Ausländische Touristen besuchten Rothenburg nach wie vor. Tagung des Landesverbands der bayerischen Hotels sollte die Wirtschaft verbessern

Touristen bevölkern den Marktplatz, um der "Meistertrunk"-Spieluhr zuzusehen (Bild 1932)

Touristen bevölkern den Marktplatz, um der „Meistertrunk“-Spieluhr zuzusehen (Bild 1932)

W. St. – Der Fremdenverkehr nahm ab 1933 nicht nur durch die innerdeutschen KdF-Reisenden zu; Rothenburg ob der Tauber blieb auch in der Nazizeit für ausländische Touristen ein attraktives Reiseziel. 1933 besuchten rund 55.800 Gäste die Stadt; 1937 waren es bereits 140.000 sowie 800.000 Tagesbesucher. Vor allem sorgte dafür die 1933 von den Nationalsozialisten gegründete Organisation „Kraft durch Freude“. Aber auch andere mit dem Tourismus verbundene Verbände beförderten den Fremdenverkehr. So tagte bereits im April 1933 der „Landesverband der bayerischen Hotels, Restaurants und verwandten Betriebe“ in der Tauberstadt, um zu beraten, wie der Fremdenverkehr in Bayern angekurbelt werden könnte. Denn in den Jahren zuvor beklagte das Gaststättengewerbe einen wirtschaftlichen Niedergang in Bayern. Der Verband tage in Rothenburg, schrieb der „Fränkische Anzeiger“ in der Begrüßung der Tagungsteilnehmer am 28. April 1933, „weil es in Rothenburg nicht anders aussehen dürfte, wie in allen anderen Gegenden. Daher laute die Frage, mit der sich der Landesverband befassen müsse: „Ist die Besserung in der kommenden Zeit zu erwarten und wie wird sich diese Besserung auswirken? Weiterlesen

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Adolf Hitlers überraschender Besuch 1935 – So wie er kam, war er nach einer Stunde wieder weg – nur gesättigt!

Von Wolf Stegemann

Überrascht waren die Rothenburger, so steht es jedenfalls im „Fränkischen Anzeiger“ vom 17. April 1935, als tags zuvor eine Wagenkolonne mit schwarzen Limousinen durch eines der Stadttore fuhr und durch „die im Alltagskleid liegenden Straßen“ dem Hotel Eisenhut zusteuerte. In einem der Wagen, die von Heidelberg kamen, saß Adolf Hitler. Die Anwesenheit des Führers verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt, die „im Nu ihr schönstes Festkleid anlegte“. Wer wollte und konnte, hing die Hakenkreuzfahne aus dem Fenster und rannte dann zum Hotel Eisenhut, wo sich bereits eine große Menschenmenge versammelt hatte, um den Führer zu sehen, der schon im Hotel war. Der Fränkische Anzeiger schrieb: „Im Laufe der nächsten halben Stunde schwoll die Menschenmenge derart an, dass SA, SS und Arbeitsdienst zu Absperrmaßnahmen gerufen werden mussten.“ Natürliche wurde Hitler auch bewacht. Ehrenposten der SS standen vor dem Portal. Zu den Wartenden und Heil rufenden Rothenburgern gesellten sich in der Mittagspause um 12 Uhr auch noch Arbeiter aus den Betrieben. „Die ganze Herrngasse und der anschließende Marktplatz waren voll von wartenden Menschen.“ Alle wollten den Führer sehen. In seiner Begleitung befanden sich  u. a. sein persönlicher Adjutant Obergruppenführer Brückner, sein ständiger Begleiter, SS-Brigadeführer Schaub, der Reichspressechef der NSDAP Dr. Dietrich, Reichsfotograf Hoffmann und sein Fahrer, SS-Brigadeführer Schreck. Aber was wollte Adolf Hitler so unangemeldet in Rothenburg? Eigentlich nichts weiter als zu Mittag essen. Offensichtlich störten ihn dabei die lauten „Heil-Hitler“-Rufe auf der Straße, sodass einer aus des Führers Begleitung nach draußen ging und dafür sorgte, dass keine Rufe mehr erschallten. Dazu die Zeitung: „Die große Menschenmenge hielt eine bewundernswerte Disziplin.“ Weiterlesen

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Im Goldenen Buch der Stadt gab sich die NS-Prominenz den Füllfederhalter in die Hand: Himmler und Göring, viele kleine und große Führer, Adelige und Militärs, Regierungspräsidenten und Gauleiter

Eintrag mit Himmler xxxxx

Himmler 1936 (l.) und Einweihung Museum mit Ludwig Siebert 1936 (r.); Fotos (7): Wolf Stegemann

Von Wolf Stegemann

Wenn prominente Menschen eine Stadt besuchen, dann holen die Stadtoberen, je nach Nobilität oder auch nur nach gesellschaftlicher, politischer oder kultureller Bekanntheit der Besuchers ein Buch hervor, in das sich diese mit ein paar freundlichen Zeilen und Unterschrift oder nur mit Unterschrift eintragen. Wie in einem Gästebuch eines Hotels. Nur dass das Buch in Städten und gewichtigeren Ebenen „Goldenes Buch“ genannt wird. Das nicht mehr aktuelle Gästebuch der Stadt Rothenburg ob der Tauber wird im Stadtarchiv aufbewahrt. Es ist keineswegs golden, wie man meinen könnte, sondern in einem mit der Zeit gedunkelten Schweinsleder gebunden, an den Ecken mit Metall verstärkt und vorne ziert ein stilisiertes Metall-Stadtwappen dem Umschlag. Er erinnert an art deco der 1920er-Jahre. Und aus dieser Zeit stammt der Foliant. Der Ursprung solcher Goldenen Bücher ist im mittelalterlichen Italien zu finden, wo Städte und Staaten ihre Adelsregister so genannt haben. Heute deutet man die Goldenen Bücher mehr nach ihrem Goldschnitt der Seiten und auf Vergoldungen am Einband und dass die, sie sich da eintragen, eben doch was Besonderes sind. Weiterlesen

