Wildbad: Sanatorium, Luxushotel, Lazarett, HJ-Musikschule, US-Truppenunterkunft, UNRRA-Camp, Polizeischule, „Residenz der Erleuchtung“, Tagungszentrum der Ev. Kirche

Anlage des Sanaroriums Wildbad

Anlage des Sanaroriums Wildbad

Von Wolf Stegemann

Nach dem angeblichen großen Erdbeben von 1356 sprudelte aus der Erde schwefelhaltiges Wasser. Die Verwertung brachte der Quelle den Namen Wildbad ein. Ein Bade- und ein Gasthaus entstanden um 1400. Um das Jahr 1900 ging das Wildbad in den Besitz von Friedrich von Hessing über, der die Anlage zu einem luxuriösen Sanatorium ausbaute. Die Blütezeit der Einrichtung fand bald ein Ende, weil nicht genügend Erholungssuchende ins Wildbad kamen und so die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens ins Wanken gebracht wurde. Daher überließ Hessing die Anlage der Deutschen Bühnengenossenschaft als Ferien- und Erholungsheim für Bühnenschaffende. Auch sie  konnte das teure Objekt finanziell nicht halten. Daher kam es nach Ende des Ersten Weltkriegs in die Hand eines Geschäftsmannes, der aus dem Wildbad ein Luxus-Hotel machte, wo sich die Reichen und Schönen in Marmorbädern, Konversations- und Speisesälen, auf dem Tennisplatz und im Theatersaal trafen. Es war ein bewegtes buntes Bild der damaligen Zeit. Diese hielt nicht lange an. Die einbrechende Inflation bescherte dem glänzenden Luxustreiben das Aus. Weiterlesen

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Ein Soldat lag 1940 im Lazarett Wildbad, sprach sich gegen den Krieg aus, wurde denunziert und hängte sich in der Nacht auf – Ein Brief dokumentiert das Drama

Belegschaft des Wildbads vermutlich nach der Einrichtung des Lazaretts 1939; Bild entnommen "Die LInde"

Belegschaft des Wildbads vermutlich nach der Einrichtung des Lazaretts 1939; Bild entnommen „Die Linde“

Der Briefschreiber war Karl Schmitt, Vater des Rothenburgers Dr. Richard Schmitt, der diesen Brief in der Zeitungsbeilage „Linde“ 2012 veröffentlichte. Sein Vater war gerade 24 Jahre alt, als er diesen Brief, in dem er von dem tragischen Tod eines Soldaten im Lazarett Wildbad berichtet, an seine Familie geschrieben hatte. Karl Schmitt wuchs mit zwei Brüdern in Frankenberg bei Uffenheim auf und war der Sohn des von Poellnitzschen Försters und Wirtshauspächters Andreas Schmitt und dessen Ehefrau Anna. Vor dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Friseur in Rothenburg, wurde als Soldat eingezogen und tat 1939/40 Dienst im Re­servelazarett Wildbad. Später war er im Einsatz in Frankreich und bis Kriegsende in Weißrussland und Polen. – Über den Denunzianten ist leider nichts bekannt. Weiterlesen

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Lügen der Propaganda-Kompanie vor der Kamera. Kriegsmaler verherrlichten das Sterben und unterstützten die Kampfmoral. Die Rothenburger Hans Böhme und Ernst Unbehauen auch

