kooperierte mit Rothenburgs Antisemiten

Von Wolf Stegemann

„Die Judenemanzipation öffnete den Fremdrassigen nicht nur in Rothenburg ob der Tauber und in Franken, sondern im ganzen weiten Reich die Tore. Man empfand den Juden nicht mehr wie ehedem als Artfremden, als Schänder deutscher Ehre und deutschen Blutes; das Gewissen des Blutes und der Rasse war eingeschlafen. Es musste ein Großer kommen, der dieses Gewissen wieder wachrüttelte. Dieser Große erstand unserem Volke in Adolf Hitler. Es ist kein Zufall, dass sein Kampfruf gerade im Frankenland das erste nachhaltige Echo fand, der alte fränkische Trotz und Hass gegen den blutsfremden Ausbeuter war im einfachen Volke nie erloschen. Er harrte nur des Sturmes, der die glimmende Glut zur lodernden Flamme entfachte. Und wie so oft ging dieser Sturm gegen das Jüdische Verbrechertum auch diesmal wieder von Franken aus…“

Fritz Fink schrieb das Nachwort zu diesem Buch

Fritz Fink schrieb das Nachwort zu diesem Buch

Epilog in Martin Schütz’ Buch „Eine Reichsstadt wehrt sich“.

Wer diesen schrecklichen, weil damals für Juden folgenschweren Schwachsinn 1938 schrieb, war Fritz Fink, Nürnbergs Stadtschulrat und Streichers Gauamtsleiter der NSDAP, der zusammen mit dem Rothenburger Stadtarchivar und Studienrat Martin Schütz antisemitisch hervortrat, beide böse und ohne Skrupel. Der obige Text ist ein Auszug aus dem Schlusswort des 1938 erschienenen und in Rothenburg Furore machenden Buches „Eine Reichsstadt wehrt sich. Rothenburg ob der Tauber im Kampfe gegen das Judentum“, ein verlogenes und pseudowissenschaftliches Machwerk von Dr. Martin Schütz, der als Heimatforscher auch nach dem Krieg noch bekannt und geehrt war.

Fritz Fink war Stadtschulrat und Gauamtsleiter in Nürnberg

Der Autor und Pädagoge Fritz (eigentlich Friedrich Wilhelm) Fink wurde 1897 in Nersingen (Neu-Ulm) geboren. Er heiratete 1922 in Nürnberg Anna Glich. Seit 1929 unterrichtete Fritz Fink als Volksschullehrer in Nürnberg. Der NSDAP trat er 1930 bei und engagierte sich in der Partei so stark, dass er zwischen 1933 und 1935 als ehrenamtlicher Stadtrat und NSDAP-Fraktionsführer Mitglied im Nürnberger Stadtrat war. 1934 wechselte Fink von der Volksschule zur städtischen Berufsschule, deren Direktor er wurde. Ein Jahr später avancierte Fritz Fink zum hauptberuflichen Stadtrat für Schule und Bildung. Im Mai 1945 wurde Fink wegen seiner nationalsozialistischen und antisemitischen Tätigkeit aus allen Funktionen bei der Stadt Nürnberg entlassen.

Eine Handreichung für Lehrer

Eine Handreichung für Lehrer

Fritz Fink starb 1988 im Alter von 91 in Neumarkt (Oberpfalz). Er war zu jener Zeit immer noch in Nürnberg mit Wohnung in der Hermannstädter Straße gemeldet, in die er 1967 aus Pölling (Oberpfalz) zugezogen war und seit 1951 ansässig gewesen war. Laut Eintrag im Sterberegister war Fink nach 1945 als „kaufmännischer Angestellter“ tätig. Als Lehrer und hauptberuflicher Stadtschulrat konnte er aufgrund der Demokratisierungsgesetze und des Abkommens über die Entnazifizierung nicht mehr beschäftigt werden. Wegen seiner aktiven NS-Vergangenheit und seinem ausgemachten Antisemitismus war Fink bei der Entnazifizierung als belastet eingestuft worden. Die Amerikaner als Siegermächte zogen ihn darüber hinaus nicht zur Verantwortung.

„Die Judenfrage im Unterricht“

Bevor er sich mit dem Epilog in Martin Schütz’ antisemitischen Buch über die Juden in Rothenburg befasste, erschien von ihm bereits ein Jahr vorher in der Buchabteilung des „Stürmer“-Verlags in Nürnberg die antisemitische Broschüre „Die Judenfrage im Unterricht“,  eine Handreichung für Lehrer. Fritz Fink forderte darin, den Antisemitismus in die staatlichen Lehrpläne zu integrieren. Die Broschüre erfuhr durch Werbung im „Stürmer“ eine große Publizität.

Liest man beide Bücher, Finks „Judenfrage im Unterricht“ und Schütz’ „Eine Reichsstadt wehrt sich“ mit dem oben zitierten Auszug aus dem Schlusswort Finks, dann stellt sich immer wieder dieselbe Frage, die man auch bei der Lektüre ähnlicher antisemitischer NS-Schriften zu stellen hat: Wie lassen sich solche brutal wirkenden, kaum zu begreifenden, in damaliger Zeit so perfide inszenierten literarischen Abrechnungen mit dem Judentum auch nur annähernd erklären? Hier bleibt diese Frage offen.

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Anmerkung: Wer im Internet nach Fritz Fink „googelt“, der könnte glattweg in die Falle falscher Informationen über die gesuchte Person tappen. Denn es gab einen Fritz Fink auch in Weimar, ein nationalsozialistischer Dichter, Schriftsteller und Verleger, der Landesleiter der Reichsschrifttumskammer Thüringen, Gaustellenleiter für Schrifttum in der Gauhauptstelle Kultur des Gaues Thüringen der NSDAP; Leiter der Gruppe Kunst und Literatur für Weltanschauung und kulturelle Dienstgestaltung bei der SA-Gruppe Thüringen war. Bis hierher kein Problem, wenn nicht der Antisemitismus des Nürnbergers Fritz Fink auch diesem Weimarer Fritz Fink angelastet würde, und des Nürnbergers Schrift „Die Judenfrage im Unterricht“ ebenfalls dem Weimarer zugeschrieben wird. Auch wird der Thüringer Gaustellenleiter Fritz Fink zum fränkischen Gauamtleiter Fitz Fink umfunktioniert.

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