Bayerischer Landesbischof Hans Meiser 50 Jahre nach seinem Tod als Antisemit in den Brennpunkt gerückt – Heftiger und lang anhaltender Streit um Benennung von Straßen

Landesbischof Hans Meiser

Landesbischof Hans Meiser

Von Wolf Stegemann

Über ihn ein einigermaßen gerechtes Porträt zu schreiben, ist kaum möglich, zumindest sehr schwer. Denn allzu weit klaffen die aktuellen Analysen von Theologen, Historikern und Kirchenrechtlern über seine Person, seine Amtsführung als erster bayerischer evangelischer Landesbischof in der NS-Zeit, über seine politischen kirchen-theologischen Ansichten weit auseinander. Das war nicht immer so. Weiterlesen

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Pfarrer Dr. Martin Weigel: In Rothenburg ein verdienstvoller Chronist und Heimatforscher, in Nürnberg Diener der Nazis. Ein Stück mittelfränkische Kirchengeschichte

Martin Weigel mit seiner Frau

Pfarrer DR. Martin Weigel mit seiner Frau; Foto: Archiv ELKB

Von Wolf Stegemann

Der frühere Rothenburger Stadtpfarrer und Heimatforscher Dr. Martin Weigel gehörte zu den Hundertschaften evangelischer Pfarrer, die mit tiefer Überzeugung und vollem Herzen Nationalsozialisten waren. Im Jahr der Machtergreifung Hitlers war er schon 67 Jahre alt. Seine politische und geistliche Lebenserfahrung hat ihn nicht abgehalten, in Nürnberg, wo er seit 1921 tätig war und nach seiner Pensionierung lebte, unermüdlich Kirche und Nationalsozialismus zusammenzubringen. In Reden und in Taten. Dafür bekam er 1941 das „Goldene Ehrenzeichens der Partei“ und die silberne Dienstauszeichnung der NSDAP. Dem Verein Alt-Rothenburg gehörte er ab 1926 als Ehrenmitglied an. In Rothenburg blieb er in einer guten Erinnerung, weil er die „Stadtchronik“ geschrieben hatte. Auch veröffentlichte er für Touristen einen kleinen Reiseführer, der in über 40 Auflagen erschienen ist. Martin Weigel brauchte sich für seine nationalsozialistische Überzeugung nicht zu rechtfertigen. Er starb 1943 in Nürnberg. Weiterlesen

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1934 gehörten dem NS-Evangelischen Pfarrerbund noch 25 Prozent aller bayerischen Geistlichen an – 1935 waren es noch 80 Personen, darunter der Ansbacher Max Sauerteig

Pfarrer Max Sauerteil spricht 1933 auf dem Rothenburger Kapellenplatz zur SA (Sturmfahnen-Weihe)

Pfarrer Max Sauerteig spricht 1933 auf dem Rothenburger Kapellenplatz zur SA (Sturmfahnen-Weihe)

Der Nationalsozialistische Evangelische Pfarrerbund (NSEP) war eine 1931 gegründete Organisation nationalsozialistisch gesinnter evangelischer Pfarrer in Bayern. Der Pfarrerbund wirkte 1933 und 1934 kurzzeitig auf kirchenpolitische Entscheidungen ein, verlor jedoch seit Ende 1934, als die bayerische Landeskirche unter Landesbischof Hans Meiser (1881-1956) nationalsozialistisch-deutschchristliche Gleichschaltungsversuche erfolgreich abgewehrt hatte, zusehends an Bedeutung. Die Gründung ging auf eine Initiative des damaligen Gauleiters von Oberfranken, Hans Schemm (1891–1935), zurück, innerhalb des von ihm 1929 gegründeten Nationalsozialistischen Lehrerbundes (NSLB) eine Arbeitsgemeinschaft von Geistlichen beider Konfessionen zu bilden. Dies führte zunächst zur Bildung einer Arbeitsgemeinschaft nationalsozialistischer evangelischer Geistlicher, die sich ab Mitte 1931 auch Nationalsozialistischer Evangelischer Pfarrerbund nannte. Da sich die NSDAP nicht auf eine bestimmte kirchenpolitische Linie festlegen wollte, erhielt der NSEP allerdings keine parteiamtliche Anerkennung als Standesorganisation der Pfarrer, die der NSDAP angehörten. Weiterlesen

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Thomas Breit – ein fränkischer Oberkirchenrat aus Ansbach war an der „Barmer Theologischen Erklärung“ beteiligt

Thomas Breit

Thomas Breit

Im Jahr 1933, als Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde und somit ihm und seiner NSDAP die Macht übertragen wurde, ernannte die bayerische Landeskirche Thomas Breit zum Oberkirchenrat im Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenrat in München. Damit hatte ein Mann in der evangelischen Kirche ein hohes Amt, der den Nationalsozialismus bekennend ablehnte. Das taten nicht alle. Schon 1934 beteiligte sich Breit an der Ausarbeitung der Barmer Theologischen Erklärung im Vorfeld der ersten Barmer Bekenntnissynode, die sich gegen den Nationalsozialismus stellte.

