„Du kehrst mit eisernem Besen aus / Und schaffst allen Unrat raus, / Die Gauner und die Taugenichts / Und was sonst faul und ranzig ist“ – Gedichte von Rothenburgern 1933

W. St. – Im Überschwall der Euphorie, dass Adolf Hitler „als deutscher Mussolini“ endlich die Demokratie weggefegt hatte, meinten einige Rothenburger, ihren Jubel darüber mehr oder weniger gut gereimt ausdrücken zu müssen. Der „Fränkische Anzeiger“ (FA) veröffentlichte eine Reihe solcher Gedichte. Darunter mögen auch Verseschreiber gewesen sein, die sich dem neuen Regime vor Ort einfach nur anbiedern wollten. Solche Gedichte gehörten eigentlich auch zu dem nationalsozialistischen Kitsch, der in jener Zeit landauf und landab produziert wurde – in Fabriken, Maler-Ateliers oder auf dem Papier. – Hier einige Beispiele:

An die Bockefelder

Mei erschter Blick ins Bleetle heit
woer auf Eich Bockefelder Leit:
Ob Ihr in Treu und Einigkeit

An immer noch die Alte seid! –
Gottloub! Ich konn Eich wärrli louwe,
aa die in Gunzedorf doe bouwe,
wo hewwe gueti Deitschi g’wäehlt,
etz, liewi Freind, is nimmi g’fäehlt!

Ihr werd’t wouhl aa der Maaning sei:
„Viel Köch’ verderbe nerr in Brei“
E sou e Teifls-Küch’ im Haus
putzt Adolf Hitler owwer aus –
bis alles reinli is und sauber
wie z’ Bockefeld drauß an der Tauber.

(Den falsche Brueder, den gewisse,
den hebt er etz wouhl aan ausg’schmisse?
Ja? – Odder hat er sie bekäehrt?) –
Politisiere hat ken Wert!

Wenn alle aanes Sinnes is,
no eis des nerr e Hindernis –
des mueß merr denne überlasse,
die wie der Hitler derzue passe. –
der ist, der feste Ousicht bin i:
e rechter deitscher Mussolini
und wird sei Sach scho richti mache,
dass mir aa könne widder lache.

Ich halt mei Maul etz alli Tög
und mach mi widder auf mein Weg –
und wenns merr doe und dort nit gföllt,
kumm ich emoel nach Bockefeld.

Der Wanderer, 7. März 1933
(Bockenfeld ist ein Dorf im damaligen Amtsbezirk Rothenburg)

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Heil unserm Führer

Heil Hitler Dir im Siegerkranz,
Du Retter uns’res Vaterlands!
Du hast geschaffen Einigkeit
Im ganzen Reiche weit und breit.

Du hast zerstört die rote Flut
Die Herzen all erfüllt mit Glut
Zum lieben teuren Vaterland,
Vom Süden bis zum Meeresstrand.

Das ganze Volk es baut auf Dich
Es weiß, Du lässt es nicht in Stich.
Du hast gekämpfet vierzehn Jahr
Und kämpfest weiter immerdar.

Du kehrst mit eisernem Besen aus
Und schaffst allen Urrat raus,
Die Gauner und die Taugenichts
Und was sonst faul und ranzig ist.

Du hast gegriffen durch und durch
Und Dich geeint mit Hindenburg,
Zu bauen uns das Dritte Reich,
Es tat dies Dir noch keiner gleich.

Du sorgst für Arbeit und für Brot,
Vertrauest auf den lieben Gott,
Der Beistand Dir und Helfer war
In allen Nöten und Gefahr.

Gott möge schenken Dir das Glück,
Zu schauen auf Dein Werk zurück.
Wenn Du’s vollendet voll und ganz.
Heil Hitler Dir im Siegerkranz!

Friedrich Seibold, Rothenburg ob der Tauber, Ansbacher Straße 21,
FA vom 4. August 1933

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Heil Hitler, heil sei Dir!

Gedichtet von Karl Lang, einem früheren Rothenburger, „dem Herrn Reichskanzler Adolf Hitler zum Geburtstag am 20. April 1933 gewidmet“.

Heil Hitler, heil sei Dir!
Du aller Deutschen Zier,
Du Held, der uns befreit,
Aus einer schweren Zeit.

 Auf Gott und Dich vertrau’n!
Froh in die Zukunft schau’n.
Im Glauben stehen wir
Alle zu Gott und Dir.

„Vater der braunen Schar,
Umtobt von Gefahr,
Du hast mit starker Hand
Hede Gefahr gebannt.

 Bald vierzehn Jahre lang
Gingst Du des Sämanns Gang
Und nach der Jahre zehn,
Sah’n wir die Saat aufgeh’n.

 Auf Deutschlands Trümmerfeld
Hast Du die Saat bestellt,
Es wuchs das dritte Reich,
Kein and’rer tat Dir’s gleich.

Vom Volk dazu bestellt!
Regierst Du nun als Held,
Du Held mit Kraft und Mut,
Schirmherr von Volk und Gut.

Führer im Freiheitskrieg,
Führer durch Kampf zum Sieg.
Wir schwör’n auf Dein Panier!
Heil Hitler, heil sei Dir!

Abgedruckt im FA vom 4. August 1933

 

 

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Ein Kommentar zu „Du kehrst mit eisernem Besen aus / Und schaffst allen Unrat raus, / Die Gauner und die Taugenichts / Und was sonst faul und ranzig ist“ – Gedichte von Rothenburgern 1933

  1. Ekkehart Tittmann sagt:

    Sehr geehrter Herr Stegemann!
    Zum “Wanderer” (Pseudonym) einige Hinweise: Er publizierte in der Zeitungsbeilage LINDE ausschließlich Mundartgedichte in eigentümlicher Verteilung:
    Seit dem 1. Jgg. 1909 bis 1911 = Jgg. 3. Danach nichts mehr bis 1932. Zuletzt 1941 ein Gedicht auf den Rothenburger Maler Peter Philippi (dessen 75. Geburtstag).
    Insgesamt 24 mal.
    In der 1. Nachkriegs-LINDE 1950 erschien von Unbekannt ein “In memoriam” mit zwei Gedichten des im gleichen Jahr verstorbnen Oberlehrers, der bürgerlich Georg Hauenstein hieß.
    In der ganzen LINDE steht nichts speziell Nazimäßiges von ihm. Das habe ich erst Ihrem Artikel entnommen. Nett. Wieder so ein “Harmloser”.
    MfG E. Tittmann

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