Über 30 Nazis aus Stadt und Landkreis Rothenburg – darunter Bauern, Handwerker, Arbeiter – schmückten sich mit dem „Goldenen Ehrenzeichen der NSDAP“

Goldenes Partei-Abzeichen

Goldenes Partei-Abzeichen

Von Wolf Stegemann

Auf der Leiche des Mannes in  halbgekrümmter Stellung lagen die Überreste einer verkohlten Parteiuniform der NSDAP und ein angesengtes goldenes Parteiabzeichen. Bei der verkohlten Leiche der Frau wurde ein angesengtes goldenes Zigarettenetui entdeckt und auf der Leiche ein goldenes Parteiabzeichen. Bei den beiden angebrannten Leichen handelt es sich um den Reichsminister Joseph Goebbels und seine Frau Magda, die nach ihrem Suizid am 2. Mai 1945 so von russischen Offizieren im Garten der Reichskanzlei in Berlin aufgefunden worden waren. Die beiden gehörten zu den rund 23.000 Personen (Stand 1935), die mit dem „Goldenen Ehrenzeichen der NSDAP“ geehrt wurden. Magda Goebbels erhielt ihres am 27. April 1945 im Führerbunker, drei Tage vor Hitlers Selbstmord. Hitler überreichte es ihr. Es war sein eigenes Parteiabzeichen, eine Sonderanfertigung mit der eingravierten 1 auf der Rückseite. Es besteht allerdings kein Anlass anzunehmen, dass Hitler über lediglich ein Exemplar seines Parteiabzeichens verfügte. 1996 teilte der russische Geheimdienst FSB mit, im Besitz des goldenen Parteiabzeichens Adolf Hitlers zu sein. Als anlässlich einer Ausstellung zum 60. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation vom 8. Mai 1945 das Abzeichen erstmals ausgestellt werden sollte, wurde es am 30. Juni 2005 bei einem Einbruch entwendet.

Neben den Parteibonzen auch Nazis vom Land

Zu den oben genannten rund 23.000 Trägern des „Goldenen Ehrenzeichen der NSDAP“ (auch Goldenes Parteiabzeichen“) gehörten nicht nur die hohe NS-Prominenz wie das erwähnte Ehepaar Goebbels, auch Reichsleiter Martin Bormann und Hitlers Braut Eva, seine Paladine und Bayerns Ministerpräsident Ludwig Siebert, sondern auch 33 Nationalsozialisten aus Stadt und Landkreis Rothenburg, darunter zwei Frauen: Anny Apfelbeck (NSDAP-Mitgliedsnummer 14.050) aus Rothenburg und Emma Schauer (24.722) aus Schillingsfürst. Es waren Arbeiter, Bauern, Handwerker, einfache Leute, die diesen „Orden“ mit Stolz trugen. Aus Rothenburg  Michael Apfelbeck (14.047), Friedrich Botsch (71.644), Peter Frank (27.532), Georg Höfler (96.918), Jean Meister (57.531), Karl Steinacker (70.319) und Karl Zoller (70.772). Sie alle verband nicht nur die Partei, sie hatten alle eines gemeinsam: eine niedrige Partei-Mitgliedsnummer unter 100.000. Das war für die Verleihung des Goldenen Parteiabzeichens“ maßgebend.

Weitere Träger waren die Dombühler Hans Beutler (94.960), Ludwig Brater (94.958), Friedrich Heidecker (94.959), August Löschel (94.948), Wilhelm Schlund (94.957), und Ernst Unger sen. (94.952); aus Gunzendorf Herbert Kasperbauer (94.167), Karl Lindner (94.161) und Fritz Rothmund jun. (94.174), aus Geslau Georg Rauch (94.163) und Leonhard Schmidt (94.164); aus Schillingsfürst Friedrich Haas (57.328), August Laudenbacher (30.936), Leonhard Schauer (21.505) und neben der bereits erwähnten Emma Schauer noch Josef Wittmann (77.942); dann Friedrich Altreuter aus Unteröstheim (62.579), Leonhard Bernhardt aus Oberöstheim (62.585), Hans Kaller aus Traisdorf (94.154), Ernst Hofmann (75.974), Ernst Klauss (64586), Ernst Wittmann (64,085) und Hans Hornung (64086) aus Wettringen; Karl Doppelhammer aus Frommetsfelden (64.080)  und Michael Kallert aus Morlitzwinden (94.155). – Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Rückseite mit der NSDAP-Mitgliedsnummer

Rückseite mit der NSDAP-Mitgliedsnummer

Abzeichen mit der Parteinummer versehen

Das „Goldene Ehrenzeichen der Partei“ war neben dem so genannten „Blutorden“ die höchste Auszeichnung der Bewegung – mit mancher bemerkenswerten Geschichte. Es war eine der begehrtesten Auszeichnungen. So begehrt, dass die Parteiabzeichen von der Feldzeugmeisterei der NSDAP nummeriert wurden, um Missbrauch zu vermeiden. Das hatte auch praktische Vorteile: So soll es angeblich nicht nur einen Fall gegeben haben, in dem die Nummer es ermöglichte, in Verlust geratene Auszeichnungen dem wahren Besitzer zukommen zu lassen, wenn dieser es beispielsweise in einem Etablissement verloren hatte: „Anbei reichen wir Ihnen Ihr anlässlich des Reichsparteitages in Nürnberg in Verlust geratenes Parteiabzeichen zurück.“

Das „Goldene Ehrenzeichen der NSDAP“ wurde anlässlich des 9. Novembers 1933 per Verfügung durch Adolf Hitler gestiftet. Empfangsberechtigt waren die Parteimitglieder mit den Mitgliedsnummern 1 bis 100.000, die seit dem Eintritt in die NSDAP ohne Unterbrechung der Partei angehörten. Dies galt ab der Neugründung der Partei am 27. Februar 1925. Die Mitgliedsnummer wurde auf der Rückseite des Abzeichens eingraviert. Das Ehrenzeichen musste beantragt werden. Der Antragsschluss sollte am 1. Mai 1935 sein. Es sind aber Verleihungen bis 1945 bekannt.

Auch die Prinzessin von Hohenlohe bekam das Goldene

Ab 1937 wurde das Goldene Ehrenzeichen auch ehrenhalber verliehen. Zu den beliehenen gehörten Minister und hohe Militärs die nicht unbedingt der NSDAP angehörten. Hitler steckte das goldene Parteiabzeichen 1938 auch der etwas schillernden Stephanie Prinzessin von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst an, einer geborenen Steffi Richter (geschieden seit dem 29. Juli 1920 und Mutter eines Sohnes des Erzherzogs Franz Salvator von Österreich-Toskana).

Uniformen wurden verbrannt, das Abzeichen verschwand

Bei Kriegsende verschwand so manche Parteiuniform im Ofen und das Goldene Parteiabzeichen unter der Erde im Garten. Ein Flüsterwitz machte die Runde, demnach ein Träger des Goldenen Parteiabzeichens eine Anzeige im Lokalblatt aufgegeben hatte: „Tausche Goldenes Parteiabzeichen gegen Siebenmeilenstiefel.“ Auch auf etlichen Fragebogen, den die Deutschen bei ihrer Entnazifizierung auszufüllen hatten, verschwand der Partei-Orden, indem er gar nicht erst aufgeführt wurde, wie beispielsweise es der Rothenburger Musiker Peter Frank tat. Erst nachdem er bei NS-Auszeichnungen das Wort keine wieder durchgestrichen hatte, schrieb er das Goldene Abzeichen hinzu.

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Quellen: Staatsarchiv Nürnberg, NS-Mischbestand Rep 50. – Christian Zentner, Friedemann Bedürftig: „Das Große Lexikon des Dritten Reiches“, Südwest 1985. – Ian Kersahw: „Hitler“, Band 2, Stuttgart 2000.

 

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