Entnazifizierung (16): Adolf Meyer, NSDAP-Kreisleiter von Neustadt verweigerte sich dem Gauleiter. Als Schulrat kam er dann nach Rothenburg

Von Wolf Stegemann

Im Internet wird sein 1934 erschienenes Buch zwischen 380 und 500 Euro gehandelt. Es hat nur 109 Seiten. Herausgeber und hauptsächlicher Autor ist der damalige NSDAP-Kreisleiter von Neustadt an der Aisch, Adolf Meyer, der ab 1937 in Rothenburg wohnte. In dem in Neustadt verlegten Buch mit dem Titel „Mit Adolf Hitler im Bayerischen Infanterie-Regiment 16 List?“ beschreibt Adolf Meyer seine Begegnungen mit dem späteren Führer im Ersten Weltkrieg. Er war Offizier in dem Regiment, in dem Hitler Gefreiter war. Als Adolf Meyer schwer verwundet wurde, war Hitler bei seiner Bergung aus der Feuerlinie dabei. Bei einer Rede Hitlers in einer geschlossenen Versammlung nach dem Krieg hatte sich der Pädagoge Meyer entschlossen, der Partei Hitlers beizutreten.

Meyer war mit Hitler im Ersten Weltkrieg; Titelseite seines 1934 erschienenen Buches

Meyer war mit Hitler im Ersten Weltkrieg; Titelseite seines 1934 erschienenen Buches

Politisches Profil verschwommen

Adolf Meyer, 1895 in Trommetsheim (heute Alesheim, Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen) geboren, wohnte seit 1937 in Rothenburg ob der Tauber, im zweiten Stock des Hauses Herrngasse 16. Vorher war er Lehrer in der kleinen Gemeinde Wilhermsdorf (damals Lkr. Neustadt, heute Lkr. Fürth) und trat bereits 1925 in die NSDAP ein, in der er bis 1945 blieb. Im November 1933 wurde er NSDAP-Kreisleiter, war Mitglied ohne Rang in der SA von 1932 bis 1933. Er trat aus, als er Befehlsstellen in der SA übernehmen sollte. Das wollte er nicht. Er blieb aber im NS-Lehrerbund (NSLB) und fünf weiteren NS-Verbänden. Auch gehörte er der Vereinigung „List“ an, eines Kameradschaftsbundes seines ehemaligen Regiments. Von 1929 bis 1933 saß er im Gemeinderat und war 1933 für kurze Zeit zweiter Bürgermeister der kleinen Gemeinde, war mit dem „Goldene Parteiabzeichen“, der „Silbernen RAD-Nadel“ und mit dem „Nürnberger Abzeichen von 1929“ ausgezeichnet. Neben diesen äußeren Zugehörigkeiten zum Nationalsozialismus ist das politische Profil Adolf Meyer verschwommen geblieben. Er war „ein persönlich überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus und großer Idealist“. Meyer galt aber auch als „tolerant“ und schützte Bürger vor der Gestapo und Einweisung in Konzentrationslager, was ihn bei der Bevölkerung „beliebt“ machte. In seiner Entnazifizierungsakte steht u. a. eine Bewertung aus seiner Zeit als Kreisleiter:

„Gegen die Kirche und sonstige konfessionellen Verbände hat Meyer nicht das Geringste unternommen; er selbst ist seinem Glauben treu geblieben. Maßnahmen gegen Juden und sonstige politisch Unzuverlässige hat er abgelehnt und nicht erduldet, er hat auch sonst niemanden beeinflusst oder belästigt.“

Spruchkammer: Gesamtverhalten einwandfrei

1937 kam Adolf Meyer wegen seiner politisch inaktiven Haltung in Konflikt mit Gauleiter Julius Streicher. Dieser wollte ihn stärker ins seine Dienste nehmen, was Meyer ablehnte. Daraufhin setzte ihn Streicher als Kreisleiter ab und kurz darauf wurde Adolf Meyer als Lehrer nach Rothenburg als Schulrat versetzt. Hier entzog er sich „schulpolitisch jeglicher politischer Aktion“. In einigen Fällen soll er sogar „Gegner des Nationalsozialismus bevorzugt“ haben, wie aus seinen Entnazifizierungsakten hervorgeht. Insgesamt beurteilte die Spruchkammer Rothenburg ob der Tauber das „Gesamtverhalten“ des ehemaligen NSDAP-Kreisleiters als „einwandfrei“ und stufte ihn als „Mitläufer“ ein. Vorher war Adolf Meyer wegen seiner NSDAP-Funktion als Kreisleiter 30 Monate lang interniert.

 

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