Der Morgenthau-Plan wollte aus Deutschland eine Agrarwüste machen. Doch Proteste verhinderten dies. Ein starkes Deutschland sollte ein Bollwerk gegen den Kommunismus sein

"Morgenthau-Plan"-Kunst-Installation von Anselm Kiefer 2012

„Morgenthau-Plan“-Kunst-Installation von Anselm Kiefer 2012

W. St. – Der so genannte „Morgenthau-Plan“, ein im September 1944 vom damaligen amerikanischen Finanzminister Henry Morgenthau Jr. vorgelegtes Memorandum, spiegelt die widersprüchliche Debatte in den USA, wie unter den Alliierten über die wichtigste Frage am Ende des Zweiten Weltkrieges diskutiert wurde: Welche Konsequenzen waren aus Krieg und Völkermord zu ziehen? Gab es politische, wirtschaftliche und juristische Möglichkeiten, künftigen Massenmorden vorzubeugen oder zumindest deren Wahrscheinlichkeit einzudämmen? Freilich wurde diese Zielrichtung des Memorandums alsbald von einer Flut antisemitischer Anwürfe gegen Morgenthau überdeckt. Die überfällige Neubewertung förderte in neuester Zeit allerdings Überraschendes zutage. Weiterlesen

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Nürnberger Prozess I: Einst machtvoll grausam und ungnädig, auf der Anklagebank jämmerlich und auf Gnade hoffend. Die Hauptkriegsverbrecher schützen Unwissen vor

Angeklagte (re) im Nürnberger Hauptkriegverbrecherprozess 1946 gegen "Hermann Göring u. a."

Szenerie im Saal 600, in dem 1946 gegen die Hauptkriegsverbrecher verhandelt wurde

„Dass vier große Nationen, erfüllt von ihrem Siege
und schmerzlich gepeinigt von dem geschehenen Unrecht, nicht Rache üben,
sondern ihre gefangenen Feinde freiwillig dem Richtspruch des Gesetzes übergeben,
ist eines der bedeutsamsten Zugeständnisse,
das die Macht jemals der Vernunft eingeräumt hat.“
US-Chefankläger Robert H. Jackson in seiner Rede zur Eröffnung des Prozesses,
Nürnberg 21. November 1945:

Von Wolf Stegemann

Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher beziehungsweise Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess wurden nach dem Zweiten Weltkrieg deutsche Politiker und Militärs sowie führende Personen aus der Wirtschaft für das Planen und Führen eines Angriffskriegs und für den Massenmord an Menschen in Vernichtungslagern strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. Zwanzig Angeklagte wurden verurteilt, sechs von ihnen waren führende Militärs. Dieser Prozess war der erste der dreizehn Nürnberger Prozesse. Die Verhandlung fand vor einem eigens von den drei Mächten USA, Sowjetunion und Großbritannien eingerichteten Internationalen Militärgerichtshof (International Military Tribunal, IMT) statt. Er dauerte vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 und fand im Justizpalast an der Fürther Straße in Nürnberg statt. Die Angeklagten und zahlreiche Zeugen wurden im angrenzenden Zellengefängnis Nürnberg inhaftiert. Weiterlesen

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Nürnberger Prozesse II: In Nachfolgeprozessen wurden Ärzte, Juristen, Militärs, Industrielle, Manager sowie Mitglieder der SS und Polizei angeklagt und verurteilt

Der Nürnberger Justizpalast mit dem Gefängnis dahinter

Der Nürnberger Justizpalast mit dem Gefängnis dahinter

Nach Beendigung des Nürnberger Hauptkriegsverbrecher-Prozesses fanden binnen drei Jahren vor dem amerikanischen Militärgerichten noch weitere zwölf so genannte Nachfolge-Prozesse gegen Verantwortliche des Deutschen Reiches zur Zeit des Nationalsozialismus im Nürnberger Justizpalast statt. Nachdem der bisherige amerikanische Hauptankläger, Robert H. Jackson, nach der Urteilsverkündung im Verfahren vor dem „Internationalen Militärgerichtshof“ am 17. Oktober 1946 sein Amt niedergelegt hatte, wurde Brigadegeneral Telford Taylor zum Hauptankläger für diese Nachfolgeprozesse ernannt. Angeklagt waren insgesamt 185 Personen: 39 Ärzte und Juristen (Fall I und III), 56 Mitglieder von SS und Polizei (Fall IV, VIII und IX), 42 Industrielle und Manager (Fall V, VI und X), 26 militärische Führer (Fall VII und XII), 22 Minister und hohe Regierungsvertreter (Fall II und XI). Weiterlesen

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Bayerisches Staatsministerium für Sonderaufgaben: 1945 bis 1950 verantwortlich für die politischen Säuberungen – eigens gegründet für die Entnazifizierung und Internierung

Erste Ministerpräsidentenkonferenz 1947 mit WIlhelm Hoegner /stehend9

Erste Ministerpräsidentenkonferenz 1947 mit Wilhelm Hoegner (stehend)

