
Anzeige im „Fränkischen Anzeiger“ vom 23. Oktober 1938
In der Zeit zwischen 1933 und 1938 verließen 57 jüdische Bürger ihre Heimatstadt Rothenburg ob der Tauber. Entweder verzogen sie ins Ausland oder sie suchten in einer anderen Stadt, bei Verwandten oder in der Anonymität größerer Städte Zuflucht, die es allerdings nicht gab. Die Rothenburger NSDAP und als Erfüllungsgehilfin auch die Stadtverwaltung wollten ihre Stadt „endlich judenfrei“ bekommen. Daher verschärften sie in den letzten Jahren die Hetze gegen die jüdischen Einwohner durch Boykott, antisemitischer Berichterstattung der Zeitung, stete sich wiederholende Hetze in Reden bei öffentlichen Anlässen, antisemitische Plakatierung „Juden sind unser Unglück“, antisemitische Vorträge und verfälschende Veröffentlichungen zur jüdischen Geschichte Rothenburgs. Wie der Historiker Daniel Bauer herausfand, erhielt der Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp (NSDAP) in München ein anonymes Schreiben aus Rothenburg, in dem stand, dass sich manche Rothenburger sorgten, antisemitische Hetzplakate mit der Aufschrift „Die Juden sind unser Unglück“ könnten dem Fremdenverkehr schaden. Allerdings, so Bauer, vermochten die Nationalsozialisten es nicht, die ganze Bevölkerung mit aggressivem Judenhass zu erfüllen. Weiterlesen →