Die Geheime Staatspolizei war an keinerlei Gesetze gebunden, konnte verhaften, foltern und verschleppen. – Für Rothenburg zuständig war die Gestapostelle Nürnberg-Fürth

gestapo stempelW. St. – Während der NS-Zeit glaubten viele Deutsche, an jeder Straßenecke stehe, in jedem Gottesdienst sitze oder hinterm Gebüsch liege ein Agent der Gestapo. Dieser Glaube blieb nicht auf die NS-Zeit beschränkt, sondern lebte – mehr oder weniger – in der Bundesrepublik weiter und formte innerhalb wie außerhalb des heutigen Deutschland die Vorstellungen über den nationalsozialistischen Polizeistaat und das Terrorregime, das den Willen der Diktatur so hervorragend mit allen Mitteln durchzusetzen verstand.  Die neue Ordnung wurde teilweise durch Anwendung oder Androhung von brutaler Gewalt errichtet, und sie war begleitet von zahllosen Gesetzen, Erlassen, Verordnungen oder einfach Appellen und Aufrufen örtlicher Nationalsozialisten, die behaupteten, im Namen Hitlers zu handeln (Robert Gellately in: „Die Gestapo und die deutsche Gesellschaft“). Weiterlesen

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Würzburger Gestapochef Josef Gerum war der grausamste. Er bewachte Hitler 1935 in Rothenburg und versagte 1939 beim erfolglosen Attentat im „Bürgerbräukeller“ München

W. St. – Alle Kreis- und Ortspolizeistationen in Mittelfranken, so auch Rothenburg ob der Tauber, unterstanden der Gestapo Nürnberg-Fürth, der die Würzburger Gestapostelle 1941 als Filiale angegliedert wurde und die mit neuem Namen „Geheime Staatspolizei, Staatspolizeidienststelle Nürnberg-Fürth Außendienststelle Würzburg“ hieß. Ihre ehemaligen Filialen in Aschaffenburg und Schweinfurt wurden mit Ausnahme der Filiale in Bamberg geschlossen. Weiterlesen

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Verfahren gegen Würzburger Gestapo-Beamte wegen Mord, Freiheitsberaubung oder Massenerschießungen wurden meist eingestellt oder mit Freisprüchen beendet

Das nach der Zerstörung im Krieg wieder aufgebaute Landgericht Würburg

Das nach der Zerstörung im Krieg wieder aufgebaute Landgericht Würburg

  • Vorbemerkung: Bei dieser Liste der Strafverfahren gegen Würzburger Gestapo-Beamte wegen innerdeutscher Verbrechen und Verbrechen während des Kriegs im Osten handelt es sich um eine Auflistung der Zentralstelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg aus dem Jahre 1988, die von dort an Prof. Robert Gellately vom Huron College in Ontario (Kanada) geschickt wurde. Robert Gellately ist der Autor des Buches „Die Gestapo und die deutsche Gesellschaft. Die Durchsetzung der Rassenpolitik 1933-1945“ (Paderborn 1994), dem diese Aufstellung auszugsweise entnommen und hier mit textlichen Zusammenfassungen, Kürzungen, Umformulierungen und Ergänzungen überarbeitet ist. Weiterlesen
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Hochkomplizierter Fall John M. Friedle – Wie einem US-Bürger seine Häuser weggenommen wurden, wobei das Rothenburger Finanzamt arglistig getäuscht und betrogen hatte

John M. Friedle, Mitinhaber des Strand-Vergnügungsparks in San Franciso

John M. Friedle, Mitinhaber des Strand-Vergnügungsparks in San Franciso

Von Wolf Stegemann

Unter Mitwirkung der NSDAP fanden in Rothenburg bei missliebigen Personen Enteignungen statt. Davon betroffen waren besonders jüdische Bürger. Aber auch andere. Eine dieser nichtjüdischen Personen war der US-amerikanische Staatsbürger John Martin Friedle. Es ist übrigens der bislang einzige in Rothenburg bekannte Fall einer Entziehung, nicht gegen Juden gerichtet war. John hatte als Johann seine Wurzeln in Detwang, wanderte 1895 in die USA aus, wurde dort wohlhabend und ging in die legendäre Geschichte von „Playland“ ein. Das ist ein riesiger Strand-Vergnügungspark in San Francisco, den es heute noch gibt. In erster Ehe war er verheiratet mit Elsa (Elsie), geb. 1892 in Deutschland, mit der er 1922/23 Deutschland besuchte. 1929 kam John M. Friedle (nunmehr geschieden) nach Deutschland zurück, wohnte in Rothenburg und war für amerikanische Rummel-Unternehmen tätig. Weiterlesen

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Der Fall Friedle – Wie einem US-Bürger mit dem Argument des Devisenvergehens sein Haus weggenommen wurde, weil ein Nazi es haben wollte, es dann aber doch nicht bekam