Kriegsmaler der Propagandakompanie in Frankreich; Foto: Bundesarchiv

Kriegsmaler der Propagandakompanie in Frankreich; Foto: Bundesarchiv

W. St. – Die Propaganda hatte im Dritten Reich einen sehr hohen Stellenwert. Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Josef Goebbels zog alle Register und holte sich in sein Ministerium das beste Personal, das ohne Skrupel lügen konnte. Denn auch Adolf Hitler erkannte schon 1924 in seinen Bänden „Mein Kampf“: „Der Sieg einer Idee wird um so eher möglich sein, je umfassender die Propaganda die Menschen in ihrer Gesamtheit bearbeitet hat.“ Der Historiker und Journalist Friedemann Bedürftig meinte dazu, dass sich heute niemand mehr so ausdrücken würde, wie damals Hitler, doch auch Demokratien bedienten sich heute der Propaganda, der Lügen und Halbwahrheiten. Nur heute ist dies alles überprüfbar. Damals, im NS-Regime, war dies nicht der Fall, außerdem der Versuch lebensgefährlich. Goebbels hatte damals erkannt, dass großen Lügen eher geglaubt wird als kleinen Flunkereien. Entsprechend war die Propaganda danach ausgerichtet. Weiterlesen

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„Im Tiefflug überfliegt der Halunke die Stadt“ – Feuerwehrmann Fritz Pflüger beschreibt zwei Tage später den Fliegerangriff mit Spreng- und Brandbomben auf die Stadt vom 12. Oktober 1941

Vorbemerkung. Das mit Schreibmaschine geschrieben fünfseitige Manuskript dieses Artikels liegt im Stadtarchiv Rothenburg ob der Tauber. Der Authentizität wegen haben wir den Text mit seinen Fehlerhaftigkeiten so gelassen. Lediglich die Interpunktion sowie grob falsche Satzstellungen haben wir einer besseren Lesbarkeit wegen sanft gebessert. Die Zwischenzeilen wurden von uns gesetzt. Fritz Pflüger, der Verfasser des Schreibens, wohnte in der Straße Alter Stadtgraben 1.

1941 zerstörtes Haus in der Wolffstraße

Durch den FLiegerangriff am 12. Oktober 1941 zerstörtes Haus in der Wolffstraße; Foto: Stadtarchiv

 Fliegerangriff auf Rothenburg, 12. 10. 41

Sonntagabend. Friedlich und still liegt unsere Stadt unterm Sternenhimmel. Ich bin am  Abend zuhause und schreibe an die Soldarten, die im Osten für unsere Heimat kämpfen; es ist ¼ 12 Uhr. Ich lege mich zu Bett. Gleich darauf sagt meine Frau: „Horch, das ist doch ein Flieger.“ Ich bemerkte „Lass ihn!“. Doch das Summen nimmt zu. Licht aus, Fenster auf. Dem Ton nach könnte man ja glauben, es wäre ein deutscher. Er ist Richtung Fluwa (Flugabwehr), da plötzlich, die Straße erhellt sich, als wenn der friedliche Mond sein Licht zeigte. Ich sehe die Leuchtbombe am Himmel hängen, Richtung Oberer Felsenkeller, schon wird es auf Gebsattel zu noch heller. Ich zieh mich an renne auf den Boden. Da, welch ein schönes Bild bietet sich für das Auge. Vom Essigkrug bis zum Rödertor taghell erleuchtet. Magnesium geworfen, weißbläulich grell erleuchtet. Faulturm, Stadtmauer, der Kleine und der große Stern in der Silhouette. Ich springe vom Boden zurück und hole meinen Apparat, Anna hinterher.

Steige bis zum obersten Boden, Anna bleibt im untern, ist verängstigt und aufgeregt, denn am oberen Würzburger Tor, wo ich nicht hinsehen kann, nur den Schein sehe, wird es heller und heller. Eine Aufnahme konnte ich nicht mehr machen, da inzwischen das schöne Bild in Rauchschwaden ganz dick verwandelt war. Es fallen Schüsse, die Weiber schreien auf, ich bitte, Ruhe zu bewahren. Eine Detonation erfolgt. Jetzt hat er Bomben geworfen, rufe ich; es fallen wieder Schüsse, und wieder Schüsse. Im Tiefflug überfliegt der Halunke die Stadt, die ganz wehrlos daliegt, und bespickt die Stadt mit Spurmunition.

Information und Propaganda

Information und Propaganda

3.500 Zentner Briketts brannten im Lager der Firma Keitel

Wie der Wind geht’s den Treppen hinunter, raffe meine Freuerwehruniform zusammen. Elsbeth, die noch so gut schläft und noch nichts von der Gefahr weiß, wird geweckt. Meine Anna aufgeregt. Ich ziehe mich an. „Ruhe bewahren, muss ich immer wieder predigen, „Ruhe, Ruhe!“
Vom 2. Stock fordere ich die Leute auf, in den Luftschutzkeller zu gehen. Anna brachte unterdessen Elsbeth im Hemd und einem Bett parterre. „Rauf!“ sage ich, „das Kind angezogen!“. Nun nehme ich Elsbeth. Die sich an mich klammert, trage sie in den Keller, mache ihr das Bett zurecht, gebe Anordnung im Keller, wie  sie sich zu verhalten haben. Denn bis jetzt hat sich noch kein Mensch im Hause darum gekümmert. Nun ging das Fragen los. Ruhigsein ist das Beste. Ja, die Pflicht ruft: ich muss fort. Im Feuerhaus angelangt, fährt schon der Großkampf ab. Ich wurde zur 4. Motorspritze eingeteilt. Motorführer fehlt noch. Nach wenigen Minuten ist auch er zur Stelle und wir sind zum Einsatz fertig. Inzwischen hat man erfahren, dass das Brikettlager der Firma Keitel, in der Scheune Fries in der Hirtengasse, Brandbomben gefallen sind. Das Großkampfgerät ist dort eingesetzt, Meldung kommt durch H. Ohmayer, dass es in der Stollengasse brennt. Auch dort sind Brandbomben gefallen. Wir werden dort eingesetzt.

Scheune der Bäckerei Hachtel gelöscht

Am Brandplatz angekommen. Bäckerei Hachtel steht hell in Flammen, zu retten gibt es nichts mehr, das Nebenhaus Oehler ist stark gefährdet, noch mehr die Scheune des Herrn Weth, die voll gestopft ist mit Heu. Mit dem Strahlrohr gehe ich durch die  Scheune und bekämpfe den Brand. Nach fast 2-stündigem schweren Abwehren der sprühenden Funken und immer wieder heraufschlagende Flammen gelingt es mir, die Scheune zu retten. (Ja, mein Herz, aber auch dies muss in den Hintergrund treten). Nass, als wie vom Brunnen herausgezogen, lass ich mich ablösen, nachdem die Gefahr beseitigt ist. In der Schütt finden wir eine noch nicht abgebrannte Brandbombe, die der Schutzmann in Empfang nimmt. Frierend, das Wasser in den Stiefeln quietschend, von Ärmeln Wasser heruntertropfend, ging ich nach Hause. Es war ¼ 4 Uhr. Meine Anna schaute, wie ich so ankomme.

Feuerwehr im Kriegseinsatz an der Heimatfron

Feuerwehr im Kriegseinsatz an der Heimatfront (nicht Rothenburg)

Vieh und Schweine konnten gerettet werden

Ich lege mich zu Bett und schlief gleich ein. Durch die Klingel werde ich geweckt, es ist halb sieben Uhr. Raus an die Arbeitseinteilung. Ich mache meinen Rundgang: Stollengasse, Emmerte Heinrich steht treu sauf seinem Posten. Schwarz schauen einem die Balken entgegen, der vordere und hintere Giebel rissig. Mit der Gefahr einzustürzen, steht er da. Noch Nebenhaus und Scheune sind gerettet. In der Scheune brennt es noch, denn 300 Zentner Briketts waren dort eingelagert. Am Brandplatz Hirtengasse, Schütt sieht es noch schlimmer aus. Dort brennt und raucht es noch ganz gehörig. Fast 3500 Zentner Brikett stehen in Brand, das heißt sie glimmen. Und immer wieder züngeln die Flammen empor, sobald mit dem Spritzen aufgehört wird. Heu, das auch dort gelagert war entwickelt einen stinkigen Rauch. Da schlug zuerst die Brandbombe ein. Das Feuer, überspringend auf die an der Stadtmauer angebauten Ställe, die bis zu Edelhäuser alle abgebrannt sind. Das Vieh und die Schweine konnten gerettet werden. Weinend stehen die betroffenen Frauen umher.

