Gleichschaltung II: Schützengilde hisste mit Stolz ihre eigene Hakenkreuzfahne – Ziegenzuchtverein löste sich auf

1-aktuell-Gleichschaltungba111345Von Wolf Stegemann

  • Fortsetzung von Gleichschaltung I: Mit Sieg-Heil und Begeisterung ließen sich Rothenburger Vereine 1933/34 im Sinne der NS-Ideologie gleichschalten – Mitglieder mussten arischer Abstammung sein.

Obstbau- und Gartenbauverein: Etliche Austritte trotz „heiliger Pflicht“

Beim ersten Hinsehen würde man bei einem Obstbauverein und ihren Mitgliedern keine politischen Vereinsaktivitäten vermuten. Anders beim Rothenburger Obstbau- und Gartenbauverein. Ins Protokollbuch bedauerte der Schriftführer F. Klenk am 17. Februar 1934 (Seite 70/71): „Bedauerlicher Weise kehren recht viele, zum Teil langjährige Mitglieder dem Verein den Rücken.“ Abwiegelnd schreibt Klenk dazu: „…andere Verpflichtungen werden wohl der Hauptgrund dafür sein.“ Welche Gründe es 1933 wirklich zu diesen Austritten führten, wird mit dieser allgemeinen Formulierung nicht beschrieben. Der so genannte Familienabend am 28. Januar 1934 bei „Mitglied Wagenländer“ hatte, wie aus dem Protokollbuch des Vereins hervorgeht, „eine besondere Bedeutung für unsere Vereinsgeschichte“. Im Protokoll steht:

„Zwei der besten Fachleute in Obstbau Herr Studienrat Ries und Herr Studienrat Brandl wurden anlässlich ihres Ausscheidens aus der Führung des bayerischen Landesverbandes zu Ehrenmitgliedern ernannt und ihnen dies durch je eine große Radierung (Rothenburger Rathaus) beurkundet. Leider war es nur Herrn Ries möglich, persönlich an der schlichten Feier teilzunehmen.“

Und dann folgt eben jener Passus der eingangs beschriebenen Vereinsaustritte. In jener Versammlung am 28. Januar steht dann auch:

„Wenn wir sonst noch einen kurzen Rückblick in das verflossne Vereinsjahr tun, so können wir nicht vorübergehen, ohne der großen politischen Ereignisse und Umwälzungen zu gedenken, die das Jahr 1933 dem deutschen Vaterlande gebracht hat (sic!). Unser Reichskanzler und Führer Adolf Hitler hat dem ewig hadernden Parteienstaat zerschlagen und das wirklich geeinte Deutsche Reich aufgerichtet. Wohl sind es auch viele, die daran zu kritisieren haben. Ein alter Spruch heißt: ,Das Haus ist aufgericht, noch können Regen und Sonnenschein von oben und überall herein!’ Aber der Bau wird vollendet werden, das können wir voll Zuversicht aussprechen, das zeigen uns auch die Erfolge des ersten Jahres. Dass dazu auch der letzte Mann mit seiner ganzen Kraft und bestem Willen mitzuhelfen hat, ist heiligste Pflicht. Für uns Obstzüchter und Gartenbesitzer werden einschneidende Eingriffe und Vorschriften zu erwarten sein.“

Als ziemlich obskure Begründung, warum politische Erlasse und eine Gleichschaltung, die u. a. vorschreiben, dass Juden und politisch Andersdenkende nicht mehr den Vereinen angehören dürfen, heißt es bei den Obstzüchtern:

„Sie werden erlassen, besonders für die bisher Säumigen und Nachlässigen, um Qualitätsobst und Gemüse zu erzielen und die uns immer noch unerhört hohe Einfuhr von Auslandswaren zu vermindern. Geloben wir, dass wir mit Freude und gutem Willen an die Arbeit gehen, dass wir Gemeinnutz vor Eigennutz stellen wollen und auch wir unser Bestes geben wollen zum Wohl unseres geliebtes Vaterlandes. Heil Hitler“

