Trommler, Träumer und Betrogene – Die Hitlerjugend war ein Geschenk für den Führer

Die Trommler

Die Trommler

Von Wolf Stegemann

Dienen und marschieren lernte beizeiten, wer in das Dritte Reich hineingeboren wurde: Im Jungvolk, in der Hitlerjugend, beim Arbeitsdienst und schließlich als Sol­dat. Viele überlebten diese Jugend nicht. Wer davongekommen war, hatte es schwer, sich von der totalen Prägung zu befreien. Heute gehen Hitlers Kinder in die Rente. 1947 wurde die Hitlerjugend-Generation im Zuge der Entnazifizierung als „unbelastet“ amne­stiert. Dies war ein einmaliger Vorgang, denn beispielsweise die Amerikaner ließen ihre üppige Militärbürokratie zur Erfor­schung nationalsozialistischer Beschäftigung der deutschen Jugend üppig wuchern. Nicht selten wurden Hitlerjugend-Führer oder BDM-Führerinnen als „Hauptschuldige“ eingestuft. Weiterlesen

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Reichsparteitag Nürnberg 1934: Des Führers Auge ruhte einige Sekunden auf dem Rothenburger Hitlerjungen Helmut Jelden, der ihn in seine Heimatstadt Rothenburg einlud

Sie jubeln dem Führer zu - Jugend auf dem Reichparteitag

Sie jubeln dem Führer zu – Jugend auf dem Reichparteitag

Von Wolf Stegemann

Als Adolf Hitler 1934 das Lager des Reichsarbeitsdienstes in Wulfen bei Dorsten in Westfalen besuchen wollte, dann kurzfristig doch lieber nach Tegernsee fuhr, wo er seinen Kampfgefährten Röhm umbringen ließ, da saßen erwachsene Menschen in den Bäumen an der Straße, auf der Hitlers Fahrzeugtross erwartet wurde, und jubelten laut aus dem Geäst, wenn ein Fahrzeug in Sicht kam. Letztlich erfolglos. Als 1938 der Fabrikant Ludwig Schürholz aus Hervest-Dorsten die Goldene Fahne der Deutschen Arbeitsfront (DAF) in Berlin verliehen bekam, gab Hitler ihm die Hand. In einem Telegramm an seine Familie schrieb er dann voller ehrfürchtiger Begeisterung „Habe dem Führer in die Augen gesehen – Ein erhabener Anblick – Euer stolzer Vater“ so, als hätte er den Messias erblickt. Als einen solchen von Gott Gesandten sahen ihn viele zwischen Maas und Memel, Kiel und Kufstein; 1934 auch in Rothenburg, als die „Gesellschaft für Fränkische Geschichte“ im Wildbad tagte („der vom Himmel in des Volkes schwerster Stunde gesandt wurde.“). Wo Hitler auftrat, bekamen auch Frauen Begeisterungskrämpfe und für Jugendliche war ein Blick auf Hitler das Größte in ihrem jungen Leben. So sah es auch der Rothenburger Hitlerjunge Helmut Jelden im September 1934, als er auf dem Reichsparteitag in Nürnberg mit Adolf Hitler kurz sprechen durfte. Seine Geschichte veröffentlichte der „Fränkische Anzeiger“ unter dem Titel „Wir haben den Führer gesprochen!“, aus der wir hier Auszüge veröffentlichen. Weiterlesen

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Rothenburgs Hitlerjugend-Bann 308: Kriegsspiele, Tanz und Gesang – „Wir stehen als geschlossener, junger, brauner Block und kämpfen, wenn der Führer ruft!“

Auch wenn die Nationalsozialisten dies später anders darstellten, so hatte die Hitlerjugend vor 1933 keine Bedeutung. Erst danach, als vort allem die kirchen Jugendorganisationen immer mehr unter Druck gesetzt wurden,  änderte sich das. Wer in die Staatsjugend HJ oder in den Bund deutsche Mädel eintrat, hatte viele Vorteile.  Kreisleiter Karl Steinacker nahm am 23. Oktober 1938 Hitlerjungen in die NSDAP auf und sagte, wie der „Fränkische Anzeiger“ am 24. Oktober 1938 berichtete: „Seid stolz, daß ihr die Größe dieser Zeit miterleben dürft und seid bestrebt, es dem Führer nachzutun.“ Weiterlesen

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Rothenburger Hitlerjungs mussten 1945 in die „Glocke“ zur Musterung: Einberufung zum HJ-Streifendienst der Waffen-SS und Üben mit der Panzerfaust