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Das vom bayerischen Ministerpräsidenten Siebert finanzierte „Hilfswerk Alt Rothenburg“ erneuerte marode Häuser, Mauern und Türme

Ludwig Siebert auf dem Rothenburger Marktplatz

Ludwig Siebert auf dem Rothenburger Marktplatz

Von Wolf Stegemann

Ludwig Siebert, Rothenburgs langjähriger Bürgermeister bis zum Jahr 1919 war ein Nationalsozialist, dem man heute immer noch eine Straße widmet. Sie führt zum Bahnhof und mag sofort sinnfällig als die Straße gelten, die wegführt. Die Ehrung der Straßenbenennung soll im übertragenen Sinn von Nationalsozialisten wegführen und hinführen zu einem „väterlichen Freund“ der Stadt Rothenburg, zu einem politisch sozialen und guten Siebert. Doch ein solcher war er nicht. Als ein solcher wird er aber von exponierten Alt-Rothenburgern angesehen, hörte doch der Verfasser 2014, dass Siebert als NS-Ministerpräsident der „sozialste Mensch“ gewesen sei, wie es vorher und nachher keinen – wie ihn – für Rothenburg gegeben habe. Damit meinte der Gesprächspartner keineswegs die Verdienste Sieberts als Bürgermeister, so er welche hatte, sondern die als Nationalsozialist für die Nazi-Vorzeigestadt Rothenburg ob der Tauber. Weiterlesen

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Martin Weigels Stadtführer bejubelte in der „umgearbeiteten“ Auflage nach 1933 den Wiederaufstieg von Rothenburg durch Hitlers Nationalsozialismus

Links das Heft vor, rechts das nach der Machtergreifung Hitlers mit den Textveränderungen

Links das Heft vor, rechts das nach der Machtergreifung Hitlers mit den Textveränderungen

Von Wolf Stegemann

Äußerlich ist den beiden  Stadtführer-Heften eine Unterschiedlichkeit nicht anzusehen. Das eine Heft ist, wie im Innentitel vermerkt, die „27. und 28. Auflage. Mit 2 Plänen und zahlreichen Ansichten“. Im anderen Heft steht „29. und 30. umgearbeitete Auflage. Mit 2 Plänen und zahlreichen Ansichten“. Das Wörtchen „umgearbeitet“ weist darauf hin, was den Leser erwartet, wenn er im Heft weiterblättert. Da steht nämlich auf Seite 18 eine der textlichen Veränderungen als Zusatz gegenüber der vorherigen Auflage: Der Absatz römisch XII ist mit „Wiederaufstieg“ betitelt. Das macht aber nur dann Sinn, wenn der vorhergehende Absatz unter römisch XI als „Niedergang“ bezeichnet wurde. Ohne es näher zu begründen, ist in diesem den „Wiederaufstieg“ vorbereitenden Absatz vom „politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zerfall“ der Stadt die Rede, den auch „alle Bemühungen hervorragender Männer, Pflege der Musik und Gelehrsamkeit, genaueste Polizeiverordnungen“ nicht aufhalten konnten. Doch dann kam er, Hitler, und die Rothenburger konnten wieder aufatmen:   Weiterlesen

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Reichsautobahnen – Autobahnen nach Osten dienten vielfältig auch dem geplanten Krieg

Reichsautobahn 1937 München-Salzburg

Reichsautobahn 1937 München-Salzburg

Von Wolf Stegemann

Als der Verfasser öffentliche Vorträge über die Zeit des Nationalsozialismus hielt, wurde bei älteren Zuhörern die anschließende Diskussion fast immer nach einem peinlich anmutenden Schweigen mit zwei kritischen Fragen von eben diesen älteren Zuhörern eröffnet: „Wie alt sind Sie?“ und dann mit einem Anflug von Triumph in der Stimme, dass unter Hitler doch nicht alles schlecht war: „Wissen Sie denn auch, dass Hitler die Autobahnen gebaut hat?“ Weiterlesen

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Jahrestagung der Gesellschaft für fränkische Geschichte 1934: Oberbürgermeister Dr. Liebermann informierte die Historiker darüber, das Hitler vom Himmel gesendet wurde

Der 1934 renovierte Kaisersaal,Tagungsstätte der Gesellschaft für fränkische Geschichte 1934 in Rothenburg

Der 1934 renovierte Kaisersaal,Tagungsstätte der Gesellschaft für fränkische Geschichte 1934 in Rothenburg ob der Tauber

Von Wolf Stegemann

Als die „berufenste Stelle für die wissenschaftliche Erforschung unseres Frankenlandes“ bezeichnete der „Fränkische Anzeiger“ am 18. Juni 1934 die „Gesellschaft für fränkische Geschichte“, die zum 16. und 17. Juni nach Rothenburg ob der Tauber zu ihrer Jahrestagung eingeladen hatte. Nicht zum ersten Mal, denn 1911 und 1923 tagte die Gesellschaft ebenfalls in Rothenburg und sollte 1946 und 1973 nochmals in den Mauern Rothenburgs ihre Mitglieder versammeln. Seitdem nicht mehr. Weiterlesen

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