
Johannes Oertel in seinem Rothenburger Atelier mit Hitlerbüste und inmitten seiner Nazi-Kunst; Foto: Reichsstadtmuseum Rothenburg ob der Tauber Sammlung Richard Wagner
Von Wolf Stegemann
An der Ecke Marktplatz zur Hafengasse sieht auf einem Sockel ins Mauerwerk eingelassen ein steinerner Sackpfeifenspieler, der vom Aussehen her an die rustikalen Figuren des Hans-Sachs-Spiels erinnert. Die Plastik stammt von dem Rothenburger Bildhauer Johannes Oertel (1893-1976) und zeigt exemplarisch den Stil, dem sich der Künstler verschrieben hatte: Unaufgeregt und handwerklich gut. Seine Kunst ist angepasst. An die Zeit und an die Stadt, dem „mittelalterlichen Kleinod“. Ein Stil, der damals in der Architektur, in der Literatur und bildenden Kunst gepflegt wurde und dessen Ergebnisse die Realität abbilden ohne viel zum Nachdenken und Interpretieren anzuregen. Eine Realität also, die sich auf das sichtbar Schöne und mitunter Heroische beschränkt. Eine solche Kunst fand das Wohlgefallen der Nationalsozialisten, die u. a. ihn, Johannes Oertel, mit Aufträgen und Ausstellungen förderten, wie es beispielsweise der bayerische NS-Ministerpräsident Ludwig Siebert persönlich getan hat, der von 1908 bis 1919 Bürgermeister der Stadt Rothenburg gewesen war. Weiterlesen