Schon haben die Aufräumarbeiten begonnen. Die Stadtmauer ist schwer in Mitleidenschaft gezogen, das Gebälk vom Wehrgang ist von Fries bis zum Eckturm (Pulverturm) abgebrannt. Vor der Stadt, in der Langstraße 3, sind Sprengbomben gefallen. Der Anblick lässt sofort erkennen, da ist Ganzes geschafft worden. Der Arbeitsdienst hat bereits abgesperrt. H. Hauptlehrer Keller kommt auf mich bittend zu, ich möchte doch die Haustür wenigstens machen. Dadurch habe ich Gelegenheit alles in der Nähe anzuschauen. Das Haus des H. Lang ist bis zum ersten Stock abgesprengt, der Dachstuhl liegt kreuz und quer vor dem Nebenhaus Unter den Trümmern liegt die Mutter von Frau Lang, der Angriff forderte ein Todesopfer.

Heutiger Fund von Brandbomben

Heutiger Fund von Brandbomben

Bündel Brandbomben gefunden

Zufällig war im ersten Stock niemand zu Hause (Pfab Luis war bei ihren Schwiegereltern in Nürnberg). Im zweiten Haus nebenan, wo Hl. Keller wohnt, sind an der Haustür das Schloss herausgerissen, am Bad und Klo die Schließkoben, am Dach fast sämtliche Ziegel durchlöchert. Zwischen dem Häuserblock der Stadt und dem Längshaus lag noch ein Blindgänger, der erst heute morgen und halb 7 Uhr losging. Die Leute nochmals in Schrecken versetzt, denn niemand wusste von dem Blindgänger. Der Trichter hat einen Durchmesser von ca. 5 m Tiefe v. 1 ½ m, auf dem Dach des Häuserblocks sind sämtliche Ziegel demoliert. Das Außen sieht ganz verheerend aus. In der Schütt finde ich 2 Stäbe von dem Leuchtfallschirm. Im Philosophengang ist eine Sprengbombe gefallen, Der Trichter ist 5-6 m Durchmesser groß und 2 ½ m tief. Bündel Brandbomben werden gefunden. Bei der Kreisbauernschaft schlug eine durch das Dach und die Treppe hindurch. Auf der geteerten Straße sind 8 – 10 Einschläge von der Spurmunition. Im Schlachthof fand ein Zimmerbrand statt.
Man erzählt in der Klingengasse bei Fr. Schmieshahn sind die Geschosse durch Fenster, Bettstatt und Matratze durchgeschlagen. Zum Glück war das Bett leer. Sattlermeister Meider erzählt mir, es sei durch sein Dach geschossen worden und er hat die Geschosse im Seegras gefunden.

Emblem der Feuerwehr, die im Krieg Feuerpolizei hieß

Emblem der Feuerwehr, die im Krieg Feuerpolizei hieß

Giebel mussten abgerissen werden

Durch den Arbeitsdienst werden Brandbomben gesucht. Dort werden 20 gefunden, dann noch 10, so dass gesamt mit 200 Stück gerechnet werden kann. Im Zwinger von Keitel habe ich eine Brandbombe wahrgenommen, ein Loch von ca. 70 cm, die Bombe ausgebrannt. Zusammenfassend ist zu sagen, wären die Bomben, sowie Brandbomben, die außerhalb der Stadt gefallen sind, in der Mitte der Stadt herunter gekommen, 2/3 der Stadt wäre zum Opfer gefallen. Früh um ½ 10 Uhr musste ich wieder zum Dienst und habe die Leitung in der Hirtengasse, Schütt übernommen. Der Kampf mit den brennenden Briketts wurde weiter geführt, mit 8 Leitungen bekämpfen wir das immer wieder aufflackernde Feuer. Der Dachstuhl, der die Gefahr des Einsturzes ist, muss beseitigt werden. Ich fordere Technische Not-Hilfe an, doch diese ist stark beschäftigt bei Lang. Ich fordere Arbeitsdienst an, dieser ist zum Teil da außen, sowie beim Suchen von Brandbomben eingesetzt. Nachmittags frage ich wieder an. Es ist inzwischen 2 Uhr geworden. Noch immer bekämpfen wir das Feuer, was ja völlig zwecklos erscheint. Die Briketts müssen herausgeschafft werden ins Freie und dann abgelöscht.

