Sondergericht (4): Siegmund Marx, jüdischer Lehrer, kam 1933 in Schutzhaft und sollte angeklagt werden. Er kam frei und ging nach Speyer

Fränkischer Anzeiger vom

„Fränkischer Anzeiger“ vom 14. März 1933

Von Wolf Stegemann

„In Schutzhaft genommen wurde der Lehrer der israelitischen Kultusgemeinde Siegmund Marx.“ Mit diesem einfachen Satz informierte am 13. April 1933 der „Fränkische Anzeiger“ seine Leser über die Verhaftung des jüdischen Bürgers. Diese Polizei- und Justizaktion der Nationalsozialisten erfolgte kurz nach der Machergreifung und wenige Tage nach der Anordnung des Bayerischen NS-Statthalters Ritter von Epp in München, Schutzhaft für unliebsame Volksgenossen einzuführen. Hinter dieser Zeile steckt aber bereits der Anfang der Rechtsbrüche und Grausamkeiten, die der Staat an seinen Staatsbürgern bis hin zum zig-tausendfachen Mord in den nächsten zwölf Jahren noch begehen sollte. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Antisemitismus, Jüdisches Leben, Justiz / Amtsgericht, Synagoge / Betraum | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar

Sondergericht (5): Kritik am Lohnsystem des NS-Regimes brachte den 24-jährigen Rothenburger Waldemar Heldt 1936 für fünf Monate ins Gefängnis

Haftbefehl

Anklageschrift (Ausriss)

Von Wolf Stegemann

„Man darf es nicht sagen, die heutige Regierung hat noch nichts geleistet, dagegen wo die andere Regierung am Ruder war, hat man mehr verdient und mehr Unterstützung bekommen.“ Der dies im Juni 1936 seinem Arbeitskameraden Friedrich Lechner in Rothenburg unter vier Augen und vertraulich sagte, war der 24-jährige Rothenburger Schreinergehilfe Waldemar Heldt, den sein Freund bei der Gestapo denunzierte. Daraufhin kam Heldt am 9. Juli 1936 in Untersuchungshaft nach Nürnberg. Am 17. November 1936 machte ihn das Sondergericht Nürnberg unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Greiner sowie den beisitzenden Landgerichtsräten Dr. Binner und Dr. Müller wegen eines Vergehens nach dem „Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutze der Parteiuniformen“ den Prozess. Die Anklage vertrat Erster Staatsanwalt Dr. Engert. Das Gericht verurteilte ihn zu fünf Monaten Gefängnis. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Denunziantentum, Justiz / Amtsgericht | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar

Sondergericht (6): Johann Herrscher musste fünf Monate ins Gefängnis, weil er 1939 ein feindliches Flugblatt anderen zeigte und es nicht bei der Polizei ablieferte

W. St. – Wer vom Feind aus Flugzeugen abgeworfene Propaganda-Flugblätter aufhob und sie nicht bei der Polizei ablieferte, konnte in große Schwierigkeiten geraten, wenn er dabei gesehen und bei der Polizei denunziert wurde. Dem Rothenburger Hilfsarbeiter Johann Herrscher, geboren 1909, verheiratet, war einem solchen Ungemach ausgesetzt. Er musste sich deshalb am 16. Oktober 1940 vor dem Sondergericht Nürnberg wegen Vergehens der fahrlässigen Verbreitung hochverräterischer Schriften nach § 85 StGB verantworten und wurde zu fünf Monaten Gefängnisstrafe verurteilt. Zu Gericht über ihn saßen der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Dr. Rothaug und als Beisitzer die Landgerichtsräte Dr. Engert und Dr. Oeschey. Staatsanwalt Dr. Ferber vertrat die Anklage. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Denunziantentum, Justiz / Amtsgericht, Krieg, Polizei / Gestapo | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar

Sondergericht (7): Prediger Konrad Christenn im Arbeiterbus Kirchenlieder gesungen – drei Monate Gefängnisstrafe