Mit dieser politisch-propagandistischen Einstimmung wurden die Mitglieder auf die  bevorstehende Gleichschaltung vorbereitet, die dann in der Generalversammlung am 19. Februar stattfand. Zum Führer wurde H. Eher gewählt. Dieser bestimmte H. Weth zum Stellvertreter, F. Klenk zum Schriftführer, Georg Meider zum Kassierer. In den Ausschuss berief der Vereinsführer Georg Hachtel, Martin Hachtel, Hermann Hanselmann, die Herren Kreiselmeier, Neuper und Reinwald. Das Protokollbuch wurde bis 1937 geführt und dann erst wieder ab 1949. Der Verein wurde in der Nachkriegszeit mit vielen alten Vorstandsmitgliedern weitergeführt.

Der Vorstand des Turnvereins 1933 (Namen siehe im Text)

Der Vorstand des Turnvereins nach 1933 (Namen siehe im Text)

Turnverein 1861: Der Verein hat keine Juden mehr … Heil Hitler!

Ernst Geißendörfer, 1. Vorsitzender des Turnvereins 1861, verkündete in der Vorstandssitzung vom 2. Mai 1933 in der Gaststätte Butz, dass die Rothenburger Turner des Vereins „von jeher vaterländisch eingestellt“ waren und deshalb die neue nationalsozialistische Reichsregierung mitteilte, „dass die Vorstandschaft und die Leiter der Abteilungen sich einwandfrei im vaterländischen Sinn betätigt … haben. Eine Gleichschaltung ist daher nicht erforderlich.“ Weiter berichtet das Protokoll:

„5. Nachdem Bürgermeister Dir. Rahner und Stadtrat Beyerlein herbeigeholt wurden, konnte man nach Ausführung des SA-Führers Direktor Rahner zu einem anderen Beschluss kommen, da jeder Turner SA-Mitglied sein musste. Es stieß daher gem. den Richtlinien des D. T. das Wehrturnen eingeführt, auf selbständiger Grundlage.
6. Die beiden alten Mitglieder, Nathan und Adolf Heumann, sind, da Juden, aus dem Verein ausgetreten. Der Verein hat dadurch keine Juden mehr in seinen Reihen und hat dadurch den Richtlinien des D. T. entsprochen. Gut Heil“ Probst, Schriftführer.“

Nathan und Adolf Heumann waren seit 1891 Mitglieder im Turnverein und wurden 1921 als Ehrenmitglieder geführt. In der Monatsversammlung am 5. Mai 1933 begrüßte der Turn-Führer Ernst Geißendörfer die Stellungnahme des Deutschen Turnerbundes zur neuen NS-Regierung:

„Der Turnverein Rothenburg 1861 steht voll und ganz hinter der neuen Regierung, SA, SS, Stahlhelm und Turner gehören zusammen und schließt seine (unleserlich, vermutlich:) Reihen mit dem neuen Reich, Gut Heil Hitler!“

Zur Gründung der Wehrsportgruppe des Turnvereins am 8. Mai 1933 erschien als deren Führer Polizei-Inspektor Krauß. Ernst Geißendörfer appellierte aus diesem Anlass öffentlich:

„Tretet ein in die Reihen des Turnvereins 1861, marschiert mit in der großen nationalen Front unter der Führung Adolf Hitlers, treibt Leibesübungen!“  

Foto: 1. Reihe sitzend v. l.: Kassier Friedr. Neubert, Oberturnwart Hans Horn, 2. Vorstand Fritz Zeuschel, 1. Vorstand Ernst Geißendörfer, Schriftwart R. Probst, Ehrenkassier Klein, Ehrenmitglied Hermann Zweuling, Ehrenmitglied Hans Weth, H. Kistenfeger, Martin Hachtel, Frank Klein.
2. Reihe stehend v. l.: Fechtwart Pöhler, Wilh. Fischer, Karl Schule, Heinrich Erhard, Frl. Pirkel , Schulwart Fritz Huber, Ehrenmitglies Fritz Poll, Wehrsportführer Albrecht Krauß, Frl. Hammacher, Fritz Vorlaufer, FRauenturnwart Hans Hepp, Karl Wehrwein, Phil. Mantel.
3. Reihe v. l.: Emil Schwann, Martin Hachtel II, Jungwart Gottl. Seifert, ? Meyer, Ehrenmitglies Hermann Schreiweiß, Sportwart Willi Henninger. – Sollte ein Name falsch wiedergegeben sein, bitte melden!

