Der gelbe Judenstern – Durch Verordnungen gekennzeichnet, ausgegrenzt, entrechtet, ausgeraubt und deportiert

Stoffbahn aus der Produktion des gelben Judensterns

Stoffbahn aus der Produktion des gelben Judensterns

Von Wolf Stegemann

Die Judenverfolgung im Dritten Reich ist das dunkelste Kapitel der deutschen Ge­schichte. Es war nicht das Werk des ganzen deutschen Volkes, nicht einmal der ganzen Partei und ihrer Mitläufer. Aber die Führer dieser Partei hatten von Anfang an nie einen Zweifel daran gelassen, dass der Kampfruf „Deutschland erwache!“ unauf­löslich gekoppelt war mit dem anderen Kampfruf „Juda verrecke!“. Diese Parolen waren so laut, dass sie jeder hören konnte. Die Gewalt, die folgte, war so offenkundig, dass sie jeder sehen konnte. Der Beraubung, Kennzeichnung und Deportation in die Todeslager gingen Gesetze voraus, die jeder lesen konnte. Das Dritte Reich ist auch das dunkelste Kapitel der Rechtsgeschichte. Die erste gesetzliche Maßnahme der Nazis gegen Juden war 1933 das Gesetz zur Wie­derherstellung des Berufsbeamtentums, das die Ausschaltung der jüdischen Beam­ten mit Ausnahme der Frontkämpfer zur Folge hatte. Weiterlesen

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„Erzähle ihnen die Geschichte des gelben Judensterns“ – Als Uri Sheriff sein wollte

Von Denny Pinkus, Jaffo

Naharija ist eine kleine Stadt in Israel, im nördlichen Teil des Landes gelegen. Man sagt, dass man nicht in Israel gewesen ist, wenn man nicht in Naharija war. Die Stadt wurde im Jahre 1934 von klugen Deutschen gegründet, die die politische Lage in Deutschland gut einzuschätzen wussten, denn sie verließen ihre feindliche Heimat in diesem Jahr oder schon ein Jahr vorher.

Die meisten der Begründer waren ehemali­ge Ärzte, Industrielle, Anwälte und solche, die das Glück hatten, ihr Vermögen oder einen Teil davon zu retten, aber das Wich­tigste, das sie retteten, war ihr Leben. Jahre später vergrößerte sich die Einwohn­erzahl Naharijas durch Juden aus anderen Ländern wie Bulgarien, Rumänien und noch später aus Ungarn. Die dominieren­den Sprachen in dieser winzigen Stadt waren Deutsch, Rumänisch, Ungarisch und nur sehr wenig Hebräisch, das meistens von den Kindern gesprochen wurde. Sie waren es, die ihren Eltern die Nationalsprache bei­brachten. Weiterlesen

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Flucht der Juden ohne Wiederkehr

Von Robert Probst

Unmittelbar nach der Machtübertragung vom 30. Januar 1933 be­ginnen die Nazis mit der Verfolgung von politischen Gegnern. Wer nicht ins Konzept der „Volksgemeinschaft“ passt oder sich nicht an­passen will, muss mit Repressionen rechnen – mit Schikanen, öf­fentlicher Demütigung, mit Prügeln, mit willkürlicher Verhaftung oder mit Verschleppung in eines der frühen Konzentrationslager. Das Regime nimmt sich seine Gegner der Reihe nach vor, mit Wider­stand der Bevölkerung hat es nicht zu rechnen. „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kom­munist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich ge­schwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Katholiken holten, habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Katholik. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ So hat es nach Kriegsende der protestantische Pastor Martin Niemöller, von 1937 bis 1945 im KZ inhaftiert, treffend formuliert. Weiterlesen

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„Die Hölle der Deportierten begann in Nürnberg“ – „Organisationsanweisung zur Durchführung der Juden-Evakuierung am 29. 11. 1941“ – Ein grausames bürokratisches Dokument

W. St. – Im Monatsbericht des Regierungspräsidenten von Ober- und Mittelfranken vom 7. Dezember 1941 heißt es: „Im Zuge der Juden-Evakuierungsaktion ging am 29. November ein Sonderzug mit 1001 Juden und neun Kindern nach Riga ab. Vermutlich aus Furcht vor der bevorstehenden Evakuierung haben drei Jüdinnen Selbstmord verübt.“ Für den Transport vom 29. November 1941 nach Riga wurden zuvor Juden aus ganz Franken in das Sammellager Nürnberg-Langwasser geschafft. In einer „Organisationsanweisung“ hatte die Staatspolizeistelle Nürnberg-Fürth bereits am 11. November eine genaue Planung aufgestellt, die auch die Zahl der zu Deportierenden aus den einzelnen Regionen und die für sie vorgesehenen „Evakuierungsnummern“ festlegten. Demnach sollten je 200 Menschen aus Oberfranken (Nr. 1 – 46 Bayreuth, 47 – 175 Bamberg, 176-200 Coburg) und Mainfranken (Nr. 201 – 400 Würzburg) sowie 600 Menschen aus Mittelfranken (Nr. 401 – 500 Fürth und Mittelfranken-Land, 501 – 1000 Nürnberg) deportiert werden. Weiterlesen

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Juden-Deportationen aus Franken (I): Neben SS, Gestapo und Reichsbahn waren auch Finanzämter, Amtsgerichte und Stadtverwaltungen beteiligt, denen der Zweck nicht verborgen blieb

Juden werden in Würzburg zum Bahnhof geführt (3. Deportation, April 1942)

Juden werden in Würzburg zum Bahnhof geführt (3. Deportation, April 1942)

Von PD Dr. Edith Raim

Von 1941 bis 1943 wurden in sieben Deportationen insgesamt 4754 Juden aus Franken. Ihre Leben endeten in den Erschießungsgruben in Lettland und in den Vernichtungslagern Sobibor, in Auschwitz-Birkenau und in Stutthof. Weniger als 100 Menschen überlebten die Verschleppungen. Der Historiker Raul Hilberg hat die Geschichte des Antisemitismus und Holocaust einmal in wenigen Worten zusammengefasst:

„Die Missionare des Christentums erklärten einst: Ihr habt kein Recht, als Juden unter uns zu leben. Die nachfolgenden weltlichen Herrscher verkündeten: Ihr habt kein Recht unter uns zu leben. Die deutschen Nazis schließlich verfügten: Ihr habt kein Recht zu leben.“

Die Deportationen stellen genau die Schnittstelle zwischen der herkömmlichen Verfolgung der Juden und dem nationalsozialistischen Schritt in den Massenmord dar. Weiterlesen

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Juden-Deportationen aus Franken (II): Anklagen und Prozesse gegen Beteiligte nach dem Krieg – Da „Befehlsempfänger“ mit fehlendem Unrechtsbewusstsein: Freisprüche

Prozess gegen Dr. Benno Martin vor dem Schwurgericht Nürnberg; Nordbayerische Zeitung vom 17. Mai 1951

Prozess gegen Dr. Benno Martin u. a. in Nürnberg; Bericht der Nordbayerischen Zeitung vom 17. Mai 1951

Von PD Dr. Edith Raim

Kurz nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen in Würzburg begannen die Ermittlungen bezüglich der Deportation der Juden aus Franken. Da es sich bei den Opfern um deutsche Staatsangehörige handelte, war nicht ein amerikanisches Militärgericht zuständig, sondern die deutschen Staatsanwaltschaften des betreffenden Gerichtsbezirks, für Franken insbesondere Würzburg und Nürnberg-Fürth. Erleichtert wurden die Recherchen durch die Tatsache, dass – anders als bei den weitaus meisten Staatspolizeidienststellen im Reich – die Akten der Staatspolizei-Außendienststelle Würzburg nicht vernichtet worden waren. Weiterlesen

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Flucht aus den Todeszügen: Ein bislang unbekanntes Kapitel jüdischen Widerstands – Polizist erschoss flüchtenden Juden und blieb in der Bundesrepublik unbehelligt

Deportationszug nach Auschwitz

Deportationszug nach Auschwitz

Vorbemerkung: Die Rothenburger Juden, die bereits vor der so genannten Reichspogromnacht aus der Touristen-Perle ob der Tauber vertrieben wurden und zuletzt woanders unterkommen mussten, wurden von ihren unterschiedlichen Wohnorten mit den so genannten Todeszügen in die Ghettos und Konzentrationslager im Osten transportiert. Dort wurden die meisten ermordet. Darüber wird in anderen Artikeln dieser Online-Dokumentation ausführlich berichtet (siehe Inhaltsverzeichnis unter Jüdisches Leben und Leiden). Weiterlesen

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