Freudentag nach der Vertreibung von 1938: „Nie wieder wird ein Jude nach Rothenburg zurückkehren“. Der „Fränkische Anzeiger“ berichtete

Anzeige im "Fränkischen Anzeiger" vom 23. Oktober 1938

Anzeige im „Fränkischen Anzeiger“ vom 23. Oktober 1938

Von Wolf Stegemann

Über die Vertreibung der Juden informieren in dieser Online-Dokumentation auch andere Artikel. Dieser Bericht informiert darüber, wie die Stadt vier Tage nach der Vertreibung der letzten jüdischen Bürger am 22. Oktober 1938 dieses Ereignis feierte. Der „Fränkische Anzeiger“ berichtete am 27. Oktober in der üblichen schwülstigen und pathetischen Schreibweise. Der heutige Leser soll einen möglichst authentischen Einblick in die ganze Erbärmlichkeit und das verlogene hohle Pathos des Nationalsozialismus und der Berichterstattung darüber erhalten. Verantwortlicher Chefredakteur (Hauptschriftleiter) beim „Fränkischen Anzeiger“ war damals der Rothenburger Wilhelm (Willi) Junker, der zudem „NSDAP-Kreispresseamtsleiter beim Fränkischen Anzeiger“ war. Dieses Amt degradierte die Lokalzeitung zu einem propagandistischen Verlautbarungsorgan der NSDAP. Dies sollte der  Leser wissen, wenn hier Auszüge des „Fränkischen Anzeigers“ wiedergegeben sind. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Antisemitismus, Antisemitismus in Franken, Gemeinde 1933-38, Jüdisches Leben, NS-Propaganda, Schule / Erziehung, Vertreibung | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar

Antisemitismus in der Rothenburger Geschichtsliteratur – „Der jahrhundertlange Abwehrkampf unserer Vorfahren hat seine Erfüllung gefunden.“

Von Wolf Stegemann

Rassismus und Antisemitismus gab es in Rothenburg bereits vor 1933. Als die Nationalsozialisten an die Macht gekommen waren, hatte der Antisemitismus auch einen direkten Einfluss auf den Tourismus. Nach anhaltenden Belästigungen, Demütigungen und Angriffen auf jüdische Einwohner, bekam der Antisemitismus in Rothenburg ab 1937 eine virulente Wendung zum noch Schlimmeren. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Antisemitismus, Antisemitismus in Franken, Jüdisches Leben, Verlage / Schrifttum | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar

Welche aggressive Formen gibt es unter dem Begriff „Antisemitismus“? Die Rabbinerin D. Horvilleur gibt in ihrem Buch „Überlegungen zur Frage des Antisemitismus“ Auskunft

Rabbinerin, Journalistin und Buchautorin Delphine Horvilleur

Rezension von Oliver Gußmann

Noch ein Buch zum Thema Antisemitismus? Gegenwärtig scheint es nötig, dass man sich neu mit dieser Krankheit befasst. Die liberale Rabbinerin und Autorin Delphine Horvilleur wirft einen Blick aus jüdischer Sicht auf bislang wenig beachtete Facetten des Antisemitismus. Sie folgt den Spuren und Reaktionen, die Judenhasser in der jüdischen Literatur hinterlassen haben, in der Hebräischen Bibel, im Talmud und in der Midraschliteratur. Antisemitismus ist der Gegenstand ihres Nachdenkens, wobei sie auch „Judenhass“ und „Antijudaismus“ dazurechnet, obwohl der Begriff „Antisemitismus“ erst im 19. Jahrhundert entstanden ist. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Antisemitismus heute, Antisemitismus vor 1933, Aufarbeitung, Holocaust, Literatur / Filme, Rassengesetze | Verschlagwortet mit | Schreib einen Kommentar

Blick nach Creglingen: Schon im März 1933 wurden zwei Juden im Rathaus von einem SA-Kommando zu Tode geprügelt. Es waren die ersten ermordeten Juden im Reich

Von Prof. Dr. Horst F. Rupp

Creglingen, Perle im Taubertal, berühmt wegen seiner Altstadt, seiner idyllischen Lage und, nicht zu vergessen, der Herrgottskirche mit ihrem spätgotischen Riemenschneider-Altar – wer einmal hier war, dem bleibt es unauslöschlich in Erinnerung. Wer aber weiß (noch), dass hier über Jahrhunderte hinweg Juden gelebt haben, deren Gemeinde in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts endgültig ausgelöscht wurde? Weiterlesen