Fußballclub Rothenburg (1. FCR): Juden ausgeschlossen

2-gleichschaltung FußballDSCI7447Der 1919 gegründete Fußballclub änderte im Zuge der Gleichschaltung am 5. August 1933 die Satzung mit dem neuen Mitglieder-Passus in § 5: „Für die Aufnahme ist arische Abstammung Voraussetzung.“ Jüdische Mitglieder, die bis 1933 dem 1. FCR angehörten, traten aus. Dies waren die Juden Bruno und Georg Westheimer, Josef Wimpfheimer sowie Justin, Walter und J. Mann. Bei Durchsicht der Mitgliederliste vor 1933 fällt auf, dass sich darunter etliche NSDAP-Mitglieder befinden, die schon 1923 oder später, aber vor 1933 in die NS-Partei eingetreten waren wie beispielsweise E. Stadelmann, die Brüder Weiß und Schalk. – Siehe Artikel „Ehrentafel der alten Kämpfer und Kämpferinnen der NSDAP in Rothenburg – wo hing sie?“

Informationsblatt des DDAC

Informationsblatt des DDAC 1934

Motorfreunde Rothenburgs – ADAC-Ortsgruppe auf der Straße des Führers

Neben dem nationalsozialistischen Kraftfahrer-Korps (NSKK) gab es bereits vor 1933 in Rothenburg auch noch den zivilen Verein „Motorsportfreunde Rothenburg o. T. – Ortsgruppe im A.D.A.C.“, der sich selbst durch Auflösung gleichgeschaltet hatte.

Vorher tat sich der ADAC auf Reichsebene mit dem NSKK zusammen und nannte sich fortan „Der Deutsche Automobil-Club“ (DDAC). Beide Organisationen wurden vom Führer der deutschen Kraftfahrer, Obergruppenführer Hühnlein, geleitet. Da etliche ADAC-Gruppen 1933 sich diesem Umschwung noch nicht angeschlossen hatten, wurden sie am 7. Dezember 1933 entsprechend  informiert:

„Alle, die bis Ende 1934 sich in unseren Reigen vereinen, werden in späteren Jahren den Vorrang der ,DDAC-Stammgruppe’ haben und in Verbindung mit dieser Ehre auch sonstigere Vergünstigungen teilhaftig werden. Der Vorrang entspricht dem neuen Clubgeist, der bewusst dem Vorkämpfer den allzeit ersten Rang einräumt. Es lebe ,Der Deutsche Automobil-Club!’“

Diese nationalsozialistische Vorrang- und Vorkämpfer-Ehre wollten sich die im ADAC organisierten Rothenburger Kraftfahrer nicht ausschlagen. In einer außerordentlichen Generalversammlung des Rothenburger ADAC beschlossen die Mitglieder am 6. Februar 1934 die Selbstauflösung und den Übertritt in den nationalsozialistisch gelenkten D.D.A.C. und somit die Anbindung an das Nationalsozialistische Kraftfahrer-Korps. Diesen Schritt „empfahlen wärmstens“ die Mitglieder (darunter der Vorstand) Alfred Holstein, Emil Schmidtell, Fritz Schneider, Ernst Geißendörfer, Köhnlein, Dr. Holstein, Eberlein, Georg Schopf, Hermann Schneider, Streckfuß, Walter, Werthmüller, Dr. Richter, Georg Wendel, Memhardt, Waldmann und Eberlein u. a. Somit waren auch die einst zivilen Sportfreunde  Rothenburgs auf politische NS-Linie getrimmt.

Bereits ein Jahr zuvor, in der Ausschusssitzung am 10. März 1933, beschlossen der Rothenburger ADAC auf sofortige Amtsenthebung des ADAC-Gau-Syndikus, Dr. Cahn Nürnberg, über den verbreitet wurde, er sei Kommunist. Das war ein Gerücht, denn der Nürnberger Rechtsanwalt Dr. Franz Cahn war kein Kommunist, sondern Jude. Er war bis 1933 nicht nur Rechtsberater des ADAC im Gau Bayern-Nord, sondern war bis Anfang 1933 zweiter Beisitzer im  Vorstand des 1. FC Nürnberg. Cahn gelang 1939 die Flucht nach Großbritannien. Eine Beantwortung der Frage, warum Cahn von den Rothenburger Elite-Bürgern des ADAC Anfang 1933 nicht als Jude im Protokollbuch steht, sondern als Kommunist, würde spekulativ sein.

Gastwirteverein Rothenburg: Auflösung und Neugründung

Der „Gastwirteverein Rothenburg“ (früher „Verein Rothenburger Gastwirte“) löste sich 1933 auf und schloss sich im Zuge der Gleichschaltung dem „Reichsverband Deutscher Gastwirte“ an, welcher der „Wirtschaftsgruppe der Gaststätten- und Beherbergungsbetriebe“ eingegliedert wurde.

Ziegenzuchtverein und Gewerbeverein lösten sich auf

Noch vor der Gleichschaltung löste sich der 1926 gegründete „Ziegenzuchtverein Rothenburg“ 1932 per Mitgliederbeschluss auf. „Ordnungsgemäß“ aufgelöst wurde 1933 auch der 1908 gegründete „Gewerbeverein Rothenburg“ unter Vorsitz des Konditors Wilhelm Plank, da sich der übergeordnete bayerische Gewerbebund aufgelöst hatte. Das Vermögen des Rothenburger Vereins ging an den Bezirk-Innungsverband über.

Schreiben

Schreiben des Gestütsamts Ansbach, trotz der Fliegerangriffe die Hengste weiter beschälen lassen

Pferdezuchtgenossenschaft: Hengste beschälten für Führer und Vaterland

Obwohl der Pferdezuchtverein hauptsächlich darüber wachte, wie viele Stuten in welchem Jahr gedeckt wurden (1931: 81; 1932: 100; 1933: 108), später wie viele Pferde im Krieg der Wehrmacht abgegeben werden mussten, so waren auch die Bauern zu Beginn der nationalsozialistischen Zeit dazu verpflichtet, den jüdischen Pferdehändlern ab 1934 durch die Gleichschaltung den Vereinseintritt zu verweigern und ihnen das Handeln mit Pferden zu erschweren oder gar durch Denunziation zu verwehren. Die Satzung wurde am 14. Juli 1934 entsprechend geändert. Auf Anordnung des Reichsnährstandes fand eine Umstellung der gesamten Pferdezuchtorganisation „und damit auch des Pferdezuchtvereins Rothenburg statt“. Das „neue Zuchtziel“ der Hengste in der Beschälstation Rothenburg „für Führer, Volk und Vaterland“ wurde somit auch ns-ideologisch erklärt. Als der Pferdezuchtverein 1941 das 25-jährige Bestehen feierte, protokollierte der Vorstand am 18. September 1941, dass der Pferdezuchtbetrieb in einer starken Aufwärtsbewegung begriffen sei:

„Insbesondere der internationale Umbruch im Jahr 1933 erfüllte – wie man überall feststellen konnte – alle Pferdezüchter mit neuer Hoffnung, dass der Züchterarbeit in der Pferdezucht auf lange Sicht die notwendige Stabilität gewährleistet und ein entsprechende Absatz gesichert werde.“

