Mit Pathos, Pomp und Ludwig Siebert wurde dessen „Ehrenmal der nationalsozialistischen Bewegung“ im Burggarten mit „Heil Hitler! Heil Siebert!“ enthüllt – 1945 Müll der Geschichte

Ludwig Siebert auf dem Rothenburger Marktplatz

Ludwig Siebert auf dem Rothenburger Marktplatz

Von Wolf Stegemann

Misst man das Ereignis im September 1934 am Aufwand, an den hingebungsvollen Reden und letztlich auch am Umfang der Berichterstattung im „Fränkischen Anzeiger“, der mit drei Zeitungsseiten weder vor- noch nachher ein Ereignis in der Stadt in solchem Umfang dargestellt hatte, so drängt sich der Eindruck auf, dass die Enthüllung des vom bayerischen NS-Ministerpräsidenten Ludwig Siebert gestiftete Rothenburger Mahnmals das größte Ereignis im nationalsozialistischen Rothenburg war. Zu dieser Enthüllung im Burggarten, hatte die Stadt und Partei am 22. und 23. September 1934 offensichtlich alles aufgeboten, was eine Fahne halten, marschieren, „Heil Hitler“ rufen, Chorlieder singen, Märsche spielen oder auch nur eine Uniform anziehen konnte. Der  bayerische Ministerpräsident stand als Stifter des Denkmals natürlich im Mittelpunkt der Feier wie auch in der Berichtserstattung am andern Tag.

Gestiftet von Ludwig Siebert, entworfen von Johannes Oertel  

"Ehrenmal der nationalsozialistischen Bewegung" im Burggarten

“Ehrenmal der nationalsozialistischen Bewegung” im Rothenburger Burggarten

Der führende Nationalsozialist Ludwig Siebert spendete der Stadt ein Denkmal, mit dem er sich bei den Bürgern Rothenburgs für deren stets nationalsozialistische Gesinnung in den Kampfjahren vor 1933 bedankte. Entsprechend titelte die Zeitung dieses Denkmal mit „Ehrenmal der nationalsozialistischen Bewegung“ und schrieb:

„Rothenburg hat gestern und vorgestern Festtage erlebt, die in der Geschichte der Stadt mit ehernen Lettern für alle Zeiten eingeschrieben sind und die all denen, die sie miterleben durften, unvergesslich bleiben werden.“

Die Lettern, die in das sechs Meter hohe Denkmal aus heimischem Muschelkalk gemeißelt waren, lauteten „Deutschland ist erwacht“. Ludwig Siebert hatte als Künstler im März 1934 den Rothenburger Bildhauer und „Alten Kämpfer“ der NSDAP, Johannes Oertel, beauftragt.  Die Vierkantsäule war bekrönt mit einem einen Meter hohen Adler aus Bronze, dessen Flügelspannweiten jeweils zwei Meter betrugen. Der „Fränkische Anzeiger“ deutete für seine Leser dieses Werk als einfach und schlicht, streng und weich, heraldisch und naturnah, wodurch es seine „Kraft und Wirkung“ gewinne:

„Nichts wäre besser dazu geschaffen, die alles umfassende Macht, die vollkommene Beherrschung der gesamten Lage, nicht minder, aber auch die vorbildliche Einfachheit, Schlichtheit und Volksverbundenheit unseres Führers und seines grandiosen Werkes, die nationalsozialistische Bewegung so treffend zum Ausdruck zu bringen, wie es in diesem Denk- und Mahnmal geschehen ist. Nichts ist aber auch mehr geeignet, das Bild und Wesen des Stifters dieses Ehrenmals, unseres Ehrenbürgers, Herrn Ministerpräsident Ludwig Siebert, seine glühende Begeisterung und seinen Kampfeswillen für Adolf Hitlers Werk, seine großzügige, weitblickende  zielsichere Taktik nachhaltig einzuhämmern als dieses Ehrenmal vermag. Mit offenem Kampfesmut schweift der Blick des stolzen Aars nach Westen.“

Bronze-Adler schaute mit ausgebreiteten Schwingen übers Taubertal

Johannes Oertel inmitten seiner NS-Kunst

Johannes Oertel inmitten seiner NS-Kunst

Das Denkmal stand auf dem heutigen Plateau über dem Taubertal, wo einst der Pharamundsturm gestanden haben soll. Eine Treppe (heute noch vorhanden) führte zum Denkmalplatz und verband die alte Burganlage mit dem neuen Platz, der mit Muschelkalkplatten ausgelegt und mit Steinbänken versehen war.