W. St. – Drei Monate musste der Rothenburger Fabrikarbeiter und evangelische Prediger Konrad Christenn, der im Alten Stadtgraben wohnte, im Gefängnis verbringen, weil ihn das Sondergericht Nürnberg wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz am 10. Februar 1942 dazu verurteilte. Vorsitzender Richter war Landgerichtsdirektor Dr. Oeschey, Beisitzer waren der Landgerichtsrat Dr. Meyer und der Amtsgerichtsrat Groben. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Denunziantentum, Justiz / Amtsgericht | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar

Sondergericht (8): Er bezweifelte 1941 in einer Schillingsfürster Gastwirtschaft die Erfolge der Wehrmacht in Russland, wofür er vier Monate Gefängnisstrafe bekam

Schillingsfürst

Schillingsfürst

Von Wolf Stegemann

Wenn ein Delinquent vor dem Sondergericht angeklagt wurde, dann holte bei politisch motivierten Straftaten die Geheime Staatspolizei (Gestapo) im Zuge der Ermittlungen ein „Politisches Führungszeugnis“ im Sinne des Nationalsozialismus meist bei der NSDAP-Kreisleitung in Rothenburg ein. So auch im Falle des Bauern Johann R. aus Walkersdorf im Kreis Rothenburg. Kreisleiter Karl Steinacker schrieb am 15. August 1941 an die Gestapo in Nürnberg-Fürth, dass Johann Rattelmüller zum politischen Geschehen keine positive Stellungnahme einnimmt: Weiterlesen

Veröffentlicht unter Denunziantentum, Justiz / Amtsgericht, Krieg | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar

Sondergericht (9): „Gehässig und hetzerisch“ mit staatsabträglichen Äußerungen den Glauben an den Sieg wankend gemacht – August Löschel 1941 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt

Fränkischer Anzeiger, Ausgabe vom 29. November 1942

Fränkischer Anzeiger, Ausgabe vom 29. November 1942

W. St. – Eine Wirtshausdiskussion unter Bekannten wurde am 6. Oktober 1941 dem 40-jährigen verheirateten Rothenburger Busfahrer August Löschel zum Verhängnis. Denn seinen Zuhörern und Mitdiskutanten gefiel das, was Löschel im Wirtshaus „Zur Wolfsschlucht“ in Rothenburg über den Krieg sagte, überhaupt nicht. Das waren der städtische Angestellte Karl Roth, der mit Löschel verschwägert war, und die Fronturlauber Wilhelm Kuch und Ernst Deeg. August Löschel wurde bei der Polizei denunziert mit der Folge, dass Löschel am 8. Mai 1942 wegen eines Vergehens nach § 2 Absatz I des Heimtückegesetzes zu einem Jahr Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Vorsitzender Richter war Landgerichtsdirektor Dr. Rothaug, Besitzer waren die Landgerichtsräte Dr. Meyer und Groben. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Dr. Mayer. Löschels wörtlich wiedergegebene Meinung über den Krieg:

 „1914 haben die Zeitungen auch nur vom Siegen geschrieben und der Krieg wurde doch verloren.“ Weiterlesen

Veröffentlicht unter Denunziantentum, Justiz / Amtsgericht, Krieg | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar

Sondergericht (10): Todesurteil für eine gewalttätig begangene homosexuelle Handlung mit Todesfolge am Toilettenhäuschen des Schillingsfürster Bahnhofs

Der Angeklagte

Der Angeklagte Eugen Grüber

Von Wolf Stegemann

Bei ihm trafen 1941 in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft, im Todesurteil des Sondergerichts, im Vollstreckungsbericht des Oberstaatsanwalts an den Generalstaatsanwalt so ziemlich alle vom Gesetz geforderten und strafbestimmenden Charaktereigenschaften zusammen: „Volksschädling“, „gefährlicher Gewohnheitsverbrecher“, „unverbesserlicher Dieb“, „Rohling“, „geborener Verbrecher“, „geistig und rassisch minderwertig“, „sexueller Psychopath“, „kaltblütig und grausam“. Entsprechend waren seine Taten, die den 20-jährigen Schillingsfürster unter das Fallbeil brachten. Das Urteil des Sondergerichts Nürnberg unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Rothaug und den beisitzenden Landgerichtsräten Dr. Engert und Dr. Ferber vom 12. Juli 1941 lautet: Weiterlesen

Veröffentlicht unter Justiz / Amtsgericht | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar