Wie ging die Bundesrepublik mit den NS-Tätern in KZs, an der Front oder am Schreibtisch um? Wie mit den Vollstreckern in Rathäusern, Verwaltungen und Ministerien? – Fallbeispiele

Deutsche Polizeieinheit im Einsatz: Erschießen von Juden in Ivangorod 1942u

Deutsche Polizeieinheit im Einsatz: Erschießen von Juden in Ivangorod 1942u

„Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen vollbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts mehr hören zu wollen“, Franz-Josef Strauß, bayer. Ministerpräsident, 1969

Die Mitarbeit der Fachkräfte und Experten in den Verwaltungen trug dazu bei, dass die nationalsozialistische Herrschaft so fest etabliert wurde und dass das Regime so reibungslos funktionierte. Auch die Stadtverwaltung in Rothenburg hatte solche Verwaltungsfachkräfte. Die entscheidenden Maßnahmen, auf die es Hitler und seiner Gefolgschaft in Reich und Ländern ankam, wurden lückenlos durchgeführt, auch wenn sich die Beamten innerlich gegen sie auflehnten. Zu den Tätern können nicht nur die gerechnet werden, die direkt mit dem Morden zu tun gehabt haben, sondern auch diejenigen, die die Voraussetzungen für das Massensterben schufen. Das waren einerseits die bekannten Nazigrößen wie Sauckel, Heydrich, Himmler und andere zum anderen diejenigen, die in den Ministerien und Verwaltungen die entsprechenden Verordnungen und Erlasse ausarbeiteten und in den Rathäuser dafür sorgten, dass die Erlasse befolgt wurden.

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Das Gebiet der US-Besatzungszone – ein Überblick

Die amerikanische Besatzungszone (oder auch Südostzone) war eine der vier Besatzungszonen, in die Deutschland westlich der Oder-Neiße-Linie von den alliierten Siegermächten im Juli 1945, rund zwei Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa, aufgeteilt wurde. Sie unterstand der US-Militärregierung. Die Zone umfasste zum einen Bayern einschließlich der thüringischen Exklave Ostheim, aber ohne den Kreis Lindau und der Pfalz. Außerdem waren die Provinzen Kurhessen und Nassau (ausschließlich der zugehörigen Exklaven und der Kreise Oberwesterwald, Unterwesterwald, Unterlahn und Sankt Goarshausen) sowie Starkenburg, Oberhessen und der östlich des Rheins gelegene Teil von Rheinhessen (Grenze war die Mitte der Schifffahrtsrinne des Rheins) amerikanisch besetzt. Weiterlesen

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„Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ – Am 5. Juni 1945 wird Deutschland in vier Zonen aufgeteilt, die westlichen nannte man Trizone

Westliche Trizone und östliche SBZ

Westliche Trizone und östliche SBZ

W. St. – 1946/47 hatte die amerikanische und die britische Militärregierung den Wirtschaftsrat der so genannten Bizone geschaffen, eine gemeinsame demokratische Verwaltungsstruktur für ihre zum vereinigten Wirtschaftsgebiet zusammengeschlossenen zwei Zonen. Dieser Entwicklung schloss sich Frankreich mit seiner Besatzungszone im Südwesten Deutschlands im August 1948 nur zögernd an. Somit entstand die Trizone. Die drei Westzonen wurden allerdings schon vorher im Volksmund „Trizonesien“ genannt. 1948 schrieb Karl Berbuer den Karnevalsschlager „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“, der zeitweise auch als Ersatz für die deutsche Nationalhymne herhalten musste, so zum Beispiel bei einem Steher-Rennen in der Müngersdorfer Radrennbahn. Weiterlesen

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Fluchtwege: Wie Kriegsverbrecher mit Hilfe der katholischen Kirche über Italien nach Übersee entkamen – Eine Studie des Historikers Gerald Steinacher

Der gefälschte Eichmann-Pass auf den Namen Klement

Der gefälschte Eichmann-Pass auf den Namen Klement

Von Gerhard Mummelter, Rom

Das vergilbte Ausweisbild zeigt ein ernstes Gesicht mit gepflegtem Schnurrbart, Hornbrille und dunkler Fliege. Der Mann, der am 17. Juni 1950 im Hafen von Genua den Dampfer nach Buenos Aires bestieg, wies sich als Riccardo Klement aus, wohnhaft im Südtiroler Weindorf Tramin. An einer Überprüfung seiner Identität zeigte sich niemand interessiert. Warum auch? Zehntausende waren es, die nach dem Krieg nach Übersee auswanderten – auf der Suche nach einer neuen Existenz. Millionen strömten nach 1945 durch Mitteleuropa: Zwangsarbeiter, Flüchtlinge, Vertriebene, Staatenlose, Gestrandete, Täter und Opfer, Nationalsozialisten und Juden.

Der "Todesengel" KZ-Arzt Josef Mengele (Zeichnung)

Der „Todesengel“ KZ-Arzt Josef Mengele (Zeichnung)

Adolf Eichmann und Josef Mengele

In Italien, wo die Alliierten die Militärregierung bereits aufgelöst hatten, war die Zahl der Flüchtlinge besonders groß. Ein Jahr vor Klement hatte sich in Genua ein anderer vermeintlicher Südtiroler nach Argentinien eingeschifft: Helmut Gregor, geboren 1911, Mechaniker. Beide kannten einander nicht, hatten jedoch einiges gemeinsam. Beide waren berüchtigte NS-Kriegsverbrecher, beide waren über den Brenner nach Südtirol geflüchtet und hatten sich dort mithilfe alter SS-Kameraden eine neue Identität zugelegt. Ihre wirklichen Namen wurden erst Jahre später bekannt: Adolf Eichmann und Josef Mengele. Die Liste der NS-Größen, die sich nach dem Krieg relativ ungestört in Südtirol aufhalten konnten, umfasst die SS-Schergen Erich Priebke, Ulrich Greifelt, Lothar Debes und Josef Schwammberger, den österreichischen Kommandanten des KZ-Treblinka, Franz Stangl, den Linzer Gestapo-Chef Gerhard Bast und den Innsbrucker SS-Sturmbannführer Alois Schintlholzer.

Die von den Alliierten geräumte Alpenregion war neben der neutralen Schweiz das einzige deutschsprachige Gebiet, das von keiner Besatzungsmacht kontrolliert wurde. Hierher zogen sich 1945 die Familien von NS-Größen wie Heinrich Himmler, Hermann Göring und Martin Bormann zurück. Nicht selten kreuzten sich in den Bergen die Fluchtwege von Opfern und Tätern. So waren in einer Meraner Pension KZ-Überlebende und SS-Offiziere gleichzeitig einquartiert.

Titelseite des Steinacher-Buches

Titelseite des Steinacher-Buchs

Das Buch bringt Licht in das Dunkel der vielen Gerüchte

2008 brachte erstmals ein österreichischer Historiker Licht ins Dunkel der Fluchtwege. In seinem Buch „Nazis auf der Flucht“ beleuchtet Dr. Gerald Steinacher Südtirols Rolle als Drehscheibe des Flüchtlingsstroms. Kriegsverbrecher konnten dort nicht nur auf ein hilfreiches Netzwerk alter SS-Kameraden und Nazi-Sympathisanten bauen, sondern auch auf aktive Unterstützung durch die katholische Kirche und das Rotes Kreuz mit Geld, falschen Pässen, guten offiziellen Verbindungen und heimlichen Kontakten. Für rund 400.000 Auswanderer aus dem zerbombten Kontinent stellte der Brenner das Tor zu einer neuen Zukunft dar.

Klöster waren beliebte, weil schützende Anlaufstellen für NS-Verbrecher

Adolf Eichmann etwa wurde auf der italienischen Seite der Grenze vom Pfarrer von Sterzing empfangen und anschließend im Bozener Franziskanerkloster versteckt. Auch der Deutsche Orden in Lana bei Meran und das Kapuzinerkloster in Brixen waren beliebte Anlaufstellen. Der heimliche Marsch über alte Schmugglerpfade erschloss den Einheimischen der Grenzregion neue Geldquellen. Neben Kaffee, Tabak, Devisen und Sacharin wurden jetzt auch Menschen über die Grenze geschmuggelt – Juden meist in Sechsergruppen für 4.000 Schilling. Nationalsozialisten von Rang mussten tiefer in die Tasche greifen und für den Fußweg über die grüne Grenze 1.000 Schilling berappen.