„So wird in Zukunft wohl kein Besucher mehr in unserer alten Tauberstadt verweilen, der bei einem Gang in unsere Alte Burg und nach einem Blick von der Westseite ins Taubertal nicht einen Augenblick vor dem Denkmal gebannt steht, während seine Gedanken und sein Fühlen ihm sagen: Ja, Deutschland ist erwacht!“ (FA)

Doch das Erwachen Deutschlands erstickte an seinen eigenen Verbrechen und die Zukunft des Denkmals war daher nur kurz. 1945 musste das Denkmal auf Anordnung der Amerikaner abgebrochen werden, wie auch die Ludwig-Siebert-Straße umbenannt werden musste. Das Denkmal bauten die Rothenburger nach Übergabe der Verwaltungsverantwortung in deutsche Hände nicht wieder auf, aber die Ludwig Siebert entzogene Straße nannten sie 1955 wieder nach ihm – bis 2015.

Hitler gibt Siebert die Hand inmitten der Großen des Reiches 1935 in Nürnberg

Inmitten der Großen des Reiches gibt Hitler 1935 in Nürnberg Ludwig Siebert die Hand

Siebert – „einer der treuesten Paladine des Führers“

Die Einweihung des Denkmals war Anlass für die Redaktion des „Fränkischen Anzeigers“, das innige Verhältnis Rothenburgs zu seinem bayerischen NS-Machthaber Ludwig Siebert im Jahr 1934 zu dokumentieren:

„Alles das, was wir in der Zeit seit Deutschlands Erneuerung durchlebt, die letzten Kampfjahre, die Machtergreifung durch die NSDAP, die von Sieg zu Sieg schreitende Erneuerung des ganzen deutschen Volkes … spiegelt sich in diesen Tagen wieder, in dem Mann, der als einer der treuesten Paladine unseres Führers und Reichkanzlers mit in den vordersten Reihen steht, und der nach dem Sieg der Bewegung sein ganzes Können, Fühlen und Denken seinem Führer, seinem Volk und Vaterland zur Verfügung gestellt hat, in unserem bayerischen Ministerpräsidenten Ludwig Siebert, unseren hochverehrten, geliebten Ehrenbürger. Ist es da zu verwundern, wenn Rothenburgs Einwohnerschaft, wenn die Bewohner seines Rothenburg im tiefsten bewegt sind von solchen Tagen? Der Franke, zumal unser Rothenburger Franke, ist zurückhaltend, wenn es sich um laute Beweise des Enthusiasmus handelt, aber er ist in tiefster Seele treu und hält zu dem, dem er Treue geschworen. Und heute sagen wir nicht zu viel, wenn wir ein für allemal festlegen für den Rothenburger, der mit seiner Heimat und dadurch mit seinem Volk und Vaterland fühlt und denkt; (es) gibt zwei Namen, die ihm ein und alles bedeuten, Adolf Hitler und Ludwig Siebert. Ihnen nachzuleben und sie in allem und jedem sich als Beispiel zu nehmen, ist deutsches Evangelium. Darum soll auch der Schwur, der an geweihter Stätte gestern bei der Enthüllung des Mahnmals aus tausend Herzen zum Himmel stieg, nicht eine leere Phrase sein, sondern ein Bekenntnis zur Tat.“

Vor dem Hotel „Eisenhut“ wurde getrommelt und gepfiffen

Bei der Einweihung 1934: Siebert links, daneben Oberbürgerneister Dr. Liebermann, Siebert-Familie (re.); Archiv FA

Bei der Einweihung 1934: Siebert links, daneben Oberbürgerneister Dr. Liebermann, Siebert-Familie (re.); Archiv FA

