„Schwierigkeiten im Umgang mit der Schuld“ – Vortrag von Wolf Stegemann auf der Tagung „Rothenburg in Krieg und Frieden“ der Ev. Akademie Tutzing in Rothenburg 2016

Tagung-Stegemann-Tutzing - Krieg und Frieden in Rothenburg_JoE 267 - pMeine sehr geehrten Damen und Herren, guten Morgen!
Redet man von Schuld im Zusammenhang mit dem Dritten Reich, so kommt einem als erstes der Begriff „Stuttgarter Schuldbekenntnis“ in den Sinn: Mit ihr bekannte sich die Evangelische Kirche in Deutschland am 19. Oktober 1945 stellvertretend für das deutsche Volk ihrer Mitverantwortung für die Verbrechen des Nazi-Regimes. Die Kernsätze der Erklärung lauten:

„Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. … Wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“

Das Schuldbekenntnis löste ein geteiltes Echo aus. Im Ausland wurde es begrüßt und ermöglichte eine Flut von Spenden vor allem aus den USA. In Deutschland dagegen löste das Bekenntnis Empörung, Un­verständnis und heftigen Widerspruch aus und stieß nur selten auf Zustimmung. Nach den ers­ten Entnazifizierungsdirektiven der Besatzungsmächte fürchteten gerade auch evangelische Christen diese öffentliche Schulderklärung weithin als einseitiges Zu­geständnis an eine vom Ausland aufgenötigte Sieger­justiz und als weiteres Argument für harte Vergeltungsmaßnahmen. Aus schleswig-holsteinischen Kirchenkreisen hielt man angebliche oder wirkliche alliierte Verbrechen entgegen sowie die Vertreibung der Millionen von Deutschen aus Polen, die von kirchlichen Kritikern des Stuttgarter Schuldbekenntnisses – wie dem Präses der Schleswig-Holsteinischen Kirche – als „beispielloser Völkermord“ genannt und die Frage aufgeworfen wurde: Weiterlesen

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10. Jüdische Kulturwoche „Le Chaijm – Auf das Leben!“ 2020 in Rothenburg ob der Tauber: Vorträge, Filmvorführungen, Klezmer-Musik, Lesung, Judengasse

Jüdische Kultur und Geschichte erleben, in den Dialog treten, Neues kennenlernen, Spannendes erfahren, der Vergangenheit gedenken und der Gegenwart begegnen – dafür bietet alljährlich die Jüdische Kulturwoche in Rothenburg, organisiert von Bildung Evangelisch in Rothenburg und Freunden, die Gelegenheit. Unter dem Motto „Le Chajim! Auf das Leben!“ hat das Vorbereitungs-Teams in Bildung Evangelisch mit Dr. Oliver Gußmann, Hannelore Hochbauer, Lothar Schmitt, Brigitte Wagner und Elke Wedel wieder ein buntes und reichhaltiges Programm zusammengestellt. Es umfasst wieder Vorträge, Lesungen, Filmvorführungen mit Nachgesprächen, Konzerte und einer Stadtführung durch das historische Judentum in Rothenburg ob der Tauber. Die Veranstaltungen finden vom 17. bis 24. Oktober 2020 statt. Weiterlesen

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Der Frankenbund würdigte Oliver Gußmanns Verdienste um die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Rothenburg mit dem Kulturpreis. Er ist Mitherausgeber dieser Online-Dokumentation

Dr. Oliver Gußmann (4. v. r.) bei der Preisverleihung in der Johanniterscheune; Foto: VAR

Dr. Oliver Gußmann (4. v. r.) bei der Preisverleihung in der Johanniterscheune; Fotos (2): VAR

H. Ke. – Es habe ganze 87 Jahre gedauert, bis der 1920 gegründete „Frankenbund“ zur Jahreshauptversammlung in die Stadt Rothenburg ob der Tauber eingeladen hat, schrieb der „Fränkische Anzeiger“. Zuletzt war das 1929. Dass sich im Oktober 2016 die Delegierten in Rothenburg trafen, hatte seinen im wahrsten Sinne des Wortes guten Grund. Denn der Vorsitzende des 7100 Mitglieder umfassenden Bundes, Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer (Unterfranken), brachte ein wichtiges Dokument mit, das er einem in Rothenburg seit Jahren engagiert und prominent wirkenden Bürger überreichte. Es war der Kulturpreis des Frankenbundes, der in diesem Jahr an Pfarrer Dr. Oliver Gußmann für seine Verdienste um die Erforschung, Projektierung und Darstellung der jüdischen Ortsgeschichte vor allem in den nationalsozialistischen Jahren und danach ging. Oliver Gußmann bewies dabei Standhaftigkeit, die es zu würdigen galt und gilt. Denn ohne Beharrlichkeit, die den Betroffenen Wunden aufreißt, aber auch schließt, wäre eine solche Arbeit nicht möglich. So kamen zur festlichen Preisverleihung in die Johanniterscheune alle die, welche die Arbeit Dr. Gußmanns in Rothenburg nicht nur persönlich schätzten, sondern sie für die Geschichtsdarstellung einer Stadt für notwendig erachten. Mit einbezogen in die Arbeit und Ehrung ist auch seine  Mitherausgeberschaft dieser Online-Dokumentation „Rothenburg unterm Hakenkreuz“. Weiterlesen

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LE CHAJIM – Auf das Leben! Jüdische Kulturwoche im Oktober 2017 in Rothenburg mit Filmen, Vorträgen, Führungen, Folklore

Flyer LeChajim 2017 web-page-001Jüdische Kultur und Geschichte erleben, in den Dialog treten, Neues kennenlernen, Spannendes erfahren, der Vergangenheit gedenken und der Gegenwart begegnen – dafür bietet alljährlich die Jüdische Kulturwoche in Rothenburg, nunmehr die 7., organisiert vom evangelischen Bildungswerk und Freunden, die Gelegenheit. Unter dem Motto „LeChajim – Auf das Leben!“ haben die Organisatoren unter Leitung von Dr. Oliver Gußmann wieder ein buntes und reichhaltiges Programm mit Konzerten, Filmen, Vorträgen und Workshops zusammengestellt. Weiterlesen

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„Le Chaim! Rothenburger Woche jüdischer Kultur“ – Die 61.000 Stolpersteine sind das größte Mahnmal der Welt und erinnern lokalbezogen an die Vertreibung der Juden 1938

Dr. Gußmann (re) erläutert in der Oberen Schmiedgasse das Geschehen im Jahr 1938; Foto: Cornelia Schindler

Dr. Gußmann (re) erläutert in der Oberen Schmiedgasse die Vertreibung 1938; Foto: Cornelia Schindler

Von Wolf Stegemann

Die jährlich stattfindende Rothenburger Woche jüdischer Kultur „Le Chaim – Auf das Leben“, 2017 das siebte Mal veranstaltet, fand mit acht unterschiedlichen Veranstaltungen wieder Freunde und Teilnehmer nicht nur aus Rothenburg, sondern auch weit darüber hinaus. Auf dem Programm standen eine Lesung über „Mascha Kaléko und Zeitgenossen“, der Film „Überleben im Versteck“ der Dokumentarfilmgruppe Rothenburg, ein Vortrag über Janusz Korczak, der Dokumentarfilm „Wir sind Juden aus Breslau“ und die Filmkomödie „Es war einmal in Deutschland“, die Exkursion „Jüdisches Leben in Veitshöchheim“ sowie Mit-Mach-Tänzen zu Musik aus Israel. Weiterlesen

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