In Klöstern wie im Deutschordenskonvent Lana, versteckte die Kirche die flüchtenden NS-Mörder; Foto Böhringer

In Klöstern wie im Deutschordenskonvent Lana, versteckte die Kirche die flüchtenden NS-Mörder; Foto Böhringer

Es war der Tiroler Gastwirt Jakob Strickner, der den berüchtigten Lagerarzt von Auschwitz, Josef Mengele, am Ostersonntag 1949 von Vinaders über den nahen Brenner lotste, wo ihn ein Mittelsmann erwartete. In Sterzing quartierte sich Mengele unter falschem Namen im Gasthof Goldenes Kreuz ein. Denselben Zufluchtsort wählte ein anderer prominenter Kriegsverbrecher: Erich Priebke verbrachte dort mit seiner Familie mehrere Jahre und wurde vom Stadtpfarrer katholisch getauft – eine „Wiedertaufe“, mit der die Kirche reuige Sünder von der Nazi-Ketzerei befreite und wieder in die Gemeinschaft aufnahm. Sie begnügte sich freilich nicht damit, sondern leistete auch tatkräftige Hilfe bei der Beschaffung von Reisedokumenten.

Fluchthelfer Bischof Alois Hudal

Zu den aktivsten Fluchthelfern gehörte der österreichische Bischof und Hitler-Verehrer Alois Hudal, der als Rektor des deutschen Priesterkollegs in Rom den aus Südtirol kommenden Nazis gerne Unterschlupf gewährte. Hudal pflegte enge Beziehungen zum von Pius XII. gegründeten päpstlichen Flüchtlingshilfswerk. Den KZ-Kommandanten von Treblinka nahm Hudal besonders herzlich auf: „Der Bischof kam in das Zimmer, in dem ich wartete, streckte mir die Hände entgegen und sagte: Sie müssen Franz Stangl sein. Ich habe auf Sie gewartet.“ Das würde ich allenfalls als Frage stellen, sonst ist der Satz zu suggestiv.

Der Bischof beschaffte dem Massenmörder auch ein Ticket nach Syrien

Hudal verschaffte seinem Landsmann Stangl Unterkunft, Geld und Beschäftigung. Nach wenigen Wochen verfügte der für den Tod von rund einer Million Menschen mitverantwortliche Oberösterreicher über einen Rot-Kreuz-Pass, ein Schiffsticket, ein Visum und eine Stelle in einer Weberei in Syrien. Ausführlich untersucht der Historiker Steinacher die Mitschuld des Internationalen Roten Kreuzes, dessen Archiv in Genf der Historiker erstmals einsehen durfte. Bis 1951 stellte die total überforderte Hilfsorganisation, der jede Erfahrung als Passbehörde fehlte, in Rom und Genua mindestens 120.000 Ausweise aus. Mit Wissen des IKRK-Präsidenten Paul Ruegger entkamen so auch tausende Kriegsverbrecher nach Übersee.

Beerdigung des NS-Mörders Walter Rauff 1984 in Santiago de Chile mit Hitlergruß

Beerdigung des NS-Mörders Walter Rauff 1984 in Santiago de Chile mit Hitlergruß

Sie gaben sich meist als „staatenlose“ Volksdeutsche aus oder legten Personalausweise aus Südtiroler Gemeinden vor, die ihnen alte Kameraden beschafft hatten. So wurde aus dem SS-Mann Eugen Dollmann, Hitlers Kontaktperson bei Mussolini, nun „Eugen Amonn“, geboren in Bozen. Der Kampfflieger Hans-Ulrich Rudel durfte sich über seine neue Identität als Emil Meier freuen: „Schon am nächsten Morgen bringt man mir ein Papier auf den wohlklingenden Namen Emilio Meier! Jetzt heiße ich eben Emil Meier und fahre mit diesem Namen nach Argentinien.” Rudel war in „bester“ Gesellschaft: Rund 500 höhere NS-Funktionäre und 50 Massenmörder wählten Argentinien als Reiseziel. Steinacher zeichnet in seinem spannenden Buch nicht nur deren Fluchtwege nach. Er demonstriert auch, wie verblüffend einfach in den Nachkriegswirren die Reinwaschung von Kriegsverbrechern funktionierte. Auch der Massenmörder und Entwickler der fahrbaren Vergasungsbusse Walter Rauff konnte nach Chile entkommen. Dort starb er 1984. Alte Kameraden verabschiedeten ihn am Grab mit dem Hitlergruß

  • Gerald Steinacher, Nazis auf der Flucht.Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee entkamen. 380 Seiten, Studien Verlag, Innsbruck, Wien, Bozen 2008.

Klosterroute, Rattenlinie und Bischof Alois Hudal

W. St. – Rattenlinien (englisch „rat lines“) war die von US-amerikanischen Geheimdienst- und Militärkreisen geprägte Bezeichnung für Fluchtrouten führender Vertreter des NS-Regimes und Angehöriger der SS und der Ustascha nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Aufgrund einer aktiven Beteiligung hochrangiger Vertreter der katholischen Kirche an den Fluchtrouten trugen sie bis zur Beteiligung des US-amerikanischen Geheimdienstes den Namen „Klosterrouten“. Die Fluchtrouten führten über Italien (meist Südtirol und Rom) nach Südamerika und dort hauptsächlich nach Argentinien, aber auch in Länder Arabiens. Über diese Routen gelang es nach dem Zweiten Weltkrieg einer großen Zahl von NS-Tätern, Faschisten und Kollaborateuren aus verschiedenen europäischen Ländern, einer gerichtlichen Anklage und Bestrafung zu entgehen.

Innentitel des Hudal-Buches - eine Schrift des Bischofs für den Nationalsozialismus 1936

Innentitel des Hudal-Buches – eine Schrift des Bischofs für den Nationalsozialismus 1936

Verdienste um den Nationalsozialismus sowie deren Flucht nach Kriegsende errang  Bischof Alois Hudal. Er betrieb im Vatikan eine Einrichtung für Auswanderungshilfe, die später als die berüchtigte „Rattenlinie“ bekannt wurde. Mit Unterstützung der Caritas und unter Ausnutzung des Umstandes, dass das Internationale Rote Kreuz auf recht leichtfertig und leichtsinnige Weise unüberprüfbare provisorische Dokumente ausstellte, die vor allem von Ländern in Südamerika als Einreisedokumente anerkannt wurden. Hudal und seine Komplizen fabrizierten Empfehlungsschreiben und falsche Identitätsbestätigungen mit deren Hilfe viele Tausend NS-Kriegsverbrecher sich der Verfolgung durch die Justiz entziehen konnten. Darunter Personen wie Eichmann, Mengele, Barbie, Stangl oder der kroatische Klerikalfaschistenführer Pavelik. Erst 1952 wurde der Druck auf den Vatikan so groß, dass man sich genötigt sah, Bischof Hudal von seiner Funktion als Rektor der Anima zu entfernen. Dazu wurde eine Inszenierung aufgeführt: die österreichischen Bischöfe mussten ihn zum Rücktritt auffordern, Hudal starb unbehelligt von der Justiz 1963 in Rom.

Hudal war ein „Komplize nach der Tat“, für seine Beihilfe zur Flucht der Kriegsverbrecher wurde er nie zur Verantwortung gezogen, der Vatikan hat sich dazu auch bis heute nicht selbstkritisch geäußert.

Goldenes Parteiabzeichen für Bischof Hudal

Goldenes Parteiabzeichen für Bischof Hudal

Hitler schenkte Hudal das goldene Parteiabzeichen für das Buch

Hudal wurde 1885 in Graz geboren. Er wirkte lange Jahre am deutschsprachigen römischen Priesterkolleg Santa Maria dell’ Anima, seit 1923 war er dort Rektor und erhielt schließlich deswegen auch den Bischofstitel. Er stand auf der damaligen Hauptlinie der katholischen Kirche, er lehnte wie diese Liberalismus, Säkularismus, Sozialismus, Kommunismus vehement ab. Das tat der ganze Vatikan. Doch setzte der Vatikan in der Weiterführung des im 19. Jahrhundert entstandenen katholischen Antimodernismus auf die Errichtung klerikalfaschistischer Diktaturen bzw. auf den italienischen Faschismus Mussolinis. Hudal sympathisierte hingegen mit Hitler und dem Nationalsozialismus. Er stellte u. a. sogar Überlegungen an, mit einer christlich-europäischen Armee die Sowjetunion anzugreifen, um den gottlosen Bolschewismus zu besiegen.

