Hans Dippold – Regierungspräsident von Mittel- und Oberfranken war willfähriges Werkzeug des Frankenführers Streicher

W. St. – In mehreren Schreiben des Regierungspräsidenten Hans Dippold an das Bezirksschulamt in Rothenburg ordnete er die Behandlung bestimmter Themen an. „Aus die­sem Anlass ist wie im Vorjahr in allen Volks- und Berufsschulen des Gaues im Unter­richt […] auf die geschichtliche Bedeutung des Frankentages und des Hesselbergs näher einzugehen.“ Hans Dippold war in seiner Funktion als Regierungspräsident mit Sitz in Ansbach zugleich Garant der Einheit der Verwaltung. Als Repräsentant des Staatsgedankens galt er als „willfähriges Werkzeug Streichers“. Im Brief vom 6. Juni 1939 schrieb Dippold auch die gewünschten Unterrichtsmaterialien vor, um der weltanschaulichen Zielsetzung gerecht zu werden: „Wertvolle Unterlagen […] enthält das Maiheft 1937 der Zeitschrift ,Das Bayerland’, das unter dem Titel ,Der Hesselberg – der heilige Berg der Franken’ […] erschienen ist.“ Weiterlesen

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Wilhelm Heer MdR – Rothenburger Nationalsozialist gehörte 1938 zu den brutalen Anführern der Synagogen-Zerstörung in Kitzingen

Von Wolf Stegemann

Wegen seiner Beteiligung an den Übergriffen der Nazis gegenüber Juden in Kitzingen wurde der 1894 in Rothenburg geborene und auch dort 1961 gestorbene Wilhelm Heer 1949 zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Vorher war er wegen seiner frühen NSDAP-Mitgliedschaft und Zugehörigkeit zum Reichstag interniert. Weiterlesen

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Wolf-Heinrich Graf von Helldorf, NSDAP-, SA-, SS-Karrierist, Berliner Polizeipräsident und Verschwörer des 20. Juli 1944, heiratete 1920 in Husarenuniform im Rothenburger Rathaus

Kutschen der Hochzeitgäste Graf Helldorffs auf dem Marktplatz

Kutschen der Hochzeitgäste Graf Helldorfs auf dem Marktplatz

Von Wolf Stegemann

Er kannte die Stadt, liebte ihre mittelalterliche Kulisse mit der Lage über der Tauber, ihre herrschaftlichen Patrizier- und winkeligen Fachwerkhäuser. Wolf-Heinrich Graf von Helldorf heiratete am 11. Oktober 1920 Ingeborg Ellynor von Wedel aus Darmstadt im Rothenburger Rathaus. Seine 1894 geborene Frau war in erster Ehe mit einem Grafen von Bachtenborck verheiratet. In Helldorfs Familie war zu erfahren, dass er in Rothenburg geheiratet habe, weil er lange mit einer Rothenburger Familie befreundet gewesen war, sie in den 1930er-Jahren mehrmals besucht habe, deren Name man aber nicht mehr wisse. Darüber war auch anderweitig bislang nichts zu erfahren gewesen. Fest steht allerdings, dass im September 1937 Graf Helldorf und seine Frau zusammen mit dem befreundeten Ehepaar Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg und seiner Frau Charlotte zu einem mehrtägigen Besuch in Rothenburg war, wo die Helldorfs den Schulenburgs die Stadt ihrer Hochzeit zeigten. – Graf von Helldorf schloss sich schon Mitte der 1920er-Jahre der NSDAP an, machte Karriere in der SA und SS und wurde Polizeichef von Berlin. Nachdem ihm bewusst wurde, in welchem verbrecherischen Regime er sich auch persönlich schuldig gemacht hatte, vielleicht auch nur, um – wie von ihm häufig praktiziert – sich nach beiden Seiten abzusichern, nahm er Kontakte zum militärischen Widerstand auf und erlebte nun die Verbrechen der Polizei, die er bis dahin leitete, am eigenen Leib. Er wurde nach dem Attentatsversuch vom 20. April 1944 gegen Hitler vom Volksgerichtshof verurteilt und hingerichtet. Weiterlesen

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Franz Johann Hofmann: SS-Mörder von Dachau und Auschwitz in Rothenburg entnazifiziert – 20 DM Geldbuße. Zehn Jahre später zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt

KZ-Mörder Franz Johann Hofmann

KZ-Mörder Franz Johann Hofmann

Von Wolf Stegemann

Was ihn dazu getrieben haben mag, sich als ehemaliger SS-Hauptsturmführer und 1. Schutzhaftlagerführer im KZ Auschwitz nach Kriegsende in Rothenburg niederzulassen, ist nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass er nach dem Krieg unter falschem Namen untertauchte, in Rothenburg wieder auftauchte und sich von der Spruchkammer des Kreises entnazifizieren ließ. Dabei verschwieg Franz Johann Hofmann seine SS-Zugehörigkeit. Für seine NSDAP-Mitgliedschaft, über die er aussagte, dass er diese erst seit 1937 hatte, wurde ihm eine Strafe von 20 DM auferlegt. Doch so glimpflich sollte er nicht davonkommen. Er wurde später verhaftet, zu lebenslanger Gefängnisstrafe verurteilt und starb schließlich im Zuchthaus Straubing.

