Die 20-jährige Betty Kößer bekannte sich zu ihrem christlichen Glauben, wurde verurteilt, verlor ihren Arbeitsplatz in der Rothenburger Volksbank und beging in Berlin Suizid

„Auf Grund Ihres bisherigen Verhal­tens gegenüber der DAF und insbeson­dere auf Grund Ihrer Stellungnahme und Ihrer Erklärung am 9. ds., daß Sie nicht in der Lage seien dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, dem Schöpfer des Großdeutschen Reiches am 10. April 1938 Ihre Ja-Stimme zu gehen, zu wel­chem sich über 99 Prozent der Wahlbe­rechtigten deutschen Blutes bekannten, wurde vom gesamten Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig beschlossen, Sie aus unseren Diensten zu entlassen, da wir es als eine Ungeheuerlichkeit finden, in einer so schicksalsschweren Stun­de dem Führer die Gefolgschaft zu ver­sagen. Unter Bezahlung Ihres Gehaltes bis Ende des Monats und der Ihnen zustehenden tariflichen Sonderzahlung für den Monat April ac. werden Sie zum Ende des Monats April 1938 entlassen und zwar in der Weise, daß Sie ab heute beurlaubt sind. Zeugnis erhalten Sie noch zugesandt.“ – 14. April 1938 – Der Bankvorstand. Weiterlesen

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Das Rothenburger evangelische Sonntagsblatt wurde von den Nazis stets verwarnt, auch beschlagnahmt und 1941 schließlich verboten – 1949 lebte es wieder auf

Der traditionelle Titel ist heute noch altuell

Der traditionelle Titel ist heute noch altuell

W. St. – Das heute noch im Rotabene Medienhaus  in Rothenburg erscheinende „Evangelische Sonntagsblatt aus Bayern“ hieß inoffiziell stets auch das „Rothenburger Sonntagsblatt“, auch wenn dies nicht im Titel steht. 1884 gab der Rothenburger Verleger Johann Peter Holstein erstmals das Wochenblatt heraus. Der Verlag gehört jetzt „Rotabene Medienhaus“ (Verlag und Druckerei Schneider). Es ist nicht nur die älteste noch existierende protestantische Kirchenzeitung in Bayern, sie war jahrzehntelang auch die auflagenstärkste (heute 34.000 Exemplare) und somit eine der wichtigen evangelischen Stimmen in Bayern. Sie informierte (und informiert) über das kirchliche Leben in den Gemeinden, der Landeskirche und der Ökumene. 1883 formulierte der Gründer des Sonntagsblattes, Pfarrer Adolf Caselmann, sein Vorhaben so: Weiterlesen

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Katholische Gemeinde St. Johannis: Pfarrer Wolfgang Müller war den üblichen Drangsalen der NS-Behörden ausgesetzt … Im Gottesdienst verlas er den gefälschten Möldersbrief

Pfarrer Wolfgang Müller

Pfarrer Wolfgang Müller

W. St. – Der katholischen Diaspora-Gemeinde St. Johannis stand drei Jahrzehnte lang Pfarrer Wolfgang Müller vor. Die Hälfte davon in der turbulenten Zeit am Ende der Weimarer Republik und dann in den schwierigen Jahren des Nationalsozialismus. Nach 1945 musste er sich um die seelischen Verwundungen seiner Gemeindeglieder und den Wiederaufbau kümmern. Wolfgang Müller, der 1927 aus Bayreuth kommend seinen Dienst als Pfarrer in Rothenburg antrat und ein Seelsdorgegebiet von 22 Kilometer Länge und 20 Kilometer Breite zu betreuen hatte, starb im Dienst seiner Gemeinde 1957. – 1883 im oberfränkischen Steinwiesen geboren, studierte Müller Theologie und wurde 1908 in Bamberg zum Priester geweiht. Weiterlesen

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Der bayerische Staatsvertrag von 1924 regelte noch vor 1933 die Rechtsverhältnisse zwischen Staat und katholischer Kirche, die im Wesentlichen bis heute gültig sind