In Bayern bestand von 1945 bis 1950 das Staatsministerium für Sonderaufgaben mit dem Auftrag, unter oberster Aufsicht der amerikanischen Militärregierung die politisch braune Landschaft im weiß-blauen Freistaat zu säubern. Seine Aufgaben umfassten daher die Ausarbeitung der Ausführungsbestimmungen für das Befreiungsgesetz und die Organisation der Spruchkammern im Rahmen der Entnazifizierung. Verschiedene Behörden innerhalb des Ministeriums kontrollierten die Durchführung der Entnazifizierung. Dem Ministerium waren u. a. der Generalkläger, ein Kassationshof und die Leitung der Internierungs- und Arbeitslager zugeordnet. Die Arbeit und der Aufbau des Ministeriums sorgten regelmäßig für Konflikte zwischen Staatsregierung und US-Militärregierung. Im März 1950 löste der Bayerische Landtag das Ministerium auf, da dessen Hauptaufgabe weitgehend abgeschlossen war; seine Aufgabengebiete übernahm das Justizministerium. Weiterlesen

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Entnazifizierung (2): Ein Werk der Unvollkommenheit und Unfähigkeit – 136 Spruchkammern sollten Bayerns Bevölkerung in die Kategorien ihrer braunen Vergangenheit einstufen

Entnazifizierungsakte (Ausriss) des Großindustriellen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (Essen)

Entnazifizierungsakte (Ausriss) des Großindustriellen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (Essen)

Von Wolf Stegemann

Die Aufgabe, eine systematische politische Säuberung in die Wege zu leiten und deren Durchführung zu organisieren, lag ursprünglich bei der US-Militärregierung in Bayern. Am 19. Mai 1945 wurde dem „Safety Office“ des „Regional Military Government“ eine „Special Branch“ angegliedert, deren Aufgabe die zentrale Durchführung von Entnazifizierungsmaßnahmen war. Die Ermittlungen stützten sich auf das vorgefundene deutsche Aktenmaterial und auf Fragebögen, die die Betroffenen auszufüllen hatten. Die Münchner Polizei musste der „Special Branch“ zuarbeiten. Eine wirkliche Zentralisierung bestand nicht, da auch andere Abteilungen der Militärregierung Entnazifizierungsmaßnahmen durchführten und einheitliche Richtlinien dafür noch nicht existierten. Am 7. Juli 1945 erließ dann das Hauptquartier der amerikanischen Truppen in Europa eine Direktive zur Vereinheitlichung. Die Umsetzung der Entlassungen nach Vorgabe der „Special Branch“ war Sache der staatlichen und kommunalen Behörden und der ebenfalls betroffenen Betriebe der Privatwirtschaft. Weiterlesen

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Entnazifizierung: Die Spruchkammer Rothenburg – ihre gesetzliche Einbindung, das Verfahren, der Missbrauch, das Personal und Polizeischutz für den Vorsitzenden und den Kläger

Anordnung der US-Militärregierung, Polizeischutz für den Vorsitzenden und Kläger zu stellen

Anordnung der US-Militärregierung, Polizeischutz für den Vorsitzenden und Kläger zu stellen

Von Wolf Stegemann

In etlichen Artikeln in dieser Online-Dokumentation ist das gut gemeinte aber letztendlich am System gescheiterte Entnazifizierungsverfahren dargestellt. Die Rothenburger Spruchkammer, welche die großen und kleinen Nazis zu „entnazifizieren“ hatte, so diese noch in der Stadt wohnten, musste ebenfalls scheitern. Auch wenn sie sich bemühten, den gesetzlichen Bestimmungen und Verfahrensregeln zu folgen, so unterlagen die Spruchkammern letztlich den auf sie in Massen eingeschwemmten „Persilscheinen“. Das waren entweder schriftlich gefasste oder mündlich gegenseitig vorgetragene Lügen und Erinnerungslücken zu Entlastung des jeweils anderen. So wurden aus aktiven Tätern harmlose „Mitläufer“ gemacht, wie beispielsweise mit den Rothenburger NS-Bürgermeister Dr. Friedrich Schmidt (seit 1930 in der NSDAP). Ein Hohn für alle „echten Mitläufer“! Weiterlesen

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Entnazifizierung (1): Weiße Westen – braune Flecken. Plötzlich gab es 1945 keine Nazis mehr – meist mit falschen Aussagen entlastet

Entnaz-Ausschuss-Szene

Winifred Wagner (links) vor der Spruchkammer Bayreuth

Von Wolf Stegemann

Mit der so genannten Entnazifizierung konnte man keinen nationalsozialistisch gesinnten Menschen weiß waschen, ihn eines Besseren belehren. Das war auch nicht die ursprüngliche Absicht. Vielmehr war es das Anliegen der Alliierten in den Westzonen und zu Beginn der Bundesrepublik, ehemalige Nationalsozialisten aus öffentlichen Ämtern und führenden Positionen der Wirtschaft zu entfernen und ggf. zu bestrafen. Außerdem versuchten die Alliierten auch das wirtschaftliche und  kulturelle Leben von nationalsozialistischem Gedankengut zu befreien, um so eine Grundlage zur Demokratisierung zu schaffen. Weiterlesen

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