Hans Promm, Hauptlehrer, alter Kämpfer, SA-Sturmbannführer und NSDAP-Kreisredner in Leuzenbronn, „hämmerte Pflichten und Aufgaben in die Herzen und Hirne“

Todesanzeige im "Fränkischen Anzeiger" vom 6. November 1940

Todesanzeige im „Fränkischen Anzeiger“ vom 6. November 1940

Von Wolf Stegemann

Als er  am 31. Oktober 1940 im Alter von 52 Jahren in Leuzenbronn an einem schweren Leiden starb, versammelten sich zur Trauerfeier drei Tage später im Leuzenbronner Schulhaus, in dem sein mit einer Hakenkreuzfahne bedeckter Sarg stand. Um ihn herum versammelten sich vornehmlich SA-Männer und Lehrer. Hans Promm war Hauptlehrer in der braunen Uniform der SA. Entsprechend gestaltete sich seine Trauerfeier, bevor der Leichnam zur Einäscherung nach Nürnberg überführt wurde. An seinem Sarg standen vier SA-Leute als Ehrenwache. Hans Promm gehörte zu den vielen Lehrern im Kreis Rothenburg, die sich schon früh der NSDAP angeschlossen hatten und danach jahrelang ihre Schüler im Sinne des Nationalsozialismus erzogen haben. So fielen auch seine Nachrufe als „bewährter Nationalsozialist und Vorbild bis zum letzten Atemzug“ aus. Eine zweite Trauerfeier gab es am 4. November im Nürnberger Krematorium, an der sich wiederum die Partei- und Schulprominenz aus Stadt und Bezirk Rothenburg versammelt hatten.

Von der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg gedemütigt

Der 1888 geborene Hans Promm kam 1913 als Lehrer nach Leuzenbronn, wo er 27 Jahre lang wirkte. Schon ein Jahr später zog er als Freiwilliger in den Krieg, wurde verwundet, kämpfte als Offizier weiter bis zum Schluss und empfand das Ende des Krieges 1918 als Verrat. Von der Niederlage gedemütigt, kehrte Promm nach Leuzenbronn zurück. Bürgermeister Walther bei der Trauerfeier im Schulhaus: „Das in ihm lebende Bewusstsein der seinem Vaterland angetanen Schmach ließ ihn nicht ruhen.“ Daher gründete der Lehrer 1920 in der damals rund 340 Einwohner starken Gemeinde Leuzenbronn eine bewaffnete Einwohnerwehr, wobei sich heute die Frage stellt, wofür und wogegen diese notwendig war. Fest steht, dass Hans Promm in Leuzenbronn mit seinem extremen Nationalismus Mitstreiter fand und den nationalen Gedanken durch Reden sowohl in der Schule als auch im Wirtshaus oder bei Heldengedenkfeiern bei den Einwohnern anfeuerte. Er war auch Mitglied in nationalen Verbänden und fand über diese den Weg noch vor 1930 zur Hitlerbewegung und in die SA, in der er Karriere machte. Bis zu Beginn seiner Krankheit war er Führer des Sturmbanns III/19 in Rothenburg ob der Tauber, den er aufbaute und sich vor allem auch um die Wehrmannschaften kümmerte. Daneben war der Hauptlehrer für die NSDAP als Kreisredner tätig. „In vielen Versammlungen hat er in den vergangenen Jahren den Volksgenossen im Kreisgebiet die Pflichten und Aufgaben in Herzen und Hirne gehämmert, die im Reiche Adolf Hitlers jeder einzelne zu erfüllen hat!“ schreibt der „Fränkische Anzeiger“ in einem Nachruf. Zudem war Hans Promm auch noch langjähriger Mitarbeiter der NS-Volkswohlfahrt (NSV), deren Ortsgruppenleiter er war. „So stehen Partei, SA und NSV in ehrlicher Trauer an der Bahre eines vorbildlichen Kämpfers; die Gemeinde Leuzenbronn betrauert ihren ausgezeichneten Schulleiter…“, so der FA am 4. November 1940.

