Die „Röhm-Affäre“ – Forderungen der SA stürzten das „Dritte Reich” in eine tiefe Krise

SA-Stabschef Ernst Röhm und sein Duzfreund Adolf Hitler (1933)

Weggefährten: SA-Stabschef Ernst Röhm und sein Duzfreund Adolf Hitler (1933)

Von Detlev Schnitker

Der 30. Juni 1934 gilt als Abschluss der nationalso­zialistischen „Machtergreifung”: Die lang schwelen­de politische Konsolidierungskrise des „Dritten Reichs“ wurde beendet: Die SA als wesentlicher Träger der terroristischen Phase der „Machtergreifung“ wur­de entmachtet. Auf der anderen Seite steht der Auf­stieg der SS und die Zementierung der Reichswehr als einziger Waffenträger der Nation. Doch die Sta­bilisierung wurde bezahlt mit einer als „Staatsnot­wehr“ bezeichneten Mordaktion, die 85 Menschen das Leben kostete. Die nationalsozialistische Propaganda nannte dies „Niederschlagung des Röhm-Putsches“, was in Wirklichkeit der tödliche Schlag des Regimes gegen den unangepassten, aufbegeh­renden SA-Stabschef Ernst Röhm und dessen Füh­rungsclique war. Weiterlesen

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SS-Verein Lebensborn: Mütter mussten „den Zuchtkriterien der SS entsprechen“ – In Ansbach gab es zwei Kinderheime

SS-Angehöriger mit Kleinkind

NS-Propaganda-Bild: „Lebensborn-Kind mit SS-Vater; Foto: Bundesarchiv

Von Wolf Stegemann

Viele ehemalige „Lebensborn-Kinder“ schämen sich auch heute noch, weil sie denken, Lebensborn-Heime waren bessere Bordelle für SS-Leute oder „Begattungsheime“ und Zuchtanstalten. Das waren diese Heime nicht. Sie waren ein Projekt, das ursprünglich von Heinrich Himmler erdacht worden war, um dem „Dritten Reich“ Kinder zuzuführen. Der Lebensborn e. V. war im nationalsozialistischen Reich ein von der SS getragener, staatlich geförderter Verein. SS-Reichsführer Heinrich Himmler war Vereins-Präsident. Ziel von Lebensborn war es, auf der Grundlage der NS-Rassenhygiene und Gesundheitsideologie die Erhöhung der Geburtenrate „arischer“ Kinder auch aus außerehelichen Beziehungen herbeizuführen. Dies sollte durch anonyme Entbindungen und Vermittlung der Kinder zur Adoption – bevorzugt an Familien von SS-Angehörigen – erreicht werden. So wurden 13 der 98 vom Lidice-Massaker betroffenen Kinder für den Lebensborn selektiert, während die anderen ins Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) deportiert und dort durch Gas ermordet wurden. Weiterlesen

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Die NSDAP trimmte auf ihren Ordensburgen begeisterte junge und auserwählte Nationalsozialisten zur künftigen Partei-Elite. Der Rothenburger Ordensjunker Edwin Böhm war dabei

Ordensburg Vogelsang in der Eifel in den 1940er-Jahren; Foto: Vogelsang ip

Ordensburg Vogelsang in der Eifel in den 1940er-Jahren; Foto: Vogelsang ip

Von Wolf Stegemann

Zwischen 1934 und 1937 richtete die NSDAP unter der Bezeichnung Ordensburgen drei Ausbildungsstätten für zukünftiges Führungspersonal der Partei ein, die dem Chef der Deutschen Arbeitsfront (DAF) Robert Ley unterstanden. NS-Ordensburgen waren Neubauten, nicht aber umfunktionierte mittelalterliche Burgen. Doch waren die mittelalterlichen Deutschordensburgen, eine Mischung aus Burg, Kloster und Kaserne, Vorbilder. Neu gebaut und in Betrieb genommen wurden die Ordensburgen Vogelsang in der Eifel, Sonthofen im Allgäu und Krössinsee in Pommern. Andere waren in Planung, konnten aber nicht mehr errichtet werden. Weiterlesen

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Sinti und Roma: Was mit der Ausgrenzung begann, endete mit Völkermord. Bis zu 500.000 Menschen fielen dem Rassenwahn der Nationalsozialisten zum Opfer

Sinti und Roma auf dem Weg zur Deportation in die Lager im Osten; hier in Asperg (Württemberg) den OstenD

Sinti und Roma auf dem Weg durch Asperg (Württemberg) zur Deportation in die Lager im Osten

