Wilhelm Freiherr von Holzschuher bekam seine Schulbildung in Rothenburg. Er machte Karriere in der Partei und SS

W. St. – Auch er war ein Schüler am Progymnasium in Rothenburg, das er bis 1908 besuchte. Er sollte als Nationalsozialist in Partei und SS Karriere machen. Wilhelm Freiherr von Holzschuher, 1893 in Almoshof bei Nürnberg geboren, diente im Ersten Weltkrieg als Leutnant in verschiedenen Infanterie-Regimentern, bevor er nach einem ehrengerichtlichen Verfahren seinen Abschied vom Militär nehmen musste. Von 1919 bis 1920 gehörte er dem „Fränkischen Bauerndetachement – Eiserne Schar Berthold“ von Rudolf Berthold an. Mit der „Eisernen Schar“ ging er 1919 nach Königsberg und kämpfte im Baltikum. Die „Eiserne Schar“ beteiligte sich schließlich im März 1920 am Kapp-Putsch. Danach bewirtschaftete Holzschuher die Familiengüter.

Wilhelm Freiherr von Holzschuher

Wilhelm Freiherr von Holzschuher

Sohn Joerg Adolf Sigismund hatte Hitler zum Taufpaten

Wilhelm Holzschuher war dreimal verheiratet. Sein 1934 geborener Sohn Joerg Adolf Sigismund hatte Adolf Hitler als Taufpaten und daher auch dessen Vornamen erhalten. 1942 wollte er mit Hilfe seines NSDAP-Freundes und Bayerischen Ministerpräsidenten Ludwig Siebert die Villa Friedle am Rothenburger Nuschweg 7 erwerben, was letztlich misslang (sie „Der Fall Friedle“ in dieser Online-Dokumentation).

Politisch stand er rechts und die Demokratie hielt von Holzschuher für schädlich. Er machte eine  rasante Karriere in Partei, SS und in der Staatsverwaltung. Am 1. Januar 1928 trat er in die NSDAP ein (Nr. 75.001), war dort Mitglied der Ortsgruppe Braunes Haus sowie Träger des Goldenen Parteiabzeichens. Die Partei ernannte Freiherr von Holzschuher 1930 zum Privatsekretär (bis 1934), dann zum Stellvertretenden Vorsitzenden des „Uschla“ der NSDAP-Reichsleitung und Vorsitzender der II. Kammer des „Reichs-Uschla“. „Uschla“ steht für  Untersuchungs- und Schlichtungsausschuss und war das höchste Parteigericht der NSDAP. W. von Holzschuher trat am 1. Februar 1934 in die SS ein (Nr. 214.795), wurde bereits zehn Tage darauf SS-Oberführer, im Juli SS-Brigadeführer und im September 1934 SS-Gruppenführer (entsprechend Generalleutnant).

An der Einrichtung des KZ Flossenbürg beteiligt

1934 berief ihn die Regierung zum Reichsbeauftragten zur besonderen Verwendung des Stellvertreters des Führers Hess. Er übernahm im Dezember 1934 bis 1939 das Amt des Regierungspräsidenten von Niederbayern und Oberpfalz. Im Kampf gegen die Kirchen war er in Zielen mit den Führern der Parteiorganisation einer Meinung, in den Mitteln versuchte er unauffälliger zu taktieren. Am 24. März 1938 traf sich Holzschuher mit Hubert Karl, Theodor Eicke und Oswald Pohl sowie lokalen Politikern, um die Einrichtung eines Konzentrationslagers in Flossenbürg zu vereinbaren (errichtet 1938).

Als Regierungspräsident im Wartestand pensioniert

Mutmaßlich auf Betreiben des Stabs des Stellvertreters des Führers wurde Freiherr von Holzschuher im November 1938 von den Dienstgeschäften beurlaubt. Grund war seine Berufung in das Reichsministerium des Innern, wo für Sonderaufgaben beim Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler, im Hauptamt Ordnungspolizei eingesetzt war. In der Mitte April 1939 war Holzschuher zum SS-Oberabschnitt West abkommandiert, danach bis Juli Vertreter des Führers des SS-Abschnitts XXVII (Weimar). Nach Kriegsbeginn war er bis Oktober 1939 Verwaltungschef des Militärbezirks Lodz und Vertreter des Verwaltungschefs für das gesamte polnische Gebiet, danach  bis Juni 1940 ehrenamtlicher Chef des Siedlungsamts im RSHA. Holzschuher gehörte zu den aussichtsreichen Kandidaten bei der Neubesetzung der Führung des Hauptamtes SS-Gericht. Da ihm dieser Karrieresprung nicht gelang, ließ er sich am 8. April 1941 im Range eines Kriegsverwaltungsvizeschefs beurlauben Dann schied er aus allen Ämtern aus, wurde Regierungspräsident im Wartestand und Mitte 1941 in den Ruhestand versetzt. Danach bewirtschaftete Wilhelm von Holzschuher sein Guts Artelshofen bei Nürnberg.

Sein Sohn wird von der Nachrichtenagentur AP im Jahr 1985 in der „Times“ so zitiert, dass der Vater später in den Widerstand gegangen und verhaftet worden sei:

„He said he did not know why Hitler became his godfather, but thought that Hitler had many godchildren born to important German officials. Holzschuher’s father, Wilhelm, was governor of  two districts in Bavaria and a Nazi Party member at the time, he said, but later opposed the Nazis and was arrested.” – Im Entnazifizierungsverfahren kam dies 1948 aber nicht zur Sprache.

Entnazifizierung: Holzschuher war nur ein „Mitläufer“

Über eine Internierungshaft nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist nichts bekannt. Im Entnazifizierungsverfahren in Nürnberg wurde Wilhelm von Holzschuher im November 1948 in die Gruppe III („Minderbelastete“) eingestuft und zur Zahlung eines einmaligen Sonderbeitrags zum Wiedergutmachungsfonds von 10.000 DM verurteilt. Die Berufungskammer stufte ihn im März 1949 nur noch als „Mitläufer“ (Gruppe IV) ein.

Da Holzschuher am im November 1937 dafür gesorgt hatte, dass in Pilsting ein Pfarrer und sein Kooperator in Schutzhaft genommen und anschließend zwangsversetzt wurden, wurde Holzschuher im August 1948 vom Landgericht Landshut wegen Freiheitsberaubung und Nötigung zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Holzschuher legte auch gegen dieses Urteil Berufung ein und prozessierte auch noch jahrelang um seine Beamtenrechte nach dem „131er-Gesetz“. Der Bayerische Staat lehnte die Pensionsforderung 1956 ab. 131er wurden umgangssprachlich alle die Staatsdiener genannt, die infolge der Kriegsauswirkungen beschäftigungslos geworden waren und nach Artikel 131 Grundgesetz Anspruch auf Weiterbeschäftigung erhoben.

Das Landgericht Landshut verurteilte Wilhelm Freiherr von Holzschuher am 20. August 1948  im „Fall Pilsting“ wegen Freiheitsberaubung und Nötigung zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung. – Wilhelm Freiherr von Holzschuher starb 1965 in Luzern.

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Quellen: Regierung der Oberpfalz (Hg.): „200 Jahre Regierung der Oberpfalz“, Regensburg : Pustet 2010. – Nach Wikipedia, Online-Enzyklopädie.– Annemarie Liebler: „Im Stammland von Raute und Panther: Geschichte der Regierung von Niederbayern“, München, Utz 2008.
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Ein Kommentar zu Wilhelm Freiherr von Holzschuher bekam seine Schulbildung in Rothenburg. Er machte Karriere in der Partei und SS

  1. Wolf Gaudlitz sagt:

    Weil, verehrter Leser/in, die Wahrheit leider oft viel zu spät ans Licht kommt und viele sich dieser Wahrheit auch schämen und nicht damit “fertig” werden konnten, haben sich drei Holzschuher-Kinder – meine Tanten, meine eigene Mutter – eine nach der anderen das Leben genommen und legten somit auch hier Jahrzehntelang den großen Teppich des Schweigens über das angeblich reingewaschene Gewissen unserer deutschen Gesellschaft und Politik. Ich selbst schäme mich nicht – eine Gunst der späten Geburt – aber schweige auch nicht. Denn dies ist eine moralisch gesunde Verpflichtung! Und mögen es derer vieler mehr sein und werden, mögen sie wachbleiben und offenen Auges sehen – von Panama bis Palästina!
    Wolf Gaudlitz*, Autor, Filmemacher – München/Palermo
    * Wolf Gaudlitz ist der Enkel von Wilhelm, Baron von Holzschuher.

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