„Dann hallte der Führergruß über den stillen Platz

Bei der Trauerfeier im Schulhaus sprach nach dem Leuzenbronner Bürgermeister Walther für die NSDAP deren stellvertretende Ortsgruppenleiter Korder aus Schnepfendorf, dem der Rothenburger SA-Obersturmbannführer Georg Arlt folgte und sagte: „In den Reihen der SA werde der tote Hans Promm stets marschieren, wie auch sein Geist unsterblich sein werde.“ Danach legten Vertreter des NSDAP-Kreisleiters, der SA, des NSKK der NS-Volkswohlfahrt und des NS-Lehrerbundes  sowie Vertreter der Wehrmacht Kränze nieder und Schüler einen Herbstrauß. Der „Fränkische Anzeiger“ beschrieb die letzte Szene dieser Trauerfeier:

 „Dann hallte der Führergruß über den stillen Platz, die Hände erhoben sich zum letzten  für Sturmbannführer Promm, dessen Name in der Geschichte der Bewegung und der SA im Kreise Rothenburg weiterleben wird!“

Einäscherung in Nürnberg mit Kreisprominenz

Zur Einäscherung des Leichnams fuhren die Rothenburger am 3. November 1940 ins Krematorium nach Nürnberg, um zusammen mit den Angehörigen des verstorbenen Hans Promm an der Trauerfeier teilzunehmen. Dabei waren etliche Mitglieder des Kreisstabs Rothenburg unter Leitung der Kreisamtsleiter Friedmann und Beyerl, Vertreter der SA-Standarte 19 (Ansbach) mit Standartenführer Scheuber sowie die Führer der Rothenburger SA-Stürme, der SA-Gruppe Franken, Vertreter des Kreisabschnitts Rothenburg des NS-Lehrerbundes mit Kreisamtsleiter Schmidt aus Nordenberg. Sie alle sprachen Nachrufe und legten Kränze nieder. Der Sarg war mit einer Hakenkreuzfahne bedeckt auf der Promms Dienstmütze und sein SA-Dolch lagen. Zwischen den Reden erklang Orgelspiel und es wurde das Lied vom guten Kameraden gesungen. Standartenführer Scheuer aus Ansbach sprach im Schlusswort, dass Sturmbannführer Hans Promm erfüllt gewesen war vom Geiste der SA und er habe mehr getan als seine Pflicht. „In den Herzen meiner SA-Führer und SA-Männer lebt der Name Promm und das Werk des Verstorbenen immer fort. Die Gruppe Franken und die SA-Standarte 19 werde das Andenken an Hans Promm stets in hohen Ehren halten.“ – Mit dem Horst-Wessel-Lied endete die Trauerfeier.

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Quelle: Fränkischer Anzeiger vom 4. November 1940

 

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Wie es dazu kam, dass wir Schulkinder „Juden raus!“ riefen. Eine Schulzeit in schwarzbrauner Jungmädel-Uniform, mit Drill und Liedern

BDM-Gruppe "Glaube und Schönheit" in Rothenburg ob der Tauber

BDM-Gruppe „Glaube und Schönheit“ in Rothenburg ob der Tauber

Von Gertrud Schubart

Zu den eindrücklichsten und nachhaltigsten Schuljahren innerhalb der acht Volksschulklassen, die ich in Rothenburg durchlief, gehören die fünfte und sechste Klasse, die ich im Probst’schen Schulhaus hinter mich brachte. Gut war es, dass meine Schulkameraden und ich die ersten vier Jahre die Lehrer Nagel und Kallert hatten, letzterer war ein sehr väterlich gütiger Lehrer, den wir allesamt respektierten und liebten. Dies darf nicht unerwähnt bleiben, denn was nachfolgte, war eine absolut neue Erfahrung. Weiterlesen

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Klein Adolf zeigt es ihnen – Der zehnjährige Hitler im deutschen Gymnasial-Lesebuch

Das Kind Adolf Hitler

Das Kind Adolf Hitler

Eines schönen Tages führte der zehnjährige Adolf Hitler ein paar seiner Kameraden in den Schuppen hinter der Mühle und deutete auf einen Sautrog, der dort zusammen mit anderen Gerätschaften untergebracht war.

„Auf, los“, sagte der Anführer, „wir holen den Trog heraus, verstreichen ihn innen mit Lehm, und dann haben wir ein flottes Schiff, mit dem wir übers Wehr hinunterfahren! Wer macht mit?“

Alle waren sie da bereit und jeder wollte die anderen an Eifer und Mut übertreffen. Der Trog wurde herausgezogen, die Ritzen mit Lehm verschmiert, und heimlich, damit es weder der Müller noch die Eltern merken konnten, wurde das „Boot“ an das Ufer des Baches gebracht, der gerade wieder einmal be­sonders viel Wasser führte.

Jetzt war den jugendlichen Helden doch etwas das Herz in die Hosen gefallen. Der Adolf war der einzige, der von dem Vorhaben nicht ablassen wollte; im Gegenteil, der Besitz des flotten Schiffes und das viele Wasser im Bach konnten ihn nur noch mehr reizen.

Kurz entschlossen ließ er mit Hilfe seiner Kameraden den Trog vom Ufer in den Bach gleiten, nahm eine lange Stange in die eine Hand und hielt sich mit der anderen an einem seiner Helfer. So stieg er in das schwanke Fahrzeug. Als auf seine letzte Frage wieder keiner der Verschwörer es wagen wollte, mit über das Wehr zu gondeln, zog er kurz ent­schlossen den Kameraden, den er noch an der Hand hielt, zu sich in den Trog!

Unter dem Hallo der Zurückbleibenden und mit dem Zeter- und Mordiogeschrei seines Pas­sagiers trieb der kleine Adolf, als Steuer die Stange in Händen, dem Wehr zu. Immer schneller schoß das komische Fahrzeug in der Mitte des Baches dahin, kurz vor dem Wehr drehte es sich zweimal, wie ein Karussell, in einem Strudel; ein Ruck mit der Stange, und schon fuhr der Trog mit seinen Insassen in rasender Fahrt über das Wehr.

Wohlbehalten kamen die Seefahrer über Hindernis, und als sie weiter unten wieder legten, da waren die anderen Kameraden auch da, stolz, als ob sie selber einen Sieg fochten hätten.

Der Adolf hatte ihnen wieder einmal gezeigt, daß man wagen muß, um zu gewinnen, durch das Beispiel angefeuert, ruhten sie nicht, bis jeder von ihnen wenigstens einmal Sturmfahrt über das Wehr des Schweigbaches mitgemacht hatte.

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Entnommen: Artur Georg Richter: „So war die Jugend großer Deutscher“ in  Deckelmann-Johannesson-Kallbach „Deutsches   Lesebuch für höhere Schulen.“, Weidmannsche Buchhandlung, Berlin, 1935.
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Erziehung im NS-Regime: Keine Kolonie friedsamer Ästheten, sondern trotzige Verkörperung männlicher Kraft – Auszug aus Hitlers „Mein Kampf“

Mein KampfVorbemerkung: Das folgenden Zitate dient dazu, das Menschenverachtende der Nationalsozialisten zu verdeutlichen, zu dem auch die Erziehung der Jugend gehörte, wie dies in den anderen Artikeln zur Schule und Erziehung im NS-Regime in dieser Online-Dokumentation dargestellt ist. In keinem Fall entspricht dieser Auszug der Meinung der Herausgeber. Sofern darin Tatsachenbehauptungen vorkommen, müssen diese nicht richtig sein.

„Und so wie im allgemeinen die Voraussetzung geistiger Leistungsfähigkeit in der rassischen Qualität des gegebenen Menschenmaterials liegt, so muss auch im einzelnen die Erziehung zuallererst die körperliche Gesundheit ins Auge fassen und fördern; denn in der Masse genommen wird sich ein gesunder, kraftvoller Geist auch nur in einem gesunden und kraftvollen Körper finden. Die Tatsache, dass Genies manches Mal körperlich wenig gut gebildete, ja sogar kranke Wesen sind, hat nichts dagegen zu sagen. Hier handelt es sich um Ausnahmen, die – wie überall – die Regel nur bestätigen. Wenn ein Volk aber in seiner Masse aus körperlichen Regeneraten besteht, so wird sich aus diesem Sumpf nur höchst selten ein wirklich großer Geist erheben. Seinem Wirken aber wird wohl auf keinen Fall mehr ein großer Erfolg beschieden sein. Das heruntergekommene Pack wird ihn entweder überhaupt nicht verstehen, oder es wird willensmäßig so geschwächt sein, dass es dem Höhenflug eines solchen Adlers nicht mehr zu folgen vermag. Weiterlesen