AS – Zu „Volks- und Reichsfeinden“ gehörten im NS-Regime alle Menschen, die keinen Platz in der nationalsozialistischen Vorstellung der deutschen Volksgemeinschaft hatten. Dazu zählten neben Juden vor allem „Zigeuner“. Die sich selbst Sinti und Roma nennende Bevölkerungsgruppe war Schikanen ausgesetzt und wurde von den Nationalsozialisten ab 1933 schrittweise ausgegrenzt, entrechtet und verfolgt. Alle Maßnahmen gegen Juden wurden auch auf Sinti und Roma angewandt. Sie sollten aus Berufsorganisationen wie der Handwerkskammer oder den Unterabteilungen der Reichskulturkammer ebenso ausgeschlossen werden wie später aus der Wehrmacht. Weiterlesen

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Adolf Hitler – Massenmörder und Multimillionär, Steuerbetrüger und Steuerverschwender

W. St. – Er aß kein Fleisch, trank nicht und rauchte nicht. Doch selbstlos war Adolf Hitler nicht. Die von Hitler selbst gestrickte Legende vom asketischen, opferbereiten, selbstlosen „Führer“ im Dienste seines Volkes, der sogar auf sein Gehalt als Reichskanzler verzichtet habe, ist so langlebig wie falsch. Als er 1945 Selbstmord beging, war er ein schwerreicher Mann. Schon zu Beginn seiner „Karriere“ verfügte Hitler über genügend Einkünfte – wohlhabende Spender aus der Industrie finanzierten ihn heimlich. Als er an der Macht war, schien der Geldstrom kein Ende mehr zu nehmen. Weiterlesen

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Liebesschwüre an Adolf Hitler: „Du süßestes herzensbestes Lieb, mein Einziges, möchte Dich vor lauter Lieb’ auffressen.“ – Ein Mosaik personifizierter Geschichte

Eine von vielen tausend Liebesbriefen, die in der Reichskanzlei aufgefunden wurden

Eine von vielen tausend Liebesbriefen, die in der Reichskanzlei aufgefunden wurden

Diktatoren sind oft gewalttätige Männer mit einem unersättlichen Machttrieb. Von Ausnahmen abgesehen dringt ihr ausgeprägtes Sexualleben selten an die Öffentlichkeit. Psychoanalytiker beschreiben sie als Frauenliebhaber und Frauenverächter zugleich, was mit anderen Wahrnehmungen zusammengenommen eine erotische Ausstrahlung auf Frauen bewirkt. Sie werden von Frauen oft angehimmelt. Dem glatzköpfigen italienischen Diktator Benito Mussolini flogen nicht nur geworfene Blumen, sondern auch die Herzen der Frauen zu. Seine Geliebte teilte nicht nur das Bett, auch den Tod mit ihm. Das war auch bei Adolf Hitler so, über dessen Liebesleben kaum etwas an die Öffentlichkeit drang. Die Liebesbriefe aber, die deutsche Frauen zwölf Jahre lang an den Führer geschrieben haben, sind deutlicher. Weiterlesen

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Wer steckt hinter dem Namen der Karl-Bröger-Straße? Ein von den Nazis vereinnahmter Dichter aus der Arbeiterbewegung

Karl Bröger 1933, Zeichnung von C. Stahl

Karl Bröger 1933, Zeichnung von C. Stahl

W. St. – In Rothenburg gibt es eine Karl-Bröger-Straße. Sie ist nach einem Mann benannt, der als Schriftsteller und Dichter der SPD und der Arbeiterbewegung in Mittelfranken angehörte, sich aber 1933 nach einem mehrmonatigen Aufenthalt im Konzentrationslager Dachau „arrangierte“, obwohl er keine Sympathien für die Nazis hatte.

Als Sohn eines Schuhmachers und Bohrmaschinisten und einer Textilarbeiterin in der Nürnberger Vorstadt Wöhrd geboren, absolvierte er eine Kaufmannslehre, arbeitete als Bauarbeiter, kam mit dem Gesetz in Konflikt und leistete ab 1906 Militärdienst beim 21. bayerischen Infanterieregiment. Seine Jugendzeit schildert er offen in seinem autobiographischen Roman „Der Held im Schatten“. Seine ersten Gedichte erschienen 1910 in den „Süddeutschen Monatsheften“, 1912 kam Brögers erster von Prof. Franz Muncker geförderter Lyrikband „Gedichte“ heraus.  Bis zu seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg arbeitete er als Redakteur für die Fränkische Post in Nürnberg, eine sozialdemokratische Zeitung. Weiterlesen

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