Ärmelband des HJ-Streifendienstes

Ärmelband des HJ-Streifendienstes

W. St. – Zur Hitlerjugend gehörten verschiedene „Dienste“, zu denen jedes Mitglied verpflichtet werden konnte. Es gab u. a. den allgemeinen HJ-Dienst, ab 1935 den Wehr-, Arbeits- und Streifendienst (SRD) sowie in der Kriegszeit auch den „Jugenddienst“. Der Streifendienst der Hitlerjugend (SRD) wurde schon 1934 als eine Art „Jugendpolizei“ eingeführt. Er kontrollierte das Verhalten Jugendlicher in der Öffentlichkeit und die Einhaltung von Jugendschutzbestimmungen in der Freizeit, außerdem sollten feindliche Gruppenbildungen aufgespürt werden. Der Streifendienst war das Organ zur Überwachung sämtlicher Jugendlicher im Alter von 10 bis 18 Jahren, die Angehörigen der Hitlerjugend selbst mit eingeschlossen. Bei der Durchführung von Kontrollen maßten sich HJ-Angehörige polizeiliche Befugnisse an, die ihnen allerdings nicht zustanden. Weiterlesen

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Prügelei zwischen zwei Fähnlein der Rothenburger Hitlerjugend auf dem Marktplatz – Erinnerungen eines damals Neunjährigen, der unbedingt in die Hitlerjugend wollte

Von ***

Es ist ein grautrüber Samstagnachmittag zur Zeit der Herbstmesse im fünften Kriegsjahr 1944. Das Fähnlein 1 der Hitlerjugend mar­schiert im zackigen Gleichschritt von der Hafengasse kommend auf den Marktplatz zu. Als der Zug im dunkelblauen Uniformtuch und leuchtenden Hakenkreuzbinden mit dem Fähnleinführer voran unterhalb der hohen Patrizierhäuser vorbei defiliert, erklingt plötzlich ein schauerlicher Schlachtruf von der Oberen Schmiedgasse her. Eh’ ich mich als unbeteiligter Zuschauer auf die Treppen des Rathauses flüchten kann, begann eine wüste Keilerei zwischen dem Fähnlein 1 und dem hinterrücks angreifenden Fähnlein 2. Fähn­lein 1, das sind meine strahlenden Vorbilder. Sie haben den Spielmannszug mit den bun­ten Trommeln und den schmetternden Fanfaren, sie haben die schneidigeren, die flot­teren Jungs. Fähnlein 2 dagegen, das sind die ruppigeren, die grobschlächtigeren Kerle. Nun fallen sie mit wildem Geschrei über das Fähnlein 1 her, als hätten sie einen Haufen „bolschewistischer Untermenschen“ vor sich. Sie ringen und raufen ohne Rücksicht auf die zwischen die Fronten geratenen al­ten Leute, die fluchend und auf die Hitlerju­gend schimpfend – was damals nicht unge­fährlich war – auseinander stieben. Sie prü­geln sich auf dem schräg abfallenden Marktplatzpflaster was das Zeug hält. Ich stehe unter der Altane des Rathauses und sehe mit Entsetzen, wie in diesem Kampfgetümmel meine Favoriten vom Fähnlein 1 von den Schlägertypen des Fähnlein 2 grün und blau geschlagen werden. Weiterlesen

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Eine von drei Reichsmodellbauschulen des NS-Fliegerkorps befand sich in Rothenburg – Hitler: Jugend auf den Luftkrieg vorbereiten

Reichsmodellbauschule (spätere Reichsmodellflugschule) in Rothenburg

Reichsmodellbauschule (spätere Reichsmodellflugschule) in Rothenburg

Von Wolf Stegemann

In Rothenburg bestand ab 1937 eine der drei Reichsmodellbauschulen, die ab 1941 in Reichsmodellflugschulen umbenannt wurden. Neben Rothenburg ob der Tauber gab es solche Einrichtungen noch in Lauenburg an der Elbe sowie in Oschersleben an der Bode. Errichtet wurden die Schulen vom Reichsluftsportführer. Weiterlesen

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Im Sinne des Nationalsozialismus wurden Städte mit Ehrentiteln ausgezeichnet

München, die "Hauptstadt der Bewegung"

München, die „Hauptstadt der Bewegung“

W. St. –  Jeher bekamen Städte zu ihnen passende Beinamen, um gleichnamige Orte voneinander unterscheiden zu können. Als Beinamen wurden Flüsse verwendet an denen der Ort lag (Rothenburg ob der Tauber), Berge (Neustadt am Rübenberge), Landschaftsbezeichnungen (Worms im Veltin) oder Inseln (Burg auf Fehmarn). Darüber hinaus schmückten sich Städte mit Beinamen, um sich von anderen mitunter protzend oder werbend abzuheben (Nürnberg, „des Reiches Schatzkästlein“) oder Hamburg, („Tor zur Welt“). Im Dritten Reich wurden daraus im Sinne des Nationalsozialismus offiziell vergebene „Ehrennamen“. Mehrere Städte durften die Titel dann als weihevoll als Beinamen führen. Weiterlesen

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