Der Absatz wurde gesichert. Im Zweiten Weltkrieg waren 2,8 Millionen Pferde im Kriegseinsatz, von denen rund 930.000 überlebten. Das war der größte Kriegspferdeeinsatz in der Geschichte. Im September 1939 wurden in Rothenburg und in 51 Gemeinden des Landkreises 672 Pferde von der Wehrmacht für den Kriegsdienst ausgehoben.
Mitte 1944 erschreckte der Lärm von Fliegerangriffen die vier in der Rothenburger Beschälstation aufgestellten nordischen Zuchthengste so sehr, dass sie an ihrer „Deck- und Nachdecktätigkeit“ der Stuten kein Interesse mehr zeigten. Das Gestütsamt Ansbach und der bayerische Staatsminister für Wirtschaft schalteten sich ein. Letzterer hielt an der Beschäl-Aktion in Rothenburg mit den vier Hengsten fest und der Stallmeister des Gestütsamtes Fischer beschwor die beiden im Zuchtverein Verantwortlichen, Obmann Georg Endress in Schweinsdorf und Landwirtschaftsrat Speckhardt in Rotheburg, sich für die „notwendigen Schritte“ zur Aufrechterhaltung des Zuchtbetriebes in der Beschälstation Rothenburg einzusetzen und dankte im Voraus mit Heil Hitler. – Nach Kriegsende ging der Zuchtbetrieb weiter. Die Rothenburger Pferdezuchtgenossenschaft wurde 1963 aufgelöst.

Stolz auf eine eigene Hakenkreuzfahne

Stolz auf eine eigene Hakenkreuzfahne

Schützengilde 1374: Mit Stolz die eigene Hakenkreuzfahne gehisst

Erster Gildenschützenmeister Heißwolf eröffnete die Generalversammlung der Schützengilde am 20. Januar 1934 im Hotel Bären, der wegen der Gleichschaltung eine besondere Bedeutung zukam. Nach dem Rechenschaftsbericht für das vergangene Jahr trat er deshalb von seinem Amt zurück, ebenfalls der bisherige Vorstand, um der neuen Führer-Wahl Platz zu machen. Der „Fränkische Anzeiger“ berichtete am 1. Februar 1934:

 „Aus  dieser Wahl ging in einmütiger Geschlossenheit ein alter Kämpe unserer Rothenburger Schützensache hervor: Paul Finkler, der vor Jahren schon einmal auf gleichem Platze seine Führereigenschaften unter Beweis zu stellen hatte … und der jetzt ein frisch-fröhliches Programm nach den neuen Zielen entwickelt, in dem sich die Führung der Schützengilde rückhaltlos auf dem Boden des neues Reiches stellt…“

Zu seinen Mitarbeitern ernannte der neue Führer als seinen Stellvertreter Paul Gerlinger, zu den Revisoren Ed. Holstein und Georg Schopf, zu Beiräten Ernst Geißendörfer, Heißwolf, Wolfgang Meyer, Zeltner und Fritz Edelhäuser.
Aus dem Vereinsprotokoll geht hervor, dass zu dieser Hauptversammlung am 20. Januar 1934 die neue gespendete Hakenkreuzfahne mitgebracht wurde: „Herr Heißwolf regte an, beim Eröffnungsschießen die Hakenkreuzflagge zu hissen, was von den Anwesenden freudig begrüßt wird.“ Auch wurde die neue Satzung, in der nun das Führerprinzip sowie der Arierparagraf stand, „mit einem begeisterten Sieg-Heil auf den Führer aufgenommen“ (gemeint ist hier Adolf Hitler). 1935 wurde in einer außerordentlichen Generalversammlung am 21. Februar im Gasthof zum Ochsen eröffnet, dass der „Deutsche Schützenbund“ aufgelöst ist und die Schützen nunmehr dem „Reichsbund für Leibesübungen“ angehören.

Vorstand der Schützengilde

Vorstand der Schützengilde

Zimmerstutzen-Schützengesellschaft: Schicksalsverbunden mit dem Führer

In der Generalversammlung vom 9. November 1933 befassten sich die Mitglieder mit der Gleichschaltung ihres Vereins. Darüber gibt das Protokoll Auskunft:

„Getreu den neuen Gleichschaltungsbestimmungen der obersten Sportbehörde“ gab der 1. Schützenmeister „nunmehr sein Amt und das seiner Vorstands- und Ausschussmitglieder in die Hände des Vereins zurück. Der Vorsitzende des sich darauf bildenden Wahlausschusses, Herr Ernst Geissendörfer, fand herzlich-warme Worte der Anerkennung für die getreue Arbeit des bisherigen 1. Schützenmeisters Meyer und glaubte, in der Wiederwahl dieses Schützenführers die beste Bürgschaft für ein gedeihliches Zusammenarbeiten im Verein auch im Sinne der neuen Richtlinien zu sehen.“

Neuer Führer der Zimmerstutzen-Gesellschaft wurde denn auch Wolfgang Meyer, der in seiner Dankenrede stolz darauf war, dass der Verein „in den großen Kreislauf deutschen Geschehens eingeschaltet sei, getreu alter Schützentradition allezeit des Reiches Stützen zu sein und ihre Schicksalsverbundenheit mit Volk und Führer auch dadurch Ausdruck zu verleihen, dass sie sich am Sonntag, den 12. November 1933, mit einem freudigen Ja hinter die Führung Adolf Hitlers stellen, dem ein von der Versammlung begeistert aufgenommenes Sieg-Heil galt.“
Dem Vorstand gehörten nunmehr an: Wolfgang Meyer (Führer); Beirat: Paul Gerlinger (stellvertr. Führer), Willy Assel (Schriftführer), Josef Wankerl (Kassier), F. Meyer (1. Revisor), Unleserlich (2. Revisor), Fritz Edelhäuser (Rüstmeister) sowie die Herren Paul Finkler, Heißwolf, und (unleserlicher Name).

Wiedergründungsantrag der "Teutonia" 1946

Wiedergründungsantrag der “Teutonia” 1949

Brüderschaft „Teutonia“: Moderate Eintragung der Gleichschaltung

Der 1899 mit Sitz in Rothenburg ob der Tauber gegründete Geselligkeitsverein „Teutonia“ verfolgte den Zweck, kameradschaftliche Unterhaltung zu pflegen sowie die Mitglieder bei Krankheitsfällen aus den Mitteln der Vereinskasse zu unterstützen. Das Vereinslokal war der Gasthof zum Ochsen. In der Generalversammlung am 14. Januar 1934 befassten sich die Mitglieder mit der Gleichschaltung ihres Vereins. Darüber gibt das Protokoll Auskunft:

„Es wird von jetzt ab nur mehr der Führer des Vereins von der Versammlung gewählt, und der Führer bestimmt dann die Vorstandsmitglieder. Aus der Wahl ging einstimmig Kamerad Gehringer als Vereinsführer hervor, und bestimmte als Stellvertreter Kam. Weiß sowie sämtliche Verwaltungsmitglieder von bisher, ein Zeichen, dass in der alten Verwaltung kein Anlass zu klagen vorgekommen sind (sic!). Eine Anfrage von Neuaufnahmen wurde vom Führer dahin beantwortet, vorerst am Aufnahmeverbot festzuhalten, bis sich die Zeiten noch etwas geändert haben.“

1937 gehörten dem Vorstand an: 1. Führer Gehringer, 2. Führer Baer, Kassierer: Staudacher, Schriftführer: Baer, Fähnrich: Moll, Vereinsrevisor: Lößlein. 1949 stellten die Teutonen bei der amerikanischen Militärregierung den Antrag auf Wiedergründung des Clubs. Dieser hatte 21 Mitglieder, die nach Angaben der Antragsteller „alle unbelastet“ seien. Der Landrat gab seine Genehmigung. Vorstand war in dieser Zeit Georg Kurmann. Die „Teutonia“ bestand bis 2003.

Historische Verein „Der Meistertrunk“, Hans-Sachs-Spiele und Schäfertanz

Über die Gleichschaltung des Vereins „Der Meistertrunk“ liegen keine Erkenntnisse vor, da der Vorstand bislang die Einsichtnahme in die Vereinsprotokolle dieser Zeit nicht möglich machte. Über die Gleichschaltung des Vereins „Schäfertanz“ und die Hans-Sachs-Spiele muss daher noch recherchiert werden.

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Quellen: Protokollbücher und Archivalien der hier aufgeführten Vereine im Stadtarchiv Rothenburg ob der Tauber. – Vorstands-Protokollbücher 1933/34 des Vereins Alt-Rothenburg im Archiv des Vereins.

 

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