Zur Tat waren die Rothenburger schon Wochen vor der Einweihung geschritten, um den Koloss im Burggarten aufzustellen. Am Samstag, den 23. September 1934, fand die Vorfeier statt. Von den Häusern wehten die Hakenkreuzfahnen und die Sportverbände, Hitlerjugend, SA und SS sowie andere Parteigliederungen übten den anderntags erfolgten Aufmarsch. Abends traf Ludwig Siebert ein, der am Marktplatz mit lauten Heil-Rufen empfangen wurde und der sich bei den Rothenburgern mit dem deutschen Gruß bedankte. Mitgebracht hatte der Ministerpräsident seine Frau und seine Söhne mitsamt deren Gattinnen. Bevor der Familientross samt Stab im Hotel Eisenhut verschwinden konnte, baute er sich davor auf. Da wurde dann getrommelt und gepfiffen, wobei Fackeln den „schneidigen Vorbeimarsch“ beleuchteten. Voran ging die Stadtkapelle gefolgt vom SA-Spielmannszug, dann kam die SA und SS. Als alle vorbeimarschierte waren, nahm die Standartenkapelle Aufstellung und spielte den Zapfenstreich. Es erschallten Kommandos und der Vorbeimarsch zweiter Teil begann. Danach ließ sich der Ministerpräsident durchs Taubertal fahren und besuchte in Eckartsbuck am abendlichen Feuer 3.000 versammelte BDM-Mädels, um über die deutsche Jugend, über den Feuergeist und deutsche Heimatliebe zu reden. Nach Rothenburg zurückgekehrt, besuchte Siebert noch ein Konzert der SA-Standartenkapelle Ansbach im Vereinshaus, während „die übrigen Gasthäuser zum Teil dicht besetzt mit freuderfüllten Gästen“ waren. Der Ministerpräsident und sein Tross schien erst spät in den Schlaf gekommen zu sein, denn:

„Lange noch standen die Massen vor dem Hotel und verlangten unter dauernden Heil-Rufen unseren Ehrenbürger zu sehen, mit dem sich jeder Rothenburger eng verbunden fühlt.“

Zwei SS-Männer mit Stahlhelmen stilvoll neben dem Denkmal aufgestellt

Umschlag Touristenbroschüre 1935

Umschlag Touristenbroschüre 1935

Am anderen Tag füllten die 3.000 BDM-Mädels, die dieses Wochenende anlässlich der Denkmal-Enthüllung zu ihrem Gau-Sporttag wählten, mit ihren bunten Trikots die Gassen der Stadt, schreibt die Zeitung. Auf dem Judenkirchhof (heute Schrannenplatz) sammelten sich die Kolonnen, die dann von dort zur Burg marschierten. Vorher übergab der SS-Standartenführer Florstädt eine von Hitler beim Reichsparteitag in Nürnberg geweihte SS-Sturmbannfahne dem Rothenburger Sturmbann II/73. Im Burggarten hatten sich bereits der BDM, die HJ und das Jungvolk eingefunden, um vom Brunnen bis zum Denkmalplatz am Westende der Burg Spalier zu bilden. Die SA und SS waren mit großem Aufgebot anmarschiert. Fahnen flatterten überall und vor dem Denkmal waren zwei „SS-Männer mit Stahlhelm stilvoll aufgestellt“ (FA). Zu den Ehrengästen vor dem Denkmal gehörten Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, die in Rothenburg ihren Sitz haben, Mitglieder des Stadtrats und Bezirkstags, die Dienstältesten der Partei, SA, SS, HJ, BDM, des Jungvolks, der NS-Frauenschaft, des SA-Hochschullagers, des Freiwilligen Arbeitsdienstes, des Roten Kreuzes, der Kriegsbeschädigten, der Kriegshinterbliebenen und der Vereinigung ehemaliger Kriegsgefangener. Den musikalischen Teil bestritten die Stadtkapelle und die Rothenburger Sängerschaft. Als alle versammelt waren, rückte Siebert mit seinem Tross an. Dazu der „Fränkische Anzeiger“:

„Laute Heilrufe, die sich wellenartig fortsetzten, verkündeten das Nahen des Herrn Ministerpräsidenten, der alsdann mit den Herren des Stabes unter den Klängen des Badenweiler Marsches den Denkmalplatz betrat. Mit dem mächtigen vom Orchester noch unterstützten Männerchor ,Schlage empor Vaterlandsflamme’ fand die Feier ihre Eröffnung.“

Mit Mut und Opferbereitschaft die Fahne des Nationalsozialismus ergriffen 

Als erster sprach NSDAP-Kreisleiter Fritz Mägerlein, dessen „Herz mit Stolz und Freude“ erfüllt war und der zum zweiten Male den Ministerpräsidenten in Rothenburg empfangen durfte.

„Dieses Mahnmal soll uns daran erinnern, dass Adolf Hitler, der Retter Deutschlands, aber nicht nur die nationale Uneinigkeit beseitigt hat, dass auch das hohe Echo seiner Lehre alle wahren Nationalsozialisten fühlen. Alle Nationalsozialisten seien Herrn Ministerpräsidenten verpflichtet und verbunden, weil sie wissen, wie er in jahrelanger schwerer Aufbauarbeit und jahrelangem schweren Kampfe Volk und Vaterland dem Nationalsozialismus und seinem herrlichen Führer zugeführt habe.“

Dann lobte er noch Siebert, weil dieser als erster Bürgermeister im Deutschen Reich (Lindau) noch vor 1933 „den Mannesmut und Opferwillen“ hatte, sich zum Führer zu bekennen und „die Fahne des Nationalsozialismus ergriff“.

"Fränkischer Anzeiger" vom 24. Sept. 1934

“Fränkischer Anzeiger” vom 24. Sept. 1934

Oberbürgermeister Dr. Liebermann ging auf Sieberts Zeit als Bürgermeister in Rothenburg ein und begrüßte ihn als nunmehrigen Ehrenbürger, der durch die Eigenschaft Heimatliebe unzertrennlich eng mit Rothenburg verbunden sei. Die Liebe, welche die Rothenburger ihm gegenüber empfänden, zeige sich ganz besonders am heutigen Tage, an dem er das Werk, das er der Stadt zugedacht habe, krönen werde. Nach einem dreifachen Siegheil auf Siebert spielte die Stadtkapelle unter Leitung von G. Streckfuß den „Ludwig-Siebert-Marsch“, nach dessen Beendigung Siebert das Wort ergriff. Seine Rede begann er mit den Worten und dem Gelöbnis:

„Es falle die Hülle von diesem Mahnmal! Als erstes Gelöbnis unerschütterlicher Treue bis zum Tode gegen unser Volk und Vaterland und seinen Führer lege ich namens der bayerischen Staatsregierung den Lorbeer nieder, zu ehrendem und dauerndem Gedächtnis der Mitstreiter und Wegbereiter Adolf Hitlers für das neue Deutschland der Gegenwart und uns zum ermahnenden Vorbild der Nachwelt und der Jugend zum nacheifernden Tun und Wirken im Sinne und Wollen des neuen nationalsozialistischen Deutschlands.“

Ludwig Siebert betete nationalsozialistisches Glaubensbekenntnis vor

Ludwig Siebert

Ludwig Siebert

Danach krachten Salven der Schützen und die Musik spielte das Lied vom guten Kameraden. In seiner weiteren Rede ging Ludwig Siebert auf die Geschichte der Stadt und die hier herrschende Heimatverbundenheit ein und meinte, dass es keinen schöneren Platz gebe, als diesen in der Alten Burg. Das Denkmal sei an die Jugend gerichtet. Siebert erinnerte an das „schmachvolle Ende“ des Ersten Weltkriegs, an dem „Millionen und Abermillionen Menschen“ an ihrer Führung verzweifelten.

„Wie groß ist dagegen die heute an Gütern noch arme Zeit unseres Führers, wie groß ist diese Zeit des nationalsozialistischen Deutschland, das wir geschaffen und das wir erlebt haben.“

Siebert schwärmte sodann von der Kampfzeit, von der Geschlossenheit der nationalsozialistischen Männer mit 180.000 Amtswaltern, die das nationale Gewissen Deutschlands darstellten, an die 150.000 „prächtigen SA- und SS-Kameraden, die als politische Soldaten unseres Führers ohne Gewehr und Munition den Wehrwillen Deutschlands verkündeten“. Und dann erklärte er den Nationalsozialismus:

„Der Nationalsozialismus ist eine deutsche Angelegenheit. Er will sich den anderen nicht mit Gewalt aufdrängen, aber er verlangt, dass ihm in Deutschland und von Fremden keine Schwierigkeiten gemacht werden und wir sorgen dafür, dass wir in Deutschland den Nationalsozialismus in seinem reinsten Inhalt zur Endentwicklung bringen, als Wegweiser für die übrige Welt, der Deutschland in den vergangenen Jahrhunderten ja so oft und viel gegeben hat. Es ist der Sinn dieses schönen Gedenksteins ein dreifacher: Eine Mahnung an die Lehren der Vergangenheit, ein Dank an die, die die Gegenwart gezimmert haben und eine Mahnung für die Zukunft, alle Kräfte zusammenzuhalten, das deutsche Volk hinauszuführen auf die große und befreiende Linie, die unser Führer vorgezeichnet hat.“

Danach sprach er das nationalsozialistische Glaubensbekenntnis vor.

