Franz Bi – Architekt, Ingenieur, Kunstmaler, Filmarchitekt und künstlerischer Berater beim Wiederaufbau der zerstörten Stadt

Franz Bi

Franz Bi

Von Wolf Stegemann

Ab 1945 betätigte er sich in Rothenburg als Stadtbaumeister und machte sich um den Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstörten Stadt verdient. Denn der 1899 in Berlin geborene Franz Bi, der nach seiner Ausbombung Rothenburg als die Stadt seines Altersruhesitzes gewählt hatte, war studierter Architekt und Ingenieur. Vor allem aber Filmarchitekt. Er wohnte mit seiner ebenfalls aus Berlin stammenden Frau in einem idyllisch gelegenen Häuschen mit Garten und Turm an der Riviera, direkt an der Mauer unter dem Hotel „Goldener Hirsch“ mit Blick ins Taubertal.

Eigentlich hieß der Künstler Franz Bartlakowski – den Künstlernamen „Bi“ setzte er aus dem ersten und dem letzten Buchstaben seines Nachnamens zusammen. Der Sohn eines Dekorationsmalers hatte auch eine Ausbildung zum Kunstmaler erhalten und studierte außerdem von 1925 bis 1929 Architektur und Szenenbild an den Vereinigten Staatsschulen in Berlin. Danach arbeitete er im Hoch- und Innenbau.

Von 1930 bis 1932 war Franz Bi als Bühnenbildner an Theatern in Berlin, danach freiberuflich tätig. Im April 1939 wurde er als zweiter Architekt zum Film geholt. Seit 1940 wirkte Bi als Chefarchitekt für die „Tobis-Filmkunst“, später entwarf er auch für andere Produktionsfirmen Filmkulissen. Neben einer Vielzahl von Unterhaltungsfilmen war Bi auch an der Ausstattung von NS- Propagandafilmen beteiligt, darunter die der Regisseure Hans Bertram (Kampfgeschwader Lützow) und Erich Engels (Die goldene Spinne).

Filmgesellschaft diente der NS-Propaganda

Nach der UFA war die 1927 gegründete Tobis die größte deutsche Filmproduktionsgesellschaft. Nach 1933 bauten die neuen Machthaber die Gesellschaft zusammen mit der gleichgeschalteten UFA zu einem Propagandaapparat aus. Direktor wurde Goebbels’ Günstling Helmut Schreiber. Eine Rolle spielten auch die im Besitz der Muttergesellschaft „Intertibis“ befindlichen Tonfilmpatente. Die 1934 begonnene und 1939 abgeschlossene Umbildung der Tobis in eine reichsmittelbare Firma stellte Goebbels’ ersten und gelungenen Versuch einer von der Öffentlichkeit gänzlich unbemerkten feindlichen Übernahme einer Filmgesellschaft dar. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Produktionseinrichtungen der Tobis Teil des neu gegründeten Ufa-Konzerns. Mit dem Untergang dieses Konzerns im Jahre 1962 war auch die Geschichte der Tobis beendet. Nach dem Krieg arbeitete Bi vornehmlich mit den Kollegen Botho Höfer und ab 1953 mit Bruno Monden zusammen, bis er sich 1960 vom Kinofilm zurückzog und noch drei Jahre lang für das Fernsehen arbeitete.

Die Grabstätte des Ehepaars Bi auf dem Rothenburger Friedhof; Foto: Wolf Stegemann

Die Grabstätte des Ehepaars Bi auf dem Rothenburger Friedhof; Foto: Wolf Stegemann

Bi war beim Wiederaufbau Berater des städtischen Bauamts

1944 kam FRanz Bi nach Rothenburg. Nachdem etliche Rothenburger Mitarbeiter des Bauamtes aufgrund ihrer nationalsozialistischen Verstrickungen verhaftet und interniert oder ihre Ämter niederlegen mussten, berief der Stadtrat für den Wiederaufbau Franz Bi sowie den Bautechniker Beisbart als künstlerische Berater in das Stadtbauamt. Ein sich konstituierender Ausschuss von bombengeschädigten Hausbesitzern berief im Oktober 1945 eine öffentliche Versammlung in den Kaisersaal ein, auf der neben Bürgermeister Hörner und Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege auch Franz Bi zu Fragen der Planung, Materialbeschaffung, der Trümmerbeseitigung und Trümmerverwendung sprach. So war der Berliner Franz Bi in den Wiederaufbau Rothenburgs fest eingebunden, um den er sich mit seinen Ideen, seiner Kraft und seinen Möglichkeiten verdienst gemacht hat. – Franz Bi starb 1968 in Rothenburg, seine Frau Else 1998.

Filmografie (Auswahl)

1940: Das himmelblaue Abendkleid (1940), Kampfgeschwader Lützow (1940); 1941: Die Nacht in Venedig (1941), Der Fall Rainer (1941), Wenn der junge Wein blüht (1942), Geliebter Schatz (1943), Die goldene Spinne (1943), Ein Mann wie Maximilian (1944), Seinerzeit zu meiner Zeit (1944), Mit meinen Augen (1944); Dreimal Komödie (1945), Du bist nicht allein (1948), Fünf unter Verdacht (1949), Der Mann, der zweimal leben wollte (1950), Vom Teufel gejagt (1950), Fanfaren der Liebe (1951). – Bis 1963 folgten noch rund 30 Filme, für die Franz Bi die Filmkulissen schuf, darunter „Ein Herz spielt falsch“ (1953), „Wir Wunderkinder“ (1958), „Agatha lass das Morden sein“ (1960) und „Kleider machen Leute“ (1963).

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Quellen: Eigene Erinnerungen des Verfassers an die Familie Bi in den 1950er-Jahren. – Wikipedia, Online-Enzyklopädie (2013). – „Fränkischer Anzeiger“ vom 27. Dezember 1968 (Nachruf).
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