Die Nordische Gesellschaft – eine ideologisch völkisch-rassische Organisation der NSDAP mit Rothenburgs bürgerlicher Hautevolee

An die Gaupropagandaleitung der NSDAP in Nürnberg, Prinzregentenufer 5, richtete der Rothenburger Kreispropagandaleiter Georg Höfler am 30. April 1935 (Az. 313) ein Schreiben, in dem er mitteilte, welche Rothenburger Personen der „Nordischen Gesellschaft“ zugehörig sein wollen. Ob sie allerdings tatsächlich Mitglieder dieser von den Nationalsozialisten 1933 reichsweit gleichgeschalteten Vereinigung wurden, kann hier nicht belegt, aber vermutet werden. Weiterlesen

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Heldenverehrung, Totenkult, Blut und Boden in der Mythologie und den erhöhten Ritualen der Nationalsozialisten. Rothenburgs Ortsgruppenleiter Götz sprach vom „Urquell von Blut und Rasse“

Feste-9. Nov.-PlakatVon Wolf Stegemann

Bert Brecht sagte: „Wohl dem Land, das keine Helden nötig hat!“ Das Dritte Reich hatte offensichtlich Helden nötig, denn sie führten 1934 den „Heldengedenktag“ als gesetzlichen Feiertag als Ersatz für den Volkstrauertag ein und glorifizierten das sinnlose Sterben im Krieg. Am „Heldengedenktag“ wurde indes nicht nur der Toten des Ersten Weltkriegs gedacht, sondern auch der so genannten „Gefallenen der Bewegung“, d. h. derjenigen Parteigänger der NSDAP, die bei dem Putschversuch am 9. November 1923 ums Leben gekommen waren. Im Jahr 1939 ordnete Hitler an, den „Heldengedenktag“ auf den 16. März zu verlegen, den Tag der Wiedereinführung der Wehrpflicht 1935, wenn dieser Tag auf einen Sonntag fiel. Wenn nicht, sollte der „Heldengedenktag“ am Sonntag vor dem 16. März begangen werden. Damit gab man die letzte Bindung an den christlichen Kalender auf. Gleichzeitig wurde für die „Gefallenen der Bewegung“ ein eigener Gedenktag eingeführt, der 9. November. Die Umbenennung des Heldengedenktags diente der psychologischen Einstimmung auf einen neuen Krieg und der Pflege des Vorbildes derjenigen, wie Hitler am 10. März 1940 sagte: „Die bereit waren, sich selbst aufzugeben, um der Gemeinschaft das Leben zu erhalten.“ Weiterlesen

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Nationalsozialisten ließen bei jedem Anlass singen – Lieder dienten der Indoktrination, der Vergöttlichung des Führers und förderten den Durchhaltewillen

Jungmädel-Chor

Jungmädel-Chor

Von Wolf Stegemann

„Wo man singt, da lass dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder!“ Dieser in den Volksmund eingegangene Zweizeiler stammt aus dem von Johann Gottfried Seume geschriebenen Gedicht „Die Gesänge“, das erstmals 1804 in der „Zeitung für die elegante Welt“ erschienen ist. Die ursprüngliche Version lautet:

„Wo man singet, laß dich ruhig nieder,
(Ohne Furcht, was man im Lande glaubt,
Wo man singet, wird kein Mensch beraubt,)
Bösewichter haben keine Lieder.“ Weiterlesen

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Antisemitismus in nationalsozialistischen Liedern vor und nach 1933 – „Deutschland erwache! Volk ans Gewehr! Sie kämpfen für Hitler, für Arbeit und Brot! Juda den Tod!“

Von Wolf Stegemann

In der „Kampfzeit“, also in den Jahren vor 1933, als die Nationalsozialisten um die Gewinnung der Macht kämpften, gab es eine ganze Reihe von antisemitischen Liedern, die auch von der HJ gesungen wurden. In der Hauptsache handelte es sich dabei um SA-Lieder, in denen Juden der Ausbeutung und Unterdrückung des Arbeiters bezichtigt wurden, darunter das berüchtigte „Volk ans Gewehr“ von Arno Pardun aus dem Jahr 1931: Weiterlesen

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Das Lied als Anstiftung zum Judenhass – Das „Heckerlied“ und seine antisemitischen Varianten in der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus und heute

Friedrich Hecker, 64-jährng  in St. Louis Missouri (USA) 1875

Friedrich Hecker, 64-jährig in St. Louis, Missouri (USA) 1875

Von Wolf Stegemann

In der rechtsextremen Musikszene ist heute noch das Lied „Blut“ verbreitet. Daran lässt sich eine Kontinuität der Tradition – neben der Symbolik – auch der Lieder verfolgen. Das Lied geht auf ein Kampflied der SA zurück. Doch ist seine Geschichte deutlich älter. Das Heckerlied ist ein antimonarchistisches Revolutionslied der badensischen Revolutionäre von 1848/1849. Friedrich Hecker versuchte mit dem „Heckerzug“ die Revolutionäre in Baden zu sammeln, um die Residenzstadt Karlsruhe einzunehmen. Die Revolte wurde niedergeschlagen. Hecker konnte in die Schweiz und dann in die USA entkommen, wo er blieb.  Die erste bis dritte der insgesamt sechs Strophen des Heckerliedes lauten: Weiterlesen

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„Heiliger Berg der Franken“ – Zum Hesselberg pilgerten jährlich braune Horden, um sich am Antisemitismus Julius Streichers zu ergötzen

Der Hesselberg heute

Der Hesselberg heute

Von Wolf Stegemann

Heilige Berge gibt es in jeder Kultur, Religion und auf jedem Kontinent. Manchmal werden sie besonders verehrt, wenn mit ihnen besondere Ereignisse, wie eine göttliche Offenbarung (Berg Moses) oder das Erscheinen einer heiligen Person assoziiert werden können. Berge können aber auch Wohnorte von Toten (Kyffhäuser) sein oder verfluchte Orte, Tanzplätze von Hexen (Brocken). Vorchristliche Kultstätten wurden etwa im Zuge der Christianisierung mit christlichen Wallfahrtsorten überbaut. Weiterlesen

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Armin Knab sprach als Amtsrichter in Rothenburg 13 Jahre lang Recht, komponierte schon immer Lieder und wurde im NS-Staat Professor für Musiktheorie und Komposition in Berlin

Armin Knab

Armin Knab

Von Wolf Stegemann

Nach ihm sind vor allem in Franken Gymnasien benannt und Straßen sowie eine von seiner Witwe gegründete Stiftung. In Rothenburg ob der Tauber war der promovierte Jurist 13 Jahre lang Richter am Amtsgericht vorm Rödertor und nach 1933 Mitglied im NS-Rechtswahrerbund. Die Mitgliedschaft in dieser NSDAP-Unterorganisation war gleichbedeutend mit der in der NSDAP. Daher konnte Armin Knab – auch ohne Parteigenosse zu sein – im NS-Regime Karriere machen. Nicht als Jurist, sondern als Musiker und Komponist. „Des Knaben Wunderhorn“ und andere gängige Lieder und Kantaten von Mörike, Eichendorff, Goethe, Claudius sind bekannt – er  schrieb aber auch NS-Lieder für die Jugend. Der Rothenburger Künstler Johannes Oertel schuf eine Bronzebüste von Armin Knab, die einen Atelierbrand im Jahr 1931 rußgeschwärzt überstand. Dazu seine Tochter Rosemarie Richter 1993: Sie „bekam sogar im Brand eine interessante Patina“. Weiterlesen

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