Euthanasie IV: Der Rothenburger geistig behinderte Junge Bernhard, neun Jahre, kam 1940 in die Heil- und Pflegeanstalt Bruckberg. Ein Jahr darauf war er tot

Brief Löhes an Adolf Hirler mit er Bitte, geistig behinderte Menschen zu verschonen

Brief Löhes an Adolf Hirler mit er Bitte, geistig behinderte Menschen zu verschonen (siehe Text)

Von Wolf Stegemann

Wie viele Rothenburger Euthanasiefälle es zwischen 1933 und 1945 gab, ist derzeit nicht bekannt. Doch es gibt im Nürnberger Staatsarchiv (Außenstelle Lichtenau), im Archiv der Diakonie Neuendettelsau sowie in der Bibliothek des Bezirkskrankenhauses Ansbach Akten darüber, die noch eingesehen werden. Im Rothenburger Sterbe-Hauptregister ist der Tod eines 49-jährigen Rothenburgers beurkundet, der am 25. Mai 1940 in der Wohnung seiner Eltern in der Rödergasse starb. Todesursache: „Schwachsinn, Nervenentzündung mit teilweiser Lähmung, Lungenentzündung.“ Dies teilte der Vormund und Prokurator des Verstorbenen, Hans Ehnes, dem Standesamt mit. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Euthansie / Sterilisierung | Verschlagwortet mit , , , | Ein Kommentar

„Auslese“ und „Ausmerze“ – Rund 500 Frauen wurden in der Erlanger Klinik der Zwangssterilisation und Zwangsabtreibung unterzogen – Thema 2003 beispielhaft aufgearbeitet

NS-Plakat

NS-Plakat

Die NS-Geburtenpolitik zielte darauf ab, eine Bevölkerungsbasis zu schaffen, die den staatlichen Eroberungsplänen entsprach. Der Kern dieser Politik lässt sich mit zwei NS-Schlagworten fassen: „Auslese“ und „Ausmerze“. Die einen Mütter feierte der nationalsozialistische Staat als „Lebensquell der Nation“, Millionen anderen Frauen wurde das Recht, Kinder zu bekommen, grundsätzlich und zwangsweise abgesprochen. Auf der einen Seite umfasste das Programm Maßnahmen zur Förderung der als „wertvoll“ angesehenen Menschen. Dem standen auf der anderen Seite Strategien zur Ausrottung von Personen gegenüber, die nach der NS-Ideologie als „erblich“ oder „rassisch minderwertig“ galten. Die Erlanger Klinik wirkte bei der Durchführung Geburten verhindernder Maßnahmen mit. An Hunderten von Frauen nahmen die Ärzte Zwangssterilisationen und Zwangsabtreibungen vor. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Euthansie / Sterilisierung, Zwangsarbeiter | Verschlagwortet mit , , , , | Ein Kommentar

Schule im NS-Regime I: Hitlerjugend, Reichsarbeitsdienst, SA oder SS, Wehrmacht – Adolf Hitler: „Und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben!“

Schule-HitlergrußVon Wolf Stegemann

„Diese Jugend, die lernt ja nichts anderes als deutsch denken, deutsch handeln, und wenn diese Knaben mit zehn Jahren in unsere Organisation hineinkommen und dort oft zum ersten Mal überhaupt eine frische Luft bekommen und fühlen, dann kommen sie vier Jahre später vom Jungvolk in die Hitlerjugend, und dort behalten wir sie wieder vier Jahre. Und dann geben wir sie erst recht nicht zurück in die Hände unsrer alten Klassen- und Standeserzeuger, sondern dann nehmen wir sie sofort in die Partei, in die Arbeitsfront, in die SA oder in die SS, in das NSKK (NS-Kraftfahrerkorps). Und wenn sie dort zwei Jahre oder anderthalb Jahre sind und noch nicht ganze Nationalsozialisten geworden sein sollten, dann kommen sie in den Arbeitsdienst und werden dort wieder sechs Monate geschliffen. … Und was dann nach sechs oder sieben Monaten noch an Klassen- und Standesdünkel da und dort noch vorhanden sein sollte, das übernimmt (sie) die Wehrmacht zur weiteren Behandlung auf zwei Jahre. Und wenn sie nach zwei, drei oder vier Jahren zurückkehren, dann nehmen wir sie, damit sie auf keinen Fall rückfällig werden, sofort wieder in die SA, SS und so weiter, und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben.“ (Hitler in einer Rede 1938) Weiterlesen

Veröffentlicht unter Erziehung / Schule, Hitlerjugend / BDM, Schule / Erziehung, Schulen / Lehrbetrieb | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar

Schule im NS-Regime II: Rothenburg stimmte überwältigend für den Erziehungsgedanken des Führers – und somit für die „Deutsche Gemeinschaftsschule“

