Chronologie I: 1920 bis 1932 – Der nationalsozialistische Weg war vorgezeichnet

Heinrich Himmler 1929 in Rothenburg am Rathaus

SS-Führer Heinrich Himmler (Mitte) 1929 am Rothenburger Rathaus

Vor der Machtübernahme

24. Februar 1920: Erste Großveranstaltung der in NSDAP umbenannte Deutsche Arbeiterpartei (DAP) mit 2.000 Besuchern in München. Hitler verkündet das 25-Pukte-Programm der Partei.

31. März 1920: Adolf Hitler wird aus der Reichswehr entlassen.

4. August 1920: Jüdische Häuser in Rothenburg werden mit Teerfarbe beschmiert.

17. Dezember 1920: Hitler kauft mit Hilfe aus privaten Reichswehrkreisen (von Epp) den „Völkischen Beobachter“.

Novemberputsch in München 1923 mit Himmler an einer Straßensperre

Novemberputsch in München 1923 mit Himmler (Fahne) an einer Straßensperre

7. April 1921: Erste Mitgliederversamlung der NSDAP in Rothenburg. Doe Ortsgruppe löste sich nach wenigen Monaten wieder auf. Grund: Mangelnde Mitgliederschaft. Am 2. September 1923 kam es zur Neugründung.

11. Juli 1921: Hitler tritt aus der NSDAP aus, weil die Partei ihren Schwerpunkt auf interne Programmdiskussion verlagern will und nicht auf die Hitler verlangte Massenagitation. Dauafhin wählt am 29. Juli eine außerordentliche Mitgliederversammlung Hitler zum Vorsitzenden der Partei.

27./29. Januar 1923: 1. Reichparteitag der NSDAP in München. Mitgliederzahl der Partei 20.000.

"Deutscher Tag" in Nürnberg 1923

“Deutscher Tag” in Nürnberg 1923

1./2. September 1923: „Deutscher Tag“ in Nürnberg mit  50.000 Anhängern rechter Kampfverbände, daunter 9.000 Nationalsozialisten.

2. September 1923: Neugründung der Rothenburger NSDAP-Ortsgruppe, die allerding an desolatem Zustand litt und sich wieder auflöste. Nachfolgepartei war die Deutsche Arbeiterpartei (DAP), aus der dann wieder die NSDAP Hitlers wurde. Endgültige Ortsgruppengründung in Rothenburg 1927.

9. November 1923: Zielloser Demonstrationszug der NSDAP in München, der an der Feldherrnhalle von der Polizei gestoppt wird. HItler und andere werden verhaftet, die NSDAP (Mitglieder 50.000), der „Völkische Beobachter“, die SA und der Kampfbund verboten.

19. Dezember 1923: Versammlung der „Reichsflagge“. Die antisemitische Rednerin Andrea Ellendt hetzt gegen Juden.

26. Februar 1924: Beginn des Hochverratsprozesses gegen Hitler. Ludendorff und andere in München; Freispruch für Ludendorff, je fünf Jahre Festungshaft für Hitler und drei weitere Angeklagte, je 15 Monate für Röhm, Wilhelm Frick und andere am 1. April.

20. Dezember 1924: Adolf Hitler wird aus der Festungshaft Landsberg entlassen.

1925: Gründung der Rothenburger NSDAP-Ortsgruppe. Sie wird 1926 wegen „Satzungsverstoßes und Interesselosigkeit“ wieder aufgelöst und 1927 neu gegründet.

9. März 1925: Die bayer. Regierung verhängt ein öffentliches Redeverbot gegen Hitler (bis 5. März 1927), dem sich mehrere Länder anschließen (Preußen bis Sept. 1928).

26. April 1925: Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg wird Nachfolger des verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich Ebert (SPD).

Hochverratsprozess gegen Hitler und andere 1924

Hochverratsprozess gegen Hitler und andere 1924

Herbst 1925: Hitler reist durch Franken und hält Reden: 5. August Bamberg, 3. September Ansbach, 19./20. September Fürth, 11. Oktober Würzburg, 3. Dezember Nürnberg.