W. St. – Neben dem 1933 abgeschlossenen Kirchenvertrag, dem Reichskonkordat, bestand bereits das bayerische Konkordat vom 29. März 1924 als Staatskirchenvertrag zwischen dem Freistaat Bayern und dem Heiligen Stuhl. Dieses basierte auf dem bereits 1817 abgeschlossenen Konkordat, dessen Gültigkeit nach dem Sturz der Monarchie im Jahre 1918 angezweifelt wurde. Durch die bayerische Revolution endete das Bündnis zwischen Thron und Altar, die Bischöfe sollten ihren Amtseid nun auf den neuen Landesherrn, dem Volksstaat Bayern, ablegen. Neue rechtliche Formen des Miteinanders von Staat und Kirche waren notwendig geworden. Es entstand die so genannte „hinkende Trennung“ der Kirche vom Staat. Weiterlesen

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Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 – ein bis heute gültiger Staatsvertrag, der bis 1945 die katholische Kirche nicht wirklich schützte

Konkordatsunterzeichnung am 20. Juli 1933 in Rom; Franz von Papen (li.), Kardinal Staatssekretär Eugenio Pacelli (Mitte), Ministerialdirektor Dr. Buttman (re.)

Konkordatsunterzeichnung am 20. Juli 1933 in Rom; Franz von Papen (li.), Kardinal Staatssekretär Eugenio Pacelli (Mitte), Ministerialdirektor Dr. Buttman (re.)

Von Wolf Stegemann

Es ist das einzige außenpolitische Abkommen aus der Nazi-Zeit, das heute noch gültig ist: das Reichskonkordat. Der Vertrag, den der Vatikan und das Hitler-Regime am 20. Juli 1933 schlossen, schrieb die Beziehungen zwischen Staat und Kirche fest. Inhaltlich war das beileibe kein Pakt mit dem Teufel – allerdings wertete das Abkommen mit dem Heiligen Stuhl die Diktatur der Nationalsozialisten innenpolitisch wie international auf. Dass Bischöfe heute ihren Treueid auf die Verfassung des Staates (Bundesland) ablegen müssen und nicht nur auf die katholische Kirche, ist dem Reichskonkordat von 1933 geschuldet. Die Spanne des Vereinbarten reicht von der Kirchensteuer über die Militärseelsorge bis zum Religionsunterricht und sorgt immer wieder für Auseinandersetzungen. Etliche Regelungen wurden inzwischen durch Landesgesetze ersetzt, teilweise auch infrage gestellt. Dennoch will niemand an dem Vertrag rütteln. „Weder Kirche noch Staat haben Interesse daran, eine solche Debatte loszutreten“, glaubt der Potsdamer Historiker Thomas Brechenmacher. Weiterlesen

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Deutsche Christen planten eine konfessionslose Reichskirche auf nationalsozialistischem Fundament – doch sie scheiterte

NS-Propaganda-Bild von der Kirchenwahl 1933 in Berlin; Foto: Bundesarchiv

NS-Propaganda-Bild von der Kirchenwahl 1933 in Berlin; Foto: Bundesarchiv

Die Deutschen Christen (DC) waren eine rassistische, antisemitische  und am Führerprinzip orientierte Strömung im deutschen Protestantismus, die diesen von 1932 bis 1945 an die Ideologie des Nationalsozialismus angleichen wollte. Sie wurden 1932 als eigene Kirchenpartei in Thüringen gegründet und gewannen 1933 die Leitung einiger Landeskirchen in der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK). Am 6. Juni 1932 gründete der Berliner Pfarrer Joachim Hossenfelder die „Glaubensbewegung Deutsche Christen“ als innerevangelische Kirchenpartei für das ganze Reich. In ihren „Richtlinien“ vom selben Tag hieß es: Weiterlesen

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Chronik von St. Jakob: Letzte Kriegsereignisse und das Ende – Einmalig der jüdische Gottesdienst in der Franziskanerkirche

Jakobskirche-oben-gutVorbemerkung: Im evangelischen Pfarrarchiv in Rothenburg ob der Tauber liegen Aufzeichnungen  von Oskar Stahl, der von 1935 bis 1950 Pfarrer an St. Jakob war. Er berichtet darin in tagebuchähn­lichen Berichten von seinen Erlebnissen und Erfahrungen während der letzten Kriegstage des Jahres 1945. Sie sind Ergänzungen zu den wenigen zeitgenössischen Berichten über diese schicksalhaften Tage. Die handschriftliche Ausfertigung der Aufzeichnungen, die im Besitz der Tochter des Pfarrers sind, wurden bereits in den Heften „Rund um St. Jakob“ (70 und folgende) veröffentlicht, ebenso 2001 in der vom Verein Alt-Rothenburg herausgegebene Juni-Beilage „Die Linde“ des „Fränkischen Anzeigers“. Weiterlesen

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