„Ich glaube, ich glaube an dich. Du Führer und Retter Deutschlands und an seine Zukunft. (Wer an ihn glaubt) wird ein Mitstreiter derer werden, die Deutschland hinausführen in eine freie, in eine große einheitliche Zukunft des Friedens, der Freiheit und des Brotes.“

„Ergriffen“ sang die Menge „das Kampflied der Bewegung“. In dieser Rede und in seinem pseudoreligiösen Bekenntnis zum Schluss seiner Ansprache ballen sich die Lügen und Verschleierungen eines Ludwig Siebert so schändlich zusammen, als hätte er in seiner Position nicht gewusst, dass Frieden und Freiheit im Nationalsozialismus eigentlich Krieg, Verfolgung und Unterdrückung bedeuteten!

Rothenburg Brennpunkt nationalsozialistischen Denkens und Fühlens

Ludwig Siebert begüßt die SA im Burggarten (nicht 1934)

Siebert begüßt die SA im Burggarten (nicht 1934)

Zum Schluss sprach ein weiterer Vertreter der Stadt, Bürgermeister Karl Zoller (NSDAP), der über die Partei als solcher eingesetzt worden war. Wie sein Vorredner sprach auch er von der geschichtlichen Vergangenheit Deutschlands und Rothenburgs und von der Einigkeit, die Hitler herbeigeführt hätte. Er bedankte sich beim Ministerpräsidenten, der Rothenburg als erste Stadt in Franken dieses Hoheitszeichen (gemeint ist das Denkmal) schenkte. Er sehe darin den Beweis, dass Rothenburg zu den Gemeinden gehöre, die dem Führer den Weg geebnet hätten. Dann legte Zöllner namens der Stadt und des Oberbürgermeisters einen Lorbeerkranz zum Gedenken an die 400 nationalsozialistischen Opfer der „Kampfzeit“ nieder. Mit dem Fredericus Rex-Marsch und dem „Lied der Deutschen“ klang die Feierstunde zur Enthüllung des Mahnmals aus. Die Verbände traten unter Heilrufen den Rückweg über die Herrngasse an. Dort standen am Ratskeller bereits Ministerpräsident Siebert, sein Gefolge und die Ehrengäste, um den Vorbeimarsch der Verbände und ihrer Fahnenabteilungen abzunehmen.

Anschließend lud Siebert die Ehrengäste und Vertreter der Stadt zum Festmahl in das Hotel „Eisenhut“ ein, wo Siebert wieder in einer Rede den „unbedingten Glauben“ und die „vertrauensvolle Hingabe“ an die nationalsozialistische Zukunft sowie den „Geist der Volksgemeinschaft der Tat“ beschwor. Rothenburg, sagte er, sei für ihn der Inbegriff alles dessen, was die Voraussetzung geben müsse, den deutschen Menschen zu formen im Sinne der neuen Zeit. Rothenburg sei für die Verwirklichung des wahren Nationalsozialismus geradezu geschaffen. Rothenburg habe ein Recht darauf, dies habe die heutige Feier bewiesen, als die Stadt gewertet zu werden, die in der Verwirklichung des nationalsozialistischen Gedankengutes mit an erster Stelle steht. Der Stadt wünschte er zum Schluss seiner Rede, dass Rothenburg auch weiterhin ein Brennpunkt nationalsozialistischen Denkens und Fühlens sei, und dass ihr im Dritten Reich all das zuteil werde, was es in reichem Maße verdiene. – Bürgermeister Dr. Liebermann erwiderte, dass Rothenburg seit vielen Jahren eine Hochburg der neuen Bewegung gewesen sei und werde es immer bleiben.

