Der Sport im Nationalsozialismus: Ziel war das „Heranzüchten gesunder Körper“ – Die Leibeserziehung galt als das höchste Erziehungsgut

Sport und Schönheit im NS-Frauensport

Sport und Schönheit im NS-Frauensport

Von Wolf Stegemann

Schon früh betonte Adolf Hitler in seinem Buch „Mein Kampf“, welches Ziel der Sport im Dritten Reich einzunehmen habe: „In erster Linie das Heranzüchten gesunder Körper“. Auf mehreren Seiten schreibt Hitler von allgemeinen Voraussetzungen geistiger Leistungsfähigkeit und stellt dabei die rassische Qualität und den gesunden kraftvollen Körper in den Vordergrund. Er war der Auffassung, dass man einen gesunden Geist nur in einem gesunden Körper finden könne. Hierin griff er die verkürzt interpretierte Redewendung „mens sana in corpore sano“ des römischen Satirikers Juvenal auf. Im Umkehrschluss führt eine solche Behauptung geradewegs in die Diskriminierung Körperbehinderter. Hitler meinte, ein Staat müsse sich in erster Linie um die körperliche Ausbildung seiner Bewohner kümmern und erst in zweiter Linie um die geistige. Ein körperlich gesunder Mensch, mit einem festen Charakter, Entschlussfreudigkeit und Willenskraft sei für die Volksgemeinschaft wertvoller als ein geistreicher Schwächling. Der Staat habe dafür Sorge zu tragen, den jungen Körper von frühester Kindheit an zu trainieren, um ihn für das spätere Leben zu formen. Sport sei aber nicht nur dazu da den Einzelnen stark zu machen, er soll außerdem jeden abhärten. Jeder muss lernen, auch Ungerechtigkeit zu ertragen. Weiterlesen

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Der Sportplatz des „Turnvereins Rothenburg 1861“ an der Ansbacher Straße wurde im Mai 1933 eröffnet. Die Partei, SS und SA waren mit antisemitischen Aussagen dabei

Eröffnung: Einmarsch der Gruppen ins Stadion

Eröffnung: Einmarsch der Gruppen ins Stadion

Von Wolf Stegemann

Ein Jahr lang – ab Ostern 1932 – ertönten in der Nähe der Bahnlinie, die zwischen der Ansbacher und Erlbacher Straße entlang am Friedhof verlief, lautes Gehämmer, Geräusche von Baumaschinen und dazwischen immer wieder die lauten Kommandos: „Zu-gleich! Zu-gleich! Zu-gleich!“ Dann zogen kräftige Männer Bretter, Balken und Holzwände in die Höhe, aus denen die Tribüne des Sportplatzes wurde, den der „Turnverein Rothenburg 1861“ in Eigenregie baute. Als sie stand und alles andere auch fertig war, wurde der Sportplatz am Sonntag, den 28. Mai 1933 eingeweiht. Inzwischen hatten die Nazis das Sagen. Deshalb dominierte bei der Eröffnung des Platzes das übliche nationalsozialistische Hakenkreuz-, Uniform- und Gleichschritt-Gepränge. In dem anfänglich gerufenen Turnergruß „Gut Heil!“ mischten sich immer mehr „Heil Hitler!“-Rufe. Weiterlesen

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Fußball-Club Rothenburg: Stadt beschlagnahmte auf Anordnung der NSDAP den Sportplatz und errichtete darauf Häuser. Nach dem Krieg wollte der Verein Entschädigung

Mannschaft des Fußball-Clubs 1919 Rothenburg (FCR)

Mannschaft des Fußball-Clubs 1919 Rothenburg (FCR)

Von Wolf Stegemann

In der ersten Hälfte der 1950er-Jahre hatte der 1. Fußball-Club 1919 Rothenburg (FCR) und sein Vorsitzender Georg Böhme mit der Forderung keinen Erfolg, Schadensersatz für die 1944 stattgefundene Beschlagnahme des eigenen Sportplatzes hinter dem Schlachthof von der Stadt zu verlangen. Denn neben der Eigenleistung hatte der Fußballverein Ende der 1920er-Jahre in den Sportplatzbau 13.000 Reichsmark investiert, die der Verein durch Darlehen und Zeichnung von Anteilscheinen seiner Mitglieder aufgebracht hatte. Die Ablehnung der Entschädigungszahlung sah der Verein als nicht rechtens an. Weiterlesen

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NS-Propaganda verpasste der Polizei ein falsches Image in der Öffentlichkeit: „Die Polizei, Dein Freund und Helfer“