Veröffentlicht unter Antisemitismus in Franken, Creglingen, Holocaust, Jüdisches Leben | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar

Jeglicher Besitz diente der Volksgemeinschaft, zu der Juden nicht mehr gehörten. Daher wurden sie vom Staat beraubt – Die „Arisierung“ jüdischen Besitzes in Rothenburg

Zeitungsanzeige über eine Arisierung in Nürnberg 1938

Zeitungsanzeige über eine Arisierung in Nürnberg 1938

Von Wolf Stegemann

Insbesondere in Dörfern und Kleinstädten wie Rothenburg enteigneten lokale Vertreter der Gauleitung, Mitarbeiter einzelner Wirtschaftsbehörden, Landräte oder führende Mitglieder der NSDAP bereits ab Sommer 1933 zahlreiche jüdische klein- und mittelständige Betriebe. Die Formen der „Arisierungen“ reichten dabei von Beschlagnahmung, Nötigung und Zwangsverkauf über freiwilligen Verkauf unter Wert und gelegentlich auch angemessenen Handel zwischen resignierten und eingeschüchterten jüdischen Firmeninhabern mit „arischen“ Käufern. Die „arischen“ Käufer machten dabei ihren „guten Profit“, indem sie nicht nur Konkurrenz losgeworden waren, wenn es um Betriebe ging, sondern sie auch zu Billigpreisen Grundstücke und Häuser erstehen konnten. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Antisemitismus in Franken, Arier / Ariernachweise, Boykott / Arisierung, Jüdisches Leben, Wiedergutmachung | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar

„Arisierung“: Hinter der Farce der rechtskorrekten Verkäufe von jüdischen Häusern steckte staatlich organisierter Raub, wie das Beispiel der Helene Kirschbaum zeigt

Von Wolf Stegemann

Wie die anderen Juden, wurde auch Helene Kirschbaum 1938 gezwungen, ihre Heimatstadt Rothenburg zu verlassen und zeitnah nach dieser Vertreibung vom 22. Oktober 1938 ihr Anwesen Neugasse 34 mit Wohnhaus, Stall, Scheune, Dungplatz, einem Küchengarten sowie einem Rasenplatz unter Druck der Nationalsozialisten und deren Immobilienmakler Martin Baumann zu verkaufen. Solche Verkäufe vor einem vereidigten öffentlichen Notar nach allen rechtlichen Vorgaben wurden nach dem Krieg als rechtsunwirksam erklärt und die Anwesen den früheren jüdischen Besitzern oder ihren Erben zurückgegeben. Denen stand es dann frei, das Haus gegen eine angemessene Nachzahlung den Erwerbern zu belassen oder es wieder selbst zu übernehmen. Die Durchführung der Restitution erfolgte nach dem Gesetz zur Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts und dem Rückerstattungsgesetz und unterstand dem Landesamt für Vermögensverwaltung und Wiedergutmachung in Fürth/Bayern. Wurden sich die Parteien in einer mündlichen Verhandlung vor dem Landesamt nicht einig, entschied die Wiedergutmachungskammer bei dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Weiterlesen

Veröffentlicht unter "Arisierung" von Häusern, Antisemitismus, Arisierung, Jüdisches Leben | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

„Kristallnacht“ 1938: 91 Menschen erschlagen, 171 Synagogen abgebrannt, 7.500 Geschäfte zerstört und 26.000 Juden im KZ – Mit Kommentar von Prof. Hans Mommsen

Auf den traditionellen „Kameradschaftsabend“ der Alten Kämpfer im Münchener Bürgerbräu erfuhren Hitler und Goebbels am 9. November 1938, dass der von Herschel Grynszpan angeschossene Legationssekretär von Rath in Paris seinen Verletzungen erlegen war. Goebbels hielt daraufhin eine antisemitische Hetzrede, worauf die versammelten Gauleiter und Parteiführer ihre Dienststellen, SA, SS und Hitlerjugend anwiesen, gegen die Juden vorzugehen. In der Nacht zum 11. November wurden daher in ganz Deutschland jüdische Einrichtungen demoliert, Synagogen angezündet und jüdische Bürger misshandelt oder gar erschlagen. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Rothenburg keine Juden mehr und die Synagoge in der Herrngasse war bereits demoliert. Die Rothenburger verrichtete dies bereist Wochen vorher. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Antisemitismus, Jüdisches Leben, Synagoge / Betraum | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar