Georg Lill – Denkmalpfleger, Kunstkenner und Berater beim Wiederaufbau der Stadt Rothenburg

Prof. Lill

Prof. Georg Lill

Als Georg Lill 1951 in Würzburg starb, wo er 68 Jahre zuvor geboren wurde, trauerte auch das offizielle Rothenburg. Denn er schaffte zusammen mit Prof. Schmuderer und Rothenburger Architekten, darunter vor allem Franz Bi, die grundsätzlichen Richtlinien für einen möglichst getreuen Wiederaufbau der zu 45 Prozent zerstörten Stadt. Bereits im August 1945 fing er trotz seines angegriffenen Gesundheitszustands mit der Arbeit für Rothenburg an. In seinem Nachruf im Fränkischen Anzeiger schrieb Willi Foerster, der mit Dr. Lill befreundet war:

„(Er) förderte unseren Wiederaufbau mit liebevoller Hingabe, mit Verantwortungsbewusstsein und der ihm eigenen Sachlichkeit. Gerade der Winter 1945/46 sah die beiden unermüdlichen Kämpfer für die Erhaltung unserer städtebaulichen Schönheit. Lill-Schmuderer, öfters in unserer Stadt, wobei sie bei Schnee und Eis die damaligen strapaziösen Zustände der Beförderungsmittel auf sich nahmen.“

Georg Lill besuchte das Humanistische Alte Gymnasium in Würzburg, studierte Kunstgeschichte in Würzburg, München, Berlin und Wien, promovierte 1907 in München mit dem Thema Fugger und die Kunst, war von 1908 bis 1910 wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Generalkonservatorium der Kunstdenkmäler und Altertümer Bayerns (späteres Landesamts für Denkmalpflege), von 1911 bis 1919 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Auktionshauses Helbing in München und war zugleich Autor bzw. Mitverfasser von sechs Bänden der Reihe „Kunstdenkmäler Bayerns“. 1920 wurde Georg Lill Hauptkonservator des Bayerischen Nationalmuseums, erhielt 1924 den Titel Professor. Seine populär geschriebene „Deutsche Plastik“ (1925) erreichte eine ungewöhnliche Auflage von 300.000 Exemplaren. 1929 wurde Lill zum Direktor des bayerischen Landesamts für Denkmalpflege berufen. Er wirkte auf dieser Stelle auch unter den schwierigen Bedingungen der Kriegs- und Nachkriegszeit bis 1950. Dabei bewährte sich die breite historische Basis seiner kunstgeschichtlichen Studien und seine Orientierung am Denkmalbegriff Georg Dehios, wie das etwa aus seinen Stellungnahmen zu Ausmalungsprojekten in Gößweinstein (1921), Bamberg und Mainz (1927), aus seinem Bericht über die Geschichte der Denkmalpflege in Bayern 1932 und 1933 sowie aus seinen Vorstellungen vom Wiederaufbau (1946) zu erkennen ist.
Georg Lill war Mitglied der römisch-germanischen Kommission und von 1924 bis 1937 Schriftführer der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst und Redakteur der Zeitschrift „Christliche Kunst“. In einem Brief an seinen Freund, den Rothenburger Willi Foerster, schrieb er 1945 über Sichtweise über die Rettung der deutschen Seele nach dem Nationalsozialismus:

„In dem Dilemma von heute ist uns eins geblieben, nicht nur die Erinnerung, dass wir ein Kulturvolk von europäischer Bedeutung waren, vielmehr die Tatsache, dass wir es noch sind. Wir haben trotz aller geistig-seelischen Verwüstung noch gebildete und einfache Menschen, wir haben Wissenschaftler, Künstler und hochstehende Handwerker, die an den edelsten Schöpfungen unseres Volkes hängen, an sie glauben, sie in sich aufnehmen und an ihnen weiterschaffen. Achten wir darauf, dass wir nicht auch diese noch verlieren, dass Utilitaristen und Materialisten uns unter dem Vorwand einer anderen Zeitnotwendigkeit nicht auch unsere geistigen Werte noch zerstören! Schützen wir sie für uns und unsere Nachkommen. Man wird es uns Bayern einmal danken in ganz Deutschland und darüber hinaus, wenn wir hartnäckig an dem festhalten, was unser Land schön und würdevoll zu einem sinnvollen Kulturausdruck in einer gottgesegneten Natur geformt hat.“

Willi Foerster kommentiert dieses Credo von 1945, wenn er schreibt: „Gerade uns Rothenburgern sollten diese Worte Mahnruf sein…“

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Quellen: Fränkischer Anzeiger“ vom 3. August 1951 (Nachruf). – Joachim Lilla: „Staatsminister, leitende Verwaltungsbeamte und (NS-)Funktionsträger in Bayern 1918 bis 1945“.
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