Friedrich Siebert, Sohn des NS-Ministerpräsidenten von Bayern und früheren Rothenburger Bürgermeisters, machte Karriere in der SS und Verwaltung

W. St. – Als Sohn des Rothenburger Bürgermeisters (1908 bis 1919) ging er natürlich auf das städtische Gymnasium und beendete dort seine Schullaufbahn. Friedrich Wilhelm (Fritz) Siebert trat in die politischen und nationalsozialistischen Fußstapfen seines Vaters, wurde 1933 dessen Nachfolger als Bürgermeister in Lindau am Bodensee, war SS-Führer im besetzten Polen und wurde nach dem Krieg von den Amerikanern an Polen ausgeliefert und in Krakau wegen seiner dortigen Tätigkeit in der deutschen Verwaltung während des Krieges zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Sein Vater trat in der NS-Zeit als bayerischer Ministerpräsident in SA-Uniform mit antisemitischen Aussprüchen hervor (siehe Ludwig Siebert in dieser Dokumentation). Weiterlesen

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Georg Soldner – Landwirt, Hufschmied, Bürgermeister, NSDAP-Landtagsabgeordneter, Kreisbauernführer, Gauredner, SS- und SA-Mitglied und letztlich doch nur „Mitläufer“

Georg Soldner

Georg Soldner

Von Wolf Stegemann

In der ersten Beilage „Ähre und Schwert“ des „Fränkischen Anzeigers“ vom 3. Januar 1935 (siehe unten) widmete die Zeitung dem NS-Funktionär Georg Soldner einen ihn im damaligen Sinne würdigenden Artikel. „Unser Kreisbauernführer Soldner gehört zu den bedeutendsten Führern der bayerischen Bauernschaft“ steht da zu lesen. Wer war Georg Soldner, der als Bauernführer in einem anderen Artikel aus dem Jahr 1942 auch als „Stoßtruppführer der Erzeugungsschlacht“ apostrophiert wurde? Der 1885 in Altengreuth im Bezirk Rothenburg geborene Schmied, besuchte sieben Jahre lang die Volksschule in Weissenkirchberg und lernte drei Jahre lang das Schmiedehandwerk in München und Ansbach, bevor er als Zweijährig-Freiwilliger von 1904 bis 1906 beim 2. Feldartillerie-Regiment Würzburg Militärpferde beschlug und 1911 die Meisterprüfung ablegte, Lina Klein aus Leipoldsberg heiratete und zwei Kinder bekam. Weiterlesen

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Friedrich Uebelhoer – Ein Rothenburger machte Karriere und ging in die NS-Geschichte als Polenhasser und Mörder ein. 1945 verschwand er spurlos

Der Rothenburger Friedrich Uebelhoer machte NS-Karriere in Sachsen-Anhalt

Der Rothenburger Friedrich Uebelhoer machte NS-Karriere in Sachsen-Anhalt

Von Wolf Stegemann

„Mit Friedrich Uebelhoer herrscht von 1933 bis 1939 in Naumburg ein Oberbürgermeister, der die Menschenrechte und die Demokratie verachtet. Er macht sich krimineller und politischer Untaten schuldig. In Litzmannstadt (Lódz) ist er maßgeblich an der Judenvernichtung beteiligt und begeht damit schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“

Zu diesem Schluss kommt Detlef Belau aus Naumburg. Der so Apostrophierte war noch mehr: NSDAP-Kreisleiter, Gauinspektor im Wartheland und Regierungspräsident in Kalisch. Auch errichtete er das Ghetto in Lodz.

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Erich Wintermeiers „Braune Kompanie“ – Komponist wohnte von 1944 bis 1953 am Marktplatz

Erich Wintermeier

Erich Wintermeier; Foto: privat

Von Wolf Stegemann

Vorbemerkung: Die Mutter des Verfassers war mit der Familie Wintermeier befreundet. Seine Mutter stammte – wie Frau Wintermeier – ursprünglich aus Berlin. Die geschilderten Verhältnisse kennt er aus eigenem Erleben als etwa fünf- bis zehnjähriges Kind, aus späteren Schilderungen der Mutter und der älteren Schwester sowie durch gegenwärtige Recherchen. Der Verfasser spielte als Kind mit den Kindern der Wintermeiers, wenn seine Mutter ihn mitnahm in jenes große und damals gruselige Haus am Marktplatz (Nr. 10), wo die Familie wohnte. Seine Mutter half so gut sie konnte, deren Kinder einigermaßen gut durch das Chaos des Wintermeierschen Familienlebens der Nachkriegszeit zu bringen. Allesamt ergibt dies ein abgerundetes, wenn auch faktisch nicht deutliches Bild. Erich Wintermeier war Komponist und Musikkritiker und stand während der nationalsozialistischen Zeit im Dienste der NS-Partei- und Staatspropaganda. Von 1933 bis 1945 hatte er zehnmal seinen Wohnsitz gewechselt, teils freiwillig und teils deshalb, weil die Partei ihm Schwierigkeiten machte. Nie hatte er sich bei einem Wohnungswechsel bei der Partei ab- bzw. angemeldet, so dass er mehrfach mit Geldstrafen belegt worden war.  Die Spruchkammer Rothenburg, vor der er sich 1948 wegen seiner NS-Vergangenheit zu verantworten hatte, reihte ihn nach Art. 13 des Gesetzes zur Befreiung vom Nationalsozialismus und Militarismus in die Gruppe V – entlastet – ein (Az. 4103/Ro/Wi).     Weiterlesen

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NS-Alltag: Erheblicher Anstieg der Lebenshaltungskosten im Deutschen Reich 1933-1937

Berlin, 14. Mai 1940. – Zum ersten Mal nach einer längeren Zeit hat das Institut für Marktanalysen Einzelhandelspreise und Lebenshal­tungskosten in Deutschland analysiert. Wäh­rend man vor einigen Wochen noch be­hauptete, der Preisanstieg betrage in den vergangenen vier Jahren nationalsozialisti­scher Wirtschaftslenkung lediglich 3,4 %, gibt das Institut nun einen realen Preisan­stieg von 7,2 % zu. Die Zahlen basieren auf dem Verbrauch einer durchschnittlichen Ar­beiterfamilie, aber sie können nur bedingte Gültigkeit für die Gesamtbevölkerung ha­ben, da unzählige Vorzugsmaßnahmen und Sonderrationen für bestimmte Gruppen mit niedrigen Einkommen geschaffen wurden. Weiterlesen

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Statistiken Stadt und Landkreis Rothenburg 1933/1939

Staatliche Zugehörigkeit: bis 1945 zu Bayern, Regierungsbezirk Oberfranken und Mittelfranken (danach amerikanische Besatzungszone, Land Bayern; 1949 Bundesland Bayern, Regierungsbezirk Mittelfranken.

Zuständige Justiz: Amtsgericht Rothenburg o. d. T. und Amtsgericht Schillingsfürst: Landgericht Ansbach; Oberlandesgericht Nürnberg. Weiterlesen

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„Meldungen aus dem Reich“ berichteten über die Stimmung im Land – Ein Netz von Spitzeln schaute dem Volk aufs Maul

W. St. – Mit „Meldungen aus dem Reich“ waren die geheimen innenpolitischen Lageberichte des Sicherheitsdienstes des Reichsführers-SS überschrieben. Dieser sammelte zwischen Kriegsbeginn 1939 und Juli 1944 Stimmungsberichte aus der deutschen Bevölkerung, um sie einem kleinen Kreis hoher NS-Funktionäre und Beamter zugänglich zu machen. Weiterlesen

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