Kirchen ab 1933: Zustimmung und Ablehnung der Geistlichen und Gläubigen – Rothenburgs Dekan Jelden grüßte die Fahne nicht und sollte verhaftet werden

Hitler umgarnte die Gläubigen mit Sprüchen

Hitler umgarnte die Gläubigen mit Sprüchen

Von Wolf Stegemann

Schon in den 1920er-Jahren hielt der evangelische Stadtpfarrer in Rothenburg nationalsozialistische und antisemitische Reden, wie der „Fränkische Anzeiger“ am 3. April 1924 berichtet. Pfarrer Fabri sagte wörtlich: „Wir erheben Anklage gegen das Judentum, nicht wie die, welche im blinden Hass gegen die Juden eifern. Das Judentum hat viel Schuld an dem Elend der Gegenwart in unserem Volk…“ Im Fränkischen brauchten die Nazis evangelische Pfarrer in den Städten und auf dem Land nicht von ihren nationalsozialistischen und antisemitischen Ideen überzeugen. Pfarrer waren Meinungsführer vor allem der  ländlichen und kleinstädtischen Bevölkerung. Viele der evangelischen Pfarrer waren bereits Nationalsozialisten. Andere, die sich von der NSDAP fernhielten, begrüßten aus ihrer konservativen und undemokratischen Überzeugung heraus den Nationalsozialismus. Zwei von denen, der sich schon früh zum Nationalsozialismus bekannten, waren der Rothenburger Stadtpfarrer Fabri und sein Vorgänger Dr. Martin Weigel. Auch in Wildenholz bei Rothenburg machte der dortige evangelische Pfarrer Seiler von sich reden, als er auf Einladung der NSDAP in einem Vortrag über „Rasse und Christentum in unserem Volk“ in Rothenburg sprach (FA 19. September 1933).

Martin Luthers Obrigkeitsverständns beeinflusste viele Geistliche im Dritten Reich

Martin Luthers Obrigkeitsverständns beeinflusste viele Geistliche im Dritten Reich

Mit Luthers Gebot sich nicht der Obrigkeit widersetzt

Die theologischen Ursachen für diese Einstellung waren unter anderem in der einseitige Bibelinterpretation und die so genannte Zwei-Reiche-Lehre Luthers zu finden: In Römer 13,1 hieß es: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet. Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt der Anordnung Gottes.“ Mit diesen Sätzen verbot sich jeder Widerstand gegen die Staatsgewalt, auch eines Unrechtsstaats. Auf diese Weise versagte die evangelische Kirche bei der ihr vom Evangelium aufgetragene Menschlichkeit.

Nach dem Reichskokordat begrüßte die katholische Kirche das neue Reich

Nach dem Reichskonkordat begrüßten die Kirche das neue Reich

Das neue Reich 1934 begrüßt

Das NS-Regime bemühte sich sehr, neben allen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens auch das Religiöse mit ihrer Ideologie zu durchdringen. Die beiden großen christlichen Kirchen sahen sich ab Frühjahr 1933 daher in Auseinandersetzungen mit dem NS-Regime verstrickt und dem Versuch der Gleichschaltung ausgesetzt. Hitler war sich jedoch durchaus bewusst, dass die Etablierung seines NS-Regimes nicht gegen den massiven Widerstand der Kirchen zu erreichen war. 1933 gehörten immerhin 62,7 Prozent der Deutschen der protestantischen und 32,5 Prozent der katholischen Kirche an; zusammen 95,2 Prozent. Die antichristliche Weltanschauung des Nationalsozialismus und taktische Züge bestimmten daher eine widersprüchliche und uneinheitliche NS-Kirchenpolitik in den ersten Jahren. Langfristiges Ziel blieb aber die Eindämmung des gesellschaftlichen Einflusses der Kirchen, deren evangelische Landesbischöfe und katholischen Bischöfe, letztere wegen des vermeintlich positiven Reichskonkordats, das neue Reich durchaus begrüßten. „Mit stolzen Schritt sind wir Katholiken in das neue Reich eingetreten …“ hieß es in den Neujahrspredigten 1934. Katholische Geistliche standen in der Regel dem Nationalsozialismus ablehnender gegenüber als ihre evangelischen Brüder, die für nationalsozialistische Ideologien durchaus ansprechbar waren, vor allem im überwiegend evangelischen Franken.

Reichsbischof L. Müller (MItte); Foto: Nordelbisches Kirchenarchiv

Reichsbischof L. Müller (MItte); Foto: Nordelbisches Kirchenarchiv

Reichsbischof Müller führte die „Deutsche Christen“ als NS-Reichskirche  

Die protestantische Kirche war inhaltlich wie organisatorisch zersplittert. Die 28 Landeskirchen waren im Deutschen Evangelischen Kirchenbund nur locker zusammengeschlossen. Die nationalsozialistische Machtübernahme wurde zunächst überwiegend positiv aufgenommen. Bereits ab 1932 existierte die „Glaubensbewegung Deutsche Christen“. Diese Vereinigung protestantischer Nationalsozialisten hatte bei den Synodalwahlen in der Altpreußischen Union, der größten evangelischen Landeskirche, im September 1932 fast ein Drittel der Stimmen erhalten. Die Gleichschaltung der protestantischen Kirche von innen heraus schien der NS-Führung daher möglich. Nach massiver Propaganda gewannen am 23. Juli 1933 die „Deutschen Christen“ die Kirchenwahlen in der neu geschaffenen einheitlichen Reichskirche und stellten damit die Bischöfe in fast allen evangelischen Landeskirchen. Am 27. September wurde Hitlers „Bevollmächtigter für die Angelegenheiten der Evangelischen Kirche“, Ludwig Müller (1883-1945), Reichsbischof. Für die Reichskirche strebte er die Einführung des Führerprinzips an und überführte im Dezember 1933 die evangelischen Jugendverbände in die Hitlerjugend und sorgte reichsweit für eine „christlich-ideologische Kirchenpropaganda, nach der Jesus eng mit dem Nationalsozialismus in Einklang zu bringen sei.

Sonderbriefmarke 1984 zum Jahrestag der "Theologischen Erklärung" Barmen

Sonderbriefmarke 1984 zum Jahrestag der “Theologischen Erklärung” Barmen

Widerstandbewegungen in der evangelischen Kirche

Bereits am 5. September hatte die Altpreußische Union den für Beamte geltenden „Arierparagrafen“ auch für protestantische Geistliche eingeführt. Die Deutschen Christen forderten nun seine Einführung in der gesamten Reichskirche und verwarfen gleichzeitig das Alte Testament als „jüdisch“. Gegen diese Anschauungen richtete sich der Protest vieler Kirchenmitglieder. Im September 1933 rief deshalb der Pfarrer Martin Niemöller den gegen die Deutschen Christen gerichteten Pfarrernotbund ins Leben. Das Programm der Deutschen Christen und die Befürwortung des „Arierparagrafen“ sah er als Verfälschung der christlichen Lehre an. Der Pfarrernotbund wurde zu einer der wichtigsten Wurzeln der Bekennenden Kirche, die sich ab 1934 formierte. Die Bekennende Kirche verstand sich als „rechtmäßige evangelische Kirche“ in Deutschland und berief sich auf ein „kirchliches Notrecht“. Mit ihrer offenen Gehorsamsaufkündigung gegenüber Reichsbischof Müller scheiterte der Versuch der Nationalsozialisten, die evangelische Kirche zur Reichskirche gleichzuschalten.

Die Verfolgung der „Bekennenden Kirche“ nahm zu

Als politischen Widerstand begriff die Bekennende Kirche ihre Tätigkeit zunächst aber nicht. Der Versuch der Selbstbehauptung und die Artikulation abweichender Meinungen reichte jedoch aus, um vom NS-Regime als staatsfeindlich klassifiziert zu werden. Die Verfolgung der Bekennenden Kirche nahm zu, als im August 1936 eine Denkschrift an Hitler öffentlich wurde, in der sie die Existenz von Konzentrationslagern angeprangerte und die „nationalsozialistische Weltanschauung“ verwarf.

St. Jakobskirche in Rothenburg ob der Tauber

St. Jakobskirche in Rothenburg ob der Tauber

Rothenburgs Dekan Jelden sollte verhaftet werden

Der Rothenburger Dekan Jelden schrieb Tagebuch. Darin berichtet er auch über die Judenhetze, Vertreibung der Juden und die Zerstörung ihrer Wohnungen 1938. Er berichtet aber auch über die permanente Bedrohung seiner Person als Kirchenmann durch die Rothenburger NSDAP-Führer. Man wollte ihn mehrmals verhaften. Jelden schrieb:

 „Als die Synagoge in der Herrngasse 1938 zerstört durch SA-Männer wurde, wurde der Plan gemacht, an diesem Tag auch mich als den Pfarramtsführer und Dekan zu erledigen. Es war Donnerstag, da abends in der Franziskanerkirche der Wochengottesdienst war, den ich zu halten hatte. Die Frau eines SA Mannes offenbarte mir den Plan. Der Fackelzug sollte beim V.U.-Läuten die Herrngasse herunter ziehen und an der Franziskanerkirche beim Schluss des Gottesdienstes sein. Es sollte zweierlei vorgesehen werden. Kommt der Pfarrer nicht heraus, dann aus Verachtung der Fahnen u. Partei; kommt er heraus, wird er angeklagt, dass er die Fahne nicht gegrüßt hat. Ich ging […] an der Kirche entlang mit Gemeindegliedern (Diakonissen z. B.) da kam der Adjutant des Kreisleiters und schrie: Sie haben die Fahne nicht gegrüßt. Ich laut dagegen: Ich habe gegrüßt! Was die Gemeindeglieder bestätigten. Lt. Aussage eines SA Mannes hat der Kreisleiter auf diese Meldung hin erwidert: Er darf sie nicht gegrüßt haben. Als die Fackeln am Schluss auf dem Kirchhof zusammen geworfen wurden, hielt der Kreisleiter eine Hetzrede zu meiner Verhaftung in dieser Nacht. Diese Meldung wurde mir gemacht und ich wartete darauf […] es erfolgte nichts. Warum? Es sei ein großer Zwiespalt darüber entstanden und Erregung.

Ein andermal war ein Umzug vieler Partei-Organisationen durch die Stadt beschlossen worden: Ziehen vor Pfarrhaus, Einwerfen der Fenster, Verhaftung. Ich hörte die Musik kommen, stand wartend im Zimmer, da bog der Zug plötzlich ab in die Klingengasse, die innere Spannung löste sich in Befreiung: Ich war gerettet! Warum? Es sei kurz vorher bei einer großen Versammlung von einer auswärtigen Persönlichkeit davon abgeraten worden.“

Kirche in Geslau heute

Kirche in Geslau heute

Mutige Predigten auch in den Landgemeinden

Diese Tagebucheintragung zeigt, dass es in Rothenburg eine anhaltende Auseinandersetzung zwischen Partei und Kirche gegeben hat. Beispielsweise versuchte die NSDAP die gemeinschaftlichen Andachten im Krankenhaus zu verbieten – jedoch ohne Erfolg, Gottesdienste wurden gestört, 1938 wurde den Lehrern an den Schulen der Religionsunterricht entzogen, was zu einer vorübergehenden Erregung, so stellte es der Kreisleiter Erich Höllfritsch in einem Schreiben fest, in der meist nationalsozialistischen Bevölkerung führte. Der NSDAP-Kreispropagandaleiter musste in einem Schreiben an die Kreisleitung am 22. April 1943 eingestehen, dass in Rothenburg ob der Tauber „unter den Zuhörerinnen eine ganze Reihe von BDM-Führerinnen waren, so dass ich leider zu dem Schluss kommen musste, dass die BDM-Arbeit dieser kirchlichen Beeinflussung versagt“. Gemeint war damit ein evangelischer Gottesdienst.

In einer Predigt am 20. Dezember 1943 kritisierte der evangelische Gemeindepfarrer  von Frommetsfelden, dass die Jugend von Nationalsozialismus bewusst von „der Kirche und damit von Jesus Christus weggeführt“ und dadurch das Familienleben zerstört werde. „Was aus einem Volk ohne Kirche und Jesus hervorgeht, das sieht man jetzt schon und die Früchte werden nicht ausbleiben.“ In Geslau beschwerte sich der NSDAP-Ortsgruppenleiter Hans Schwab am 16. Januar 1944, dass Pfarrer Hahn  in seinen Predigten stets das Volk der Juden in den Vordergrund stelle und es als das auserwählte Volk hervorhebe und dass nur von diesem Volk „ein Heil zu erwarten“ sei. Über  eventuelle Folgen dieser mutigen Aussagen ist nichts bekannt.

Nach dem Reichskonkordat grüßen alle mit "Heil Hitler!" (li. Minister Göring)

Nach dem Reichskonkordat grüßen alle mit “Heil Hitler!” (li. Minister Goebbels)

Reichskonkordat brachte das Ende des politischen Katholizismus

Die katholische Kirche war von ihrer Struktur und die Gläubigen einschließlich ihrer Geistlichkeit von einer größeren Gehorsamspflicht gegenüber ihrer hierarchisch ausgeprägten Kirche für den Nationalsozialismus allgemein nicht so anfällig wie die evangelische Kirche. In den Jahren 1930 bis 1933 war die katholische Kirche in Deutschland vielfach als Kritikerin des Nationalsozialismus aufgetreten. Nachdem sich jedoch Hitler mehrmals kirchenfreundlich äußerte und in seiner Regierungserklärung am 23. März 1933 die beiden großen christlichen Kirchen als „wichtigste Faktoren zur Erhaltung unseres Volkstums“ bezeichneten, relativierte die katholische Kirche ihre bisherige Kritik. Ihr Ziel war nun die rechtliche Sicherung ihrer institutionellen Sonderrechte. Im April 1933 ging von der deutschen Regierung die Initiative zu einem Reichskonkordat mit dem Vatikan aus, das am 20. Juli unterzeichnet wurde. Das Konkordat beinhaltete das Ende des politischen Katholizismus, garantierte der katholischen Kirche aber institutionelle Selbstverwaltung, das Fortbestehen der katholischen Bekenntnisschulen und die Freiheit des Bekenntnisses sowie seiner öffentlichen Verbreitung. Bereits im Herbst 1933 stellte der Episkopat jedoch fest, dass das NS-Regime das Konkordat fortwährend brach. Ab 1935 wurden in einer Verleumdungskampagne zahlreiche katholische Geistliche wegen angeblicher Sittlichkeits- und Devisenvergehen angeklagt und verfolgt, Eingaben des Episkopats blieben ohne Erfolg. Daraufhin erschien 1937 die päpstliche Enzyklika „Mit brennender Sorge“, in der Papst Pius XI. (1857-1939) die Konkordatsbrüche anklagte. Nach der Verlesung der Enzyklika von den Kanzeln erreichten die Verfolgungen von katholischen Geistlichen in Deutschland einen Höhepunkt. Zahlreiche Verfolgte flohen ins Ausland.

Die Rothenburger St. Johanniskirche

Die Rothenburger St. Johanniskirche

Haus des katholischen Stadtpfarrers nach Waffen durchsucht

Pfarrer Wolfgang Müller von der Rothenburger katholische St. Johannisgemeinde spürte in seiner Gemeinde den starken Gegenwind des NS-Regimes. Entgegen den Abmachungen, die im Konkordat zwischen Staat und Kirche 1933 getroffen worden waren, stellte die katholische Gemeinde in Rothenburg immer stärkere Ein- und Angriffe des NS-Staats gegen die katholische Kirche fest wie die Agitation gegen die Bekenntnisschule, Entfernung der Kreuze aus den Schulen, die Behinderung und Auflösung der katholische Vereine und Verbände. Schon 1933 wurden das Gemeindehaus und die Wohnung des Pfarrers nach Waffen durchsucht, der Pfarrer bei kleinsten Anlässen verhört, ihm – wie allen Geistlichen beider Konfessionen – Lehrverbot an Mittel- und Volksschulen erteilt. Pfarrer Wolfgang Müller schrieb daher an das Erzbischöfliche Ordinariat in München am 18. August 1935 (Auszug):

„Bisher waren wir der Auffassung, dass die rein religiösen Vereine dem Tagesstreit entrückt seien, dass Marianische Kongregation, Apostolate u. dgl. Durch das Konkordat geschützt seien. Nun werden sogar Kirchenchöre als konfessionelle Vereine betrachtet

Teilweise erfolgreicher Widerstand gegen die „Euthanasie“

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 strebte das NS-Regime einen „Burgfrieden“ mit den Kirchen an. Die Verfolgung von Geistlichen nahm daher ab. Allerdings wurden sowohl die kirchliche Publizistik als auch die Militärseelsorge in erheblichem Maße behindert. Mit Kriegsbeginn begann im Deutschen Reich auch der Mord an unheilbar Kranken und Behinderten. Die „Euthanasie“-Aktionen waren Gegenstand kirchlichen Protestes. Nach Predigten des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen im Sommer 1941 nahmen Proteste in der Bevölkerung derart zu, dass die Mordaktionen offiziell gestoppt, heimlich jedoch weitergeführt wurden. Zum Beispiel hat man vor Jahren in  der Ansbacher  „Heil- und Pflegeanstalt“, wie sie im Dritten Reich hieß, Karteien der Patienten gefunden, die man ermordet hatte. Zur Verfolgung der Juden schwiegen die Kirchen zu lange. Weder zu den „Nürnberger Gesetzen“ von 1935, noch zum Pogrom vom 9. November 1938 äußerten die Amtskirchen sich öffentlich. Der oben erwähnte Rothenburger Dekan Jelden schrieb in sein Tagebuch:

„Nachdem schon längere Zeit besonders auch durch Bilder und Worte an den Toren gegen die Juden gehetzt wurde, wurde am 9. November* gegen die jüdischen Familien und Häuser vorgegangen. […] Schließlich wurden in den Häusern allerlei Zerstörungen vorgenommen, Hausrat zerschlagen und die Juden heraus getrieben. Das Vorgehen wurde durch einen großen Fackelzug als Feier zur Befreiung von den Juden besonders verherrlicht. Das Ganze bekam auch eine besondere Note durch geplantes Vorgehen gegen Kirche und kirchliche Leitung und offenbarte die Gesinnung und Haltung führender Politiker.“ (* Das Datum, das Jelden hier in dem Tagebucheintrag nach 1945 nennt ist falsch. Die Vertreibungen geschahen schon am 22. Oktober.)

Auch nach Beginn der Deportationen deutscher Juden in die Vernichtungslager im Oktober 1941 kam es zu keinem ähnlichen Protest wie gegen die „Euthanasie“. Nur indirekt verurteilten die katholischen Bischöfe in Kanzelworten und mit der Verlesung eines „Menschenrechtshirtenbriefs“ im März 1942 den NS-Völkermord. Einzelne Christen, die den Verfolgten zu helfen versuchten, bezahlten ihr Engagement aus Nächstenliebe zumeist mit der Einlieferung in ein KZ und wie der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg häufig mit dem Leben.

Gesetz gegen die Ernsten Bibelforscher (Zeugen Jehovas)

Gesetz gegen die Ernsten Bibelforscher (Zeugen Jehovas) bon 2933

Schuldbekenntnisse der beiden Kirchen nach 1945

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erkannten die katholischen Bischöfe in einem Hirtenwort vom 23. August 1945 die Mitschuld der katholischen Kirche an den Verbrechen des Nationalsozialismus an. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland veröffentlichte am 18./19. Oktober 1945 das so genannte „Stuttgarter Schuldbekenntnis“. Neben den  beiden großen Kirchen existierten in Deutschland zahlreiche Freikirchen. Besonders unter den nationalsozialistischen Verfolgungen hatten die etwa 25.000 Zeugen Jehovas (Ernste Bibelforscher) zu leiden, die nicht nur den „Hitlergruß“, sondern auch den Kriegsdienst verweigerten. Nahezu 10.000 Zeugen Jehovas wurden als eigene Häftlingsgemeinschaft zeitweise in Konzentrationslagern inhaftiert, wo rund 1.200 von ihnen starben.

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Hinweis: Siehe zum Thema passende Artikel in dieser Dokumentation: „Pfarrer Dr. Martin Weigel: In Rothenburg ein verdienstvoller Chronist und Heimatforscher, in Nürnberg Diener der Nazis…“; Thomas Breit – ein fränkischer Oberkirchenrat…“, „Katholische Gemeinde St. Johannis: Pfarrer Wolfgang Müller war den üblichen Drangsalen der NS-Behörden ausgesetzt…“, „Reichskonkordat vom 20. Juli 1933…“ – Quellen: Staatsarchiv Nürnberg (StAN), Rep. 503-7, NSDAP Kreisleitung Rothenburg o. d. T. – StAN, Rep. 503-6 NSDAP Kreisleitung Rothenburg o. d. T. – Kurt  Meier: „Evangelische Kirche und ,Endlösung der Judenfrage’ in: „Kirche und Nationalsozialismus“, hgg.. von Wolfgang Stegemann (Kohlhammer 1990). – Text stellenweise entnommen und gekürzt: Hans-Peter Hübner: „Evangelische Kirche (19./20. Jahrhundert)“, in: Historisches Lexikon Bayern (www.historisches-lexikon-bayerns.de). Deutsches Historisches Museum, Onlinetext zu Kirchen im Nationalsozialismus (cp).

 

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