Der wagemutigste Arbeitsdienstmann war ein Schneider

Um ½ 3 Uhr kam Oberstleutnant vom 18. Armeekorps. Ich trage ihm vor, dass Arbeitsdienst angefordert, aber bis zur Stunde noch keiner abgestellt, und mir die Gefahr den Feuerschein für die kommende Nacht nicht ganz dämmen zu können. Er gibt die Anweisung, dass sofort ca. 10 Mann Arbeitsdienst abgestellt werden müssen. Ich fordere dieselben von Polizeileutnant Drossel an, der mir zusagte, dass dies geschehe. ¼ 4 Uhr kam er angerückt, 20 Mann stark. 12 Mann teilte nun Oberbrandmeister Gerlinger bei mir ein, der Rest in die Stollengasse eingesetzt. Die Technische Not-Hilfe und Arbeitsdienstmänner fingen nun gemeinsam mit den Einreißarbeiten des Dachstuhls an. Eine Freude war es, mit an zusehen, mit welch einem Eifer die Arbeitsmänner zugriffen. (Sie sind erst 8 Tage eingerückt.) Einer viel mir besonders auf, der gar keine Gefahr scheute, da ich auch für die Männer verantwortlich war, warnte ich ihn einige Male, wenn Gefahr drohte
Ich sagte zu ihm, was bist du von Beruf? Schmied, Zimmermann, Schlosser? Höre, was er für einen Beruf hat. Die ganzen Arbeitsmänner riefen „Ein Schneider“. Und er gab freudestrahlend zur Antwort „Ich liebe die Gefahr!“ Auch ein Schneider kann hinlangen, wenn es im Dienst um Deutschland geht. Wer möchte da noch zur Seite stehn. Nur immer wieder solche muss man sich als Vorbild nehmen, und nicht nach denen schauen, die nur ihr ICH kennen.

Schubkarre um Schubkarre voller Briketts wurden weggefahren

Nun ging es mit dem Wegfahren der Briketts los. Schubkarre um Schubkarre rollte. Mit einem Eifer und Humor gingen diese Männer an die Arbeit. Um ½ 7 Uhr stellte der Arbeitsdienst seine Arbeit ein. Immer noch mussten die Briketts mit Wasser abgelöscht werden. Um 7 Uhr erfolgte durch Meider meine Ablösung. Der um nachts 1 Uhr wieder abgelöst wurde. So steht es uns Feuerwehrmänner groß mit Lettern über unserer Arbeit:
„Gemeinnutz geht vor Eigennutz!“ Einer für Alle – Alle für Einen!

Heil Hitler! Fritz Pflüger (Unterschrift)
Rothenburg, 14. Oktober 1941

Fallschirm eines Piloten bei Gebsattel gefunden

[Es folgt ein handschriftlicher Eintrag:] Am Donnerstagmorgens, den 6. November 1941 fand ein Gebsattler Maurerlehrling namens Kraft im Steinbruch bei Gebsattel links der Brücke beim Siechhaus einen Fallschirm mit ca. 15 m Spannweite. Erst am Samstag, den 8. 11., lieferte er ihn ab. Es ist ein bemannter Fallschirm gewesen. Blieb im Baum hängen, Gurt abgeschnitten.