Treueschwur der Zeitung: Unbegrenztes blindes Vertrauen für immer

Ludwig-Siebert-Straße seit 2015 passee

Ludwig-Siebert-Straße seit 2015 passee

Nachmittags besuchte Siebert noch die BDM-Mädels beim Gausport-Fest im Sportstadion an der Ansbacher Straße und die SS-Standartenkapelle Ansbach spielte im Wildbad auf. Der „Fränkische Anzeiger“ schloss seinen dreiseitigen Bericht über die Enthüllung des Mahnmals mit einem für eine Lokalzeitung im Jahr 1934 heute eigenartig erscheinenden Schwur der Treue und des blinden Vertrauens in Adolf Hitler und Ludwig Siebert:

„So ist nun unser Rothenburg um ein wertvolles Dokument, um einen der markantesten und treffendsten Zeugen der neuen Zeit reicher geworden. … Den schönsten Dank jedoch, das wissen wir, zollen wir ihm (Siebert) damit, dass wir ihm versprechen, auch weiterhin treue Nachfolger des von ihm hochverehrten Führers und Kanzlers zu bleiben. Das Ehrenmal der Bewegung wird immer auch das Mahnmal bleiben, das uns an unsere Pflichten als Deutsche, als Nationalsozialisten, als Kämpfer für unser großes deutsches Volk und Vaterland jeden Tag aufs Neue erinnert. Und wir wollen uns von ihm mahnen lassen. Wir wollen auch fürderhin in unserem Führer und Volkskanzler wie in unserem bayerischen Ministerpräsidenten die Männer sehen, denen unser Herz und unser unbegrenztes blindes Vertrauen für immer gehören sollen. Mögen sie und ungezählte Jahre Führer sein. Wir werden folgen. – Heil Hitler! Heil Siebert!“

Anmerkung: Die Darstellung dieser Denkmalsenthüllung und der dabei gehaltenen Reden haben wir mit Bedacht so ausführlich wiedergegeben, um dem Leser zu verdeutlichen, wie hohl und falsch das damalige Pathos war. Wie der Berichterstatter des „Fränkischen Anzeigers“ schrieb, bejubelten die meisten solche Phrasen mit brausenden, wogenden und dauernden Heilrufen. Erstaunlich ist auch, wie der Berichterstatter mit seinen Schwüren auf den Führer und seine Bewegung sich und die Zeitung schon 1934 eins machten mit dem Nationalsozialismus. – 2015 wurde die Ludwig-Siebert-Straße in Rothenburg wieder in Obere Bahnhofstraße umbenannt.

Denkmal gut-A1nTsvLFXHLEigenartig: In dem französischen Reiseführer „Guide dissident de I’Allemagne et de I’Austriche“ („Führer Andersdenkender von Deutschland und Österreich“), erschienen im Mai 2014, sind Sehenswürdigkeiten von Rothenburg ob der Tauber beschrieben. Autor ist Paul Durand. Der Touristenführer ist broschiert und kostet 47 Euro.
Rothenburg wird darin als eine „deutsche Stadt“ und als ein „Juwel der Romantischen Straße“ mit „außergewöhnlichem mittelalterlichen Charakter“ beschrieben. Innerhalb der Mauern, so liest man auf Französisch, gebe es ein Kriminalmuseum und ein Puppenmuseum. Auch gebe es seit 1938 eine „Reichsleiter Max Amann-Jugendherberge“ mit einer Kapazität von 400 Betten. Dann gebe es seit 1935 im westlichen Teil des Burggartens ein Denkmal für die Toten der NSDAP in der Architektur der 1930er-Jahre, das auf Initiative des Bayerischen Ministerpräsidenten Ludwig Siebert errichtet und von dem Bildhauer Oertel entwickelt worden sei. Es zeige in Richtung Westen mit Blick auf den Fluss. Dann erfolgt die Beschreibung des NS-Denkmals. Auf der rechten Seite, so heißt es weiter, stehe im Taubertal das „Topplerschlösschen“, das den Namen eines Bürgermeisters aus dem Jahre 1388 habe.

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Quelle:  „Ich glaube an dich, Deutschland und an deine Zukunft – Enthüllung und Weihe des Rothenburger Mahnmals, des Ehrenmals der nationalsozialistischen Bewegung durch seinen Stifter, unseren Ehrenbürger Ministerpräsident Ludwig Siebert“ in  „Fränkischer Anzeiger“ vom 24. September 1934 (ohne Autorennennung).

 

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