NS-Vergangenheit deutscher Politiker: Liste ehemaliger NSDAP-Mitglieder, die nach dem Mai 1945 in den Westzonen bzw. in der Bundesrepublik Deutschland politisch tätig waren

Der im Archiv entdeckte NSDAP-Aufnahmeantrag Hans Filbingers

Der im Archiv entdeckte NSDAP-Aufnahmeantrag von Ministerpräsident Hans Filbingers

W. St. – Der Historiker und Journalist Dr. Malte Herwig schrieb in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 23. Dezember 2011:

„Die NS-Zeit zählt zu den besterforschten Epochen deutscher Geschichte – die folgenden Jahre allerdings nicht. Die Bundesregierung hat auf Anfrage der Linken in ihren Archiven gestöbert und einen umfangreichen Bericht herausgegeben. Das Ergebnis: Die Zahl ehemaliger Politiker mit NS-Vergangenheit ist erschreckend.“

Dabei ging es, wie Herwig schreibt, „um personelle Kontinuitäten in Ministerien und Behörden von Bund und Ländern, um die Verfolgung nationalsozialistischer Verbrechen, um Wiedergutmachungsleistungen und die Finanzierung von Gedenkstätten“. Gefunden wurde im Bundesarchiv endlich auch der NSDAP-Aufnahme-Antrag des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger. Des weiteren kam heraus, dass „allein 26 Bundesminister und ein Bundeskanzler (Kurt-Georg Kiesinger) Mitglieder in der NSDAP oder einer nationalsozialistischen Organisation wie SA, SS oder Gestapo gewesen waren“ (Herwig), darunter auch der bereits erwähnte Hans Filbinger (CDU), Horst Ehmke (SPD), Walter Scheel (FDP), Friedrich Zimmermann (CSU) und Hans-Dietrich Genscher (FDP), Karl Carstens (CDU). Zwei davon waren Bundespräsidenten (Scheel und Carstens). Weiterlesen

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Altnazis fanden im Vertriebenenbund lange eine Heimat. Neue Studie belegt: acht von 13 Funktionären von 1958 waren in der NSDAP

Die Präsidentin des Vertriebenenbundes, Erika Steinbach, hat die neue Studie in Auftrag gegeben. Foto: Wolfgang Kumm, dpa

Die Präsidentin des Vertriebenenbundes, Erika Steinbach, hat die neue Studie in Auftrag gegeben. Foto: Wolfgang Kumm, dpa

Der Bund der Vertriebenen wurde laut neuen Untersuchungen in seiner Gründungszeit im Wesentlichen von Nationalsozialisten angeführt. Das geht aus einer Studie des Instituts für Zeitgeschichte hervor. Demnach waren 8 von 13 Mitgliedern des ersten, 1958 konstituierten Verbandspräsidiums Mitglieder der NSDAP gewesen. Zum Vergleich: Der Anteil der Parteiangehörigen an der deutschen Bevölkerung betrug laut Studie bei Kriegsende 1945 nur rund zehn Prozent. Die Präsidentin des Vertriebenenbundes, Erika Steinbach, hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben. Weiterlesen

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Historikerstreit: Durch die Verharmlosung des NS-Regimes und deren Verbrechen sollte im Sinne konservativer Politiker 1986/87 ein neues deutschen Selbstbewusstsein entstehen

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Die Entgegnung Habermas‘ auf Nolte in „Die Zeit“ vom 11. Juli 1986

W. St. – Als „Historikerstreit“ ist in den Jahren 1986/87 eine öffentlich geführte Kontroverse zwischen Geschichtswissenschaftlern bekannt geworden, in deren Kern die Frage stand, welche Rolle die Singularität des Holocaust für ein Identität stiftenden Geschichtsbild der Bundesrepublik spielen soll. Man war auf der „Suche nach neuem Nationalbewusstsein“, wie der Historiker Friedemann Bedürftig schreibt. Konservative Politiker waren den Historikern entgegengekommen, die sich um die Relativierung, wenn nicht Verharmlosung des NS-Regimes und seiner Verbrechen bemühten. Auffallend war in jener Zeit, dass plötzlich bei Interviews mit Bundeskanzler Helmut Kohl und seinen Ministern, wenn sie hinter ihren Schreibtischen saßen, die Deutschlandfahne ins Bild rückte. Bis dahin war es bei Politikern in der Bundesrepublik verpönt bzw. noch selten, dass sie sich vor der Fahne hinterm Schreibtisch zeigten, wie es seit jeher in anderen Staaten mehr oder weniger üblich ist. Weiterlesen

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Heute wenige Kenntnisse über Nationalsozialismus in Schulen – Es fehlt den Schulamtsbewerbern immer mehr das Wissen über Auschwitz und die NS-Verbrechen

Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer, Universität Frankfurt am Main

Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer, Universität Frankfurt am Main

Von Wolf Stegemann

Das Wochenmagazin „stern“ brachte unlängst eine Studie heraus, in der zu lesen war, dass in Deutschland jeder Fünfte zwischen 18 und 29 Jahren noch nie etwas von Auschwitz gehört hat. Das sorgte für Aufsehen. Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer, Erziehungswissenschaftler und Hochschullehrer an der Goethe-Universität Frankfurt, der Lehramtsstudenten ausbildet, hatte in den vergangenen drei Jahre rund 1.000 Studierenden ihr Wissen über den Nationalsozialismus abgefragt. Thomas Dierkes von der Wochenzeitung „Die Zeit“ sprach mit ihm darüber. Weiterlesen

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Libanesischer Student am Goethe-Institut namens Hitler. Darf man seinen Söhnen den Vornamen „Hitler“ geben? Hier nicht, woanders schon – vor allem in Südamerika

Karteikarte des Einwohnermeldeamts der Stadt Rothenburg

Karteikarte des Einwohnermeldeamts der Stadt Rothenburg

W. St. – Als in Rothenburg ob der Tauber Anfang der 1960er-Jahre ein Mann wohnte, der mit Vor- und Rufnamen Hitler hieß, mag damals Wohnungsgeber, Stadtverwaltung und das Goethe-Institut zu mancher Bemerkung veranlasst und in Erstaunen gesetzt haben, wie seine biografischen Daten auch. Denn der 1936 geborene libanesische Student am Goethe-Institut in Rothenburg hatte mit Slavekoff einen bulgarischen Nachnamen, sein Vater war Bulgare, lebte aber in Syrien, wo der Sohn „Hitler Paul Slavekoff“ geboren wurde, aber die libanesische Staatsbürgerschaft hatte und protestantischer Christ war. Sein Vater war von Adolf Hitler 1936 offensichtlich so begeistert, dass er seinen Sohn bei der Geburt den Namen Hitler gab und erst als zweiten Vornamen seinen eigenen dazu, nämlich Paul. Wie mag jener Hitler Slavekoff wohl von seinen Freunden in Rothenburg gerufen worden sein? „Hallo Hitler, komm doch mal her!“ Oder: „Hitler, bist du satt geworden?“ Oder „Aber Hitler, du musst jetzt schon richtiges Deutsch sprechen!“ Und wenn er in Rothenburg eine Freundin hatte, wie mag sie ihn angesprochen haben? Das mag irgendwie amüsieren, doch so amüsant ist eine solche Namensgebung vor allem für den Namensträger keineswegs. Weiterlesen

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Warum in Madrid 1971 eine Totenmesse für A. Hitler zelebriert wurde und „Mein Kampf“ nicht auf dem Index der verbotenem Bücher des Vatikans steht

Von Wolf Stegemann

In einer Ausgabe der Münsterschen Diözesan-Zeitung „Kirche und Leben“ vom 25. Juli 1971, herausgegeben vom Bischof, steht die interessante und wegen der Sache selbst Erstaunen provozierende Frage eines Lesers, warum die katholische Kirche in der Madrider St. Martinskirche im Juni 1971 vor mehr als 200 Messe-Besuchern ein „Requiem für Adolf Hitler“ zelebrierte. Der inzwischen verstorbene Bischof Heinrich Tenhumberg gab die Antwort im Sinne: Vor dem Herrn sind wir doch alle Sünder! Weiterlesen

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Das Zeigen von NS-Symbolen ist als Verfassungsschutzdelikt verboten – doch es gibt Ausnahmen. Wann darf das Hakenkreuz gezeigt werden?

Das durchgestrichene Hakenkreuz - dem Gesetz nach verboten

Das durchgestrichene Hakenkreuz – dem Gesetz nach verboten

W. St. – Das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, darunter auch das Hakenkreuz, ist nach dem deutschen Strafrecht ein Vergehen, das in § 86a StGB geregelt ist. Bei diesem Staatsschutzdelikt handelt es sich um ein abstraktes Gefährdungsdelikt, das heißt, der Tatbestand des Deliktes ist schon dann erfüllt, wenn das geschützte Rechtsgut (z. B. die Demokratie) gefährdet ist; eine Verletzung des Rechtsgutes ist nicht erforderlich. Geschützte Rechtsgüter sind hier der demokratische Rechtsstaat und der politische Friede. Es soll der Eindruck verhindert werden, dass es eine rechtsstaatswidrige Entwicklung gebe, in der verfassungsfeindliche Bestrebungen in der durch die Kennzeichen symbolisierten Richtung geduldet werden würden. Die konkrete Absicht zur Unterstützung ist nicht notwendig. Weiterlesen

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