Zu Beginn des Unterrichts und am Ende ein gemeinsames Versprechen an den Führer

Zu Beginn des Unterrichts und am Ende ein gemeinsames Geloben

Von Wolf Stegemann

Es gab in Rothenburg einen langen Propagandafeldzug für die nationalsozialistische Gemeinschaftsschule, der sich in Vorträgen, Kundgebungen und vor allem in Aufrufen im „Fränkischen Anzeiger“ geführt wurde. Er richtete sich gegen die Bekenntnisschule hauptsächlich in den ländlichen Gemeinden des Bezirks. Am 17. Februar 1937 meldete der „Fränkische Anzeiger“, dass sich die Erziehungsberechtigten in Rothenburg mit überwältigender Mehrheit für die Einführung der Gemeinschaftsschule entschieden haben. Bezirksschulrat Mohr (Nürnberg) und Rothenburgs Bürgermeister Dr. Schmidt bejubelten auf dem Marktplatz das Ergebnis. Aus Anlass der Einführung der „deutschen Gemeinschaftsschule“ fanden anderntags in allen Schulen  kurze Schulfeiern und Flaggenhissungen statt. Dann versammelten sich alle Schüler und Schülerinnen der Rothenburger Gemeinschaftsschule von der 4. Klasse ab in der Roßmühlenturnhalle, von wo aus sie zur Dankeskundgebung auf dem Marktplatz marschierten. Dort sprachen Unterbannführer Fink, Ortsgruppenleiter Götz, und Kreisleiter Steinacker. Mitte April waren Rothenburgs Volkshauptschulen zur deutschen Gemeinschaftsschule umgestaltet. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Erziehung / Schule, Schule / Erziehung | Verschlagwortet mit , , , , , | Ein Kommentar

Schule im NS-Regime III: Eliteschulen zur Indoktrinierung der Jugend für den Krieg: „Nationalpolitische Erziehungsanstalten“ und „Adolf-Hitler-Schulen“

Militärischer und sportlicher Drill auf den Nationalpolitischen ERziehungsanstalten

Militärischer und sportlicher Drill auf den Nationalpolitischen Erziehungsanstalten

Von Wolf Stegemann

Die Idee zur Gründung der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NPEA, im nichtoffiziellen Sprachgebrauch „Napola“) beanspruchten sowohl Hitler wie auch Reichserziehungsminister Rust für sich. Sie geht jedoch mit Gewissheit auf Rust zurück. Folglich waren die NPEA auch zunächst dem preußischen Kultusministerium unterstellt, das 1934 eine eigene „Landesverwaltung der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten“ gründete. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Erziehung / Schule, Hitlerjugend / BDM, Schule / Erziehung | Verschlagwortet mit , , , , , | Schreib einen Kommentar

Pädagogen schlossen sich schon früh der NSDAP an und übernahmen Funktionen. Rothenburgs Lehrerschaft war überdurchschnittlich tiefbraun gefärbt

xxx

Schüler in Uniform begrüßen ihren Lehrer in der Turnhalle (nicht Rothenburg)

Von Wolf Stegemann

Die Lehrer selbst waren das erste Ziel nationalsozialistischer Indoktrination, damit die Jugend im NS-Geiste umerzogen werden konnte. Die Schnelligkeit, mit der insbesondere Volksschullehrer, von denen viele vorher Sozialdemokraten waren oder in katholischen Gegenden dem Zentrum angehörten, Parteiposten übernahmen, gab Anlass zu der Scherzfrage, was die kürzeste messbare Zeiteinheit sei. Die Antwort lautete: Die Zeit, die ein Lehrer braucht, um seine politische Gesinnung zu ändern. So fanden sich schon im ersten Jahr nach der Machtübernahme, in der auch der „deutsche Gruß“ an Schulen eingeführt wurde, Lehrer als Schulungsleiter in den örtlichen NSDAP-Ortsgruppen und  als höhere Leiter in der Partei. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Hitlerjugend / BDM, Schule / Erziehung | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar

Erziehung im Nationalsozialismus: Kinder mit antisemitischen Bilderbüchern gegen Juden aufgehetzt. Die Rothenburger Schülerin Gertrud Schubart empfand eine innere Ablehnung

Schulkinder 1936 (nicht Rothenburg)

Schulkinder 1936 (nicht Rothenburg)

Von Wolf Stegemann

„Das Buch war Pflichtlektüre“, erinnert sich die heute 87-jährige Rothenburgerin Gertrud Schubart, wenn sie an ihre Schulzeit in nationalsozialistischer Zeit denkt. Die Kinder waren damals der antisemitischen Propaganda und den Lehrern, welche diese vermittelten, hilflos ausgesetzt. So auch den beiden Bilderbüchern „Der Giftpilz“ und „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid’ und keinem Jud’ bei seinem Eid“, die auch im Unterricht behandelt wurden. „Einige Bilder sitzen bei mir immer noch im Gedächtnis“, erinnert sich Gertrud Schubart. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Antisemitismus, Antisemitismus in Franken, NS-Propaganda, Schule / Erziehung, Schulen / Lehrbetrieb, Verlage / Schrifttum | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar