Luftschiff „Graf Zeppelin II“ tauchte 1938 über Rothenburg auf, drehte eine Schleife und verschwand nach Nordosten

Luftschiff "Graf Zeppelin II" über Niederstetten

Luftschiff  “Graf Zeppelin II” über Niederstetten

Von Wolf Stegemann

Er war nicht so bekannt wie der Zeppelin mit dem Namen „Hindenburg“ (LZ 129), der 1937 bei der Landung im Lakehurst (New Jersey, USA) zerstört wurde, weil sich die Wasserstofffüllung entzündet hatte und dabei 36 Menschen starben. Aber er war der namentliche Nachfolger des durch seine spektakulären Fahrten berühmt gewordenen Luftschiffs „Graf Zeppelin“ (LZ 127). Folglich hatte es den Namen „Graf Zeppelin II“ (LZ 130). Es war aber das Schwesterschiff der zerstörten „Hindenburg“. Wenn auch das Luftschiff „Graf Zeppelin II“ überhaupt nicht bemerkenswert war, so war es für die Rothenburger spektakulär, als der Zeppelin am 31. Oktober 1938 gegen 16 Uhr über den Dächern, Türmen und Mauern Rothenburgs auftauchte.

Zueppelin-SammtSimage

Luftschiffführer Albert Sammt steuerte den Zeppelin 1938 über Rothenburg

Für die Rothenburger war dies eine Überraschung, schrieb der „Fränkische Anzeiger“ und freute sich, dass „unsere Freunde vom Luftschiff ihr Versprechen, Rothenburg noch in diesem Herbst  zu besuchen, wahr gemacht haben und danken ihnen auch an dieser Stelle für ihren Besuch“. Der „hohe“ Besuch, der aus südwestlicher Richtung kam, zog langsam eine Schleife über der Stadt, um dann in nordöstlicher Richtung zu verschwinden. Das noch in der Testphase befindliche Luftschiff war um 14.15 Uhr in Friedrichshafen unter dem Kommando von Kapitän Albert Sammt aufgestiegen und sollte in Frankfurt am Main landen, um in den dortigen Werkstätten geprüft zu werden. „Obwohl es zur Zeit des Eintreffens“, so der Fränkische Anzeiger, „schon leicht dämmrig wurde und das Schiff in beträchtlicher Höhe fuhr, konnte man alle Einzelheiten am Schiff beobachten.“ Weiter schrieb die Zeitung, dass die Rothenburger völlig aus dem Häuschen waren, als sie das Luftschiff sahen. Das Geräusch der fünf Otto-Motoren mit 2.850 PS war äußerst leise, dennoch versammelten sich Groß und Klein schnell in den Gassen und auf den Plätzen, an Dachfenstern und anderen erhöhten Punkten, um dem Schiff „mit lebhaftem Interesse“ nachzuschauen und zu winken. Nach wenigen Minuten entschwebte die „Graf Zeppelin II“ Richtung Niederstetten, dem Heimatort des Kapitäns Sammt, um gegen 17 Uhr über Würzburg aufzutauchen.

Das erst 1938 fertig gestellte Luftschiff „Graf Zeppelin II“ beförderte nie Passagiere. Seine rund 30 Probe- und Werkstattfahrten wurden auch zu Propagandafahrten genutzt, wie die Fahrt über Rothenburg. Es war die 7. Probefahrt der „Graf Zeppelin II“ und gleichzeitig die letzte Inspektionsfahrt mit Frankfurt als Ziel, das nach 2.100 Kilometern und 25 Stunden um 15.10 Uhr erreicht wurde. Der „Flug- und Luftschiffhafen Frankfurt am Main“ wurde der neue Heimathafen des Zeppelins, der im November 1938 den Luftschiff-Zulassungsschein erhielt mit der Einschränkung, keine Passagiere zu befördern. Es wurde folglich nur für Propaganda- und weiterhin für Testfahrten, zum Abwurf von Propagandaschriften und zu Spionagezwecken eingesetzt.

"Fränkischer Anzeiger" vom

“Fränkischer Anzeiger” vom 1. November 1938

1940 abgewrackt und gesprengt

Das Luftschiffunternehmen scheiterte letztlich daran, dass man kein Helium bekam. Die US-Amerikaner verweigerten sich aus politischen Gründen und wegen der Kriegsstimmung, die von Deutschland ausging. Daher mussten die Luftschiffe weiter mit brennbarem Wasserstoff als Traggas fahren. Dieser Wasserstoff war auch die Ursache der „Hindenburg“-Katastrophe in Lakehurst im Mai 1937 gewesen. Auf Befehl Hermann Görings wurde das über Rothenburg gesichtete Luftschiff zusammen mit anderen im September 1940 abgewrackt. Die Aluminiumhaut kam der Kriegsindustrie zugute und die Sprengung der Luftschiffhallen in Frankfurt und der verbliebenen Luftschiffe LZ 127 und LZ 130 durch eine Pioniereinheit der Wehrmacht erfolgte am 6. Mai 1940, dem dritten Jahrestag der Katastrophe von Lakehurst.

  • Anmerkung: Der in Niederstetten (Taubertal) gebürtige und in Bad Soden verstorbene Luftschiffführer Albert Sammt (1889-1982) war Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde, die ein Luftschiff-Museum einrichteten hat und ihm seinen Namen gaben. Das Albert-Sammt-Zeppelin-Museum zeigt in Originalstücken und Großfotos Ausschnitte aus der Geschichte der Zeppeline, mit der Albert Sammt, der letzte deutsche Luftschiffkapitän, eng verbunden war (Museum: Telefon 07932-60 032 oder 910 238).
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