Willy Gackstatter erlebte dem Bombenabwurf in der Wolffstraße

Als sich diese Bombardierung zum 50. Mal jährte, brachte der „Fränkische Anzeiger“ (FA) am 12. Oktober 1991 ein Foto mit einem längeren Bildtext. Der Zeitung zur Verfügung gestellt hatte das Foto Willy Gackstatter, der die Bombardierung seines Elternhauses vom Oktober 1941 in der Wolffstraße als 16-Jähriger erlebte. Er berichtete der Zeitung, dass das Doppelhaus Nr. 3 und 5 völlig zerstört wurde. Die im Dachgeschoss schlafende etwa 80-jährige Margarete Strauß (Großmutter von Richard Lang) kam dabei zu Tode, wie Fritz Pflüger das auch seinem oben abgedruckten Bericht auch schrieb. Die übrigen Hausbewohner vom Erdgeschoss, so Gackstatter im FA, kamen mit dem Schrecken davon. Eine im 1. Stock wohnende Familie war zu diesem Zeitpunkt zufällig verreist. Willy Gackstatter: Meine Mutter war damals nicht da, deshalb schlief ich bei meinem Vater im großen Bett als uns ein fürchterlicher Schlag aus dem Schlaf riss. Alles war voller Staub, die Treppe verschüttet. Die Türen hatte es aus den Angeln gehoben.“ Er half seinem beinamputierten Vater noch aus den Trümmern, dann rannte er im Schlafanzug zur Gendarmerie, um zu erfahren, was los sei. Wenige Stunden später war im Garten ein Blindgänger explodiert. Bis das Haus auf Staatskosten wieder aufgebaut war, wohnten die Gackstatters ein Jahr lang in einer Notunterkunft in der Wenggasse.

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Rothenburgs NSDAP-Ortsgruppenleiter Friedrich Götz wurde vom Kriegsgericht verurteilt, weil er seinen Vorgesetzten mit unwahren Behauptungen „angeschwärzt“ hatte

Von Wolf Stegemann

Über ihn ist nach 1945 viel ermittelt worden, weil der Hauptlehrer in seiner Funktion als NSDAP-Ortsgruppenleiter von Rothenburg nicht nur als rabiater Rabauke sowie als ausgemachter Juden- und Kirchenhasser verrufen und gefürchtet war, sondern weil er in der Wehrmacht seinen Bataillonskommandeur mit der falschen Behauptungen, er hätte ihm den Nationalsozialismus verboten, vor das Kriegsgericht brachte, vor das er dann in Weißrussland selbst angeklagt und zu einem dreiwöchigen geschärften Hausarrest verurteilt wurde. Weiterlesen

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Metallspende des deutschen Volkes. Wer sich privat am Metall bereicherte, wurde mit dem Tode bestraft. Kirchenglocken von St. Jakob blieben der Stadt erhalten

NS-Propaganda-Plakat

NS-Propaganda-Plakat zur Metallspende an Führers Geburstag 1940

W. St. – Als Metallspende des deutschen Volkes wurden Rohstoffsammlungen und Einschmelzungen von Metallgegenständen im Ersten wie auch im Zweiten Weltkrieg bezeichnet. Da Deutschland von jeher in Hinsicht bestimmter Rohstoffe ein Importland war, galt es in Kriegszeiten, die durch abgebrochene Handelskontakte bzw. aufgrund fehlender Devisen nicht mehr beschaffbaren ausländischen Rohstoffe und hier allen voran die Buntmetalle Kupfer, Messing, Zinn und Zink als wichtige Rohstoffe der Rüstungsindustrie (z. B. zur Herstellung von Geschosshülsen) sowie Eisen anderweitig im Inland zu beschaffen. Im Ersten Weltkrieg hieß es „Gold gab ich für Eisen“, wenn jemand seinen Ehering abgab und dafür einen eisernen Ersatz mit dieser Inschrift bekam. Per Verordnung vom 5. Januar 1917 hatten Gastwirtschaften und Privathaushalte sämtliche zinnernen Bierkrüge oder zinnernen Deckelmonturen abzuliefern. Im Laufe des Jahres 1917 wurde begonnen, auch alle Kirchenglocken zu erfassen und nach ihrem historischen Wert zu kategorisieren, um sie entweder zu bewahren oder sie einzuschmelzen.