Die traditionelle Polizei-Kelle

Die traditionelle Polizei-Kelle

In seiner 1934 erschienenen Broschüre „Aufbau einer Nation“ zeichnete der damalige Preußische Ministerpräsident Hermann Göring ein ein­drucksvolles Bild vom Wandel der Schutzpolizei „vom Prügelknaben der Republik“ zum „bestgeschliffenen Instrument des Staates“. In einer Rei­he von Erlassen und Reden hatte er im Februar und März 1933 von „sei­ner“ Polizei den rücksichtslosen Einsatz der ganzen Person bei der Niederringung staatsfeindlicher Elemente und die „Herstellung besten Ein­vernehmens zu den nationalen Verbänden“ gefordert. Weiterlesen

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Die märchenhaften Statistiken über Verbrechensbekämpfung zwischen 1933 und 1945 sind selbst ein großer Kriminalfall – Amnestien des Führers drückten die Zahlen nach unten

0-kriminalitätsstatistik-polizeins-helm-DW-Kultur-Berlin-jpgVon Robert Gellately

Die Hitlerdiktatur prahlte wiederholt mit den Erfolgen der weitrei­chenden neuen Polizeibefugnisse bei der Zurückdrängung des Verbre­chens. Anfang 1936 gaben die Behörden bekannt, im Land sei „das große Aufräumen“ erfolgt, das Verbrechen sei niedergerungen, und die Bürger sollten das zu schätzen wissen. Anfang 1941 nutzte Reinhard Heydrich den „Tag der Deutschen Polizei“, um das Volk daran zu erin­nern, dass Kripo und übrige Polizei die Verbrechensrate gegenüber 1932 um 40 Prozent gesenkt hätten. Im Laufe der Jahre bekamen die Bür­ger viele solche Erfolgsmeldungen zu hören, und ohne Zweifel gingen bestimmte Verbrechensarten zurück – aus Gründen, die nichts mit der neuen Polizei und dem neuen Gerichtssystem zu schaffen hatten. So brachte die Rückkehr zur Vollbeschäftigung im Jahr 1936 vielen poten­tiellen Straftätern wieder Arbeit, und der Aufbau der Streitkräfte ent­fernte Millionen junger Männer von den Straßen und damit von der Ge­legenheit, Verbrechen zu begehen. Weiterlesen

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Die Polizei, dein Freund und Massenmörder. Für die Polizei gab es keine Stunde Null – sie konnte nach dem Krieg nahezu bruchlos weiterarbeiten

„Die gestellten Männer haben zu nennenswerten Klagen keinen Anlass gegeben. Abgesehen davon, dass ich einzelne von ihnen zu schärferem Vorgehen gegen Juden anhalten musste, haben sich alle sehr gut geführt und ihren Dienst einwandfrei versehen.“

Auf neun Schreibmaschinenseiten resümierte der Hauptmann der Schutzpolizei, Paul Salitter, im Dezember 1941 seine Fahrt von Düsseldorf ins lettische Riga. Für die Reisenden sollte es, abgesehen vom polizeilichen Begleitkommando, eine Fahrt in den Tod werden, denn sie wurden nach ihrer Einweisung in das jüdische Ghetto später fast ausnahmslos ermordet. Für Salitter dagegen war die Reise nach seiner Rückkehr Grund genug, gegenüber dem Leiter des Reichssicherheitshauptamtes, Adolf Eichmann, Verbesserungen für die nächsten Deportationszüge vorzuschlagen. Sechs Jahre später, 1947, später bat der Polizist um seine Wiedereinstellung: Damals habe er „nur seine Pflicht getan“, schrieb Salitter. Weiterlesen

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Stadtpolizei musste staatsabträgliches Verhalten und Vergehen gegen das Heimtückegesetz anzeigen sowie feststellen, ob vor dem Amtsgericht jemand seine Notdurft verrichtet hatte

Rt-Polizeitagebuch (5)

Seite im Polizei-Tagebuch

Von Wolf Stegemann

Im Rothenburger Stadtarchiv wird eine Kladde aufgewahrt, in der Polizei-Berichte über den Alltag auf der Polizeiwache in der Zeit 1938 bis 1941 Auskunft über das geben, womit sich die Schutzpolizei tagtäglich zu befassen hatten. Aufgeschrieben von den Polizeibeamten, die sich mit den zur Anzeige gebrachten oder selbst festgestellten Delikten zu befassen hatten. Die Namen der Polizisten sind Helmschmidt, Hörber, Weber (Sonderdienst), Hein, Schröder, Jäger, Gahm, Mohr, Fischer, Drossel und Lieret (kein Anspruch auf Vollständigkeit). Als Delikte findet man u. a. Vergehen und Verstöße gegen das Straßenverkehrsgesetz, Körperverletzung, Raufhandel, Beleidigung, Sachbeschädigung, Schulschwänzen, Ruhestörung, Sittlichkeitsverbrechen, Diebstähle von Geldbörsen und vor allem von Fahrrädern – jede Woche. Weiterlesen

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