Karriere bis zum 1. Schutzhaftlagerführer in KZ Auschwitz

Der in Hof an der Saale 1906 geborene Hofmann war gelernter Tapezierer, arbeitete als Hausdiener und Gelegenheitsarbeiter und half während seiner längeren Arbeitslosigkeit im Wirtshaus seines Vaters aus. Schon 1932 trat Hofmann in die NSDAP ein, erhielt das rote Parteibuch mit der Nr. 1.369.617, wurde gleichzeitig mit der Nr. 40.651 Mitglied der SS. Von da an betätigte er sich in Hof als Hilfspolizist. Im KZ Dachau erhielt er 1933 die ideologische Schulung und gehörte der KZ-Wachmannschaft an. Hofmann dient sich mit seinen Verbrechen nach oben. 1937 wurde er zum SS-Oberscharführer ernannt, zwei Jahre später zum SS-Hauptscharführer und bekleidete, zum SS-Untersturmführer befördert, die Position des 2. Schutzhaftlagerführers und stieg im April 1942 zum SS-Obersturmführer und damit zum 1. Schutzhaftlagerführers im Konzentrationslager Dachau auf. Weiterlesen

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Hans Georg Hofmann – Blutordensträger war 1933 bis 1934 Regierungspräsident von Mittel- und Oberfranken

Hans Georg Hofmann übernahm die fränkische SA und wurde später Regierungspräsident für Mittel- und Oberfranken

SA-Mann Hans Georg Hofmann war von 1933-1934 Regierungspräsident für Mittel- und Oberfranken

W. St. – Knapp über ein Jahr lang war er vom April 1933 und Juni 1934 als Regierungspräsident von Mittel- und Oberfranken auch für die verwaltungspolitischen Belange der Stadt Rothenburg zuständig und besuchte die Stadt mehrmals. Hans Georg Hofmann, geboren 1873 in Hof, trat 1893 als Fahnenjunker in das 16. bayerische Infanterieregiment in Passau ein, besuchte die Kriegsschule in München und wurde Berufsoffizier. Im Ersten Weltkrieg geriet er in englische Gefangenschaft, kehrte 1919 nach München und Ingolstadt zurück, avancierte in letzterer zum Anführer der Einwohnerwehr, schloss sich als Bataillonskommandeur dem  rechtsradikalen Freikorps Epp an und war mit diesem an der Niederschlagung des „Hamburger Sülzeaufstands“ (rote Revolutionäre) beteiligt. Zwischen 1919 und 1923 war Hofmann in Passau als Kommandeur eines Infanterie-Bataillons stationiert. Seit Mai 1922 Oberstleutnant, war Hofmann von April 1923 bis Januar 1926 Kommandant der Festung Ingolstadt. Offiziell schied er am 18. Januar 1926 aus dem Militärdienst aus, war bis 1931 jedoch weiter für die Reichswehr tätig. Zugleich war er bis 1923 Führer des Bundes „Bayern und Reich“, der stärksten paramilitärischen Vereinigung in Bayern mit föderalistisch-monarchischen Zielen. Im April 1923 wechselte Hofmann zum „Bund Vaterland“, lernte 1920 in Passau Hitler kennen und vermittelte während des gescheiterten Hitlerputsches am 9. November 1923 zwischen den Putschisten und der Reichswehr, wofür ihm später, am 20. April 1939, der Blutorden verliehen werden sollte. Weiterlesen

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Karl Holz, NSDAP-Mitglied Nr. 77 und Franken-Gauleiter ab 1944, befehligte den Volkssturm und starb im Polizeipräsidium Nürnberg

Von Wolf Stegemann

Immer wieder hatte sich Gauleiter Karl Holz in Rothenburger Belange einzumischen. Vor allem in den letzten Kriegsmonaten, als ab September 1944 der Volkssturm, Hitlers letzte Bataillone aus Jungen und alten Männern, Kranken und Kurzsichtigen aufgestellt wurde, um die Heimat an den Grenzen und die Dörfer und Städte im Landesinneren zu verteidigen. Denn der Volkssturm war militärisch der Wehrmacht, organisatorisch aber der NSDAP und somit den Gauleitern unterstellt. Oberster Chef des Rothenburger Volkssturms, der u. a. an der Oderfront im Osten eingesetzt war, war Gauleiter Karl Holz in Nürnberg. Da Nürnberg immer wieder stark bombardiert wurde, verlegte Karl Holz seinen Sitz im März 1945 vorübergehend ins Wildbad nach Rothenburg. Weiterlesen

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Wilhelm Freiherr von Holzschuher bekam seine Schulbildung in Rothenburg. Er machte Karriere in der Partei und SS

W. St. – Auch er war ein Schüler am Progymnasium in Rothenburg, das er bis 1908 besuchte. Er sollte als Nationalsozialist in Partei und SS Karriere machen. Wilhelm Freiherr von Holzschuher, 1893 in Almoshof bei Nürnberg geboren, diente im Ersten Weltkrieg als Leutnant in verschiedenen Infanterie-Regimentern, bevor er nach einem ehrengerichtlichen Verfahren seinen Abschied vom Militär nehmen musste. Von 1919 bis 1920 gehörte er dem „Fränkischen Bauerndetachement – Eiserne Schar Berthold“ von Rudolf Berthold an. Mit der „Eisernen Schar“ ging er 1919 nach Königsberg und kämpfte im Baltikum. Die „Eiserne Schar“ beteiligte sich schließlich im März 1920 am Kapp-Putsch. Danach bewirtschaftete Holzschuher die Familiengüter. Weiterlesen

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