Wer steckt hinter dem Namen der Karl-Bröger-Straße? Ein von den Nazis vereinnahmter Dichter aus der Arbeiterbewegung

Karl Bröger 1933, Zeichnung von C. Stahl

Karl Bröger 1933, Zeichnung von C. Stahl

W. St. – In Rothenburg gibt es eine Karl-Bröger-Straße. Sie ist nach einem Mann benannt, der als Schriftsteller und Dichter der SPD und der Arbeiterbewegung in Mittelfranken angehörte, sich aber 1933 nach einem mehrmonatigen Aufenthalt im Konzentrationslager Dachau „arrangierte“, obwohl er keine Sympathien für die Nazis hatte.

Als Sohn eines Schuhmachers und Bohrmaschinisten und einer Textilarbeiterin in der Nürnberger Vorstadt Wöhrd geboren, absolvierte er eine Kaufmannslehre, arbeitete als Bauarbeiter, kam mit dem Gesetz in Konflikt und leistete ab 1906 Militärdienst beim 21. bayerischen Infanterieregiment. Seine Jugendzeit schildert er offen in seinem autobiographischen Roman „Der Held im Schatten“. Seine ersten Gedichte erschienen 1910 in den „Süddeutschen Monatsheften“, 1912 kam Brögers erster von Prof. Franz Muncker geförderter Lyrikband „Gedichte“ heraus.  Bis zu seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg arbeitete er als Redakteur für die Fränkische Post in Nürnberg, eine sozialdemokratische Zeitung.

Im Ersten Weltkrieg wurde er früh schwer verwundet. Geprägt durch seine Kriegserlebnisse schrieb er Kriegslyrik, patriotische Gedichte. Nach Kriegsende beschrieb er wie viele Autoren das Leiden des einfachen Soldaten. Bald zählte Bröger zu den meistgelesenen Vertretern der Arbeiterliteratur. Dies machte ihn später für die Nationalsozialisten interessant. Er schrieb Erzählungen („Bunker 17“, 1929) und arbeitete für die Zeitung „Der Reichsbanner“ des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“, das er in Franken mitgegründet hatte. Auch wurde Bröger in die Redaktion der sozialdemokratisch ausgerichteten „Fränkischen Tagespost“ berufen (bis 1933). Er schrieb für andere sozialdemokratische Blätter und war zeitweise Redakteur der „Jungsozialistischen Blätter“. Zudem war Karl Bröger von 1921 bis 1929 Dozent für Literatur an der Volkshochschule Nürnberg, wo er Literaturkurse leitete. Charakteristisch für seine Werke der 1920er-Jahre sind sein Bekenntnis zu Deutschland, zu deutschem Land und deutschem Volk und seine patriotische Einstellung.

Straßenschild in Rothenburg

Straßenschild in Rothenburg; Foto: Oliver Gußmann

Im März 1933 wurde er in Nürnberg zum SPD-Stadtrat gewählt. Daraufhin war er von Juni bis September 1933 im KZ Dachau inhaftiert. Danach arbeitete er als freier Schriftsteller. Einige seiner Gedichte wurden von den Nationalsozialisten veröffentlicht. Die Hitlerjugend vereinnahmte etliche seiner Gedichte und Lieder. Der „Völkische Beobachter“ druckte Brögers Gedichte ab. Seit 1943 – in diesem Jahr wurde sein Siedlungshäuschen in Nürnberg durch einen Fliegerangriff zerstört, und die Familie musste evakuiert werden – litt er an einer schweren Krankheit. Nach seinem Tod im Mai 1944 in Erlangen erhielt Karl Bröger ein NSDAP-Parteibegräbnis, an dem auch der Vertreter des regionalen Propagandaamts Bäselsöder sprach.

  • Außer Rothenburg haben auch die Städte Fürth, Erlangen, Oberasbach und Bremen Straßen nach ihm benannt. In Nürnberg gibt es einen Karl-Bröger-Platz, eine Karl-Bröger-Straße, einen Karl-Bröger-Tunnel sowie ein Karl-Bröger-Haus und eine Karl-Bröger-Gesellschaft.

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Quelle: Information Karl-Bröger-Zentrum Nürnberg. – Wikipedia, Online-Enzyklopädie.
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