1936 veröffentlichte er mit kirchlicher Genehmigung das Buch „Die Grundlagen des Nationalsozialismus. Eine ideengeschichtliche Untersuchung“. Dafür holte er sich – wie vorgeschrieben – vom Vatikan die Druckgenehmigung ein (Imprimatur = „es darf gedruckt werden“ oder Nihil obstat, lat. „Es steht nichts entgegen“). Allerdings durfte diese Genehmigung nicht wie sonst üblich, im Buch veröffentlicht werden. Hudal schickte Hitler ein Exemplar und erhielt dafür die zweithöchste Auszeichnung der NSDAP, das „Goldene Parteiabzeichen“.

 

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1945 (I) – Das Jahr einer welthistorischen Zäsur

Von Prof. Dr. Christoph Kleßmann

Das Schlüsseljahr 1945 ist sicherlich primär eine europäische Größe, weil hier die Folgen besonders einschneidend waren. Ohne Frage reichte jedoch die Wirkung der mit diesem Jahr verknüpften Entwicklungen weit über Europa hinaus, wie nicht nur die welthistorische Zäsur des Atombombenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 verdeutlicht. Der Weltkrieg und seine Konsequenzen waren ein globales historisches Ereignis wie bislang wohl kein anderes. Zwei Drittel aller Staaten und drei Viertel der Weltbevölkerung waren davon betroffen. Für Deutschland stellte 1945 als Befreiung von der NS-Herrschaft auch „einen Tiefpunkt der neueren deutschen Geschichte“ dar. Neben enormen Gebietsverlusten legte eine nie erlebte Zahl von Toten, Flüchtlingen und Vertriebenen, Vergewaltigten, Evakuierten und Gefangenen den Eindruck von Finis Germaniae nahe. Weiterlesen

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1945 (II) – Das Jahr der Niederlage oder der Befreiung?

Von Prof. Dr. Christoph Kleßmann

Eng verknüpft mit dem Kriegsende in Deutschland war die lange und in komplizierten Fronten verlaufende Debatte um das Jahr 1945 als „Niederlage“ und „Katastrophe“ oder als „Befreiung“. Diese Diskussion bekam ihre spezifisch politische Konnotation durch ihre Verbindung mit der Teilung Deutschlands. Während in der SBZ/DDR die Formel der „Befreiung vom Faschismus“ kanonisiert wurde und bis zum Ende des ersten „Arbeiter-und-Bauern-Staates auf deutschem Boden“ erhalten blieb, dominierten in Westdeutschland zunächst die düsteren Farben in der Kennzeichnung des Kriegsendes als „Niederlage“, „Kapitulation“, „Untergang” oder „Katastrophe“. Das bedeutete einerseits eine demonstrative Abgrenzung von der DDR. Es entsprach andererseits durchaus der Erfahrung und der Gefühlslage einer großen Mehrheit der Deutschen, die sich eben 1945 keineswegs befreit fühlte, auch wenn sie erleichtert war, dass der längst verlorene Krieg endlich vorbei war. Weiterlesen

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1945 (III) – Ende und Anfang als gefühlte „Stunde Null“

Von Prof. Dr. Christoph Kleßmann

Von Um das Schlagwort „Stunde Null“ gibt es seit seinem Auftreten in der Nachkriegszeit viel Begriffspolemik. Wann der Begriff erstmals auftauchte, ist kaum zu ermitteln. Der Titel von Roberto Rossellinis Film von 1948 „Deutschland im Jahre Null“ hat vermutlich die Verbreitung des Ausdrucks gefördert, der auch in den Titeln vieler Bücher vorkommt: Hans Habe „Im Jahre Null“ (Dersch 1966), „Drei Jahre nach Null“ (Droste 1978), „Stunde Null in Deutschland“ (Droste 1978). „Dorsten nach der Stunde Null“ (Stegemann, 1986). Weiterlesen

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