1880 in Ansbach/Mfr. geboren, besuchte Thomas Breit ein humanistisches Gymnasium und studierte ab 1898 Mathematik und Evangelische Theologie in Erlangen und Greifswald. Seine ersten Seelsorgestationen führten ihn an das Pfarrwaisenhaus in Windsbach, die Spitalkirche in Nördlingen und nach Baldingen. 1905 kam er als Hilfsgeistlicher in die Lukasgemeinde in München, zwischen 1908 und 1925 bekleidete er die Pfarrstelle St. Ulrich in Augsburg. Während des Ersten Weltkriegs wirkte er als Feldseelsorger. Danach war Thomas Breit Dekan in Hof/Ofr. und wurde 1933 Oberkirchenrat in München. Nach seiner Beurlaubung für andere Aufgaben im Oktober 1934 war er bis 1938 Vertreter der lutherischen Landeskirchen bei der Bekennenden Kirche. Im April 1945 wurde Thomas Breit mit 65 Jahren in den Ruhestand versetzt. Weiterlesen

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Kurt Frör – Anfangs dem Nationalsozialismus zugetan, wehrte sich der in Rothenburg geborene Pfarrer in der Bekennenden Kirche gegen die Vereinnahmung durch den NS-Staat

Kurt Frör

Kurt Frör

Einer der wichtigsten Theologen im bayerischen Kirchenkampf war der 1905 in Rothenburg ob der Tauber geborene Pfarrer Kurt Frör (gest. 1980). Seit 1932 arbeitete er unter Direktor Julius Schieder (1888-1964) als Studieninspektor am Nürnberger Predigerseminar. Schon früh schloss er sich der Bekennenden Kirche an. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der bayerischen Pfarrerbruderschaft und unterhielt Kontakte zu Martin Niemöller (1892-1984) und zum Pfarrernotbund. Bei der gewaltsamen Eingliederung der bayerischen Landeskirche in die Reichskirche im Oktober 1934 wurde er ebenso wie Landesbischof Hans Meiser (1881-1956) und Julius Schieder seines Amtes enthoben. Ebenso deutlich wie seine Haltung zum Nationalsozialismus wandelte sich während Frörs Zeit als Pfarrer in München auch seine Einstellung zur NS-Rassenideologie. Seit 1936 Pfarrer an der Christuskirche in München-Neuhausen und ab 1944 an St. Stephanus, wurde er Mitglied und zeitweise Leiter des Kreises um den Münchner Verleger Albert Lempp, der Landesbischof Hans Meiser Ostern 1943 mit dem berühmten „Münchner Laienbrief“ zu einer öffentlichen Stellungnahme gegen die Verfolgung und Vernichtung der Juden zu bewegen versuchte. Außerdem gehörte Frör zum Münchner Netzwerk, das verfolgten „Nichtariern“ zu helfen versuchte. Nach 1945 war er von 1952 bis 1972 Professor für Praktische Theologie an der Universität Erlangen. Karl Frör starb 1980. Weiterlesen

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Konflikte der evangelischen Pfarrer mit den Nationalsozialisten vor Ort gehörten zum Alltag (I) – Die Pfarrgemeinde St. Jakob

Vorbemerkung. Diesem Artikel liegt die Facharbeit des Schülers am  Reichsstadtgymnasium David Vogt zugrunde, die hier zusammengefasst, gekürzt und deswegen in weiten Teilen von der Redaktion umformuliert wurde, um den Lesefluss zu erhalten. Ebenfalls der besseren Lesbarkeit wegen ist die Facharbeit hier in einen Artikel über Rothenburg-Stadt und einen Rothenburg-Land geteilt dargestellt. David Vogts Arbeit entstand in der Kollegstufe 2004/06 im Leistungskurs Geschichte und heißt „Evangelisch motivierter Widerstand im Evangelisch-Lutherischen Dekanat Rothenburg o. d. T. während des Dritten Reiches“. Kursleiter war StD Klaus Weisensee. – Die Konflikte zwischen dem evangelischen Pfarrern und ihren Gemeinden mit den örtlichen Parteifunktionären sind mehr spontan aus dem Alltag entstanden: Religionsunterricht, Jugendarbeit, Zugehörigkeit von Gläubigen der Kirche und der SA und derartige andere Dinge. Mit schärferen persönlichen Sanktionen gegen Pfarrer vorzugehen, blieben meist im Versuch stecken. Es blieb bei Drohungen und der allgemeinen Bedrohung. Weiterlesen

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Konflikte der evangelischen Pfarrer mit den Nationalsozialisten gehörten zum Alltag (II) – Rothenburger Landgemeinden

Vorbemerkung. Diesem Artikel liegt die Facharbeit des Schülers am  Reichsstadtgymnasium David Vogt zugrunde, die hier zusammengefasst, gekürzt und deswegen in weiten Teilen von der Redaktion umformuliert wurde, um den Lesefluss zu erhalten. Ebenfalls der besseren Lesbarkeit wegen ist die Facharbeit hier in einen Artikel über Rothenburg-Stadt und einen Rothenburg-Land geteilt dargestellt. David Vogts Arbeit entstand in der Kollegstufe 2004/06 im Leistungskurs Geschichte und heißt „Evangelisch motivierter Widerstand im Evangelisch-Lutherischen Dekanat Rothenburg o. d. T. während des Dritten Reiches“. Kursleiter war StD Klaus Weisensee. – Die Konflikte zwischen dem evangelischen Pfarrern und ihren Gemeinden mit den örtlichen Parteifunktionären sind mehr spontan aus dem Alltag entstanden: Religionsunterricht, Jugendarbeit, Zugehörigkeit von Gläubigen der Kirche und der SA und derartige andere Dinge. Mit schärferen persönlichen Sanktionen gegen Pfarrer vorzugehen, blieben meist im Versuch stecken. Es blieb bei Drohungen und der allgemeinen Bedrohung. Weiterlesen

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