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Arische Idylle – Wie die Zeitschrift „Hilf mit!“ ab 1933 Schüler mit Nazi-Ideologie indoktrinierte. Eine Analyse

Hilf mit-quer-26343Von Katja Irle

So idyllisch können Panzer sein: Im Oktober 1938 ziert das Kriegsgerät die Titelseite der NS-Schülerzeitschrift „Hilf mit!“. Gerade sind Wehrmachtstruppen in das Sudetenland einmarschiert, und die Waffenproduktion in Hitler-Deutschland läuft auf Hochtouren. Doch das Bild zeigt einen Panzer, auf dem fröhliche Kinder herumturnen. Die Botschaft ist subtil, aber wirksam: Kämpfen ist ein Spiel, Kinder! Und ihr seid dabei.
Mit einer Auflage von mehr als fünf Millionen Exemplaren gehörte „Hilf mit!“ zu den auflagenstärksten Jugendzeitschriften der NS-Zeit. Jeden Monat gab sie der Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB) für die Schulen heraus. „So wurde eine ganze Generation sozialisiert und geprägt“, sagt der Erziehungswissenschaftler Benjamin Ortmeyer und nennt stellvertretend Namen wie Martin Walser, Helmut Schmidt und Günter Grass. Weiterlesen

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Ludwig-Siebert-Oberschule-Stiftung: Ganz besonders würdige Schüler erhielten eine Studienbeihilfe

Oberschule am Bezoldweg

Oberschule am Bezoldweg; Zeichnung entnommen der Festschrift 2004

Gegenüber Rothenburg zeigte sich der bayerische Ministerpräsident Ludwig Siebert gern als Wohltäter. Denn er war von 1908 bis 1919 Rechtskundiger Oberbürgermeister der Stadt, Rothenburg, bevor er Oberbürgermeister in Lindau wurde. Aus Anlass eines Besuchs in Rothenburg sicherte Ludwig Siebert dem Oberbürgermeister Schmidt und dem NSDAP-Kreisleiter je 1.000 RM zu, die in 50 Teilbeträgen zu je 20 RM „zur Unterstützung braver Fa­milien“ der Stadt und des Kreises verteilt werden sollten. Der Kreisleiter bestimmte die Begünstigten dieser Spende im Einvernehmen mit der Nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung und dem Reichsbund der Deutschen Familie. Bei derartigen Anlässen bedachte der bayerische Ministerpräsident auch die junge Generation. Für den herzlichen Empfang und das damit verbundene En­gagement bedankte sich Siebert bei der Jungmädelgruppe 6/308 und den Fanfarenbläsern der HJ mit Büchern, Musikinstrumenten und weiteren Sachgeschenken. Es liegt auf der Hand, welchen bleibenden positiven Eindruck dies auf die betreffenden Personen machte. Weiterlesen

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Verordnung: Richtlinien zur Rassenkunde, 1935 – „Aufartung“ für den „Kampf um Lebensraum“ – Vererbungslehre und Rassenkunde im Unterricht

  • Vorbemerkung: Dies ist samt Überschrift der unkommentierte Original-Text der ministeriellen Verordnung von 1935. Lediglich die Zwischenüberschriften wurden wegen einer besseren Lesbarkeit eingefügt. Quelle ist die Zeitschrift „Deutsche Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung“, Heft 3 (1935), Seiten  43-46.

Zweck und Ziel der Vererbungslehre und Rassenkunde im Unterricht muß es sein, über die Wissensgrundlagen hinaus vor allem die Folgerungen daraus für alle Fach- und Lebensgebiete zu ziehen und nationalsozialistische Gesinnung zu wecken. Weiterlesen

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