Spendenbescheinigung

Spendenbescheinigung

Zweiter Weltkrieg erreichte das Sammeln den Höhepunkt

Begründet mit dem bevorstehenden Geburtstag von Adolf Hitler erließ Generalfeldmarschall Hermann Göring am 27. März 1940 den Aufruf zur „Spende des deutschen Volkes zum Geburtstag des Führers“, die so genannte Metallspende. Ein entsprechendes Dekret an die Reichsminister war bereits am 23. Februar 1940 ergangen. Ziel war, wie schon im Ersten Weltkrieg, die Beschaffung „kriegswichtiger“ Rohstoffe. In reichsweit flächendeckend eingerichteten Sammelstellen wurden Metallgegenstände vor allem aus Messing, Kupfer, Bronze, Eisen und Zinn angenommen und zum Einschmelzen verbracht. Als Dank erhielten die Spender eine Urkunde des Führers.

Der Spende-Appell richtete sich jedoch nicht nur an Privatleute, sondern auch Kommunen, Firmen, Vereine und Kirchengemeinden. Von Vereinen wurde erwartet, dass sie z. B. Pokale, Fahnenspitzen und andere Metallobjekte der Vereinstradition ablieferten, auch – zumindest ältere – Blasinstrumente von Spielmannszügen blieben mit Fortdauer des Krieges nicht verschont. Vielerorts wurden auf Friedhöfen bronzene Grabengel, Grabkreuze und andere metallene Grabausstattungen eingezogen. Im weiteren Verlauf des Krieges kam es zu einer systematischen Erfassung von Metallgegenständen im öffentlichen Raum, also von Denkmälern, Brunnen, schmiedeeisernen Zaun- und Toranlagen, Grabepitaphien, von Brückengeländern, Baudekorationen u. ä. Mit Ausbruch des Krieges wurden übrigens auch alle Kupfer- und Nickelmünzen aus dem Verkehr genommen bzw. durch Münzen minderwertiger Legierung ersetzt.

Welch hoher Wert diesen Metallsammlungen beigemessen wurde, zeigt, dass bereits am 29. März 1940, also zwei Tage nach Görings Aufruf, die „Verordnung zum Schutz der Metallsammlung des deutschen Volkes“ erlassen wurde, in der es u. a. heißt: „Wer sich an gesammeltem oder von Verfügungsberechtigten zur Sammlung bestimmtem Metall bereichert oder solches Material sonst seiner Verwendung entzieht, schädigt den großdeutschen Freiheitskampf und wird daher mit dem Tode bestraft.“

Glockenfriedhof 1947 in Hamburg; Foto: Bundesarchiv

Glockenfriedhof 1947 in Hamburg; Foto: Bundesarchiv

Glocken in Rothenburg blieben erhalten

Den Höhepunkt der Metallsammlungen bildete die reichsweite Erfassung und Demontage von bronzenen Kirchenglocken. Sie wurden auf den so genannten Glockenfriedhof in Hamburg verbracht, dort eingeschmolzen und in ihre Grundbestandteile Kupfer und Zinn getrennt. Von den rund 90.000 im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten beschlagnahmten Glocken waren bei Kriegsende rund 15.000 noch nicht eingeschmolzen und konnten nach aufwändigen Identifizierungen weitestgehend wieder an ihre angestammten Plätze zurückkehren.  Dass Rothenburg die Glocken von St. Jakob behalten konnte, verdankt die Stadt dem bayerischen NS-Ministerpräsidenten Ludwig Siebert, der von 1908 bis 1919 Oberbürgermeister von Rothenburg war. Er ordnete an, dass die Glocken nicht zur Einschmelze gebracht werden. Die Einschmelzung des Sammelgutes erfolgte fast ausnahmslos in der 1937 für Erzbergbau und Verhüttung gegründeten Aktiengesellschaft Reichswerke Hermann Göring. Wie hoch die Menge der durch Rückschmelzung gewonnen Rohstoffe tatsächlich war, ist nicht mehr festzustellen. Sicher ist dagegen, dass durch diese Aktionen in unermesslichem Umfang künstlerische Werte der Vernichtung anheim fielen.