Unter Mitwirkung der NSDAP fanden in Rothenburg bei missliebigen Personen Enteignungen statt. Besonders betroffen davon waren jüdische Bürger. Aber auch andere. Eine dieser nichtjüdischen Personen war der US-amerikanischer Staatsbürger Johann Martin Friedle, der in Detwang seine Wurzeln hatte und in Rothenburg wohnte. In Detwang ist der Name Friedle bis heute bestens bekannt. Für Enteignungen zuständig waren die unteren Verwaltungsbehörden sowie der Rothenburger Landrat und der Oberbürgermeister, die auch auf Druck der NSDAP tätig wurden. Nicht immer mit Erfolg, wie das Beispiel Friedle zeigt. Weiterlesen

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Das Denunzianten(un)wesen wurde im NS-Alltag und im Krieg gefördert und kam zu voller Blüte – und blühte auch danach

 „Wir Deutschen sind also eingefleischte Denunzianten und veranstalten noch heute jedes zweite, dritte Jahr den Spaß einer Treibjagd auf namhafte Mitbürger.“ – Rolf Hochuth 2007 in einem Aufsatz in der Schweizer „Weltwoche“, als der  Dramatiker die Schriftsteller Martin Walser und Siegfried Lenz sowie den Kabarettisten Dieter Hildebrandt gegen Vorwürfe von Historikern in Schutz nahm, da sie als Jugendliche in der NSDAP bzw. Waffen-SS waren.

Venedig: durch „Löwenmäuler“ (Bocca di Leone), wie hier am Dogenpalast, konnten Denunzianten ihre geheimen Anzeigen einwerfen. Der italienische Text lautet übersetzt: „Geheime Denunziationen gegen diejenigen, die Gefallen und Pflichten verheimlichen oder sich im Geheimen absprechen, um deren wahren Gewinn zu verbergen.“

Venedig: durch „Löwenmäuler“ (Bocca di Leone), wie hier am Dogenpalast, konnten Denunzianten ihre geheimen Anzeigen einwerfen. Der italienische Text lautet übersetzt: „Geheime Denunziationen gegen diejenigen, die Gefallen und Pflichten verheimlichen oder sich im Geheimen absprechen, um deren wahren Gewinn zu verbergen.“

Von Wolf Stegemann

Unter Denunziation (lat. denuntiare, „absprechend berichten, Anzeige/Meldung machen“; denuntiatio, „Ankündigung, Androhung“) versteht man die – häufig anonyme – öffentliche Beschuldigung oder Anzeige einer Person oder Gruppe aus nicht selten niedrigen persönlichen oder oft politischen Beweggründen, von deren Ergebnis der Denunziant sich selbst oder den durch ihn vertretenen Interessen einen Vorteil verspricht (wikipedia). Der Begriff der Denunziation ist negativ belegt. Im Gegensatz zur Denunziation ist die Anzeige im Fall von schweren Straftaten wie Mord oder Vergewaltigung und nicht politisch motivierten Straftaten wie Diebstahl selbst in Unrechtsregimen gesellschaftlich akzeptiert. Daher sollte selbst im Kontext des Nationalsozialismus zwischen Denunziation und berechtigter Anzeige unterschieden werden. In der Bundesrepublik wird in bestimmten Fällen sogar die Nichtanzeige geplanter Straftaten selbst als Vergehen eingestuft. Ebenfalls kein Denunziant ist, wer zur Abwehr von Gefahren für die Allgemeinheit oder einen Teil derselben bei Ämtern und Behörden auf einen Missstand hinweist. Im Jahr 2000 gab es im Rothenburger Kriminalmuseum eine Tagung, die sich mit der Denunziation unter der Fragestellung „Anthropologische Konstante oder kulturelles Phänomen?“ – Heinrich Heine schrieb 1837 in Paris über das deutsche Denunziantentum: Weiterlesen

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Dr. med. Beck beschimpfte Männer des Reichsarbeitsdienstes als „Sauhunde“, weil sie sein rüppiges Autofahren behinderten: Schutzhaft und Strafprozess vorm Rothenburger Amtsgericht waren die Folge

Tatort: Spitalgasse in Rothenburg ob der Tauber

Tatort: Spitalgasse in Rothenburg ob der Tauber

Von Wolf Stegemann

Ein eigentlich im üblichen Sinne völlig unpolitischer Vorfall, der den schuldigen Täter allerdings in Schutzhaft brachte, dann vor Gericht, führte im „Fränkischen Anzeiger“ zu Schlagzeilen und in der Stadt zu anhaltendem Gesprächstoff. Wenn über Männer und Frauen berichtet wurde, die in Schutzhaft kamen, dann waren es entweder Kommunisten, Sozialdemokraten, Juden, Aufwiegler oder Volksgenossen, die den großen Führer beleidigten oder einen der vielen kleinen in der Nachbarschaft. Weiterlesen

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