9. November 1925: Gründung der SS (Schutzstaffel) zum Schutz der Parteiführerschaft.

Januar 1926: Wilhelm Stegmann gründet die Schillingsfürster NSDAP-Ortsgruppe.

1. August 1926: Die frühere Rothenburger Stadtpfarrer und Heimatforscher Dr. Martin Weigel (Stadtchronik), danach Pfarrer in Nürnberg, weiht vor rund 300 SA- und SS-Mämmern deren Hakenkreuzfahnen und gibt ihnen den christlichen Segen. Weigel gehört seit 1925 der NSDAP an.

5. Mai 1927: Gründung der NSDAP-Ortsgruppe Oestheim.Es folgten die Ortsgruppengründungen in Insingen, Diebach, Wettringen.

19. August 1927: Erster NSDAP-Parteitag in Nürnberg. 47 Sonderzügen und zahlreiche Lastwagen mit SA- umd SS-Männern fahren in die fränkische Metropole. Aus dem „Faschisten-Gruß“ wurde der „Hitler-Gruß“.

16. September 1927: Adolf Hitler erstmals in Rothenburg. Während seines Aufenthalts trägt er sich in das Gästebuch eines hiesigen Hotels ein. Dieser Eintrag wurde erst zehn Jahre später entdeckt.

17. November 1927: Neugründung der Rothenburger NSDAP-Ortsgruppe.

1. Juli 1928: Gründung der Rothenburger SA.

25. November 1928: Fahnenweihe der SA durch Pfarrer Sauerteig aus Ansbach.

8. März 1929: Heinrich Himmler (SS) spricht in Rothenburg ob der Tauber. Zwei Tage später spricht er in Geslau.

12. April 1929: So genannte „Bärenschlacht“ in Rothenburg. Nationalsozialisten stören eine SPD-Wahlveranstaltung im Hotel „Bären“. Es kommt zu einer Schlägerei, die Schlagzeilen macht und ein gerichtliches Nachspiel hat.

23. Juni 1929: Erste kommunale NSDAP-Mehrheit im Stadtrat von Coburg.

Rothenburger SA vor 1933 (Jahr und Namen nicht bekennt); Foto: FA

Rothenburger SA vor 1933 (Jahr und Namen nicht bekennt); Foto:  entnommen Fränkischer Anzeiger

1. bis 4. August 1929: NSDAP-Parteitag in Nürnberg. 40 Sonderzüge und Lastkraftwagen bringen 40.000 Parteigenossen und 23.000 SA- und SS-Männer nach Nürnberg, darunter 1.100 von der Hitlerjugend.

21./22. September 1929: Große nationalsozialistische Kundgebung in Rothenburg ob der Tauber im Evangelischen Vereinshaus mit Weihe der Hakenkreuzfahnen durch Pg. Pfarrer Sauerteig (Ansbach).

12. Oktober 1929: Aufstellung der Rothenburger SS durch Karl Kitzinger aus Gebsattel

1930: Vermehrter Eintritt Rothenburger Männer in die SA.

14. September 1930: Bei der Reichstagswahl verneunfacht die NSDAP die Zahl ihrer Mandate gegenüber 1928 auf 107.  Im Reichstag keine Mehrheitsbildung möglich. In der Stadt udn im Bezirk Rothenburg erhielt die NSDAP mit 5.321 Stimmen die Mehrheit.

Dezember 1930: 16 öffentliche Veranstaltungen der NSDAP in Rothenburg.

5. Januar 1931: Ernst Röhm wird Stabschef der SA (Gesamtstärke 77.000).

10. Februar 1931: Erklärung der bayerischen BIschöfe gegen den Nationalsozialismus. Im März ähnliche Warnungen auch in anderen Kirchenprovinzen.

5. Juli 1931: Erste größere Massenveranstaltung der NSDAP mit Ludwig Siebert in Rothenburg. 2.000 Teilnehmer.

8. Dezember 1931: Einführung der „Reichsfluchtsteuer“ („4. Verordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen zum Schutze des inneren Friedens“): Bei einer Emigration müssen 25 Prozent aller Vermögen über 200.000 Reichsmark an den Staat abgegeben werden. Diese Steuer wurde unter den Nationalsozialisten zu einem Instrument des systematischen Vermögensentzugs auswandernder Juden ausgebildet.

Reichspräsident Paul vin Hindenburg

Reichspräsident Paul vin Hindenburg

1932 – Rothenburg schon tiefbraun gefärbt

Januar: Gründung der NSDAP-Ortsgruppen in Binzwangen udn Leuzenbronn.

Februar: Gründung der NSDAP-Ortsgruppe in Reichardsroth

25. Februar: Durch Ernennung zum Regierungsrat bei der braunschweigischen Gesandtschaft in Berlin wird Hitler deutscher Staatsbürger.

April: Gründung der NSDAP-Ortsgruppe Hohlach.

10. April: Bei der Reichspräsidentenwahl verfehlt der u. a. von den demokratischen Parteien unterstützte Hindenburg die notwendige absolute Mehrheit nur knapp (49,6 %). Hitler erhält 30,1 %, Düsterberg 6,8 %, Thälmann (KPD) 13,2 %. Im zweiten Wahlgang am 10. April: HIndenburg  53 %, Hitler 36,8 %, Thälmann 10,2 %. – Die Ergebnisse in  Rothenburg für die NSDAP gehörten reichsweit zur Spitze. In der Stadt votierten 53,3 % für Hitler, im Bezirk Rothenburg sogar spektakular 87,5 %.

13. April: Notverordnung zur Sicherung der Staatsautorität verbietet „Privatheer“ SA und SS.

Hitlers Steigbügelhalter von Hindenburg und von Papen tragen ihn zum Erfolg

Hitlers Steigbügelhalter von Hindenburg und von Papen tragen ihn zum Erfolg

1. Juni: Hindenburg ernennt Franz von Papen (bis 3. Juni Zentrum) zum Reichskanzler eines „Kabinetts der nationalen Konzentration“ mit rechtskonservativ-autoritärem, unternehmerfreundlichem Programm. In der Folge wird das Uniform-Verbot für die SA aufgehoben und die von Hitler geforderte Reichstagsneuwahl beschlossen.

13. Juli: Demonstrationszug des Sturmbanns III Rothenburg mit 700 Mann von der Galgengasse zum Marktplatz und weiter zur Dreschhalle, wo sich über 2000 Männer der SA, SS, HJ und anderer Gruppierungen treffen.

1. August: Friedrich Mägerlein wird NSDAP-Kreisleiter in Rothenburg (bis 15. Oktober 1934).

22. August: Der Stadtrat befasst sich in seiner Sitzung mit ständigen Hakenkreuz-Schmierereien an Häusern. Die Polizei soll die „Schmierfinken“ ausfindig machen.

1. Oktober: August Müller von Mörlbach wird neuer Pfarrer an der Hl. Geistkirche.

1. November: Anzeige im FA: „Frl. Babette Hörber ist seit 25 Jahren in den Diensten von der jüdischen Familie Theodor Mann, Adam-Hörber-Straße; diese Tatsache zeugt von einem guten Einvernehmen zwischen Dienstherrschaft und der Hausangestellten, das gerade in der heutigen Zeit besondere Beachtung verdient.“

6. November: Beträchtliche Verluste bei der Reichstagswahl rufen Katastrophenstimmung in der NSDAP hervor.

17. November: Rücktritt des Reichskanzlers Franz von Papen, da die Basis für eine Präsidialregierung der „nationalen Konzentration“ unter seiner Führung zu schmal ist.

23. November: Am „Deutschen Abend“ im Vereinshaus werden zehn Mitglieder der HJ in die SA überführt.

Mitgliederentwicklung der NSDAP: Ende 1925: 27.000; September 1930: 130.000; Januar 1933: 850.000; Mai 1933 (Aufnahmesperre): 2.500.000.

 Diese Chronologie wird nach und nach ergänzt

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Siehe auch:
Chronologie II: 1933 bis 1935 – Legal und mit Rechtsbrüchen wird Deutschland Diktatur
Chronologie III: 1936 bis 1938 – Judenhetze in der Stadt auf dem Höhepunkt
Chronologie IV: 1939 bis 1945 – Im Blutrausch der Vernichtung bis zur Niederlage

 

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