Das Jungvolk sammelt Altmetall; Propaganda-Foto

Das Jungvolk sammelt Altmetall; Propaganda-Foto

Spendensammeln von Tür zu Tür

Neben der Metallspende kam es mit Beginn des Krieges zu zahlreichen weiteren Spendenaufrufen, z. B. zur Bücherspende für die Wehrmacht, zur „Schallplattensammlung für unsere U-Boote“ etc., weiterhin Altmaterialsammlungen unterschiedlichster Art, Heilkräutersammlungen, Spinnstoffsammlungen etc. Oftmals wurde die Hitlerjugend oder ganze Schulklassen damit beauftragt, von Tür zu Tür zu gehen und die jeweils gewünschten Objekte zu erbitten, was gleichzeitig vor allem in Mietshäusern sozialen Druck zu erzeugen half, leider nicht selten auch zu Denunziationen über vorhandene und nicht abgelieferte Gegenstände führte.

 

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Behelfsheimbau im Heckenacker und am Schlachthof für Ausgebombte, Flüchtlinge und Vertriebene – ein gescheitertes Werk des Führers an der Heimatfront

Stevertretender Hauleiter Holt besichtigt 1944 die Heckenackersiedlung; v. l. Kreisleiter Steinacker, Holz, komm. Ktreisleiter Höllfritsch

Stevertretender Gauleiter Holz besichtigt 1944 die Heckenackersiedlung; v. l. Kreisleiter Steinacker (in Wehrmachtsuniform), Holz, kommissarischer Kreisleiter Höllfritsch (andere Personen unbekannt)

Von Wolf Stegemann

„So wie auf militärischem Gebiet das Geheimnis des Erfolgs in der guten Führung liegt, so ist die Bewährung der Heimat in dem Erfolg der Maßnahmen der Partei begründet Wenn demzufolge Führung und Gefolgschaft gleichermaßen von dem glühenden Glauben an den Sieg erfüllt sind, dann kann es keinerlei unüberwindliche Schwierigkeiten geben, diesen Sieg zweifellos sicherzustellen. Ein in seiner Bedeutung und seinem gewaltigen Ausmaß einmaliges Problem stellt auch das vom Führer der Partei anvertraute Wohnungshilfswerk dar…“  So formulierte am 26. Januar 1944 der „Fränkische Anzeiger“ in Rothenburg ob der Tauber den Grund, warum NSDAP und andere Staatsstellen den Behelfsheimbau für „luftkriegsgeschädigte Volksgenossen“ forcierten, auch in Rothenburg. Als Grund ist in der Lokalzeitung zu lesen: „Als die englisch-amerikanischen Kriegsverbrecher ihren Terrorfliegern den Befehl zur Bombardierung deutscher Städte und Dörfer gaben, da war ihnen bereits bewußt, daß sie mit dieser Aktion weder die deutsche Kriegsproduktion, noch den militärischen Nachschub für die kämpfende Front entscheidend treffen können. Unsere Feinde und insbesondere ihre jüdischen Auftraggeber, verfolgen mit diesen verbrecherischen Handlungen auch ganz andere Ziele. Sie wollen die deutsche Zivilbevölkerung mürbe machen. Sie wollen Frauen und Kinder morden und der deutschen Familie, dem schaffenden Arbeiter und dem kämpfenden Frontsoldaten die Wohnstätte niederbrennen und sein Hab und Gut vernichten.“ Weiterlesen

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